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Racing Straßburg vor dem Saisonstart: Kann Trainer Hugo Oliveira den großen Umbruch noch auffangen?

© Philipp Cleiß – Trainer Hugo Oliveira gibt Anweisungen im Training.
Vor dem Ligue-1-Auftakt in Marseille steht Racing Straßburg vor einem ungewöhnlich großen Umbruch. Zahlreiche Leistungsträger haben den Verein verlassen, weitere Abgänge drohen, während die Vorbereitung mit sechs Niederlagen in sieben Spielen ernüchternd verlief. Neu-Trainer Hugo Oliveira muss deshalb in der Defensive und Offensive improvisieren. Hoffnung macht die Verpflichtung von Torwart Filip Jørgensen. Kann Sportdirektor David Weir die Lücken bis zum Ende der Transferperiode schließen?
Von Peter Cleiß

Großes Rätselraten herrscht derzeit bei Racing Straßburg. Wer steht in der Startelf der Straßburger, wenn Racing am kommenden Freitag in Marseille die Saison 2026-2027 der Ligue 1 eröffnet? Wo steht die Mannschaft im Blick auf ihre Form, nachdem man die ersten sechs Vorbereitungsspiele allesamt verloren hat.

Wer soll die Abwehr dirigieren, die in den Vorbereitungsspielen wie ein löchriger Schweizerkäse wirkte und wer soll vorne die Tore schießen, nachdem Emanuel Emegha zum Partnerclub Chelsea gewechselt ist und Joaquin Panichelli wegen einem Kreuzbandriss frühestens im Dezember wieder zur Verfügung stehen wird? Kann Neu-Trainer Hugo Oliveira noch rechtzeitig Antworten finden auf diese Fragen?

Überraschungsmannschaft Racing

Die ruhige Hand von Racing-Präsident Mark Keller war seit dessen Übernahme der Präsidentschaft der Garant für Erfolg. Von der Amateurklasse hatte Keller den Straßburgern Traditionsverein wieder nach oben geführt. Ein Aufstieg folgte auf den anderen. Kaum in der Ligue 1 zurück, folgte der Gewinn des Ligapokals, der Klassenerhalt wurde geschafft und Jahr für Jahr überraschte Racing mit einer stetig besseren Platzierung in der Abschlusstabelle.

Es bleibt noch viel Arbeit für Racing im Training. Foto: Philipp Cleiß

Erfolge der Vergangenheit

Die einstige „Fahrstuhlmannschaft“ zwischen erster und zweiter Liga war plötzlich wieder eine feste Größe im französischen Elitefußball, qualifizierte sich zuletzt für die UEFA Conference League, stürmte dort ins Halbfinale, fegte im Vorbeimarsch den Bundesligisten Mainz 05 mit 4:0 aus dem Meinau-Stadion, schaffte zugleich den Sprung ins Halbfinale des „Coupe de France“ – und zog nebenbei auch noch eine komplette Sanierung und Erweiterung des Meinau-Stadions durch. Die Höhepunkte und begeisternden Erfolge folgten in so kurzen Rhythmen, dass der sensationelle 5:4 Abschluss-Sieg gegen den AS Monaco, nach einem 1:4 Rückstand, fast schon in Vergessenheit zu geraten droht.

Viele Stützen fehlen

Aber jetzt plötzlich herrscht Unruhe und Unsicherheit. Die Stützen der letztjährigen Mannschaft, Mike Penders, Mamadou Sarr, Valentin Barco, Emanuel Emegha (alle vier Chelsea London), Abdoul Quattara, Julio Enciso (beide Ipswich Town) und Diego Moreira (AC Mailand) sind weg. Racing kassiert Ablösesummen wie noch nie. Guela Doué, Ismael Doukouré, Samir El Mourabet und Sebastian Nanasi könnten ihrem Beispiel folgen und ebenfalls noch vor dem 1. September zu einem neuen solventen Verein wechseln.

Neben Clubs der Premier League stehen auch die Bundesligisten Dortmund, Leverkusen und Leipzig in der Tür bei Racing und wollen sich an den jungen Talenten bedienen. Elf Stammspieler der letzten Saison könnten am Ende der Transfer-Periode Racing verlassen haben.

Verkorkste Vorbereitung

Die Vorbereitungsspiele von Racing Strasbourg offenbarten gnadenlos, dass die verbliebenen Racing-Spieler insbesondere die Lufthoheit im eigenen und im gegnerischen Strafraum nahezu komplett dem Gegner überlassen müssen. Großgewachsene, kopfballstarke Spieler wie Mamdou Sarr in der Abwehr oder Emanuel Emegha im Sturm sucht man im aktuellen Rest-Kader von Racing vergeblich. Bei Eckbällen und Freistößen ist dieser Nachteil weder in der Defensive noch in der Offensive auszugleichen. Sechs Niederlagen gegen Sporting Lissabon (0:7), Blackburn Rowers (0:2), Brigthon (3:4), Elversberg (2:5) und Freiburg (0:2) stand zum Abschluss lediglich ein Unentschieden (1:1 gegen Newcastle United) gegenüber.

Das erklärte Saisonziel, Platz 5 in der Schlusstabelle, sowie eine erneut erfolgreiche Teilnahme am Pokalwettbewerb „Coupe de France“ dürfte davon abhängig sein, ob es Sportdirektor David Weir gelingt, bis zum Ende der Transferperiode diese beiden Lücken zu schließen.

Neue Nr. 1 im Kasten

Immerhin konnte man in den letzten Tagen den Wunschnachfolger für Mike Penders, Filip Jørgensen (Chelsea), als neue Nr. 1 im Racing-Tor verpflichten. Mit ihm erhofft sich Oliveira mehr Präsenz im Strafraum und ein besseres Kombinationsspiel aus der eigenen Defensive heraus. Dass Jørgensen in der frühen Jugend als Stürmer die Kickstiefel geschnürt hatte, kommt ihm nun auch in der Rolle eines mitspielenden Torwarts zugute.

Trainer Hugo Oliveira. Foto: Philipp Cleiß

Auch Diego Sousa (Guimares) konnte in seinen ersten Spieleinsätzen zeigen, dass er im Mittelfeld eine Bereicherung für das Racing-Spiel sein kann. Andere, wie Giovanni Reyna (Mönchengladbach), Fabio Baldé (HSV), Genesis Antwi (Chelsea) und Jacobo Ortega (Real Madrid) müssen erst noch zeigen, was sie leisten können.

Oliveira muss improvisieren

Und Hermann Malonga (20; Paris SG), Benjamin Brantlind (17; Göteborg), Trésor Kouablé (21; Bordeaux) oder Angelo Candido (16; Sao Paulo) dürften eher Investitionen für die Zukunft sein, als für die Gegenwart. Weitere Namen, wie die von Omari Kellymann (20; Chelsea London) und Jeyland Mitchell (21; Sturm Graz) machen seit Tagen hartnäckig die Runde beim Straßburger Proficlub.

Dass beim Auftaktspiel in Marseille am Freitag (Beginn 20:45 Uhr; live bei DAZN) schon jene Mannschaft auflaufen wird, die auch in den kommenden zehn Monaten die hochgesteckten Ziele von Racing erreichen soll, ist unwahrscheinlich. Hugo Oliveira wird sowohl in Marseille als auch beim ersten Heimspiel gegen den RC Lens (am 29. August um 17:15 Uhr im Meinau-Stadion) improvisieren müssen.

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