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Eine Weltreise (9): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Reisebericht Christian Huber
© Christian Huber – Die Straße zum Mt. Cook in Neuseeland.
Ein Jahr, zwei Kontinente und unzählige Kilometer: Der gebürtige Oberkircher Christian Huber erfüllte sich eine außergewöhnliche Auszeit und startete mit dem Fahrrad von Frankfurt Richtung Athen, bevor er seine Reise mit dem Rucksack bis nach Neuseeland und Indonesien fortsetzte. Auf der Südinsel von Neuseeland erlebte er Roadtrip, Wanderungen und Naturgewalten zwischen Gletschern, Fjorden und Regenwald – und stellte sich der Frage, ob das Land wirklich nur mit dem Auto zu entdecken ist.
Von Christian Huber

Als gebürtiger Ortenauer erfüllte ich mir in einer einjährigen beruflichen Auszeit einen langgehegten Wunsch: Eine lange Reise mit einem großen Anteil Fahrradfahren. Im August 2024 brach ich von meiner Haustür in Frankfurt aus mit dem Fahrrad Richtung Athen auf. Nach genau einem Jahr kam ich am Frankfurter Flughafen aus Jakarta/Indonesien zurück.

Mit dem Rad nach Athen

Dazwischen lag ein spannendes Reise-Jahr, das mich zunächst mit dem Fahrrad durch Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien nach Athen führte. Weiter ging es mit dem Rucksack von Indien aus über Nepal, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia, Singapur, Neuseeland, Australien, Vanuatu und Indonesien.

Vor 1.000 Jahren entdeckt

Kia Ora, Welcome! Die Begrüßung erfolgte auf Englisch und in der Sprache der Maori, den ersten Siedlern. Sie entdeckten Neuseeland vor etwa 1.000 Jahren, nannten es Aotearoa und es war der am Spätesten besiedelte Fleck der Erde. Ich entdeckte am Flughafen von Christchurch auf der Neuseeländischen Südinsel, dass es im Vergleich zu Asien kühl und ruhig war. Hinzu kam ein elender Jetlag. Der Flug bot einige Aufreger: erst gab es eine kurzfristige Umbuchung und beim Zwischenstopp wäre ich beinahe in Melbourne gestrandet, weil mit meiner Reservierung für den Rückflug etwas nicht stimmte.

12 Stunden Zeitunterschied

Zwei Monate wollte ich bleiben, ein neuer Lebensabschnitt sozusagen. Es war der 19. März 2025 und jetzt genau 12 Stunden Zeitunterschied zur Heimat. Wie die nächsten zwei Monate genau verlaufen würden, ergab sich erst nach und nach. Neuseeland besteht aus zwei Hauptinseln, wobei die größere Südinsel schroffer und kälter ist; ich wollte mir jeweils einen Monat Zeit lassen. Dass ich 9 Wochen später in Auckland auf einen Roadtrip auf der Südinsel und ein Bikepacking-Abenteuer auf der Nordinsel zurückblicken würde, konnte ich zu Beginn noch nicht wissen.

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Route durch die Südinsel (l.) An der Küste nahe Christchurch (m.) Straße zum Mt. Cook (r.)

Jeder Kiwi sagte mir: Du brauchst ein Auto

Jeder Neuseeländer, den ich unterwegs in Asien traf, sagte mir in etwa das Gleiche: „Es gibt keinen öffentlichen Fernverkehr“, „Eisenbahn? Nie gehört!“, „Fahrrad? Bist Du lebensmüde?“, „… sonst nimm das Flugzeug!“. Selbst für die Einwanderungsbehörde klang es verdächtig, dass ich noch kein Auto reserviert hatte. Also tat ich es: ich mietete für 4 Wochen Südinsel einen Toyota Yaris und wagte mich in den Linksverkehr. Für Notfälle kaufte ich ein kleines Zelt. Ich war gerüstet und es konnte los gehen.

Roadtrip durch die Neuseeländischen Alpen

Durch die Südinsel fährt man üblicherweise in Form einer Acht, weil es nur drei Pässe über die Neuseeländischen Alpen gibt, die die Westküste von der Ostküste trennen. Ich wollte die Nationalparks sehen und vielleicht auf einigen der berühmten Great Walks Tageswanderungen unternehmen. Die Zeiten, in denen Mehrtageswanderungen spontan möglich waren, sind längst vorbei; die Hütten sind frühzeitig ausgebucht.

Eis und Regenwald vereint

Die Fahrt über den Arthur‘s Pass zu den Pancake Rocks war meine Eingewöhnung an den Linksverkehr. Dann ging es entlang der feuchten Westküste nach Süden. Im Meer paddeln und Gletscher-Wanderungen sind hier theoretisch am selben Tag möglich. Beeindruckend, wie sich am Fox-Gletscher Eis und Regenwald vereinen! Nur das Knattern der Rundflug-Hubschrauber störte. Der häufige Regen westlich der Alpen sorgt dort für tropisch anmutende Regenwälder. Der nahende Regen war es auch, der mich über den Haast-Pass zurück in den trockenen Osten trieb.

