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Unternehmensberater Axel Stabnau: „Die deutsche und die französische Wirtschaft sind der Motor Europas.“

Axel Stabnau
© Wolfgang Huber – Unternehmensberater Axel Stabnau beim CAFA RSO-Treffen in Appenweier.
Wie gelingt mittelständischen Unternehmen der Sprung über den Rhein? Berater Axel Stabnau erklärt im Gespräch, warum Marktforschung, bikulturelles Verständnis und starke Netzwerke entscheidend sind. Er spricht über Digitalisierung, kulturelle Unterschiede zwischen deutschen und französischen Managern, M&A-Chancen und die wachsende Bedeutung der deutsch-französischen Zusammenarbeit in unsicheren geopolitischen Zeiten. Dabei betont er: Ohne gemeinsame Ziele und Vertrauen bleiben Synergien Theorie.
Von Wolfgang Huber

Axel Stabnau ist nicht nur Co-Präsident des deutsch-französischen Wirtschaftsclubs am Oberrhein, CAFA RSO. Im Hauptberuf begleitet und berät er Unternehmen von beiden Seiten des Rheins, wenn sie wirtschaftlich auf der jeweils anderen Seite aktiv werden wollen. Mit Elementen wie einer 360°-Unternehmensanalyse, einem Digital Boost oder gar einer ausgeklügelten Unternehmensstrategie arbeitet er zusammen mit dem Kunden am Markterfolg.

Zu Besuch bei Q-Fox

Das Ortenau Journal traf ihn bei der Veranstaltung von CAFA RSO in den Räumen von Q-Fox in Appenweier-Urloffen. Im Interview spricht er über Digitalisierung, Transformationsprozesse im deutsch-französischen Kontext sowie über regulatorische und kulturelle Unterschiede von deutschen und französischen Managern.

Ortenau Journal: Welche zentralen Herausforderungen erleben deutsche und französische Klein- und mittelständische Unternehmen aktuell, wenn sie mit Unterstützung der Stabnau Unternehmensberatung grenzüberschreitend wachsen wollen?

Axel Stabnau: Die Herausforderungen für deutsche und französische Unternehmen sind ähnlich. Zum einen ist das Thema Digitalisierung ein großes Feld, sowohl für französische als auch für deutsche Unternehmen. Ein weiteres zentrales Thema ist die Internationalisierung: die Frage, ob man in das Nachbarland geht – also für französische Unternehmen nach Deutschland oder für deutsche nach Frankreich – und wenn ja, auf welchem Weg. Genau hier unterstützt die Unternehmensberatung Stabnau dabei, die richtigen Marktinformationen zu beschaffen, um den Markt besser zu verstehen: worauf zu achten ist, wie die Kundengewohnheiten sind und wer die lokalen Wettbewerber sind. Auf dieser Basis lässt sich bewerten, ob der Markt attraktiv ist oder nicht. Im zweiten Schritt wird dann sehr oft mit möglichen ersten Kunden Kontakt aufgenommen, die zuvor identifiziert wurden. Stabnau öffnet hier die Türen, um mit potenziellen Kunden im Nachbarland ins Gespräch zu kommen, den Markt zu sondieren und zu sehen, wie die möglichen Kunden darauf reagieren. Wenn das alles positiv ist, kommt man schnell zur Strategie. Dabei geht es darum, so wenig wie möglich und so viel wie nötig zu verändern: Man behält die Erfolgsstrategie aus dem Heimatland bei und passt sie den lokalen Kunden und Wettbewerbern an, um auch im Nachbarland erfolgreich agieren zu können.

Digitalsierung

Die Digitalisierung ist einer der Mega-Trends in der Wirtschaft. Foto: freepik

Ortenau Journal: Welche Rolle spielt dabei die Marktforschung?

Axel Stabnau: Die Marktforschung steht bei allem immer am Anfang. Bevor man irgendetwas verändern oder anpassen kann, muss man wissen, wie der andere Markt tickt. Man muss wissen, worauf man sich einlässt.

Ortenau Journal: Wer ist Ihrer Erfahrung nach bei der digitalen Transformation derzeit weiter, die deutschen oder die französischen Unternehmen, und welche Faktoren entscheiden darüber?

