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Diskussion in Deutschland über Handyverbot an Schulen – Vorteile überwiegen klar

Schülerin mit Smartphone
© Surprising_SnapShots/pixabay
Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Nutzen von Smartphone-Verboten an Schulen längst erwiesen: Die Schülerinnen und Schüler kommunizieren und spielen mehr miteinander, Cybermobbing nimmt ab und dementsprechend steigt das Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen. Während es bereits in 79 Ländern Handyverbote gibt, befindet sich Deutschland noch in der Diskussion. In Baden-Württemberg sollen jetzt einheitliche Regelungen helfen. Hessen und Bayern sind da schon deutlich weiter.

Von Wolfgang Huber

Die private Handynutzung soll an Schulen in Baden-Württemberg eingeschränkt werden. So plant Kultusministerin Theresa Schopper laut dem Nachrichtenportal tagesschau.de eine gesetzliche Regelung, wonach alle Schulen im Land dazu verpflichtet werden sollen, eigene Regeln für die Nutzung von Smartphones an Schulen zu erlassen. Dabei sollen enge Leitplanken eingezogen werden. Damit sollen Kinder und Jugendliche besser geschützt werden, denn die negativen Auswirkungen von Smartphones auf Konzentration, Lernfähigkeit und mentale Gesundheit sind längst ausreichend bekannt.

Generelles Handy-Verbot in Hessen und Bayern

Schopper setzt zudem auf strengere Alterskontrollen für Social-Media-Plattformen wie TikTok, Instagram oder Snapchat. Gleichzeitig spricht sich Schopper gegen ein generelles Handyverbot aus. Nötig seien stattdessen sinnvolle Regeln und mehr Medienkompetenz (An Medienkompetenz mangelt es allerdings auch bei Erwachsenen).

Hessen hingegen plant ein solches generelles Handyverbot an Schulen. So soll die Nutzung der Mobiltelefone grundsätzlich verboten werden, wenn sie privat genutzt werden. Bereits auf der Bildungsministerkonferenz im vergangenen Jahr hatte sich Hessens Kultusminister Armin Schwarz (CDU) für ein bundesweites Handyverbot an Schulen ausgesprochen. Das Verbot soll nach den Sommerferien in Kraft treten, Ausnahmeregelungen an weiterführenden Schulen eingeschlossen. Lediglich in Bayern gibt es derzeit bereits ein so gelagertes Handyverbot, wie es Hessen nun plant.

Eindeutige Ergebnisse bei Pisa-Studien

Die Diskussion über Handyverbote an Schulen nimmt in Deutschland zur Zeit zwar an Fahrt auf. Doch tatsächlich drängt die Zeit. Andere Länder sind schon weiter, was sich nachteilig auf die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auswirkt. Dann nämlich, wenn sich Schüler aufgrund fehlender einheitlicher Regelungen nicht auf den Unterricht konzentrieren können und die Leistungen entsprechend überschaubar ausfallen. So haben 79 Ländern bereits entsprechende Regelungen, unter anderem in Schweden, Spanien, Frankreich und Italien.

Die jüngste Pisa-Studie zeigt, dass Schülerleistungen durch steigende Smartphone-Nutzung beeinträchtigt werden könnten. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen zudem, dass Handys im Schulalltag negative Auswirkungen haben – sowohl auf die soziale Interaktion als auch auf die Lernleistung. Das berichtet die Online-Ausgabe des SWR.

Positive Auswirkungen von Handy-Verboten

Der Erziehungswissenschaftler Klaus Zierer von der Universität Augsburg habe Studien zu Handyverboten an Schulen analysiert. Laut seinen Beobachtungen habe sich bereits die Pausenkultur an Schulen mit Smartphone-Verbot grundlegend verändert – und zwar zum Positiven: Schüler würden mehr miteinander kommunizieren, häufiger spielen und und Cybermobbing nehme ab. Gleichzeitig verbessere sich das Wohlbefinden der Kinder, was sich wiederum positiv auf die schulische Lernleistung auswirken könne. Auch wenn der direkte Effekt auf die Leistung gering ist, hält Zierer die Einschränkung der Handynutzung für sinnvoll.

Besonders problematisch sei das Ablenkungspotenzial von Smartphones. Studien würden, dass selbst ein ausgeschaltetes Handy auf dem Tisch die Konzentration verringern kann – ein Phänomen, das als Brain-Drain-Effekt bekannt ist. Zierer spricht sich demnach für ein Verbot an Grundschulen aus und empfehle für weiterführende Schulen ein striktes Wegschließen der Geräte während des Unterrichts. Medienkompetenz soll dennoch vermittelt werden, jedoch in einem pädagogisch verantwortungsvollen Rahmen mit schuleigenen digitalen Geräten wie Tablets.

Beispiele für Wirksamkeit von Handy-Verboten

Ein zentrales Problem bei der Umsetzung von Handyverboten sei deren Durchsetzung. OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher kritisiert dem Bericht zufolge, dass uneinheitliche Regelungen und Ermessensspielräume an Schulen dazu führen würden, dass Schüler Verbote leicht umgehen. Wenn nur einzelne Schulleitungen oder Lehrkräfte über Handyregeln entscheiden, bleiben die Maßnahmen weitgehend wirkungslos.

Allerdings gibt es bereits Beispiele für die Wirksamkeit eines generellen Handyverbots an Schulen. So gilt laut einem Bericht von ZDF Online an der Hans-Prinzhorn Realschule in Hemer (NRW) schon seit Ostern 2023 ein solches Verbot – und zwar für alle Klassen. „Kinder müssen wieder lernen, ohne elektronische Ablenkung zu lernen. In Hemer klappt das fast reibungslos. Eine Erfolgsgeschichte. Die Schüler/innen der Klassen 5 bis 10 haben keine Probleme mit dem Verbot. Es betrifft alle, und alle halten sich dran“, wird Schuleiter Lothar Czichos in dem ZDF-Bericht zitiert. Lediglich vielleicht 10 bis 15 Schüler von 500 würden das Verbot „mal in einer Ecke des Pausenhofes oder etwa auf der Toilette umgehen“. Damit komme er klar.

Klare gesetzliche Vorgaben gefordert

Daher fordern viele Experten einheitliche Regelungen von der Bildungspolitik. Notwendig seien klare gesetzliche Vorgaben und praktikable Konzepte zur Umsetzung. Es gelte, ein wirksames und flächendeckendes Smartphone-Verbot an Schulen durchzusetzen. Sie fordern die Politik zum Handeln auf. Mit verbindlichen Strukturen könne sowohl der pädagogischen Nutzen digitaler Medien als auch der Schutz vor Ablenkung und negativen Auswirkungen der Handynutzung berücksichtigt werden.

Zum Ausgangsartikel:

SWR Wissen Online: Smartphone-Verbote an Schulen – Wissenschaftlich betrachtet

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