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Eine Weltreise (11): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Reisebericht Christian Huber
© Christian Huber – Die Oper von Sidney und die Harbour Bridge sind beliebte Fotomotive.
Ein Jahr unterwegs, tausende Kilometer im Sattel und unzählige Eindrücke und Erinnerungen: Der Ex-Oberkircher Christian Huber hat sich seinen Traum von einer großen Reise erfüllt – vom Start in Frankfurt bis ans andere Ende der Welt. Nach der Radtour bis Athen führte ihn sein Weg quer durch Asien über Neuseeland bis nach Australien. Dort erlebte er spektakuläre Landschaften, große Distanzen und überraschende Begegnungen – zwischen Outback, Metropolen und Korallenriffen.
Von Christian Huber

Als gebürtiger Ortenauer erfüllte ich mir in einer einjährigen beruflichen Auszeit einen langgehegten Wunsch: Eine lange Reise mit einem großen Anteil Fahrradfahren. Im August 2024 brach ich von meiner Haustür in Frankfurt aus mit dem Fahrrad Richtung Athen auf. Nach genau einem Jahr kam ich am Frankfurter Flughafen aus Jakarta/Indonesien zurück.

Mit dem Rad nach Athen

Dazwischen lag ein spannendes Reise-Jahr, das mich zunächst mit dem Fahrrad durch Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien nach Athen führte. Weiter ging es mit dem Rucksack von Indien aus über Nepal, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia, Singapur, Neuseeland, Australien, Vanuatu und Indonesien.

Down Under

Am späten Abend des 25. Mai landete ich zum zweiten Mal in Melbourne. Dieses Mal war ich gekommen, um zu bleiben. Für die sechswöchige Tour durch Australien hatte ich mich erst spät entschieden, dementsprechend mittelmäßig war ich vorbereitet. In Melbourne an der Südostküste wohnten mehrere Reisefreunde und ich wollte sie besuchen. Der weitere Plan war, mich vom spätherbstlich kalten Melbourne aus entlang der Ostküste in den warmen Norden vorzuarbeiten: Von Sydney über Brisbane ins tropische Cairns mit dem Great Barrier Reef als Höhepunkt. Dazwischen ein Abstecher ins Red Centre im Landesinneren.

Reisen in Australien erfordert etwas Vorausplanung

Eine Australien-Tour erfordert etwas mehr Vorausplanung als zum Beispiel Neuseeland, denn das Land ist riesig und man fährt nicht „mal schnell“ von der West- zur Ostküste. Wer mehrere Orte sehen will, muss große Entfernungen zurücklegen. Ich entschied mich schweren Herzens für drei Inlandsflüge nach Sydney, Alice Springs und Brisbane und einen Mietwagen von Brisbane nach Cairns. Auch die Einreisebehörden setzten ein wenig Planung voraus: man muss bei der Einreise ein Weiterflug-Ticket vorweisen und seine Reisepläne glaubhaft vortragen können. Ich traf Reisende, die dort sehr lange befragt wurden, aber ich kenne niemanden, der abgewiesen wurde.

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Die Route durch Australien (l.) Three Sisters in den Blue Mountains (m.) An der Great Ocean Road (r.)

Besuchszeit in Melbourne

Melbourne hat ein europäisches Erscheinungsbild, mit Straßenbahn, viktorianischer Architektur, Cafés und engen Gassen – und natürlich Wolkenkratzern. Obwohl die Metropolregion über 5 Mio. Einwohner hat, ist das Zentrum gut zu Fuß oder mit der (kostenlosen) Straßenbahn zu erkunden. Selbst das Viertel mit den Stadien, wie die bekannte Rod Laver Tennis Arena oder der Melbourne Cricket Ground, ist zu Fuß erreichbar.

Mit der Zeit ein Plan

Und jetzt kreuzten sich wieder die Wege mit Reisefreunden, diesmal nicht ganz zufällig. Hatte ich mich von Isabel, Guillermo und Sohn Andres in Thailand noch scherzhaft zum Radfahren in Melbourne verabredet, so wurde daraus mit der Zeit ein Plan. Am Samstag fuhren wir in ihrem Auto zur Great Ocean Road, eine der spektakulärsten Küstenstraßen der Welt. Und am Sonntag dann tatsächlich die Radtour in der Nähe ihres Wohnortes Watsonia, einem Vorort von Melbourne; Kängurus in freier Wildbahn gab es als Zugabe.

Derber australischer Akzent

An den anderen Tagen zeigte mir Mary, die ich aus Malaysia kannte, ihre Stadt und die Umgebung. Die netten Ecken und versteckten Cafés hätte ich nicht selbst gefunden – den ALDI auch nicht. Ich fühlte mich fast wie ein Local, nur an den bisweilen derben australischen Akzent gewöhnte ich mich nur langsam. Der Besuch des fantastischen Musicals „Lord of the Rings“ war mein persönliches Highlight, denn ich hatte in Neuseeland einige Original-Drehorte der Kinofilme besucht.

