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Myvelo Pro Cycling-Teampräsentation: „Ab Kategorie 1.1 kreiselt der Helikopter“

Myvelo Pro Cycling Team, Oberkirch
© Nicole Zscherneck
Das Myvelo Pro Cycling Team aus Oberkirch startet ambitioniert in die Saison 2025. Die Teamchefs Vincent Augustin und Fabian Huber haben große Pläne: Mit einem verstärkten Kader, einem hochkarätigen Rennkalender und neuen Sponsoren und Partnern soll der nächste Schritt Richtung Profispitze gelingen. Das primäre Ziel: Ein Aufstieg in die nächsthöhere Klasse – denn ab da werden Wild Cards für die Tour de France vergeben. Das ist für jeden Radprofi ein Traum.

Von Nicole Zscherneck

„Für alle, die gedacht haben, außer Erdbeerkönigin ist in Oberkirch nichts los – wir haben auch seit einem Jahr ein Profi-Radsportteam hier“, so startete die Teamvorstellung des Oberkircher Radrennsportstalls Myvelo Pro Cycling Team gestern in der Mediathek, durch die Moderator Markus Knoll stimmungsvoll führte. Dass das Ziel „Tour de France“ im Raum steht, spürt jeder, denn das ist das, was jeder Radrennsportler erreichen will.

Voll besetzte Mediathek

Etappen zur Alpe d ́Huez oder auf den Tourmalet, mehr kann man sich nicht erträumen. Doch dass das harte Arbeit mit viel Schweiß und Tränen ist, ist nicht zuletzt den beiden Visionären Fabian Huber und Vincent Augustin klar. Doch von Anfang an: Die beiden haben sich vor 25 Jahren beim Radtraining kennengelernt. Sportlich ging es 2000 bei ihnen los: U19, U 23 alles mitgenommen. Und da kommt man im Laufe der Zeit auf so einige Ideen, wie die beiden dem zahlreich erschienenen Publikum erzählen. „Ihr hättet auch ein normales Angestelltenverhältnis haben können“, merkte Moderator Knoll an – aber eine eigene Marke musste her. So gründeten die beiden zunächst ihren eigenen Fahrrad-Versand.

„Es war keine Frage, dass wir was zusammen machen wollen. Jeder der schon mal Radsport betrieben hat, weiß, das steckt in der DNA drin. Wir wollten nicht für andere was verkaufen, wollten unser eigenes Ding. Es ist zwar ein harter Weg, aber das kennt man im Radsport“, so die beiden Chefs. Vor zwei Jahren haben die beiden dann ihren eigenen Store in Oberkirch aufgemacht und im zweiten Jahr gleich schon mit dem Team begonnen, und zwar „aus Leidenschaft, wir wollen die Jungs fördern, im Radsport was bewegen.“

Klares Ziel vor Augen

Seit 2018 verbringen die beiden Gründer quasi jede freie Minute miteinander, „außer im Bett!“ stellen sie schnell klar, denn beide haben auch noch ein eigenes Familienleben. Geteilt werden aber die gleichen Ziele und Visionen. Die Resonanz auf das eigene Pro Team sei nicht so positiv gewesen: „Jeder in der Branche hat gesagt, lasst es… Das war aber keine Option, wenn man ein Ziel vor Augen hat“, erklärt Vincent Augustin.

Das erste Jahr lief gar nicht so schlecht und in dieser Saison will man noch eine Schippe drauf legen. Doch wo soll das hingehen? „Der Weg ist das Ziel an erster Stelle. Wir sind in der dritthöchsten Liga und das ist wirklich brutaler Radsport. Nächsten Samstag geht´s gleich wieder ans Eingemachte, wo die Weltelite neben uns am Start stehen wird. Es gibt die Möglichkeit, groß zu träumen. Wenn wir den ein oder anderen Sponsor noch dazu bekommen umso besser“, erklärt Huber. Top-Rennen sind also wichtig, um sich als drittklassiges Profiteam schon früh in der Saison in Szene zu setzen.

