Von Wolfgang Huber
Offenburg ist die mit Abstand größte Stadt in der Ortenau mit 62.000 Einwohnern und einer florierenden Wirtschaft. Wir wollen die Lage im Zentrum des Ortenaukreises von verschiedenen Seiten beleuchten. Beim Thema Tourismus kann eine klare Positionierung Vorteile bringen, gerade in der Ortenau, die als Teil der Schwarzwaldregion ein etabliertes Reiseziel ist. Neben der touristischen Attraktivität kann eine Stadtmarke auch das Gemeinschaftsgefühl der Einwohner stärken. Voraussetzung dafür sind jedoch authentische Angebote, die die Stadt als lebenswerte und dynamische Gemeinschaft präsentieren. Historische Besonderheiten, kulturelle Highlights und wirtschaftliche Innovationen sind zentrale Elemente einer erfolgreichen Markenstrategie.
Umfassender Prozess
Zunächst ein Blick nach Oberkirch, einem Beispiel für eine solche Strategie, die erst im Januar der Öffentlichkeit eine eigene, brandneue Stadtmarke samt Logo und Slogan vorstellte. Unter Oberbürgermeister Gregor Bühler wurde ein umfassender Prozess angestoßen, der neben einer Projektgruppe aus Handel, Gastronomie, Tourismus, Wirtschaft, Politik und Ehrenamt auch Experten- und Bürgerbefragungen einbezog. Ziel war es, eine hohe Identifikation der Bürger mit der Stadtmarke zu erreichen.
Das Ergebnis ist der Slogan „Oberkirch – Wo Gutes entsteht“, der als Leitbild für die Stadtentwicklung dienen soll. Die neue Marke spiegelt laut Bühler Oberkirchs Vielfalt und Einzigartigkeit authentisch wider. Oberkirch ist aber mit seiner Stadtmarke keineswegs ein Vorreiter. Kehl hat sich seine Coprorate Identity bereits Ende der 90er-Jahre zugelegt, genauso wie Lahr. Die beiden Städte haben wir in Teil 1 und 2 dieser Artikelserie untersucht. In Achern hat bislang offenbar niemand die Notwendigkeit einer Stadtmarke erkannt. Es gibt schlicht keine, wie das Ortenau Journal auf Anfrage erfuhr.
Spektrum der Möglichkeiten
Schauen wir uns die Stadtmarke von Offenburg, zunächst das Key Visual an: Das Stadtlogo ist laut Sprecher Mark Gregotsch eng mit dem Stadtwappen verbunden. Es zeigt eine Burg mit offenem Tor. „Das Logo interpretiert das Tor und die charakteristischen Zinnen der Burg auf moderne Weise und greift das Rot des Wappens auf“, so Gregotsch. Es stehe zudem für das gesamte Spektrum der Möglichkeiten, die sich mit Offenburg verbinden würden. Dies seien Offenheit, Aufgeschlossenheit und Dynamik.
Der das Bildzeichen prägende markante halbe Torbogen sei bereits im Jahr 2002 gemeinsam mit dem renommierten Freiburger Grafikdesigner Joseph Pölzelbauer entworfen und gestaltet worden. Einen „behutsamen“ Relaunch gab es 2021, als das Logo modernisiert wurde. Um das Gemeinschaftsgefühl und die Identifikation der Bürger mit der Stadt Offenburg zu fördern, wurde aus dem schlichten „Stadt Offenburg“ ein „OFFENBURG UNSERE STADT“ und damit so etwas wie ein Claim eingeführt. Analog zu „Kehl – die grüne Stadt am Rhein“ oder „Oberkirch. Wo Gutes entsteht“.
Logo als verbindendes Element
Die Stadt selbst unterscheide laut Gregotsch nicht nach Zielgruppen in der Markenkommunikation. Bürgerschaft, Touristen, Wirtschaft und weitere gesellschaftliche Gruppen würden aber in der Ausgestaltung der kommunikativen Maßnahmen durch die Botschaften und die Gestaltung unterschiedlich angesprochen. Verbindendes Element bleibe jedoch stets das Logo, die Farben und die Schriftart. Unter die Maßnahmen fallen Broschüren, Flyer, die Website, Social-Media-Kanäle, Schilder und vieles mehr.
