In einem jener Seitentäler des Schwarzwaldes, wo der Morgennebel noch Geschichten kennt und die Tannen so dicht stehen, als wollten sie Geheimnisse bewahren, sitzen zwei Männer an einem Holztisch. Zwischen ihnen: Gläser, Flaschen, ein Korkenzieher mit Patina und die ernsthafte, beinahe feierliche Stille vor dem ersten Schluck. Sie nennen sich augenzwinkernd die „Weinbuddies“ – was nach Stammtisch klingt, aber in Wahrheit ein kleines Ritual ist.
Geprüft, gewogen, geschnuppert
Hier wird nicht einfach getrunken, hier wird geprüft, gewogen, geschnuppert, diskutiert. Ein guter Wein darf reden, ein großer Wein muss singen. Und nur wenn er das tut, wenn er Herz und Gaumen gleichermaßen packt wie ein kräftiger Handschlag nach getaner Arbeit, dann findet er seinen Weg aus diesem Tal hinaus in die Welt – genauer gesagt zu uns ins Ortenau Journal.
Zeit ist kostbar
Was nicht überzeugt, bleibt dort, wo es hingehört: im Glas, im Gespräch, im Vergessen. Denn die beiden sind sich einig: Zeit ist kostbar, Leber auch. Warum also Worte über Mittelmaß verlieren? So erreichen uns in unregelmäßigen Abständen ihre Rezensionen – ehrlich, manchmal poetisch, manchmal rustikal wie eine Vesper auf der Holzbank, aber immer mit Leidenschaft geschrieben. Und genau deshalb veröffentlichen wir sie exklusiv.

Foto: Bassermann-Jordan
Auf der Mauer, Riesling 2024
Der Riesling „Auf der Mauer“ 2024 zeigt sich von Beginn an kühl, klar und von großer innerer Spannung – ein Wein, der keine Aufmerksamkeit sucht, sondern durch Präzision überzeugt. In der Nase entfaltet sich ein fein gezeichnetes, fokussiertes Fruchtbild: Weinbergspfirsich erscheint hier nicht opulent, sondern schlank und präzise, begleitet von frischen Zitrusnoten, insbesondere Mandarine, die dem Duft eine lebendige, fast kristalline Frische verleihen. Honigmelone schwingt dezent im Hintergrund mit und rundet das Aromenspiel kühl und zurückhaltend ab. Die Frucht wirkt klar und saftig, stets kontrolliert und niemals reif oder üppig.
Straffe, präzise geführte Säure
Am Gaumen setzt sich dieser kühle Eindruck fort. Die Frucht steht klar im Vordergrund, getragen von einer straffen, präzise geführten Säure, die dem Wein Zug, Energie und vertikale Spannung verleiht. Eine feine, animierende Bitternote begleitet den Abgang und sorgt für Länge und zusätzliche Kontur. Subtil zeigt sich eine cremige Textur, die dem Wein Tiefe verleiht und auf einen sehr behutsamen Holzeinsatz schließen lässt – zurückhaltend, strukturgebend, niemals stilprägend. Das Holz bleibt leise im Hintergrund und unterstreicht die Klarheit des Rieslings.
Kühle Mineralik verleiht zusätzlich Tiefe
Besonders eindrucksvoll ist die Entwicklung mit Luft und Zeit. In der Nachprobe am Folgetag wirkt der Wein spürbar gefestigter, dichter und konzentrierter. Die Frucht tritt etwas zurück, während Struktur, Substanz und eine feine, kühle Mineralik deutlicher hervortreten und dem Wein zusätzliche Tiefe verleihen. Insgesamt präsentiert sich der „Auf der Mauer“ 2024 als präziser, spannungsgeladener Riesling mit Reifepotenzial – ein Wein von kühler Eleganz, der Geduld belohnt und seine Qualitäten nicht im ersten Moment, sondern im ruhigen, aufmerksamen Genuss offenbart.
Fazit: Dieser Wein hat überzeugt.
Zum Online-Shop von Bassermann-Jordan: Riesling 2024 „Auf der Mauer“
Siehe auch hier:
„Weinbuddies“ entdecken kompromisslosen Orangewine von Bassermann-Jordan mit Charakter