Von Wolfgang Huber
Das Landratsamt Ortenaukreis hat die Genehmigung für den Bau und Betrieb von zwei Windenergieanlagen des Typs Vestas V-172-7.2 MW in Achern erteilt. Die Errichtung und der Betrieb der Anlagen am Firmenstandort der fischer group in Achern-Fautenbach, dem größten Arbeitgeber in Achern, obliegt den beiden Projektpartnern fischer group und Ökostromgruppe Freiburg, sie das Landratsamt in einer Pressemitteilung schreibt. Der mit den beiden Anlagen erzeugte Strom soll zur Eigenversorgung des Unternehmens genutzt werden und in einem weiteren Schritt zur Herstellung von „grünem Wasserstoff“ dienen.
Senkung der CO2-Emmissionen
Die beiden 261 Meter hohen Windkraftanlagen sollen auf einem Grundstück in unmittelbarer Nähe des Betriebsstandorts in Achern-Fautenbach an der Autobahn A5 errichtet werden. Sie haben eine Nennleistung von je 7,2 MW und sollen insgesamt 26 Mio kWh/a Strom erzeugen. Die von der fischer group geplante Nutzung diene nicht nur der Bereitstellung von nachhaltigem Strom für den eigenen Produktionsprozess, sondern unterstütze auch das Unternehmensziel, die CO₂-Emissionen signifikant zu reduzieren und den Anteil erneuerbarer Energien in der eigenen Energieversorgung zu steigern.
Wie schon Guido Eckenwalder, Sales Director Battery Systems & Hydrogen Technologies, im August vergangenen Jahres im Interview mit dem Ortenau Journal erklärte, soll der erzeugte Strom auch insbesondere zur Herstellung von grünem Wasserstoff für die eigene Produktion genutzt werden. Dies ist bisher einmalig im Ortenaukreis. „Die Elektrolyse eingerechnet, liegen wir dann schon bei 36 GW/h (Stromverbrauch, Anm. d. Red.). Außerdem streben wir einen weiteren Wachstumsprozess an, wodurch dann noch mehr dazu kommt. Das heißt, die zwei Windräder helfen uns gewaltig und produzieren mit Sicherheit mehr als die Hälfe von dem, was wir an Strom brauchen“, sagte Eckenwalder damals.
Netzeinspeisung
Laut Eckenwalder, der sich unter anderem um den Bereich Wasserstoffwirtschaft kümmert, seien alle Szenarien genau simuliert worden. So gebe es ja auch Dunkelflauten, in denen noch Strom zugekauft werden müsse: „In Dunkelflauten haben wir keine Sonne und keinen Wind. Es gibt Zeiten, wo wir mehr Wind haben. Da haben wir Strom übrig. Und es gibt Zeiten mit wenig Wind. Wir werden also Strom brauchen im Werk, dann auch für die Elektrolyse und wir werden ins Netz einspeisen.“
Auch der geschäftsführende Gesellschafter der fischer group Hans-Peter Fischer, zeigte sich erfreut über den nächsten Schritt hin zur Umsetzung der Energiestrategie des Unternehmens: „Ein weiterer Meilenstein in unserem zukunftsträchtigen Gesamtkonzept, dem fischer Energie-Ecosystem. Mit der Genehmigung der beiden Windenergieanlagen wird aus einer innovativen Idee nun Realität.“
Sicherung von Arbeitsplätzen
Über den Windstrom als solchen hinaus produziere die fischer group mit dem grünen Strom auch grünen Wasserstoff, der direkt bei den thermischen Prozessen benötigt und verbraucht werde. „Teilmengen werden wir aber auch mit der Möglichkeit der Rückverstromung in einem Metallhydridspeicher speichern, der komplett mit fischer Edelstahlrohren bestückt ist. Mit den gesamten Maßnahmen reduzieren wir um ca. 70 Prozent unsere CO₂-Emissionen, senken und stabilisieren die Energiekosten und sichern so Arbeitsplätze“, so Guido Eckenwalder damals.
Die Windenergieanlagen sollen voraussichtlich Ende 2026, Anfang 2027 in Betrieb genommen werden. Damit liegt der Hersteller von Edelstahlrohren ungefähr im Zeitplan. Das Projekt sei auch eine Standortfrage: „Es geht um Resilienz. Wir können uns nicht leisten, dass wir ständig irgendwelche zappelnden Strompreise haben. Wir brauchen eine klare Kalkulationssicherheit. Langfristigkeit heißt auch, wir bekennen uns da zum Standort Deutschland und zum Standort Achern.“
„Regierung etwas rechts von der Ampel“
Der Sales Dirctor sagte damals auch, dass eine neue Regierung „etwas rechts von der jetzigen Regierung“ durchaus die Themen ökologische Transformation mitsamt der Wasserstoffstrategie des Bundes weiter voranbringen werde. „Das ist aber reine Spekulation.“ Inzwischen ist die Wahl gelaufen und es ist voraussichtlich mit der sich abzeichnenden GroKo genau das eingetreten: eine Regierung etwas rechts von der Ampel. „Tatsache ist, dass wir in den vergangenen zwei Jahren einen drastischen Zubau hatten an PV- und Windkraftanlagen. Wenn dieser Weg nicht weiter beschritten wird in Richtung CO2-Neutralität, dann werden die Ziele für 2030 nicht erreicht.“
„Wir freuen uns sehr über die Genehmigung dieses wegweisenden Projekts. Mit der Errichtung der ersten Windenergieanlagen im Ortenaukreis, die direkt der Eigenversorgung eines Unternehmens dienen, wird ein starkes Signal für die lokale Energiewende und die Umsetzung nachhaltiger Produktionsprozesse gesetzt“, erklärte der Mitteilung zufolge Landrat Thorsten Erny. „Dieser Schritt trägt dazu bei, die Klimaziele auf regionaler Ebene zu erreichen und den Wirtschaftsstandort Ortenaukreis zu stärken.“
Foto: Nikolas Stoermer (Erster Landesbeamter im Ortenaukreis), Lukas Schuwald (Ökostromgruppe Freiburg), Gerd-Volker Waltersbacher (fischer group), Hans-Peter Fischer (fischer group), Landrat Thorsten Erny, Katharina Tränkle (Landratsamt Ortenaukreis), Guido Eckenwalder (fischer group) bei der Überreichung der Genehmigungsurkunde.
Siehe auch:
Guido Eckenwalder (fischer group): „Wir bekennen uns zum Standort Achern!“
Grüner Wasserstoff: Produktionsanlage in Gengenbach geplant
badenova kann ab 2035 Koehler und BSW mit grünem Wasserstoff beliefern
Ödsbacher Straße 6
77704 Oberkirch
Telefon: +49 7802 916 99 43
E-Mail: info@brandmediaberlin.de
Ödsbacher Straße 6
77704 Oberkirch
Telefon: +49 7802 916 99 43
E-Mail: info@brandmediaberlin.de
2025 | Ortenau Journal – Das Nachrichtenportal für die Ortenau