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Eine Weltreise (13): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Reisebericht Christian Huber
© Christian Huber – Ein Drachenfest am Strand von Bali war einer der letzten Eindrücke auf der Reise.
Ein Jahr unterwegs, 18 Länder, tausende Kilometer – und am Ende Indonesien: Für den Ortenauer Christian Huber wurde Bali, Lombok und Java zum letzten Kapitel einer außergewöhnlichen Reise. Vom Fahrradtrip nach Athen bis zu tropischen Inseln führte ihn sein Weg quer über Kontinente. Zwischen Massentourismus, spektakulären Vulkanlandschaften und authentischen Inseln sammelte er Eindrücke, Begegnungen und Erfahrungen – bevor in Jakarta schließlich der Kreis einer einjährigen Weltreise schloss.
Von Christian Huber

Als gebürtiger Ortenauer erfüllte ich mir in einer einjährigen beruflichen Auszeit einen langgehegten Wunsch: Eine lange Reise mit einem großen Anteil Fahrradfahren. Im August 2024 brach ich von meiner Haustür in Frankfurt aus mit dem Fahrrad Richtung Athen auf. Nach genau einem Jahr kam ich am Frankfurter Flughafen aus Jakarta/Indonesien zurück.

Mit dem Rad nach Athen

Dazwischen lag ein spannendes Reise-Jahr, das mich zunächst mit dem Fahrrad durch Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien nach Athen führte. Weiter ging es mit dem Rucksack von Indien aus über Nepal, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia, Singapur, Neuseeland, Australien, Vanuatu und Indonesien.

Indonesien: Bali, Lombok und ein bisschen Java

Indonesien war das 18. und letzte Land der Reise. Das Land hat die viertgrößte Bevölkerung der Welt und ungefähr 6.000 bewohnte Inseln. Drei Wochen auf Bali, Lombok und ein bisschen Java reichten nur für einen kurzen Einblick, zumal sich Bali stark vom Rest des Landes unterscheidet. Über Bali hörte ich von Spiritualität, Räucherstäbchen und Kultur – aber auch von Massentourismus. Von Lombok und Java ließ ich mich überraschen. Ich blieb meiner Linie treu und reiste mit einem groben Plan, aber flexibel. Erst auf Bali nordwärts, dann auf die Gilli-Inseln, die zu Lombok gehören, weiter über die Inseln Nusa Penida und Nusa Lembogan und am Ende in die Hauptstadt Jakarta auf Java. Dort wartete der Rückflug.

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Indonesien: Java, Bali und Lombok (l.) Route durch Bali und Gilli (m.) Sonnenaufgang mit Blick auf Lombok (r.)

Ubud und Amed – Gegensätzliche Orte

Die Inselhauptstadt Denpasar mit dem Party-Strand Kuta ist für eine Nacht okay. Aber das Schönste war die Straße stadtauswärts… und diese kann man lange genießen, weil der Großraum Denpasar für Staus bekannt ist. Als der Kleinbus irgendwann im Grünen ankam, wurde die Landschaft tropisch abwechslungsreich. Die Häuser ebenso: Bali ist hinduistisch und jedes Wohnhaus besitzt einen Tempel. Je höher das Vermögen der Familie, desto größer der Tempel.

Ubud ist das kulturelle Zentrum und liegt inmitten des Regenwalds. Hier ist auch der heilige Affenwald. Die Stadt mit ihrem touristischen Trubel ist ein Ort der Gegensätze: zwischen Touristen-Lawinen und Verkehrsstaus gibt es auch ruhige Kleinode. So wie meine Privatunterkunft – sie sah auf den ersten Blick wie ein Tempel aus und manchmal kamen Touristen mit Kameras herein. Kontraste auch im Umland: die viel gepriesenen „herrlichen“ Reisterrassen Tegallalang erinnerten bestenfalls an eine Landesgartenschau (selten habe ich mehr Kommerz und Klamauk gesehen!). Andererseits waren ganz in der Nähe beschaulich-ruhige Wanderungen durch Wasserfälle und vorbei an echten saftig-grünen Reisfeldern möglich.

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Dorf auf Bali (l.) Straße bei Ubud (m.) Reisfelder irgendwo im Hinterland (r.)

Herausgeputzte Tempelanlagen

Das drei Stunden entfernte Fischerdorf Amed lebt ebenfalls vom Tourismus, aber ohne diesen Massenansturm. Der Ort besteht eigentlich nur aus einer Straße parallel zum Strand; dort flicken Fischer ihre Netze und kleine Restaurants bieten frischen Fisch an. Der Vulkan Gunung Agung (3.142 m) thront majestätisch hinter dem Dorf und ist in Sonnenuntergangs-Farben besonders malerisch. Den Schnorchel-Ausflug im traditionellen kleinen Ausleger-Boot bucht man direkt beim Fischer.

