Von Rainer Braxmaier
Geradezu aufgedrängt hat sich für den Monat April 2025 eine Häufung von Kunst-Events, die mehr den gesellschaftlichen Ereignischarakter, als die künstlerische Tiefe ausloten. Die Betonung liegt also in dem „Event“, also dem gesellschaftlichen Ereignis an sich, das heißt auch: sehen, um gesehen zu werden. Wenn Thomas Gottschalk zur Vernissage kommt, kann allein das vom Gehalt der Werke ablenken – und ist zugleich ein Zeichen gesellschaftlicher Wirksamkeit.
„Panik in Tübingen“
Das markanteste Beispiel solcher Events ist derzeit in Tübingen zu bewundern. Dort haben zwei Geschäftsleute in nur 14 Monaten für mehrere Millionen Euro ein neues Kunstmuseum gebaut, das sie seit einigen Wochen mit großem Erfolg bespielen. Eröffnet haben die Macher ihr Haus mit einer Ausstellung von Udo Lindenberg, „Panik in Tübingen“; denn der Sänger und Entertainer, der sich vom begabten Jazz-Drummer zur Kunstfigur entwickelte, hat sich seit etwa drei Jahrzehnten mit der Malerei beschäftigt, in der gleichen flapsigen und karikaturhaften Weise, die auch seine öffentliche Figur darstellt.
Doch diese Ausstellung wertet die Person des Malers auf: denn sie zeigt in rund 200 Beispielen die künstlerische Entwicklung des Panikrockers seit ihren Anfängen Mitte der 1990er Jahre und wirft damit einen seriösen Blick auf sein Werk (Neues Kunstmuseum Tübingen, Udo Lindenberg: „Panik in Tübingen“, bis 15. Juni, geöffnet Montag-Sonntag 10-18 Uhr, Schaffhausenstr. 123, 72072 Tübingen; Neues Kunstmuseum Tübingen).
Werkschau von Peter Gaymann
Zur Eröffnung der Ausstellung kamen über 500 geladene Gäste, auch das weitere Programm wird eher leichte Kost servieren. Unter anderem eine Werkschau mit dem aus Freiburg stammenden Karikaturisten Peter Gaymann, dessen Zeichnungen viele Bücher füllen und in allen Magazinen zu sehen sind. Das können die Kunstfreunde der Ortenau aber schon früher genießen, denn derzeit stellt der Künstler in der Galerie Kulturzeit der Staufenburg-Klinik in Durbach aus.
Der Titel der von der Münchener Kulturmanagerin Lucia Hornstein kuratierten Ausstellung „Das Leben ist schön“ suggeriert die Doppelbödigkeit der mit schneller Hand gefertigten aquarellierten Zeichnungen Gaymanns (es sollen insgesamt schon 200.000 sein), der mit seinem „Huhniversum“ berühmt wurde und immer auf die kleinen Alltagsschwächen der Menschen schaut (Peter Gaymann, „Das Leben ist schön“, Galerie Kulturzeit in der Staufenburg-Klinik Durbach, bis 4. Juli 2025 geöffnet Montag – Freitag 9 – 18 Uhr, Samstag und Sonntag 9 – 17 Uhr). Ende Juni beginnt dann Gaymanns große Jubiläumsschau in dem Neuen Kunstmuseum Tübingen, und in der Wintersaison werden seine Cartoons auch im Europapark Rust zu sehen sein.
Publikumswirksame Ausstellungen
Seit vielen Jahren gelingt es dem Emmendinger Unternehmer Jürgen Messmer immer wieder, in seiner Kunsthalle Messmer auf dem Areal der ehemaligen Brauerei in Riegel am Kaiserstuhl, erstaunliche und publikumswirksame Ausstellungen anzubieten. Sein neuester Coup: Unter dem Titel „Zwischen den Welten“ zeigt er Werke von Dieter Nuhr und Stephan Kaluschka. Dieter Nuhr, einer der bekanntesten Kabarettisten des Landes, hatte einst in Essen Kunst studiert und ist als Fotograf und mit auf digitaler Basis hergestellten Bildern in den letzten Jahren auch als Bildender Künstler vermehrt in Erscheinung getreten.
Stephan Kaluschka ergänzt die Schau mit großformatigen Fotografien. Beinahe zu seriös für „Eventkultur“, („Zwischen den Welten“, Dieter Nuhr und Stephan Kaluschka, digitale Malerei und Fotografie, Kunsthalle Messmer, Riegel, bis 13. Juli 2025, geöffnet Dienstag – Sonntag, 10-17 Uhr; Kunsthalle Messmer).
ZirOs „Urban Echos“ setzt Maßstäbe
Zuletzt der Blick zurück in die Ortenau. In Oberkirch läuft seit mehr als zehn Jahren mit Erfolg die Ausstellungsreihe „eins plus“ , bei der einheimische Künstler in der Städtischen Galerie im Alten Rathaus interessante Kollegen vorstellen können. Die Malerin Svenja Bohnert ist die Jüngste im Kreis der Oberkircher Künstler und setzt mit der Ausstellung „Urban Echos“ des Ortenauer Street-Artisten ZirO neue Maßstäbe.
ZirO, den sie schon aus gemeinsamen Kindheitstagen in Renchen kennt, hat sich aus der Graffiti-Szene gelöst und feiert mit seinen auf Leinwand oder alten Gebrauchsgegenständen wie Kühlschranktüren aufgetragenen „Stencils“ (Sprays über handgefertigte Schablonen) inzwischen internationale Erfolge. Die Eröffnung der Ausstellung ist am Samstag, 5. April 2025, um 11 Uhr (ZirO, „Urban Echos“, Urban Pop-Art, Städtische Galerie im Alten Rathaus Oberkirch, 6. April- 11. Mai, geöffnet Dienstags und Donnerstags 15-19 Uhr, Sonntags 10.00 bis 12.30 und 16.00 bis 17 Uhr, www.oberkirch-kultur.de/kunst).
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