Von Regina de Rossi
Zwei Aufführungen haben die Theaterfreunde noch zur Auswahl: am Samstag, 5. April um 20.00 Uhr und die letzte Aufführung am Karfreitag, 18. April um 19.00 Uhr. Doch bei dieser Thematik, der großartigen Schauspielkunst des Theater Ensembles beim Theater Baden-Baden wird es mit Sicherheit erneut in den Spielplan aufgenommen werden. Wer sich mit dem Frauenbild der heutigen Zeit, der weiblichen Selbstbestimmung und deren Grenzen auseinandersetzen möchte, der gehe hin und lasse sich einfangen von einem Stück, das nicht nur tief berührt, sondern alle Tasten des heutigen Frauenlebens drückt.
Die Thematik der #MeToo-Bewegung
Eine Zeit, in der es nicht nur gilt alles unter einen Hut zu bringen, Familie und Karriere, Erwartungen zu erfüllen, sondern sich manchmal auch vor einem patriarchal geprägten System zu schützen. Penelope Skinner nimmt sich neben dem Ehe- und Familienleben auch die Thematik der #MeToo-Bewegung an, hier den Frauen in Film und Fernsehen, die einerseits in diesem Genre noch immer unterrepräsentiert sind und zudem ab einem gewissen Alter nicht mehr eingesetzt werden.
Geschickt verbindet sie diese Problematiken, bringt eine sich für Frauenschicksale stark machende Produktionsfirma mit dem vielsagenden Namen „Lilith Entertainment“ ins Spiel. Sue, die Studiochefin (klasse: Nicole Kersten) schickt Kate (sehr überzeugend: Lisa Schwarzer) auf die Suche nach der einst sehr erfolgreichen Schauspielerin Elaine Dailey – großartig gespielt von Nadine Kettler – die sich vor 30 Jahren spontan aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat.
Wenig Platz in der Realität
Hier auf dem abgeschiedenen Küstenhaus „Lyonesse“ lebt sie einsam, sehnsüchtig nach ihrem früheren Leben und wissend, dass ihre Geschichte nie wirklich so erzählt werden würde, wie sie sich zugetragen hat. Kate lernt sie kennen, ist fasziniert und erliegt ihrer weiblichen Präsenz, ihrer Authentizität, die so wenig Platz hat in der Realität. Sie verspricht Elaine, ihre Geschichte zu erzählen, wahrheitsgetreu aufzuarbeiten, die perfide Stalking Geschichte ihres Freundes.
Wenn Nadine Kettler alias Elaine sich mitten auf die Bühne stellt, einem spiegelnden Glashaus mit dem tosenden Meer im Hintergrund und ihre Geschichte erzählt, wird es noch stiller im Theatersaal. Einmal mehr wird deutlich, was Frauen erleiden, wenn sie überall hin verfolgt werden, erst aus verschmähter Liebe, später aus Hass. Wenn sie Hilfe suchen, und sie nicht bekommen. Allein sind sie, hilflos und ausgeliefert.
Elaine landete auf Lyonesse. Und andere?
Was aus Kate und ihrem Versprechen, die wahre Geschichte über Elaine Dailey an die Öffentlichkeit zu bringen, wird, ist so lange ermutigend, bis Greg Tellis, ihr Ehemann auf Lyonesse landet. Und hier schließt sich der Kreis. Gerne würde man das Ende dieser Geschichte umschreiben, so aber lässt sie einen nachdenklich zurück, jedoch mit dem Gefühl, einen wirklich wertvollen Theaterabend gehabt zu haben.
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