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Alternative für Achertal-Bauern: „Der Ortenaukreis ist für den Schlachthof Bühl wichtig, aber auch umgekehrt“

Schlachthof Bühl
© Nicole Zscherneck – Der Schlachthof Bühl ist eine wichtige Adresse für Achertäler Bauern.
Nach dem Aus der Schlachtungen in Ottenhöfen und Seebach standen viele Landwirte im Achertal vor einer zentralen Frage: Wohin mit Rindern, Schafen und Ziegen? Eine mögliche Lösung bietet der Schlachthof in Bühl. Erste Betriebe aus der Region liefern ihre Tiere bereits dort an. Betreiber und Aufsichtsrat setzen auf kurze Wege und flexible Abläufe, um den Betrieben eine praktikable Alternative zu bieten und zugleich die traditionelle Weidewirtschaft in der Region zu sichern.
Von Nicole Zscherneck

Keine Schlachtungen mehr in Ottenhöfen und Seebach – was nun? Eine Alternative für die Landwirte ist der Schlachthof Bühl. Wie läuft es aktuell mit den Landwirten aus dem Achertal? Zum aktuellen Stand der Dinge klärten Ewald Glaser, der Aufsichtsratsvorsitzende der Schlachthof Bühl GmbH und Geschäftsführer Andreas Pistel auf.

„Für das Achertal ist ein zentraler Punkt, und das haben die Bürgermeister und Gemeinderäte erkannt: Wenn du die Erholungsfunktion und Attraktivität der Landschaft erhalten willst, braucht man gepflegte Landschaften. Nur mit Wald funktioniert das nicht und Offenhaltung nur mit Ziegen und Schafen auch nicht, denn die fressen zu wenig. Du brauchst Rinder in Kombination mit Schafen usw. Dafür braucht es eine Schlachtstätte und Vermarktungsmöglichkeiten. Entweder Landwirte vermarkten selber, das machen sie zum Teil, oder der Schlachthof vermittelt die Tiere an Metzger“, so Glaser.

„Die Betriebe müssen die Zulassungen holen“

Knapp zehn Landwirte seien es bereits, die aus Ottenhöfen und Seebach anliefern und das laufe recht gut. „Viele sagen mittlerweile: dass das so unkompliziert läuft, hätten sie nicht gedacht“, betont Pistel. Die Landwirte aus dem Achertal kommen regelmäßig mit ihren Rindern, Schafen und Ziegen zum Schlachthof. Nach zwei bis drei Tagen kann man das Fleisch dann holen. „Dem ein oder anderen liefern wir es auch heim, wenn der Service gewünscht wird.“

Achertal bei Nebel

Ein Thema ist die Offenhaltung des Achertals. Foto: Nicole Zscherneck

Auch das Thema Weideschuss ist für einige wichtig. „Wir haben die Genehmigungen, dass wir es machen können. Die Betriebe müssen die Zulassungen holen, dass sie das machen dürfen. Das ist der Hauptpunkt. Einige möchten das gerne so machen. Andere liefern lebend in Bühl an und sagen, dass das sehr unkompliziert ist. Ab dem Weideschuss hat man zwei Stunden Zeit, das Tier nach Bühl zu bringen. Bei einem Tier ist die Zeit gar kein Problem“, so Pistel.

„Dann könnte es brenzlig werden“

Viele kalkulieren aber, dass sie zwei Tiere auf den Anhänger nehmen, wenn sie runter fahren. Die Zeit läuft ab dem ersten Schuss und das Tier muss entbluten, dann ist das zweite dran und so ist mal schnell eine dreiviertel Stunde weg. „Dann könnte es brenzlig werden, aber das muss sich alles einspielen.“ Der Schlachthof Bühl will generell mehr Flexibilität bieten. Bisher wurden die Tiere allesamt an den Schlachttagen erfasst, also Montag und Donnerstag, an denen die Tiere dann geschlachtet wurden.