Die Tour de France schwebt über allem

Als Team mit Ambitionen muss das langfristige Ziel sein, noch eine Liga aufzusteigen – ab da werden nämlich schon die Wild Cards für die Tour de France verteilt. 2024 sei aufregend gewesen, wie es so sei, wenn man etwas Neues macht. Man habe eine extreme Lernkurve. Somit habe man auch wieder einen „Wahnsinns“ guten und verbesserten Rennkalender für 2025 – das sei eine sehr gute Bühne für Firma, Marke und Fahrer, berichten Huber und Augustin. „Ein besonderes Erlebnis ist es, auf dem Treppchen zu stehen. Beim ersten Rennen überhaupt waren wir vom Start weg in der Spitzengruppe. Das zu toppen wird schwer.“

Laut Präsentation ist das Team deutlich besser aufgestellt als 2024. Der Radsport braucht eine gute Nachwuchsförderung. Es gibt eine Kooperation mit dem Radsportverband BW, man ist unter eigener Flagge und auf den eigenen Rädern unterwegs. Hier passiert also etwas in Radsport- Deutschland. Mit GCN als neuem Partner bekommt Myvelo zusätzlich noch Reichweite dazu – die Interaktion findet hauptsächlich auf YouTube statt. Auf Teneriffa im Trainingslager war GCN auch dabei. Das Team fuhr dort einmal um die komplette Insel, wofür circa zehn Stunden gebraucht wurden. GCN sei die zentrale Anlaufstelle für alle, die sich für Radsport interessieren.

Hochkaräter im Rennkalender

Ganz nebenbei sei Myvelo neben Canyon der größte Direktversender in Deutschland. „Für die Anzahl der Jahre, die wir das betreiben, auf jeden Fall ein Paukenschlag“, betont Huber. Im Laufe des Abends wurde dem Publikum auch noch der diesjährige Rennkalender vorgestellt. Auch wenn sich Giro, Tour und Vuelta (noch) nicht darauf befinden, so stehen doch einige Hochkaräter wie „Rund um Köln“, die „Oberösterreich Rundfahrt“ oder „Paris-Troyes“ auf dem Programm. Hier gibt es Möglichkeiten, sich mit den besten der Welt zu messen.

Als Nicht-Rad-Fan fanden die Chefs einen guten Vergleich: Es sei, wie wenn der SC Freiburg jedes Wochenende gegen Real Madrid oder den FC Barcelona spielen würde. Aber darauf arbeite das Team hin und sei ambitioniert. Viele der Rennen, an dem das Team teilnehmen wird, werden auf GCN & Eurosport und ARD übertragen.

Runderneuertes Team

Bei der Vorstellung der Fahrer erschien immer wieder der Spruch „unsere Richtung ist vorwärts“ auf der Leinwand und das spürte man auch bei den einzelnen Kategorien. Begonnen wurde mit den vier Bergfahrern. Das „Grüezi“ ertönte immer wieder, denn im neuen Team sind einige Schweizer. Generell hat man drei der alten Fahrer behalten, sonst erstrahlt alles neu. Die Bergfahrer sind aktuell Andrin Züger, Luca Jeni, Miron Lipp und Lukas Vogt. Der Schweizer Luca Jeni konnte sogar an zwei Tagen das Bergtrikot bei der Tour de Suisse im vergangenen Jahr tragen – das ist das letzte große Vorbereitungsrennen der Tour de France.