Und im Hinterland gibt es schön herausgeputzte Tempelanlagen. Am berühmten Pura Lempuyang Tempel wäre DAS Bali-Foto möglich gewesen, aber nur mit zwei Stunden Wartezeit – ohne mich dann! Lieber machte ich mit meinem Motorroller ein paar weitere Stopps mit schönen Ausblicken – natürlich über Reisterrassen… Der einheimische Zufallsbekannte malte ein düsteres Bild der Zukunft, weil die Felder bereits von Spekulanten gekauft würden, um Hotels zu bauen.

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Amed, im Hintergrund der Gunung Agung (l.) Amed, Fischerboot, schnorcheln (m.) Lempuyang- Tempel (r.)

Gilli Air und Gilli Travangan – Tourismus pur

Die drei winzigen Gilli Inseln gehören zu Lombok und waren einst ein Geheimtipp. Geheim sind sie längst nicht mehr. Es gibt weiße Strände am türkisblauen Meer – aber 100 Prozent Tourismus und komplett zugebaut! Man kommt wegen der Unterwasserwelt hierher, und um abends dann lecker indonesisch zu essen und Cocktails zu schlürfen. Auf Gilli Travangan kommen noch Open-Air-Discos und Schaumpartys dazu. Gilli Air umrundet man zu Fuß in 30 Minuten und Gilli Travangan mit einem klapprigen Fahrrad in der gleichen Zeit.

Auf die einzige mögliche authentische indonesische Erfahrung jedoch verzichtete ich gerne: für die An- und Abreise wären günstige, alte Fähren möglich gewesen, aber ich nutzte eine moderne und meist ausgebuchte Reederei. Die Schwimmweste unter jedem Sitz ist in Indonesien nicht selbstverständlich.

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Gilli Air, Blick auf Lombok (l.) Frische Kokosmilch auf Gilli Air (m.) Unterwasserwelt auf Gilli Air (r.)

Nusa Penida und Nusa Lembogan: authentische Eindrücke

Die beiden vergleichsweise großen Inseln liegen zwischen Bali und Lombok. Auf der viel größeren Insel Nusa Penida ist der Massentourismus noch nicht angekommen. Am lokalen Markt vor meiner Haustür wurden Gemüse, Fisch und Kampfhähne verkauft und abends gab es Streetfood; die indonesische Küche ist gesund und berühmt!

Vielleicht war der Hotelier nur besorgt, weil es sein eigener Motoroller war. Denn er riet mir, in jeder Kurve zu hupen. Später erweiterte ich die Anweisung eigenmächtig auf „überall-hupen“. Ich legte auch meine Scheu ab, Benzin aus Flaschen zu tanken. Falls ich noch europäische Sicherheitsstandards im Kopf hatte, spätestens auf den kurvigen Bergsträßchen oder auf dem halsbrecherischen, fast senkrechten Fuß-„Pfad“ 150 m hinunter zum Kelingking Beach waren sie weg. Die Ausblicke auf die Klippen waren einmalig – der Ausblick auf den im Bau befindlichen Lift ebenfalls, aber im negativen Sinne. Das Projekt des chinesischen Investors ist umstritten – zurecht!

Die Insel Nusa Lembogan ist ein kleines Anhängsel und das kleine, offene Boot legte bei der markanten gelben Brücke an. Auf dem Inselchen kann man in den Mangroven paddeln, über Küstenlinien blicken oder einfach nur vom Balkon den Sonnenuntergang über dem Meer mit den Algenfarmen genießen.

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Markt auf Nusa Penida (l.) Nusa Penida, Kelingking Beach (m.) Nusa Lembogan, Algenfarmen (r.)

Die letzten Tage

In Sanur betrat ich wieder Bali- Festland. Der beschauliche Stadtteil der Inselhauptstadt Denpasar gilt als Familienurlaubsziel, auch für Einheimische. Die traf man beim Drachenfest am Strand und am Nachtmarkt an. Am langen Strand gab es den letzten Sprung ins Meer. Zur allerletzten Station der Reise in Jakarta flog ich. In der lebhaften Hauptstadt von Indonesien mit zehn Millionen Einwohnern lässt sich der Stadtkern zwischen dem Monumen Nasional und dem Altstadt-Platz Kota Tua mit seinem kolonialen Flair sogar zu Fuß erkunden.

Die Stadt ist nur wenig touristisch. Ob am Kota Tua, wo Sonntagabend unterschiedlichste Bands auftraten, oder bei den kleinen Schaustellern in den Gassen drumherum, überall war ich unter Einheimischen. Und hier schloss sich der Kreis: wie zu Beginn der Reise in Indien war ich der Exot und wurde immer wieder von Passanten angesprochen („Hellooo Mister!“) und um Selfies gebeten.

Spannendes Land mit kleinen Herausforderungen

Bali hat eine gute touristische Infrastruktur – leider verbunden mit Massentourismus. Die Urlaubsinsel ist überwiegend hinduistisch, obwohl Indonesien der Staat mit der größten islamischen Bevölkerung der Welt ist. Dennoch ist der Islam nicht die Nationalreligion und die Kathedrale von Jakarta konnte ich direkt nach der gegenüberliegenden riesigen Istiqlal Moschee besichtigen. Für eine umfassende Tour durch Indonesien bräuchte man mehr Zeit und könnte vielleicht auf Bali verzichten.