Axel Stabnau: Digitalisierung ist ein breites Feld. Es gibt sehr dynamische Unternehmen sowohl in Frankreich als auch in Deutschland. Eindeutig zu sagen, der eine sei in diesem Bereich stärker und der andere in jenem, wäre gewagt. Aus dem Bauchgefühl heraus sind die Deutschen sehr sicherheitsorientiert. Das heißt, alles, was Sicherheits-IT betrifft, wird sehr genau geprüft. Hier sehe ich deutsche Unternehmen womöglich besonders stark. Alles, was im kreativen Bereich liegt, dafür sind die Franzosen weltweit bekannt, und dort sind sie mit hoher Wahrscheinlichkeit voraus. Aber letztlich muss man sich das immer im Detail anschauen. Bei Stabnau suchen wir immer individuelle Lösungen, die zu den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens passen. Dabei spielt auch die Regionalität eine Rolle. Es gibt Lösungen, die es nur in Frankreich gibt, und andere, die es nur in Deutschland gibt. Daran orientieren wir uns dann entsprechend.

Ortenau Journal: Welche typischen kulturellen oder organisatorischen Hürden bremsen Transformations- und Innovationsprojekte im deutsch-französischen Kontext?

Axel Stabnau: Generell kann bei deutsch-französischen Projekten die kulturelle Differenz die größte Hürde sein. Airbus ist dafür ein gutes Beispiel: Dort gab es über Jahre hinweg Spannungen im Management, weil ein französischer Manager anders funktioniert als ein deutscher Manager, was Auswirkungen auf die Arbeitsweise hat. Daraus können Spannungen entstehen. Umso wichtiger ist es, dass beide Seiten einander verstehen und die entsprechenden Verbindungen geschaffen werden, damit das Projekt erfolgreich umgesetzt werden kann. Genau hier unterstützt Stabnau mit bikultureller Kompetenz, indem wir sowohl mit den Franzosen als auch mit den Deutschen sprechen – ein Stück weit wie ein Mediator oder Projektsteuerer –, damit das Projekt zielführend zu Ergebnissen führt. Diese Differenzen sind letztlich auch Komplementaritäten. Wenn jeder sich auf seine Stärken konzentriert und diese zusammengeführt werden, sind Deutsche und Franzosen gemeinsam sehr stark. Wie in jeder Beziehung muss man akzeptieren, dass der andere anders funktioniert und andere Stärken hat als man selbst.

Manager

Deutsche und französische Manager ticken laut Axel Stabnau unterschiedlich. Foto: lookstudio/freepik

Ortenau Journal: Welche unterschiedlichen regulatorischen, arbeitsrechtlichen und administrativen Voraussetzungen müssen Unternehmen in Deutschland und Frankreich besonders beachten, bevor sie in den jeweils anderen Markt eintreten?

Axel Stabnau: Das hängt stark von der Vertriebsstrategie und vom Produkt ab. Es gibt sehr viele Komponenten, die berücksichtigt werden müssen. Wenn beispielsweise ein deutsches Herstellerunternehmen mit einem französischen Distributor zusammenarbeitet, ist das Hauptthema die Vertragsgestaltung zwischen Hersteller und Distributionspartner. Alles, was anschließend auf dem Markt passiert, liegt größtenteils beim Distributor. Wenn das deutsche Unternehmen in Frankreich physisch selbst aktiv wird, kommen weitere Aspekte hinzu. Sobald die Strategie steht, arbeitet Stabnau mit Spezialisten und Partnern zusammen – etwa Rechtsanwälten, Steuerberatern, Banken oder Versicherern –, damit alle relevanten Punkte geprüft werden und wirklich an alles gedacht wird.

Ortenau Journal: Was ist ein M&A-Berater?

Axel Stabnau: M&A steht für Mergers and Acquisitions, also Fusionen und Übernahmen. Das ist ein großes Thema, denn sowohl in Deutschland als auch in Frankreich geht die Babyboomer-Generation in Rente. Dadurch entstehen viele Nachfolgesituationen in Unternehmen. Hier ergeben sich mögliche Fusions- oder Akquisitionschancen für deutsche Unternehmen in Frankreich, die so mit einem bereits funktionierenden Unternehmen operativ tätig werden und erfolgreich sein können.

Ortenau Journal: Wo beobachten Sie derzeit die größten Synergien zwischen deutschen und französischen Unternehmen, etwa in bestimmten Branchen oder Technologiefeldern?

