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Racing Straßburg setzt auf junge Talente: Großer Umbruch zeigt bereits positive Anhaltspunkte und Erfolge

© Philipp Cleiß – Das verjüngte Team von Racing Strasbourg funktioniert schon ganz gut.
Sieben Stammspieler weg, zahlreiche Talente neu verpflichtet: Racing Straßburg hat seinen Kader im Sommer radikal umgebaut. Nach den ersten fünf Ligaspielen zeigt sich, dass das Risiko dieser Strategie überschaubar, das Potenzial aber erheblich ist. Sieben Punkte und Tabellenplatz acht spiegeln die Entwicklung nur bedingt wider. Trainer Hugo Oliveira muss aus einer der jüngsten Mannschaften Europas schnell ein stabiles Team formen. Besonders ein dänischer Nationaltorwart sorgt dabei bereits für Aufsehen.
Von Peter Cleiß

Kaum ein anderer europäischer Profiklub hat seine Mannschaft im Sommer so grundlegend verändert wie Racing Straßburg. Dennoch fällt die sportliche Bilanz der Elsässer für die ersten 6 Meisterschaftsspiele in der Ligue 1 angesichts des außergewöhnlichen personellen Umbruchs insgesamt ermutigend aus.

Racing setzt seine ungewöhnliche Personalpolitik konsequent fort. Zahlreiche Spieler, darunter mit Emanuel Emegha (Chelsea),  Diego Moreira AC Mailand), Valentin Barco (Chelsea),  Guela Doué ( Bayer Leverkusen) Julio Ensicos (Ipswich Town), Abdoul Quattara (Ipswich Town), und Ben Chilwell (Crystal Palacce) sieben Stammspieler der Saison 2025-2026, haben den Verein während der Sommerpause verlassen. Ebenso viele junge Talente wurden verpflichtet. Die sportliche Herausforderung für den ebenfalls neuen Trainer Hugo Oliveira (Falamicano / Portugal) besteht darin, aus einer nahezu vollständig neu zusammengestellten Mannschaft innerhalb weniger Wochen ein konkurrenzfähiges Team zu formen.

Risiken der Verjüngung

Die bisherigen Meisterschaftsspiele zeigen sowohl das Potenzial als auch die Schwierigkeiten dieses Konzepts. Überzeugenden Auftritten und bemerkenswerten spielerischen Leistungen stehen Begegnungen gegenüber, in denen es den jungen Straßburgern noch an Konstanz, Erfahrung und defensiver Stabilität mangelte. Besonders gegen erfahrene Gegner werden die Risiken der konsequenten Verjüngung deutlich.

Racing-Coach Hugo Oliveira. Foto: Philipp Cleiß

Wirtschaftlich verfolgt Racing Straßburg einen bemerkenswerten Kurs. Der Verkauf zahlreicher Spieler brachte dem Verein im Sommer Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe. Trotz erheblicher Investitionen in neue Talente blieb ein beträchtlicher Transferüberschuss von rund 100 Mio. Damit verbindet der Klub sportliche Entwicklung mit einem Geschäftsmodell, das wesentlich auf der Verpflichtung, Förderung und späteren gewinnbringenden Weitergabe junger Spieler beruht.

Sonderstellung in Europa

Racing stellt auch in der Saison 2026/27 eine der jüngsten Mannschaften im europäischen Profifußball. In den fünf großen europäischen Ligen nehmen die Straßburger beim niedrigen Durchschnittsalter eine Sonderstellung ein. Erfahrung wird bewusst durch Entwicklungspotenzial ersetzt. Dass eine derart junge Mannschaft nicht in jeder Begegnung konstant auftreten kann, gehört zu den absehbaren Begleiterscheinungen dieser Strategie.

Gerade die bisherigen Ligaspiele haben allerdings erkennen lassen, welches Potenzial in dieser Mannschaft steckt. Allen voran Filip Jörgensen, Dänischer Nationaltorwart der von Chelsea London auf Leihbasis zu Racing kam, beeindruckte vom ersten Spiel an mit seiner Klasse. Die jungen Straßburger Feldspieler verfügen über Tempo, technische Qualität und eine für ihr Alter typische Unbekümmertheit.

Schnelles Umschaltspiel

Wenn das Zusammenspiel funktioniert, ist Racing in der Lage, selbst Gegner vom Kaliber eines AS Monaco oder RC Lens mit schnellem Umschaltspiel, hohem Tempo und individueller Klasse erheblich unter Druck zu setzen. Gleichzeitig wird sichtbar, dass bei zahlreichen Spielern die Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist. Neben starken Phasen gibt es weiterhin Konzentrationsfehler, falsche Entscheidungen und Leistungsschwankungen.

Neu-Torwart Filip Jörgensen überzeugt von Beginn an mit starken Leistungen. Foto: Philipp Cleiß

Vor allem die Partei gegen Paris SG zeigte, dass eigene Unzulänglichkeiten derzeit die größte Gefahr für das Team von Oliveira darstellen. Gerade darin liegt jedoch auch die Perspektive: Wenn es gelingt, die vorhandenen individuellen Talente weiterzuentwickeln und daraus eine stabile Mannschaft zu formen, dürfte das derzeit erkennbare Leistungsniveau noch längst nicht die Obergrenze darstellen.

Positive Anhaltspunkte

Die bisherige Bilanz lässt sich deshalb nicht allein an den in 5 Spielen erreichten 7 Punkten und einem 8. Tabellenplatz messen. Entscheidend wird sein, wie schnell die zahlreichen Neuzugänge zusammenfinden und ob es gelingt, individuelle Begabung in dauerhafte mannschaftliche Stabilität umzusetzen. Die ersten Auftritte liefern dafür durchaus positive Anhaltspunkte. Der außergewöhnliche Umbruch macht die bisherigen Ergebnisse jedenfalls bemerkenswerter, als es ein isolierter Blick auf die Tabelle vermuten lässt.

Am Samstag in Nizza

Aus deutscher Sicht bleibt spannend zu sehen, ob es dem deutschen U21-Nationalspieler Karim Coulibaly (zuvor Werder Bremen) gelingt, sich gegen die starke Konkurrenz in der Innenverteidigung durchzusetzen. Bisher musste Coulibaly dem „gesetzten“ Ismael Doukouré sowie dem von Sturm Graz zu Racing gekommenen Jeyland Mitchell den Vorzug lassen. Am Samstag, 10. Oktober treten die Oliveira-Schützlinge beim OSC Nice an und sollten beim aktuellen 14. zählbares mit nach Hause bringen.

Titelfoto: Das „runderneuerte“ Racing-Team vor dem Spiel gegen AS Monaco (hinten v. l): Jörgensen, Ortega, Mitchell, Antwi, Soussa, Doukouré. (vorne v. l.) Oso, Diob, Yassin, Nanasi, Reyna;

Siehe auch hier:

1,33 Milliarden Euro Einnahmen – Frankreich wird zum Talentmarkt für Europas Topklubs

Racing Straßburg vor dem Saisonstart: Kann Trainer Hugo Oliveira den großen Umbruch noch auffangen?

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