Die Rouleure des Teams, die schnell und ausdauernd sein müssen, sind Christoph Janssen, Jan Sommer und Jakob Schmidt. Bei der Vorstellung der Sprinter stellte sich heraus, dass diese sich, trotz Sixpack, auch mal einen Burger gönnen dürfen, denn Sprinter dürfen auch ein bisschen schwerer und kräftiger sein. Zum Sprinterteam gehören 2025 Meo Amann und Tillmann Sarnowski. Zu den Puncheuren werden gezählt: Nils Brun aus der Schweiz, der mit dem ehemaligen Radstar Fabian Cancellara im Team war und einiges von ihm lernen konnte (er hat nebenbei auch noch die Handynummer von ihm und steht in Kontakt), und der Road Captain Timon Loderer aus Oberbayern.

Olympiasieger engagiert

Loderer ist ein bisschen wie im Fußball der Spielführer, der sagt wo es langgeht. „Mein Job ist es, die Jungs taktisch zum Erfolg zu führen. Der Riesenvorteil ist, dass das Team mit erfahrenen Fahrern gespickt ist. Nils Brun fuhr drei Jahre bei Tudor in der World Tour – der braucht von mir taktisch keine Schulung. Es ist super, wenn Fahrer dabei sind, die ein Gespür für die Rennsituation haben. Je weniger man sprechen muss, umso besser ist es. Es ist auch eine totale Ehre, dass z. B. Jan Sommer bei uns fährt, der wegen eines Tom Pidcocks aus dem ehemaligen Team Q36 gefallen ist. Aber Pidcock ist der aktuelle Olympiasieger im MTB-Cross Country“, so Loderer.

Der Road Captain hatte auch im Nachgang noch Zeit für ein paar Fragen, denn uns hat interessiert, ob sich das schon „lohnt“ in der drittklassigen Profiliga Rad zu fahren. „Es geht eher um Aufwandsentschädigungen, die null zu null aufgehen“, beschreibt er seinen Radfahreralltag. Er ist selbst in Oberbayern als Beamter angestellt, aber nur halbtags, denn „anders würde das mit dem Trainings- und Wettkampfpensum nicht funktionieren.“ Einige im Team arbeiten, wie er, andere sind im Schweizer Heer oder befinden sich im Studium. Das Radfahren ist also großer Bestandteil des Alltags, aber nicht der ganze.

Positive Zukunftsaussichten

Die Rennfahrer treffen sich immer hier in Oberkirch, denn hier sei die Base und im Fässle habe man auch den „place to be“, wenn man hier ist. Auf die Frage nach den Zukunftsaussichten gibt sich Loderer positiv, denn sein persönliches Ziel sei es, auch wenn er mit 33 Jahren quasi der Papa des Teams ist, eine Rundfahrt mit der Mannschaft zu gewinnen. „Die Oberösterreich-Rundfahrt würden wir gerne anpeilen im Juni“, prognostiziert er. Das längerfristige Ziel sei natürlich, aufzusteigen um dann um die begehrten Tour de France Wild Cards mitzufahren.

„Aber dazu braucht es Investoren. Hier in der Gegend gibt es ja einige große Firmen und wir hoffen, dass jemand anspringt. Es ist nicht nur ein sportlicher Faktor, sondern natürlich auch ein wirtschaftlicher. Ein sportlicher Aufstieg gelingt heutzutage nur noch mit den geeigneten finanziellen Mitteln.“ Ein Vorbild ist hier natürlich die Mannschaft Bora Hansgrohe, wo nun auch Red Bull eingestiegen ist. Es wird sich im neuen Radsportjahr zeigen, wie die Mannschaften ihre unterschiedlichen Ziele mit den jeweils vorhandenen Mitteln erreichen können.

Wie auch schon die beiden Firmengründer Huber und Augustin sagen: „Ab Kategorie 1.1. kreiselt der Helikopter beim Radrennen – da beginnt der ganz große Radsport und die Gänsehaut.“ Es bleibt also spannend im Jahr 2025.

Siehe auch:

Das Radsport-Unternehmen MYVELO sprintet als GCN-Brandpartner vorneweg

Oberkircher Profi-Radrennstall startet 2025 mit der MYVELO Cycling Academy

Myvelo Pro Cycling-Team: Der steile Weg nach oben

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