Axel Stabnau: Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich beobachte immer wieder: Wenn es ein gemeinsames Ziel und einen gemeinsamen Willen gibt, schreitet man auch voran. Dann entstehen die Synergien praktisch automatisch.

Bis 2030 werden viele Unternehmer in den Ruhestand eintreten. Foto: freepik

Ortenau Journal: Wie wichtig ist ein starkes Netzwerk aus M&A-Beratern, Juristen, Banken, HR-Experten oder Investoren, um grenzüberschreitende Wachstumsstrategien erfolgreich umzusetzen?

Axel Stabnau: Wir bei Stabnau sind überzeugt, dass ein Netzwerk aus starken Partnern die Grundvoraussetzung ist, um gute Beratung leisten zu können, denn man kann nicht alles wissen. Wenn es in die Tiefe gehen muss, braucht man Spezialisten, die die jeweiligen Themen wirklich prüfen können. Unsere Aufgabe ist es, dass das Gesamtpaket stimmig ist und funktioniert und wir mit den entsprechenden Spezialisten zusammenarbeiten. Ich vergleiche das gern mit der Bauwirtschaft: Der Architekt plant, wo die Fenster eingesetzt werden, aber er baut sie nicht selbst ein, sondern beauftragt Fachspezialisten. Genau so sehen wir unsere Rolle: Brücken zu schaffen und Türen zu öffnen, damit ein Unternehmen sowohl in Frankreich als auch in Deutschland erfolgreich oder noch erfolgreicher sein kann. Das ist unser Ziel.

Ortenau Journal: Wenn Sie in die Zukunft blicken, welche Markttrends und wirtschaftlichen Entwicklungen werden die deutsch-französische Zusammenarbeit im Management, Marketing und in der Geschäftsentwicklung in den nächsten fünf Jahren am stärksten prägen?

Axel Stabnau: Das Thema Digitalisierung wird unsere gesamte Arbeitsweise verändern und in den Organisationen deutlich spürbar sein. Die allgemeine geopolitische Lage führt außerdem dazu, dass die Europäer stärker zusammenhalten müssen und sollten. Als Europäer bewerte ich das sehr positiv, denn warum sollte ich am anderen Ende der Welt arbeiten, wenn ich direkt mit meinem Nachbarn zusammenarbeiten kann? Wenn ich meinem Nachbarn etwas Gutes tue, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er mir ebenfalls etwas Gutes tut. Ich sehe daher eine lokale Präferenz, nicht im nationalen Sinne, sondern im regionalen Sinne. Am Oberrhein bedeutet das für mich etwa die Region Alsace-Baden. Wenn man dort nicht den passenden Partner, Kunden oder Lieferanten findet, kann man den Kreis auf Frankreich, Deutschland, die Schweiz und weitere Länder ausweiten, bis der richtige Partner gefunden ist. Wichtig ist aber, zunächst im direkten Umfeld zu beginnen und zu prüfen, wer vor Ort helfen kann.

Ortenau Journal: Bekommt die deutsch-französische Achse angesichts der aktuellen geopolitischen Unsicherheiten weltweit eine neue oder verstärkte Bedeutung?

Axel Stabnau: Sie sollte auf jeden Fall eine verstärkte Bedeutung bekommen und muss es meiner Ansicht nach auch. Wenn wir es nicht tun, welches Gewicht haben wir gegenüber Supermächten wie den USA oder China? Wir müssen zueinander finden, zusammenarbeiten und das aus Eigeninteresse heraus. Das heißt nicht, dass wir nicht mit den USA oder China kooperieren sollen, aber sie denken an sich – und wir müssen ebenfalls an uns denken. Deutschland und Frankreich sind die zwei größten Märkte und Volkswirtschaften Europas. Man spricht nicht umsonst vom Motor Europas. Wie wollen wir die anderen Länder Europas mitziehen, wenn die beiden größten Volkswirtschaften nicht eng zusammenarbeiten? Zudem bestätigen aktuelle Zahlen, dass Deutschland und Frankreich bereits die wichtigsten Handelspartner füreinander sind.

Siehe auch hier:

„Es lebe die deutsch-französische Freundschaft“: Norma Serpin vom Wirtschaftsclub CAFA RSO im Interview

Élysée-Jahrestag – Ex-Minister Peter Altmaier erklärt, warum die deutsch-französische Achse unverzichtbar bleibt

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