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Streit um Windpark Hummelsebene: Drohnenvideo zeigt Rodungen und neue Dimension des Projekts

© Markus Hartmann – Der Anwohner des Windparks Hummelsebene hat die Schäden an der Natur dokumentiert.
Ein Drohnenvideo aus dem Schwarzwald sorgt derzeit für neue Aufmerksamkeit rund um den Windpark Hummelsebene bei Oberkirch. Während die Bauarbeiten für drei Anlagen weiter voranschreiten, dokumentiert ein Anwohner die großflächigen Rodungen im Wald. Wir zeigen das Video. Befürworter verweisen auf klimafreundlichen Strom für Tausende Haushalte, Kritiker auf Eingriffe in Natur und Landschaft. Wie groß die Auswirkungen tatsächlich sind – und welche Argumente im Streit wirklich tragen.
Beginn der Hochbauarbeiten

Am 6. März freuten sich die Projektbeteiligten des Windparks Hummelsebene über den Beginn des Turmbaus und damit des nächsten Bauabschnitts. Angeführt von der Windpark Hummelsebene GmbH & Co. KG (vertreten durch die beiden Unternehmen Ökostromgruppe Freiburg und Stadtwerke Oberkirch) vollzogen die ebenfalls Beteiligten Stadt Oberkirch in Person des OB Gregor Bühler sowie der Bürgermeister weiterer sieben Städte und Gemeinden den offiziellen Schulterschluss. Mit den drei Windenergieanlagen sollen 15.000 Haushalte mit dem Öko-Strom versorgt werden.

Drohnen-Video von Markus Hartmann

Der Anwohner der Hummelsebene im Ortsteil Hesselbach, Markus Hartmann, hat vor wenigen Tagen ein Drohnen-Video mit dem Titel „Tatort Hummelsebene“ auf YouTube (siehe unten) veröffentlicht, auf dem die ganzen Ausmaße der Waldrodungen und der aktuelle Stand der Bauarbeiten dokumentiert sind. Wir stellen das Video hier kurz vor, so dass jeder sich ein eigenes Bild von der Größe des Projekts und des Eingriffs in das sensible Ökosystem Schwarzwald machen kann. Dem Projektstart war eine monatelange Auseinandersetzung zwischen den Beteiligten und der windkraftkritischen Öffentlichkeit vorausgegangen.

Hummelsebene  Hummelsebene

Quelle: Markus Hartmann, Oberkirch

Ist Windkraft noch rentabel?

Ob die Rodungen in Waldgebieten des Schwarzwalds aus Klimaschutzgründen sinnvoll sind oder ob die Eingriffe in die Natur und die Kulturlandschaft Schwarzwald den Nutzen übersteigen, obliegt einer subjektiven Betrachtung. Denn ob künftig solche Großprojekte im Bereich der Windenergie in Baden-Württemberg noch möglich sein werden, wird die zu erwartende Novelle des Erneuerbare Energien-Gesetzes (EEG-Novelle) von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zeigen. Wie 22 Projektierer aus der Region neulich mitteilten, wären weitere Projekte wegen der geplanten Aufhebung der Vorfahrtsregelung für Windstrom in das Stromnetz nicht mehr rentabel. Dies impliziert, dass Windkraft im Ländle ohne aufwendige Subventionen nicht zu stemmen ist (Wir berichteten).

Was ist dran am „Vogelschredder“

Markus Hartmann, ein ausgewiesener Windkraftgegner, bezeichnet Windräder auf seinem YouTube-Profil als „Vogelschredder“. Eine in der Szene gängige Bezeichnung. Dies ist laut einer Studie von National nicht haltbar. Das Bundeswirtschaftsministerium schätzt laut National Geographic die Zahl der durch Rotorblätter von Windrädern getöteten Vögel auf 10.000 bis 100.000. Das entspricht bei 29.000 Windrädern ca. ein bis vier Vögeln pro Windrad. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) gibt die Zahl mit insgesamt 100.000 an.

Hummelsebene  Hummelsebene

Quelle: Markus Hartmann, Oberkirch

Die Todesursachen der Vögel

Vergleicht man die Zahl mit den anderen Ursachen für den Vogelschwund, ist das eine fast zu vernachlässigende Größenordnung. Dem Bericht zufolge werden jährlich alleine durch Glasflächen, z. B. an Hochhäusern, 100 bis 115 Millionen Vögel getötet. Katzen fallen demnach 20 bis 100 Millionen Vögel zum Opfer und durch den Straßenverkehr werden jährlich rund 70 Millionen Vögel getötet. Zusammengenommen ist das die bis zu 2.850fach höhere Zahl als durch Windräder verursachte Schäden am Vogelbestand.

Welche Argumente wiegen schwerer?

Die Bezeichnung Vogelschredder überzeichnet das Problem dramatisch. Denn auch niemand kommt auf die Idee, Katzen, Autos oder Fensterglas zu verbieten. Weit griffiger sind die Argumente der Windkraftgegner beim Thema Eingriffe in die Natur, wie man unschwer auf den Fotos erkennen kann. An welchen Standorten Windkraft sinnvoll ist, und wo die Schäden durch Rodungen in sensiblen Ökosystemen weit größer sind, als durch die CO2-Einsparung gewonnen wird, ist unterschiedlich. Eine nüchterne Kosten-Nutzen-Analyse kann hier wahre Wunder bewirken. Der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern e.V. (LBV) beispielsweise ist National Geographic zufolge für Windkraft, weil die Schäden an Flora und Fauna durch die Erderwärmung weit größer seien.

Fazit: Es gilt von Fall zu Fall abzuwägen. Keine der Konfliktparteien im Streit um die Windkraft hat die alleinige Wahrheit gepachtet. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern eben auch Grautöne. Die Fronten sind verhärtet, doch die Kontrahenten sollten die Bereitschaft zeigen, aufeinander zuzugehen.

Weitere Quellen:

NABU: Bedroht die Hauskatze die Artenvielfalt?

NABU: Das große Vogelsterben

Faktenfuchs#: Sterben Vögel durch Windräder (BR)

Unsichtbare Todesfalle: Wenn Vögel gegen Fenster fliegen (National Geographic)

Siehe auch hier:

Trotz Kritik und Protesten: Hochbau der drei Windanlagen auf der Hummelsebene hat offiziell begonnen

Windkraft im Südwesten vor dem Aus? 22 Projektierer schlagen Alarm und fordern Änderung der EEG-Novelle

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