Die umfassenden US-Zölle sorgen bis industriellen Mittelstand hinein für Unruhe und Besorgnis. Die wvib Schwarzwald AG hat ihre Mitgliedsunternehmen befragt, wie sie von neuen Exporthemmnissen betroffen sind und wie sie darauf reagieren. Immerhin 19 Prozent wollen ihre Präsenz in den USA ausbauen oder neu etablieren. Ein Unterfangen, das insbesondere kleinere Unternehmen kaum leisten könnte, wie die wvib Schwarzwald AG in einer Pressemitteilung schreibt.
Auf Dauer nicht mehr wettbewerbsfähig
Gleichzeitig erhöht die wvib offenbar den Druck auf die Politik. Bislang vermisst die Wirtschaft in den Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD Signale in Richtung Entlastungen bei Steuern, Energie und Bürokratie. Es darf gespannt verfolgt werden, ob die designierten Koalitionäre den Ernst der Lage bezüglich der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen angesichts struktureller Defizite Deutschland erkannt haben. Wirtschaftsverbände wie die wvib und die IHK Südlicher Oberrhein hatten vor der Bundestagswahl vehement ein entschlossenes Handeln gefordert. Angesichts der Rahmenbedingungen in Deutschland ist die exportabhängige Wirtschaft auf dem Weltmarkt auf Dauer nicht mehr wettbewerbsfähig.
Mehr als ein Drittel rechnet der Umfrage zufolge mit Umsatzeinbußen. „Mehr Zollbarrieren gab es zuletzt vor über 100 Jahren. Die Folgen dieses handelspolitischen Amoklaufs werden überall auf der Welt und erst recht im Schwarzwald zu spüren sein“, wird wvib-Geschäftsführer Christoph Münzer zitiert. Am stärksten werde der „Dealmaker“ Trump der eigenen Wirtschaft schaden. Die EU müsse jetzt selbstbewusst reagieren und zugleich eine harte Eskalation verhindern, Münzer weiter. „Brüssel muss verhandeln – sollte aber nicht ohne Drohpotenzial nach Washington fahren.“
USA wichtigster Exportmarkt
Für die Industrie stehe viel auf dem Spiel. Die USA seien der wichtigste Exportmarkt der deutschen Industrie. Für 69 Prozent der Befragten im wvib-Cluster Globalisierung ist der US-Markt eigenen Angaben zufolge sehr wichtig, für 15 Prozent habe der Handel in den USA sogar eine existenzielle Bedeutung. Wie bei den großen Automobilherstellern mache es auch bei den mittelständischen Unternehmen einen Unterschied, wie sie in den USA präsent sind, wenn Zölle drohen. Im Vorteil sei, wer bereits vor Ort ist. Allerdings sei nur etwas weniger als ein Viertel der Unternehmen mit einem eigenen Werk in den USA vertreten. Mit einer eigenen Vertriebsgesellschaft können 42 Prozent glänzen. 35 Prozent würden den US-Vertrieb über lokale Partner abwickeln.
Immerhin 36 Prozent erwarten Umsatzeinbußen als Folge der Ankündigungen von Donald Trump, heißt es weiter. Zugleich führe an Industriegütern aus Deutschland für US-Kunden vielerorts kein Weg vorbei: 23 Prozent rechnen damit, höhere Preise durchsetzen zu können. Weitere 23 Prozent erwarten, dass sich im Exportgeschäft zunächst wenig ändern wird, sich aber langfristig die Lieferketten verschieben werden. 15 Prozent gaben demnach an, nur indirekt von den Zöllen betroffen zu sein, da ihre Produkte über eine komplexere Lieferkette in die USA gelangen. Für nur drei Prozent sei von Trumps Drohungen nicht betroffen. Sie würden über eigene Produktionsstandorte in den USA verfügen. Bei dieser Frage waren Mehrfachnennungen möglich.
Ausbau von Kundenbeziehungen
Der Aufbau einer Produktion in den USA ist kostspielig und für kleinere Unternehmen kaum zu leisten. Nur 19 Prozent der Befragten wollen langfristig die Produktion in den USA weiter ausbauen oder neu aufbauen. Einen Kauf eines amerikanischen Unternehmens vor Ort erwägen immerhin 11 Prozent der Befragten. 36 Prozent wollen sich darauf konzentrieren, Verluste durch den Ausbau von Kundenbeziehungen zu kompensieren. Immerhin ein Viertel der Befragten plant laut der Umfrage derzeit keine weiteren Maßnahmen und möchte mögliche Einbußen aussitzen.
wvib-Hauptgeschäftsführer Dr. Christoph Münzer weist auf die seit langem gebetsmühlenartig formulierten Forderungen der Industrie und der Wirtschaft insgesamt hin, in dem er auf die aus Sicht der Unternehmen ein entschlosseneres Handeln der Politik einfordert: „Mit Trumps Zolldrohung sollte auch dem Letzten klar geworden sein: Die nächste Bundesregierung muss dringend an der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands arbeiten. Die Rahmenbedingungen für Unternehmen müssen insgesamt deutlich verbessert werden: Wir brauchen vor allem weniger Bürokratie, niedrigere Steuern und bezahlbare Energie. Dazu ist aus den Koalitionsverhandlungen bisher zu wenig zu hören.“
red/Wolfgang Huber
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