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Arbeitswelt

Arbeitsbedingungen: Mit diesen Maßnahmen können Chefs die „Stille Reserve“ aktivieren

Frau sitzt auf einer Bank im Regen
© Alex_Bon/pixabay
Immer mehr Menschen verzichten freiwillig auf eine Berufstätigkeit, weil sich Arbeit für sie nicht lohnt – sei es aus gesundheitlichen Gründen oder fehlender Vereinbarkeit von Job und Privatleben. Besonders betroffen sind Frauen mit familiären Betreuungspflichten sowie Arbeitnehmer, die schlechte Erfahrungen am Arbeitsplatz gemacht haben. Um diese „Stille Reserve“ wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren, sind unter anderem bessere Arbeitsbedingungen und faire Löhne entscheidend.

Im Jahr 2023 zählte das Statistische Bundesamt etwa 3,2 Millionen Menschen zur sogenannten „Stillen Reserve“. Diese Personen wünschen sich zwar eine Arbeit, suchen jedoch nicht aktiv danach und werden daher nicht als arbeitslos erfasst. Etwa 58 Prozent von ihnen verfügen über eine Berufsausbildung oder ein mittleres bis hohes Qualifikationsniveau, wie der Fachblog arbeitsABC berichtet. Frauen mit familiären Betreuungungspflichten zwischen 25 und 59 Jahren stehen dem Arbeitsmarkt demnach häufig nicht zur Verfügung.

Mangelhafte Arbeitsbedingungen

Doch es gebe noch mehr Gründe, die Menschen davon abhalten, eine Arbeit aufzunehmen, obwohl eine grundlegende Arbeitsbereitschaft eigentlich vorhanden ist. Beispielweise gesundheitliche Belastungen. Zwar würden immer mehr Arbeitgeber auf gesundheitsfreundliche Arbeitsplätze achten, doch tatsächlich gebe es an der Stelle noch deutliche Defizite. So können psychischer Stress, Schlafstörungen oder Erschöpfung aus mangelhaften Arbeitsbedingungen resultieren. Viele, die bereits solche Erfahrungen gemacht haben, würden sich vom Arbeitsmarkt fernhalten.

Ein weiterer Faktor sei die finanzielle Perspektivlosigkeit, insbesondere in prekären Arbeitsverhältnissen. Viele Geringqualifizierte oder Personen mit langen Erwerbsunterbrechungen finden nur schlecht bezahlte Jobs ohne Aufstiegsmöglichkeiten. Gerade im Niedriglohnsektor fehle oft die Aussicht auf eine langfristige Verbesserung der eigenen wirtschaftlichen Situation, sodass sich die Betroffenen resigniert aus dem Arbeitsmarkt zurückziehen würden.

Mangelnde Unterstützung

Neben finanziellen und gesundheitlichen Aspekten seien es auch negative Erfahrungen am Arbeitsplatz, die viele Menschen abschrecken. So können die oft vorkommende Diskriminierung, Mobbing oder sexuelle Belästigung zu erheblichem psychischem Stress führen. Im Falle von mangelnder Unterstützung und Schutzlosigkeit meiden Betroffene oft die Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit.

Arbeitnehmer oder Führungskräfte in Branchen mit hohem Personalmangel, die ihre Kollegen diskriminieren oder mobben, erweisen ihrem Arbeitgeber und der gesamten Belegschaft also einen Bärendienst. Denn wenn ihre Opfer für den Betrieb aufgrund von Krankheit oder Kündigung ausfallen, verschärfen den Personalengpässe und die Belastung für die verbliebenen Mitarbeiter steigen zusätzlich. Davon abgesehen, dass Mobbing einen Straftatbestand darstellen kann.

Verzicht auf Erwerbstätigkeit

Zudem erweise sich laut arbeitsABC die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben oft als schwierig. Viele Menschen, insbesondere ältere Arbeitnehmer oder Personen mit Pflege- und Betreuungsverantwortung, würden auf eine Erwerbstätigkeit verzichten, wenn diese kaum Raum für das eigene Leben lässt. Fehlende Flexibilität und starre Arbeitszeitmodelle sind oft Gründe, dass vielen die freiwillige Abstinenz vom Berufsleben als einzige Lösung erscheint. Doch auch fehlende Weiterentwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven können als Gründe für den Rückzug aus dem Erwerbsleben darstellen.

Um Arbeit im unteren Einkommensbereich attraktiver zu machen als beispielsweise der Bürgergeldbezug, könne die Anhebung des Mindestlohns auf 15 Euro eine Lösung sein. Zwar lässt das Bürgergeld auch nach der Anhebung der Regelsätze im Januar 2023 keinen zufriedenstellenden Lebensstandard zu. Doch Mancher zieht dies einer Arbeitsstelle vor, wenn dort keine fairen Löhne gezahlt werden und durch das Bürgergeld immerhin die Existenz gesichert ist.

Einfacher Wiedereinstieg

Grundsätzlich handele es sich bei der Stillen Reserve um Menschen, die unter besseren Bedingungen durchaus bereit wären, zu arbeiten. Notwendige Maßnahmen, um diese zu aktivieren, sind unkomplizierte Zugänge zu Umschulungen und Weiterbildungen, niedrigschwellige Angebote für den Wiedereinstieg, gesundheitsschonende Arbeitsplätze, faire Löhne sowie flexible und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle. Auch die Gleichstellung von Männern und Frauen muss hier genannt werden.

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bleibe die Arbeitskräftefluktuation in Deutschland hoch, was die Notwendigkeit der genannten Maßnahmen unterstreiche. Vor diesem Hintergrund sei die Mitarbeiterbindung für die Unternehmen eine Herausforderung, die sie ernst nehmen sollten.

Wertschätzender Führungsstil

Die Unternehmenskultur spiele dabei eine entscheidende Rolle. Viele noch berufstätige Arbeitnehmer, stünden kurz davor, den Arbeitsmarkt zu verlassen, da sie mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden seien. Arbeitgeber, die dem wirksam begegnen wollen, etablieren eine wertschätzende Führungskultur und verschaffen sich so einen entscheidenden Vorteil im Kampf um die knappen Arbeits- und Fachkräfte.

Um Menschen für den Arbeitsmarkt zurückzugewinnen, seien eine langfristige und ganzheitliche Konzepte nötig. Flexible, familienfreundliche Arbeitszeitmodelle, gesundheitsbewusste Arbeitsbedingungen, eine faire Bezahlung und eine wertschätzende Unternehmenskultur seien essenziell, um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Ebenso wichtig sind unkomplizierte Möglichkeiten für einen Wiedereinstieg nach einer beruflichen Auszeit. Denn viele Erwerbslose sind nicht grundsätzlich arbeitsscheu, sondern scheitern an den aktuellen Rahmenbedingungen des Arbeitsmarktes.

Wolfgang Huber/ChatGPT

Zum Ausgangsartikel:

arbeitsABC: Freiwillig arbeitslos – Wenn Arbeit sich nicht lohnt

Siehe auch:

Die 7 Mythen über Geld: Wie smarte Vergütung die Mitarbeitermotivation steigert

Dienst nach Vorschrift auf Rekordhoch – Was hinter der Job-Müdigkeit steckt

Bessere Versorgung: Darum ist die 4-Tage-Woche im Klinikum Osnabrück ein voller Erfolg

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