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Landtagswahl 2026: Diese drei Kandidat/innen schicken die Ortenauer Grünen ins Rennen

Landtagswahl 2026: Grüne Ortenau
© Grüne Ortenau
Die Landtagswahl 2026 markiert einen Wendepunkt in Baden-Württemberg: Nach drei Amtszeiten tritt Winfried Kretschmann nicht mehr an – ein Machtwechsel scheint wahrscheinlich. Die CDU mit Manuel Hagel führt deutlich in Umfragen, während Cem Özdemir für die Grünen gegensteuert. In der Ortenau kämpfen nun Bernd Mettenleiter, Sandra Boser und erstmals Maren Seifert aus Offenburg um Direktmandate. Doch wie stehen ihre Chancen in einem sich wandelnden politischen Umfeld?

Von Wolfgang Huber

Mit Winfried Kretschmann kam der Umschwung. Bei der Landtagswahl 2011 hatten die Grünen die jahrzehntelange Regierungszeit der CDU beendet. Der Abstand zwischen den Grünen und der CDU wurde von rund 33 Prozent auf etwa 15 Prozent praktisch halbiert. Kretschmann regierte bis 2016 mit der SPD. Bei der dann anstehenden Wahl zogen die Grünen mit ihrem Landesvater im Express-Tempo an der CDU vorbei und beendeten endgültig die Dominanz der Christdemokraten. Auch 2021 konnte die Öko-Partei dann wiederum ihren Vorsprung vor der CDU noch einmal ausbauen, erreichte 32,6 Prozent und verwies die CDU mit 24,1 Prozent auf Platz zwei. Die einst recht starke Südwest-SPD verlor gleichzeitig mit dem Aufstieg der Grünen massiv an Bedeutung.

Wachablösung in Stuttgart?

Doch nun, im März 2025, stellt sich die Situation anders dar. Winfried Kretschmann tritt nicht mehr an. Der konnte aufgrund seines Wandels zum Ministerpräsidenten der Automobilindustrie noch viele Wähler aus dem konservativen Spektrum überzeugen. Für die meisten Beobachter steht außer Frage, dass es in Stuttgart nach drei Kretschmann-Regierungen bei der Landtagswahl im kommenden Jahr eine erneute Wachablösung geben wird.

Denn die CDU hat mit dem erst 36-jährigen Manuel Hagel einen neuen Hoffnungsträger, um nicht zu sagen, einen regelrechten Shooting-Star an ihrer Spitze. Auch der bekanntere Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir wird es schwer haben, einen Machtwechsel zu verhindern. Er ist zwar prominent und nicht unbeliebt, aber ihm haftet an, Mitglied der Ampel gewesen zu sein, die von der klaren Mehrheit der Deutschen vehement kritisiert wird, um es mal freundlich auszudrücken. Laut einer INSA-Umfrage zur Landtagswahl liegt dann auch die CDU mit 31 Prozent bereits deutlich vor den Grünen mit 20 Prozent. Das scheint schon mehr als eine vorübergehende Stimmung zu sein.

Landtagskandidat/innen nominiert

Gut möglich also, dass die Ortenauer Grünen nach dem 8. März 2026 nicht mehr die führende Rolle einnehmen werden, wie in den vergangenen Jahren. Vor diesem Hintergrund hat die Kreispartei nun ihre Landtagskandidaten aufgestellt. Erneut antreten wird Bernd Mettenleiter im Wahlkreis Kehl. Die Mitglieder gaben ihm mit 100 Prozent Zustimmung einen deutlichen Vertrauensbeweis. 2021 errang der 53-Jährige ein Direktmandat. Das war schon ein kleines Kunststück. War doch sein Kontrahent kein geringerer als der langjährige Oberkircher Bürgermeister und spätere Landesminister und Landtagspräsident Willi Stächele, der seit 1992 die Geschicke im Wahlkreis maßgeblich bestimmt hatte.

„Ich danke den Mitgliedern meiner Partei von Herzen für die Wahl“, freut sich Mettenleiter laut einer Pressemitteilung über die geschlossene Unterstützung. „Der große Zuspruch ist mir ein starker Antrieb, alles zu tun, damit auch in Zukunft der Wahlkreis Kehl eine grüne Stimme im Landtag hat!“ In seiner Rede begnügte sich Mettenleiter demnach aber eher mit Allgemeinplätzen und Grünen-Klassikern: „Mein Herzensthema ist der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Sauberes Wasser, guter Boden und reine Luft sind lebensnotwendig, daher engagiere ich mich mit aller Kraft dafür! Gerade als erfahrenes Mitglied im Umweltausschuss und Biologe wird hier auch in Zukunft meine Expertise gebraucht“.

