Kunst & Kultur

Rainers Glosse #11: Kunstmessen – das sind unerlässliche Triebfedern des „Showbusiness Kunst“

© FLM design + creative/Ortenau Journal – Rainer Braxmaier hat in seiner Glosse #11 die Kunstmessen im Fokus.
In der Überfülle der Angebote verlieren wir oft den Überblick: Was wollen wir sehen – was wäre uns wichtig? Eine kleine Orientierungshilfe soll die monatliche Glosse über sehenswerte Kunstereignisse geben, die manchmal in der Nähe, aber auch in erreichbarer Ferne liegen. Für den Februar 2026 lässt der Künstler und Autor Rainer Braxmaier den Blick in der Region schweifen – und findet Perlen der Kunstereignisse, von der Kunstmesse bis zu einer der größten Privatsammlungen.

Von Rainer Braxmaier

Im Februar beginnt die Saison der Kunstmessen – das sind unerlässliche Triebfedern des „Showbusiness Kunst“. Sehen und gesehen werden gilt zu gleichen Teilen für die Exponate, die Kunstwerke, ihre Erzeuger, die Künstler, ihre Vermittler, die Galeristen und natürlich auch für das neugierige Publikum, das die Messehallen stürmt. Der Klassiker ist dabei die Art Basel, der größte und umsatzstärkste Markt, in dem nicht nur zeitgenössische Kunst gehandelt wird. Die nächste Art Basel findet vom 18. bis 21. Juni statt.

Eine der jüngsten Messen: die Art Karlsruhe

Den Start macht zum Monatsanfang die Art Karlsruhe (6. Bis 8. Februar 2026) – in diesem Jahr läuft die von Ewald Karl Schrade angeregte Messe zum 23. Mal. Damit ist sie eine der jüngsten Messen, die sich mittlerweile aber einen festen Platz in der Szene erobert hat. Zwar hat Messegründer Schrade die Leitung inzwischen in jüngere Hände gegeben, doch seine Handschrift ist immer noch zu erkennen: Großzügig bemessene Kojen, die der Präsentation mehr Raum geben und vor allem die stärkere Berücksichtigung der Bildhauerei, für die mehr als zwanzig eigene Plätze geschaffen wurden. Auch in diesem Jahr hoffen die Veranstalter auf bis zu 50 000 Besucher.

Werke von 600 Künstlern

Am nächsten für Ortenauer Kunstfreunde ist die St-ART, die internationale Kunstmesse in Straßburg, die im letzten November zum 29. Mal stattfand und die zweitgrößte Kunstmesse in unserem Nachbarland ist. Dort zeigten 160 Galerien die Werke von etwa 600 Künstlern. Zwar gibt es inzwischen auch eine „St-ART Bretagne“, doch bis zur nächsten Ausgabe in Straßburg wird es wieder bis zum Herbst dauern.

Art Basel

Die Art Basel wurde 1970 von drei Galeristen gegründet. Foto: Art Basel

„Ableger“ in Hongkonk

Nicht viel weiter ist es aber bis zur größten und ältesten Messe in Europa: der Art Basel, die in diesem Jahr vom 18. – 21. Juni in den Baseler Messehallen stattfindet. 1970 von drei Basler Galeristen, unter ihnen der legendäre Ernst Beyeler, gegründet, entwickelte sie sich zu einer der größten und wichtigsten Messen überhaupt, die inzwischen auch „Ableger“ in Paris, Miami Beach und Hongkong unterhält. Seit mehr als fünfzig Jahren werden aber in Basel die spektakulärsten „Deals“ getätigt.

Wettbewerb zwischen Köln und Düsseldorf

Fast ebenso groß ist die Tradition der Kölner Kunstmesse „Art Cologne“, die aber auch eine Herbstmesse ist, in diesem Jahr vom 5. Bis zum 8. November. Legende ist der Wettbewerb zwischen den Städten Köln und Düsseldorf, nicht nur was Bier und Fußball angeht, sondern auch betreffend die aktuelle Kunst. Die einzigen Kunstakademien in Bordrhein-Westfalen befinden sich zwar in Düsseldorf und in Münster, aber eben nicht in Köln. Dennoch war die Stadt seit den 1970er Jahren die heimliche Hauptstadt der aktuellen Kunst mit den meisten Galerien. In dieses Profil passt auch die Kunstmesse, die in der Vergangenheit Maßstäbe setzte.

Wegen Erfolglosigkeit eingestellt

Dem konnte auch die Bankenmetropole Frankfurt nicht nachstehen – 1989 wurde die Art Frankfurt gegründet, ähnlich umfangreich wie die Art Cologne. Doch der Erfolg hielt keine zwanzig Jahre. 2007 wurde die Messe wegen Erfolglosigkeit eingestellt. Allerdings gibt es seit einigen Jahren die „Discovery Art“ in Frankfurt, die sich vornehmlich jungen Positionen widmet, um diese marktfähig zu machen. Die 9. „Discovery Art“ ist vom 29. Oktober bis zum 1. November 2026 geplant.

musee würth

Das Musée Würth France Erstein. Foto: Musée Würth

Die Welt der Sammler

Bleibt zum Schluss der Blick auf die andere Seite des Kunsthandels, in die Welt der Sammler. Hier hat der „Schraubenfabrikant“ Reinhold Würth ein „Leuchtturmprojekt“ ins Leben gerufen und seine umfangreiche Kunstsammlung, die wohl etwa 20 000 Exponate umfasst, auf 15 Museen in ganz Europa verteilt, die immer auf Würth-Betriebsgelände liegen und keinen Eintritt kosten.

Heroen des 20. Jahrhunderts

Das für den Ortenauer Kunstfreund am nächsten gelegene liegt im elsässischen Erstein. Seit Ende Januar kann man dort das Ausstellungsprojekt „Zoom“ genießen – eine Sammlung von etwa 100 Künstlerfotos die Heroen des 20. Jahrhunderts zeigen und etwa 40 Werke der Künstler aus der Sammlung Würth – von Picasso bis Baselitz. Ein spannendes Vergnügen, das noch bis zum 10. Januar 2027 geöffnet sein wird.

Siehe auch hier:

Rainers Glosse #10: Kunst im Januar – Kusamas Punkte, Ortenauer Linien und Offenburger Früchte

Rainers Glosse #9: Weihnachtskunst voller Strahlkraft: Rainer Braxmaiers Reise zum Isenheimer Altar

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