Wie der Sprecher weiter mitteilt, beschäftigt sich die Stadt derzeit mit der Überarbeitung der Corporate Identity hinsichtlich der Positionierung als „Freiheitsstadt“. Dieses Attribut soll künftig eine größere Rolle spielen. Tatsächlich kann sich Offenburg durch seine Geschichte mit diesem Begriff schmücken. Am 12. September 1847 fand im Gasthaus Salmen die Versammlung der „Entschiedenen Freunde der Verfassung“ statt. Diese war der Ausgangspunkt für die badische und deutsche Demokratiebewegung. Erstmals wurden mit den 13 Offenburger Forderungen (u. a. Presse-, Gewissens- und Religionsfreiheit, allgemeines Wahlrecht, gerechte Besteuerung, Ausgleich zwischen Arbeit und Kapital) wichtige Grundrechte formuliert – als Vorbild für spätere demokratische Verfassungen.
Mythos Badische Revolution
Die ein Jahr später ausgerufene Revolution wurde jedoch von preußischen Bundestruppen blutig niedergeschlagen. Doch der Mythos bleibt bis heute. Noch heute feiert die Stadt das Freiheitsfest, das Gasthaus Salmen ist seit jeher Zentrum vielfältiger Veranstaltungen und Events, die die Tradition der Freiheit und Demokratie zum Gegenstand haben.
Doch auch in touristischer Hinsicht steht Offenburg gut da. So liegt die Stadt im kreisweiten Vergleich auf Platz drei mit 207.436 Übernachtungen im Jahr 2023, hinter dem unumstrittenen Spitzenreiter Rust mit dem Europa-Park (1,57 Millionen) und dem Zweitplatzierten Kehl (268.556) aber vor den weiteren touristischen Hotspots Gengenbach (202.180) und Durbach (188.280).
Barocke Prachtbauten
Neben dem Gasthaus Salmen ist die Messe Offenburg ein wichtiger Bezugspunkt für Gäste. Die Besuchermagnete EuroCheval und allen voran die Oberrheinmesse locken jährlich Tausende in das Oberzentrum. Ehemaliger „Königshof“, Hotel „Sonne“ und das „Historische Rathaus“ sind barocke Prachtbauten, dazu kommen das Museum im Ritterhaus oder das Kapuzinerkloster. Wie alle Städte der Ortenau profitiert Offenburg auch von den landschaftlichen Begebenheiten zwischen Schwarzwald und dem Rhein mit dem benachbarten Elsass. Das ermöglicht den Touristen Ausflüge, Wanderungen oder Radtouren.
Auch kulturell und kulinarisch hat die Kreishauptstadt einiges zu bieten. Gerade aktuell steht die „Lange Nacht der Kultur“ an, es gibt ein veritables Weinfest, das Freiheitsfest oder die „Lange Nacht der Musik“. Zahlreiche Künstler stellen ihre Werke an den unterschiedlichsten Orten aus. Eine Vielzahl von Kneipen, Restaurants und Cafés locken Besucher in die Stadt. Herzstück dürfte die Oberrheinhalle sein, wo ein vielfältiges Programm, darunter TV-Produktionen und Konzerte stattfinden. Dazu kommt die Reithalle. In der Location finden laufend hochkarätige Veranstaltungen wie Konzerte oder Theateraufführungen statt, die zumeist gut besucht sind. Im 361 Grad im Spitalkeller gibt es Konzerte, die Städtische Galerie zeigt Kunstausstellungen, genau so das Aenne Burda-Stift, um nur einige Beispiele zu nennen.
Dynamische Situation bei Gewerbeflächen
Ebenfalls ein Gradmesser für die Lebensqualität einer Stadt sind die Einkaufsmöglichkeiten. Nicht wenige, die sich einem neuen Arbeitgeber in einer Stadt anschließen wollen, beziehen in ihre Entscheidungsfindung für die Wahl des Lebensmittelpunktes den Einzelhandel mit ein. In Offenburg gibt es laut der Website der Stadt rund 450 Ladengeschäfte. 80 Prozent des Umsatzes kommen durch „Kaufkraftzufluss“, also von Auswärtigen Kunden.