Als Wildkammer ausgewiesener Raum

„Da war die Problematik die Uhrzeit, da man sie nachts schlecht fangen kann“, sagt Glaser. Pistel ergänzt: „Wir hatten nun eine andere Idee. Unsere als Wildkammer ausgewiesenen Raum haben wir umfunktioniert, damit wir hier die Einzeltierannahme machen können. Wir können nun in dem kleinen Schlachtraum mit angeschlossenem Kühlraum mit ein oder zwei Mann alles abwickeln und sind somit nicht mehr an den Schlachttag gebunden.“

Schlachthof Bühl

Der Schlachthof Bühl von innen. Foto: Nicole Zscherneck

Bedenken bei Schafen und Ziegen

Zusätzlicher Vorteil: Man kann die Tiere tagsüber fangen und dann bringen. Bedenken seitens der Landwirte gab es bei einer Infoveranstaltung im vergangenen Jahr zum Thema Schafe und Ziegen. „Wir nehmen diese Tiere natürlich auch, nicht nur Rinder und Schweine. Zwar nur montags aber vom Grundprinzip ist das kein Thema.“ Weideschuss oder Lebendannahme, was ist einfacher? „Wenn das Tier nur draußen ist – dann wird’s kritisch, es in den Stall zu bringen und bedeutet Stress für alle Seiten. Bei Tieren, die in den Stall kommen, ist es vom Gesamtablauf einfacher wenn wir sie lebend haben. Dann läuft der Tierarzt durch und macht die Lebendbeschau, es folgt die Schlachtung, anschließend die Fleischbeschau. Somit ist das alles erledigt und am unkompliziertesten“, so Andreas Pistel.

„Dann sind wir hier im gelobten Land“

Glaser betont aber, dass es kürzeste Transportwege vom Achertal bis nach Bühl seien. „Da beneiden uns andere darum. Wenn man sieht, welche Strecken die Rinder in Deutschland teilweise zurücklegen müssen, dann sind wir hier im gelobten Land. Das müssen wir versuchen, den Leuten klarzumachen. Der nächste Schlachthof ist in Balingen am Kaiserstuhl oder in Darmstadt…“

Mittelfristig könnte sich die Lage noch verschärfen. Ein Metzger nach dem anderen bricht weg, sei es wegen den Auflagen, personaltechnisch oder aus anderen Gründen. Keiner will das Handwerk mehr erlernen. „Ich wohne in Rastatt, hier gibt es keinen einzigen Metzger mehr, auch in Baden Baden nicht. Man hat nur noch Filialen aber keine Metzger“, sagt Pistel.

Achertal bei Nebel

Nebel im Achertal. Foto: Nicole Zscherneck

„Gütesiegel und Zeichen der Transparenz“

Deshalb habe man um diesen Standort gekämpft. „Wenn er mal weg ist, dann kommt er nicht mehr, weil: unbezahlbar. Der Ortenaukreis ist für den Schlachthof Bühl wichtig, aber auch umgekehrt. Wenn der Landwirt in Bühl schlachtet, kann man davon ausgehen, dass die Kette stimmt. Wir wollen eine Plakette für die Landwirte machen, auf der ersichtlich ist, dass in Bühl geschlachtet wird. Quasi als Gütesiegel und Zeichen der Transparenz“, so Glaser.

Festangestellt sind aktuell zwölf Leute sowie ein paar Selbstständige. „Jeder Schlachttag wird begleitet vom Veterinäramt, da braucht man eine Mindestanzahl von Mitarbeitern um den Prozess zu gewährleisten“, erklärt Glaser. Der gesamte Betrieb ist videoüberwacht. Das Amt könne sich jederzeit alles anschauen.

Engagierte Bürgermeister im Achertal

Wenn jemand die Dienstleistung Zerlegung wünscht, so wird das auch angeboten. „Es ist ein harter Wettbewerb und wir sind froh, wenn auch die Achertalgemeinden kommen“, betont Glaser und will auch lobend hervorheben, wie sehr sich die Bürgermeister aus Ottenhöfen, Seebach und auch aus Lauf engagieren. „Das ist nicht selbstverständlich. Es geht hierbei nicht nur um Landwirte, sondern um die gesamte Landschaft. Das Engagement muss man erstmal finden.“ Gute Leistung sei für Glaser und Pistel das beste Argument. „Allen, die uns noch kritisch gegenüberstehen, können wir nur sagen: Kommt her und schaut es euch an. Wir sind transparent und ansprechbar.“

Nicole Zscherneck

Ortenau Journal-Autorin Nicole Zscherneck

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