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Unterwegs in Melbourne (l.) Melbourne, im Parlament von Victoria (m.) Great Ocean Road, 12 Apostel (r.)

Sydney: über die Brücke gehen…

Lange war unklar, ob ich Sydney überhaupt besuchen könnte. Schon vor Wochen sah ich in den Nachrichten die Jahrhundert-Flut im Großraum Sydney; betroffen waren auch Straßen und Bahnstrecken. Meine Bekannten vor Ort besorgten Informationen aus erster Hand und gaben Entwarnung. Bei meiner Ankunft war die Licht- und Musikshow Vivid Sydney in vollem Gange. Das Opernhaus und viele andere Gebäude wurden mit Lasern angestrahlt und überall in der Stadt gab es Kunst und Livemusik. Die Fahrt mit den Linienfähren bot beste Sicht auf Oper und Hafenbrücke.

Die größte Bogenbrücke der Welt

Das Opernhaus habe ich von innen besichtigt und die Hafenbrücke von oben: die Überquerung mit spezieller Kletterausrüstung, hoch oben auf der größten Bogenbrücke der Welt, bei Wind und Regen, war einmalig und fiel in die Kategorie „Also, wenn ich schon mal hier bin…“. Das dachten David Beckham, Heidi Klum und die anderen Promis sicher auch, die auf Fotos zu sehen waren. Im traditionsreichen Pub „The Fortune of War“ habe ich beide aber nicht getroffen; auch im Zoo und beim Tagesausflug in die Blue Mountains nicht – stattdessen jedoch die Three Sisters, die nicht weniger berühmt sind.

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Sydney, Oper und Harbour Bridge (l.) Blick auf Sydney vom Zoo aus (m.) Sydney, auf der Harbour Bridge (r.)

Im Red Centre

Alice Springs liegt im Northern Territory mitten in Australien, umgeben von Wüste und roten Bergen, und wird das „Tor zum Outback“ genannt. Die Stadt mit nur 35.000 Einwohnern wurde 1872 als Telegraphenstation gegründet. Heute eilt ihr wegen der hohen Kriminalitätsrate ein gewisser Ruf voraus, aber ich fühlte mich sicher. Es gibt interessante Museen und Ausstellungen über das Leben in dieser besonderen Region, doch die meisten Touristen kommen wegen der „nahen“ Naturspektakel. Zum Uluru (Ayers Rock) und dem Kata Tjuta Nationalpark sind es noch 450 km – oft schnurgerade Straße – und zum Kings Canyon immerhin 330 km.

Von Dingos beschnuppert

Die Bus-Tour von Alice aus mit Übernachtungen in Zelten war eine gute Alternative zu den sehr teuren Resorts an ebendiesen Hotspots. Die Mutigen schliefen am Lagerfeuer in Swags, ein Zwischending aus Schlafsack und tragbarer Unterkunft. Das war die einmalige Gelegenheit, gleichzeitig eine kalte Nase zu bekommen (nachts fast Null Grad!) und von Dingos beschnuppert zu werden. Die Anangu Aborigines leben seit 30.000 Jahren hier und sind eine der ältesten Kulturen der Welt. Der Uluru erhebt sich 348 m über die Wüste und ist für sie heilig. An den meisten Stellen ist es nicht erlaubt, ihn beim Sonnenaufgang aus der Nähe zu fotografieren und seit Jahren darf man ihn nicht mehr besteigen.

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Die Road Trains sind bis zu 50m lang (l.) Straße zum Uluru (m.) Uluru, bei Sonnenuntergang ändert er ständig die Farbe (r.)

Auf dem Pacific Coast Way von Brisbane nach Cairns

Brisbane, die Hauptstadt von Queensland, ist eine moderne Millionenstadt nahe der Mündung des Brisbane River ins Korallenmeer. Ich nutzte sie als Base zum Südsee-Abenteuer auf Vanuatu (mehr dazu nächste Woche) und zur Mietwagentour nach Cairns. Zwischen den Besorgungen hatte ich Zeit für einen kurzen Ausflug zum überbewerteten Surfers Paradise an der Gold Coast. Wäre ich lieber zur Nachmittagsparty vor dem Rugbyspiel der Brisbane Dolphins gegen die Sydney Rabbits gegangen – aber das Spiel alleine, inclusive Selfies mit Spielern, war auch ein Erlebnis.