Kampf gegen invasive Ameisen

Mettenleiter nannte allerdings auch Beispiele für konkrete Projekte, die er auf den Weg gebracht habe. So konnte er nach eigener Aussage ein Forschungsprojekt zur Senkung von Treibhausgasen bei Kläranlagen in den Landeshaushalt hinein verhandeln. Darüber hinaus seien auf seine Initiative hin Gelder für den Kampf gegen invasive Ameisen bereitgestellt worden: „Die Auftaktkonferenz dieses Projektes wird am 11. April – auf meine Vermittlung hin – hier bei uns in der Ortenau sein!“ An mehreren Stellen in der Ortenau – vor allem in Kehl und Schutterwald – schränke das massenhafte Auftreten der Ameisenart Tapinoma magnum die Lebensqualität von Anwohnerinnen und Anwohner ein. Neben Mettenleiter wurde der 35-jährige Kehler Stadtrat Norbert Hense als Zweitkandidat gewählt. Der 35-Jährige sieht es als Aufgabe der Grünen an, die offene Gesellschaft zu verteidigen.

Neu in der Riege der Grünen-Kandidatinnen ist Maren Seifert im Wahlkreis Offenburg. Thomas Marwein trat nicht mehr an, somit war der Weg für die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Partei im Ortenauer Kreistag in Richtung Stuttgart frei. Zuvor ließ sie in der Abstimmung den Kreisvorsitzenden Domenic Preukschas (39) deutlich hinter sich. Sie erhielt mit 70 Prozent ein überzeugendes Votum. Preukschas wurde schließlich zum Zweitkandidaten bestimmt. „Ich danke meinen Unterstützern und Unterstützerinnen sehr herzlich für die Wahl!“ freute sich Maren Seifert über das klare Ergebnis im ersten Wahlgang.

Innere Sicherheit auf dem Schirm

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Offenburger Gemeinderat will „die erfolgreiche Arbeit von Thomas Marwein mit besonderem Fokus auf den Klima- und Umweltschutz fortsetzen.“ Seifert, die mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern im Offenburger Ortsteil Bühl lebt, habe mit der Innen- und Rechtspolitik ein weiteres Herzensanliegen. Angesichts der Gefahren für Demokratie und Rechtsstaat sowie die innere Sicherheit wolle sie ihre Kenntnisse als Juristin in Stuttgart einbringen.

Als drittes Kernthema nannte Seifert der Mitteilung zufolge die Gesundheitspolitik: „Ich bin schon seit 2019 Mitglied im Ausschuss für Gesundheit und Kliniken bzw. seit dem Rechtsformwechsel Verwaltungsrätin des Ortenauklinikums. Daher weiß ich um die Herausforderungen, vor denen die Krankenhäuser heute stehen und möchte mich nun auf Landesebene weiter für eine gute stationäre, aber auch ambulante medizinisches Versorgung einsetzen – in der Stadt und im ländlichen Raum!“

Vielfältige Erfahrungen

Mit ihren zahlreichen Auslandserfahrungen wie unter anderem einem einjährigen Studium europäischen Rechts in Lyon, einer Referendarstation an der Deutschen Botschaft in Paris und ihren früheren Erfahrungen in der grenzüberschreitenden Arbeit als ehemalige Amtsleiterin der Kreispolizeibehörde und Zentralen Bußgeldstelle sei sie ferner auch für eine Tätigkeit im Ausschuss für Europa und Internationales im Landtag geeignet, heißt es weiter. Domenic Preukschas legt seine Schwerpunkte auf bezahlbares Wohnen, öffentliche Strukturen und den ÖPNV im ländlichen Raum.

Im Wahlkreis Lahr/Kinzigtal tritt erneut Sandra Boser an. An der Nominierung der Staatssekretärin im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport dürfte es wenig Zweifel gegeben haben. Die Diplom-Betriebswirtin aus Wolfach ist seit 2007 Mitglied bei den Grünen und war bereits Geschäftsführerin und Kreisvorsitzende ihrer Partei in der Ortenau. Ihr Ersatzkandidat ist der Lahrer Stadtrat Sven Täubert (52).

Sandra Boser mit viel Routine

Boser hat bereits vielfältige berufliche und politische Erfahrung. So ist sie seit 2011 Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg und errang 2021, dem historisch bisher erfolgreichsten Jahr der Südwest-Grünen, wie ihr Kollege Bernd Mettenleiter ein Direktmandat. Von 2011 bis 2021 war Sandra Boser Vorsitzende des Arbeitskreises Bildung und bildungspolitische Sprecherin der Fraktion von Bündnis 90 / Die Grünen. Womit ihre Schwerpunkte auch umrissen sein dürften. Sie sei froh, dass mit dem Bildungspaket Schüler/innen künftig noch besser Unterstützung finden. Bildungschancen will sie in den Mittelpunkt stellen, und zwar bereits in der Kita und der Grundschule, wie auf ihrer Website zu entnehmen ist.

Wie es um die Chance der drei Kandidat/innen steht, ist noch nicht absehbar. Vieles hängt natürlich neben dem Landestrend auch davon ab, wen die anderen Parteien ins Rennen schicken werden. Insbesondere der Wahlkreis Kehl steht nach dem Rückzug von Willi Stächele im Fokus. Hier werden die Karten neu gemischt.

Foto: Elisabeth Schilli (Kreisvorsitzende), Bernd Mettenleiter (Landtagskandidat im Wahlkreis Kehl), Sandra Boser (Wahlkreis Lahr/Kinzigtal), Maren Seifert (Wahlkreis Offenburg), Domenic Preukschas (Kreisvorsitzender).

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