Die Leute waren sehr nett und ich fühlte mich überall sicher. Nur der Straßenverkehr konnte anstrengend sein. Als wirklich gefährlich gelten einige Fähren und alleine in den Wochen vor meiner Ankunft sanken mehrere, auch auf der Hauptroute zwischen Bali und Java. Es wird geraten, renommierte Anbieter zu nutzen und selbstständig auf elementare Dinge zu achten: schlechtes Wetter, Überfüllung oder fehlende Schwimmwesten könnten ein Grund sein, erst gar nicht einzusteigen.

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Tankstelle (l.) Familienausflug (m.) Einstieg auf traditionelle Art (r.)

Ende gut, alles gut?

Alles geht einmal zu Ende. Die letzte Station einer einjährigen Reise ist etwas Besonderes. Und als wirklich der letzte Flug, die letzte Fähre und das letzte Hotel gebucht waren, hatte ich plötzlich nur noch Freizeit… Mit der Rückkehr befasste ich mich zwangsläufig vor einigen Wochen, als ich für das letzte Visum einen Rückflug nachweisen musste. Es gibt tausende Bücher über das Reisen und auch einige über das Zurückkehren. Vieles von dem Geschriebenen trifft zu. Heimkehr und Start zuhause sind ebenso wenig Selbstläufer wie das Verreisen an sich.

In Gedanken beginnt man, die üblichen Heimkehrer – Fragen zu beantworten: „Welches Land war das Beste?“ „Kann man so nicht beantworten, jedes Land hatte seine Reize!“ Je nach persönlicher Situation und der des Landes gibt es für jedes Land Pros und Contras. Natürlich ist das Interesse an einem Land die Grundvoraussetzung – und wenn auch die persönlichen Eckdaten (Zeit, Budget, Abenteuerlust …) und die des Landes (Klima, Sicherheit, touristische Infrastruktur …) zusammenpassen, dann nichts wie hin!

Aus Begegnungen wurden Freundschaften

Die schönsten Erinnerungen sind mit Begegnungen verbunden – mit anderen Reisenden und Einheimischen gleichermaßen – und aus einigen wurden gute Freundschaften. Objektiv gefährlich war unterwegs eigentlich nur der Straßenverkehr. Ansonsten fühlte ich mich nie in der Bredouille, auch wenn mir in der einen oder anderen Situation vielleicht etwas mulmig war. Ich werde nie erfahren, wann und wo die Gefahr (unbemerkt) größer war.

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Ein Friedhof auf Bali (l.) Sanur/Bali, Drachen am Strand (m.) Jakarta, Skyline und Nationalmonument (r.)

Nicht zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort

Dass die Dinge meist ein gutes Ende nahmen, ist ein wenig auf gesunde Vorsicht zurückzuführen, und es war von Vorteil, immer einen Plan B im Kopf zu haben. Aber zum größten Teil war es einfach Glück, nicht zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort gewesen zu sein! In dem einen Jahr sind in den Ländern, die ich besuchte, durchaus Unglücke passiert – jedoch nicht zu genau der Zeit, als ich dort war. Wie wäre es gewesen, wenn die militärische Eskalation zwischen Indien und Pakistan sechs Monate früher ausgebrochen wäre, im November 2024, als ich noch dort war?

Was, wenn der Volksaufstand in Kathmandu/Nepal ein dreiviertel Jahr früher gewesen wäre? Oder wenn der kriegerische Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha im Februar und nicht im Mai gewesen wäre? Wenn das Erdbeben in Thailand drei Monate früher oder das auf Vanuatu ein halbes Jahr später gewesen wäre? Da ich Betroffene persönlich kenne, fühlte ich besonders mit, bin aber andererseits froh, nicht mittendrin gewesen zu sein.

Bei aller Wehmut über das Ende der Reise war ich auch dankbar, bald in ein Zuhause zurückzukehren, das viele Annehmlichkeiten bietet und wo sauberes Trinkwasser aus dem Wasserhahn eine Selbstverständlichkeit ist. Und sehr dankbar bin ich auch allen, die mir zuhause den Rücken freihielten.

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Der letzte Flug 

Die letzten Stunden

Und dann war er da, der letzte Tag. Es war auf den Tag genau ein Jahr nach der Abreise. Kaum Verkehr an diesem sonnigen Dienstagmorgen auf dem Weg zum Flughafen von Jakarta. Die lange Wartezeit beim Umstieg in Bangkok verging schnell und am Mittwochmorgen um 8:00 Uhr holte ich meinen Rucksack in Frankfurt ein letztes Mal vom Gepäckband.

So nahm die Weltreise von Christian Huber ihr Ende. Es waren 13 Teile eines individuellen, spannenden Reiseberichts. Das Ortenau Journal bedankt sich bei dem Wahl-Frankfurter für die tolle Zusammenarbeit. Es hat uns sehr viel Spaß gemacht!

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