Wiedersehen nach 30 Jahren

Auf dem Roadtrip nach Norden, mal an der Küste und mal im Hinterland, gab es neben vielen sehenswerten Stopps auch ein Wiedersehen mit dem ausgewanderten Abi-Kameraden Umur – nach 30 Jahren. Das Hinterland bot Berge, Wälder, Wasserfälle und typisch australische Kleinstädtchen. Die Strände waren oft menschenleer und die Kängurus und Erste-Hilfe-Kits für Hai-Attacken erinnerten mich daran, dass ich in Australien war. Hier beginnt das Korallenmeer und die weiß-türkisen Whitsunday Islands luden zum Schnorchel-Ausflug ein. Einladend war auch die Koralleninsel Lady Musgrave – wegen der ungünstigen Gezeiten gab es die Einladung nur für 4:00 Uhr morgens. Ohne mich dann.

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Brisbane (l.) Nach dem Rugby Match (m.) Surfer an der Gold Coast (r.)

Krokodile suchen nach Beute

Der Daintree Nationalpark bietet australische Bilderbuch-Kulissen: Am Ufer des Daintree-Flusses suchen Krokodile nach Beute und der Strand von Cape Tribulation gilt wegen der giftigen Quallen, hungrigen Krokodile und bissigen Haie als einer der gefährlichsten der Welt. Gut, dass ich die Schilder sah.

Queensland ist der „Sunshine State“ und Winter ist hier unbekannt. Dennoch gehört etwas Glück dazu, beim Schnorcheln am Great Barrier Reef keinen starken Wind oder Regen zu haben und beim Rundflug wenig Wolken. Sonst wären die atemberaubenden Ausblicke buchstäblich getrübt. Für mich ging es gut aus und der Grund dafür war eine Mischung aus Glück und spontanen Entscheidungen.

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Whitsunday Islands (l.) Am Daintree River (m.) Great Barrier Reef (r.)

Riesige Weiten und andere Herausforderungen

Das Land ist bereits durch seine Größe beeindruckend und hat eine größere Ausdehnung als Europa ohne Skandinavien. Jeder kennt die Bilder der Wahrzeichen und es war ein besonderer Moment, das Opernhaus von Sydney, den Uluru oder das Great Barrier Reef mit eigenen Augen zu sehen. Die Großstädte an der Ostküste wirkten sehr europäisch, die Autobahnen ebenfalls. Alice Springs dagegen bot indigene Perspektiven und Cowboy-Kultur – hier leben Aborigines und westliche Einwanderer zusammen; die aktuelle Situation ist nicht optimal und die Gründe dafür sind vielschichtig. Eine harmlose Folge davon war, dass ich in Alice von Montag bis Mittwochnachmittag kein Bier im Bottleshop kaufen konnte und auch zu den Öffnungszeiten ein „Rezept“ brauchte (= Ausweis und Hotel-Nachweis).

Das entscheidende dritte Spiel

Im Fernsehen, in den Stadien und in den Parks wurde meist Aussie-Football (ich habe die Regeln nur ansatzweise verstanden) oder Rugby gespielt. Fast wie ein Aussie fieberte ich beim „Game of Origin“ mit und wollte das dritte und entscheidende Spiel unbedingt in einem Pub mit Einheimischen schauen. Es ist DAS Rugby-Spiel des Jahres: New South Wales und Queensland messen sich in maximal drei Spielen und wirklich jeder Aussie interessiert sich dafür.

Massentourismus mit Mallorca-Feeling

Australien ist nicht mehr so, wie es sich in den Erzählungen der 90er Jahre anhörte. In einst verschlafenen Orten wie Airlie Beach herrscht heute Massentourismus mit Mallorca-Feeling. Beim Roadtrip in der Ferienzeit fand ich oft nur kleine Zimmer für großes Geld. Im australischen Fernsehen warb Jürgen Klopp für ein Hotel-Buchungs-Portal und da sah alles viel einfacher aus; vielleicht sollte ich ihn mal anrufen! Aber nicht von Australien aus, denn wegen der Abschaltung des 3G-Netzes waren meine Handys nicht mehr voll einsatzbereit.

Wenn ich wiederkomme, werde ich vielleicht einen Allrad-Camper ausleihen und quer durchs Outback fahren, vielleicht mit Beifahrer. Mal sehen. Einen großen Geldbeutel würde ich ohnehin wieder mitbringen müssen. Bevor ich Australien ganz verließ, stand nun das Südsee-Abenteuer in Vanuatu an.

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Irgendwo im Hinterland (l.) Känguru unterwegs (m.) Hai-Biss-Kit: zum Glück nicht gebraucht (r.)

Wie ging es weiter mit der Weltreise von Christian Huber? Teil 12 nächste Woche im Ortenau Journal!

Siehe auch hier:

Eine Weltreise (10): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Eine Weltreise (9): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

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