Zwar habe die Zahl der Leerstände seit Corona laut Mark Gregotsch leicht zugenommen, aber es gebe eine gewohnt dynamische Situation auf den innerstädtischen Gewerbeflächen. Leer stehende Flächen könnten meist zeitnah durch attraktive Neueröffnungen wieder belegt werden. Grogotsch: „Einzelne Objekte stehen leer, weil die Eigentümerin oder der Eigentümer Umbaumaßnahmen planen. Über den aus Fördermitteln des Bundes finanzierten STADTRAUM konnten wir einige Erfolge bei der Begleitung von Eigentümer und Mietinteressierten erzielen.“
Mehr Aufenthaltsqualität durch Bäume
Nicht zu vernachlässigen ist auch der Aspekt der Nachhaltigkeit und der Stadtbegrünung. Laut dem „Baumretter“ Ralph Fröhlich sind fast alle Bäume in Offenburg beschädigt. Es werden nicht genug Bäume nachgepflanzt, moniert er. Wegen seiner diesbezüglichen Forderungen liegt er im Dauerclinch mit der Stadtverwaltung. Laut Fröhlich sind genügend Bäume und autofreie Räume unverzichtbar, um ein angenehmes Stadtklima und eine hohe Aufenthalts- und damit Lebensqualität in der Stadt zu schaffen bzw. zu erhalten.
Wirtschaftlich gesehen ist Offenburg nach wie vor ein starker Standort. Es gibt eine vielfältige und robuste Unternehmenslandschaft. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Gesamtsituation in Deutschland verzichtet der Gemeinderat bis 2028 auf Gewerbesteuererhöhungen. Im Jahr 2024 wurde zudem ein Rekord bei den Gewerbesteuereinnahmen erzielt. Mit 101 Millionen Euro wurden 22 Millionen Euro mehr in die Kassen gespült als veranschlagt.
Bezahlbares Wohnen als Standortfaktor
Damit die Stadt ein starker und attraktiver Wirtschaftsstandort bleibt, braucht es jedoch genügend bezahlbaren Wohnraum. Denn dies ist Voraussetzung für die Anwerbung von Fach- und Arbeitskräften, die von den Unternehmen nach wie vor dringend gebraucht werden. Ein Koch, Pflegefachkraft oder ein/e Hotelfachangestellte/r wird kaum über mehrere Monate vergebens eine bezahlbare Wohnung suchen wollen, um sich in Offenburg ansiedeln zu können. Laut Mark Gregotsch ist der Wohnungsmarkt jedoch nach vor angespannt, das ist auch längst bekannt (wir berichteten).
Doch die Stadt engagiere sich für die Schaffung und den Erhalt von bezahlbarem Wohnraum. So würden in der Baulandentwicklung Quoten für geförderten und preisgedämpften Wohnraum gelten. Gregotsch: „Ein wichtiger Partner ist dabei die städtische Wohnungsbaugesellschaft, deren durchschnittliche Miete mit 5,75 Euro pro Quadratmeter (Stand: 2023) deutlich unter dem Marktdurchschnitt liegt. Die Wohnbau wird bei der Finanzierung von Zukäufen und Investitionen in den geförderten Wohnungsbau unterstützt. Damit hat der Bestand in den vergangenen Jahren um fast 200 Wohnungen erhöht werden können.“
Bauen immer teurer
Ob das reicht, ist keineswegs sicher. Generell sieht es beim Thema bezahlbaren Wohnen eher schlecht aus in der Ortenau. Neue Wohnquartiere oder einzelne Bauvorhaben im Mietwohnungsbereich werden zu den marktüblichen Preisen, also teuer angeboten. Bauen wird aufgrund von Bodenspekulation, steigenden Kosten für Baumaterial und nicht zuletzt durch die Flut an Vorschriften immer teurer. Vorgaben der Städte wie in Offenburg die Quoten für geförderten oder preisgedämpften Wohnraum sind zu begrüßen, aber nicht üblich, obwohl die Kommunen durchaus eine Handhabe hätten.
Doch meist fehlt es bei den Verantwortlichen am notwendigen Problembewusstsein. So wird einseitig auf die Neuansiedlung von Gewerbebetrieben hingewirkt, doch das Bezahlbare Wohnen wird meist vernachlässigt. Dabei warnen bereits die IHK und nicht zuletzt der Mieterverein Offenburg-Lahr, dass das Thema zunehmend zur Standortfrage wird. Da nützt auch die attraktivste Stadtmarke nichts, wenn sie nicht konsequent gelebt wird und damit an Authentizität gewinnt.
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