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Kranzniederlegung am Ehrenmal für sowjetische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in Baden-Baden

© Foto: Marduk Buscher – Vor der Blumenniederlegung am sowjetischen Ehrenmal in Baden-Baden-Malschbach.
Still und fast vergessen liegt das ehemalige Kriegsgefangenenlager in Baden-Baden-Malschbach – ein Ort, der für Leid, Zwangsarbeit und Tod steht. Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erinnert ein schlichtes Ehrenmal an 253 sowjetische Opfer des Nationalsozialismus. Eine Gedenkveranstaltung der Deutsch-Russischen Kulturgesellschaft Baden-Baden rückt nun das Schicksal der insgesamt 27 Millionen Toten erneut ins Bewusstsein – und wirft Fragen nach Versöhnung auf.
Von Marduk Buscher

Nicht weit vom Lichten Tale der Oos, im idyllisch-abgelegenen Ortsteil Malschbach, befand sich im Zweiten Weltkrieg das Internierungslager für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, amtsdeutsch „Stalag VC Malschbach“ genannt. Bis zum Frühjahr 1942 waren hier zwischen 18.000 und 25.000 Kriegsgefangene interniert. Die Akten, welche die dort an diesen begangenen Verbrechen dokumentierten, wurden in den letzten Kriegstagen nach Karlsruhe transportiert und dort vernichtet.

253 sowjetische Mitkämpfer

1950 errichtete die französische Besatzungsmacht ein Ehrenmal für 253 sowjetische Mitkämpfer gegen den Nationalsozialismus, darunter Russen, Weißrussen, Ukrainer und viele andere Nationalitäten mehr, die man dort anonym bestattete. Die Inschrift auf einem umlaufenden Fries des einfachen Steinquaders besagt:

„Hier sind 253 sowjetische Bürger beigesetzt – Ewiger Ruhm den Kämpfern für die Freiheit – Den in der faschistischen Gefangenschaft Gefallenen – 4. März 1950“

27 Millionen tote Sowjetbürger

Sie waren Teil eines gigantischen Genozids, welchen Nazi-Deutschland an geschätzt etwa 27 Millionen Bürgern der Sowjetunion beging (Unternehmen „Barbarossa“). Daran erinnert seit kurzem an jedem 19. April ein Gedenktag, der 2026 erstmals Anlass für eine Kranz- und Blumenniederlegung der Deutsch-Russischen Kulturgesellschaft Baden-Baden war. Wegen der besonderen Bedeutung des Anlasses gaben die beiden Generalkonsuln von Belarus und Russland dem Veranstalter die Ehre.

Drt. René Lohs und der Generalkonsul Russlands in Bonn Oleg Ju. Krasnitskiy. Foto: Marduk Buscher

Einvernehmlich betonten der russische Generalkonsul in Bonn, Oleg Ju. Krasnitskiy, und der belarussische Generalkonsul der Republik Belarus in München, Kirill L. Dragun, das gigantische Ausmaß des Völkermords und dass es gelte, aus der Geschichte zu lernen, um ihre Wiederholung zu verhindern. Dazu trügen besonders Städtepartnerschaften und die Arbeit von Kulturvereinen bei.

Laute Verkehrsgeräusche

Dr. René Alexander Lohs dankte als Vorsitzender der Deutsch-Russischen Kulturgesellschaft Baden-Baden und stellte klar, dass sich der Verein eigentlich nie politisch äußere, im Falle des Völkermords an den Bürgern der Sowjetunion aber eine verpflichtende Ausnahme sehe.

Damit standen er und die etwa 30 Teilnehmer der Veranstaltung relativ alleine unter dem riesigen Baum, der dem Denkmal im Sommer Schatten spendet. Im Hintergrund blühte ein wilder Kirschbaum.

Die traurigen Lieder, welche von dem Klarinettisten Kirill Rybakov vorgetragen wurden, konnten sich kaum gegen die lauten Verkehrsgeräusche durchsetzen, die von der Maximilianstraße über die Mauer des Ehrenfriedhofs brandeten. Die Alarmanlage eines Autos wirkte wie bestellt, um den ruhig-besinnlichen Rahmen des Gedenkens zu stören.

“Mechanismen gegen Versöhnung”

„Offenbar gibt es in einer relativ kleinen Stadt wie Baden-Baden mit heute etwa 55.000 Einwohnern Mechanismen, die einer aufklärenden und versöhnenden Arbeit im Wege stehen“, so schrieb 2014 Stefan Westermann in seiner Masterarbeit „Zwangsarbeit in Baden-Baden“, und er empfahl, „Hier sollte die Stadt mit gutem Beispiel vorangehen und mit den betroffenen Unternehmen – die von Zwangsarbeit profitierten – ein Vorgehen im Sinne der Versöhnung initiieren, was etwa in einer Städte-Partnerschaft oder einem Stipendienprogramm realisiert werden könnte.“

Leider hat die Stadt Baden-Baden aber die Städtepartnerschaften zu russischen Städten „auf Eis“ gelegt, weshalb der Blumenniederlegung in Lichtental eine so besondere Bedeutung zukommt, dass sie sogar Diplomaten aus Bonn und München anreisen ließ.

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