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Fox-Gletscher: Eis trifft auf Regenwald (l.) Brücken sind oft Einspurig (m.) Am Lake Hawea: plötzlich trocken (r.)

Und tatsächlich war es bei den Seen Lake Hawea und Lake Wanaka sehr trocken. In Queenstown, der Hauptstadt des Abenteuers und Geburtsstätte des Bungee-Jumpings, verzichtete ich auf ebendiesen und fuhr entlang des Lake Wakatipu weiter nach Te Anau. Dort wagte ich eine lange Tagesetappe des Kepler-Tracks und wurde mit herrlichen Ausblicken hoch oben von der Luxmore Hut (1.100m) belohnt. Hier im Fjordland ist auch der Milford Sound, der bekannteste Fjord des Landes, auf dem die zweistündige Bootsfahrt zum Pflichtprogramm gehört.

Launisches Neuseeländisches Wetter

Dann ein Umweg an die Ostküste: auf der Otago-Halbinsel nähe Dunedin watscheln jeden Abend Gelbaugenpinguine an Land und suchen tollpatschig ihre Nester. Das launische neuseeländische Wetter meinte es gut mit mir und im Hochgebirge bei Lake Tekapo hatte ich strahlend blauen Himmel. Die einfache Wanderung über den Hooker Valley Track zum Gletschersee am Mount Cook, dem höchsten Berg des Landes, bot beeindruckende Blicke über Berg, See und Gletscher.

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Luxmore Hut und Lake Te Anau (l.) Mt. Cook mit Gletschersee (m.) Einsames Boot im Milford Sound (r.)

Unterwegs an den Küsten im Norden der Südinsel

Der nördliche Teil der Südinsel ist wärmer und flacher und hier liegt die bekannte Weinregion Marlborough. Durch die gleichnamigen Sounds führt der Queen Charlotte Track, eine berühmte Mehrtageswanderung über 68km. Für mich gab es wieder nur eine sehenswerte Tageswanderung mit An- und Abfahrt von Picton aus im Wassertaxi.

Gleiches Spiel im Abel Tasman Nationalpark: wer keine Reservierung für Camping vorweisen kann, muss sich mit Tageswanderungen begnügen. Nach Kaikoura geht man zur Wal-Beobachtung und zum Schnorcheln mit Delfinen. Wale habe ich gesehen, aber die Delfine hatten an dem Tag frei. In Hanmer Springs relaxte ich zu Ostern im Thermalbad. Wie es auf der Banks Peninsula aussieht, weiß ich nicht, obwohl ich dort war: es war zu neblig. Auch das gab’s!

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Am Queen Charlotte Track (l.) Am Abel Tasman Track (m.) Ins Wassertaxi steigt man auf der Straße (r.)

Die Südinsel bietet große Natur und kleine Herausforderungen

Die Südinsel ist ein Genuss für Naturliebhaber und die eindrucksvollsten Berge des Landes mit bis zu 3.724 m Höhe befinden sich hier. Schneebedeckte Berge und monumentale, unverbaute Gebirgslandschaften waren ideale Kulissen für die Herr-der-Ringe-Verfilmungen.

Kurvenreiche Landstraßen

Zu den kleinen Herausforderungen des Landes gehört der Straßenverkehr. Das beginnt beim Linksverkehr, aber man gewöhnt sich daran und steigt von Tag zu Tag seltener auf der falschen Seite ein. So wie ich mich (langsam) an die vertauschten Hebel für Blinker und Scheibenwischer gewöhnt habe. Auch auf kurvenreichen Landstraßen wurden meist die erlaubten 100 km/h gefahren, während ich 60 km/h für angemessen hielt und ein Verkehrshindernis war.

Hop-on Hop-off

Dass es gar nicht ohne Auto geht, würde ich nicht sagen. Die Hotspots hätte ich wohl mit der privaten Buslinie „Intercity“ auch erreicht. „Kiwi Experience“ bietet eine Art Hop-on Hop-off und es gibt kleinere lokale Linien, die man aber erstmal finden müsste. Mit dem Auto ist man natürlich flexibler, andererseits kann man als Alleinreisender die Bilderbuch-Landschaften aus dem Bus heraus besser genießen

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Irgendwo bei Dunedin (l.) Die Neuseeländischen Alpen (m.) Pancake Rocks (r.)

Von Christchurch nach Auckland: einmal (fast) durchs ganze Land

Für die über 1.000 km von Christchurch im Süden nach Auckland oben im Norden machte ich eine Art Selbstversuch: Langstrecke in Neuseeland ganz ohne Auto oder Flugzeug! Zuerst im Bus nach Picton, dann die sehenswerte Schiffspassage durch die Marlborough Sounds und die Cook-Street in die Hauptstadt Wellington und schließlich im „Northern Explorer“ über die gesamte Nordinsel. Zugegeben, der „Northern Explorer“ ist ein reiner Touristenzug und Einheimische standen an den Bahnübergängen und machten Fotos von ihm.

Das beste Abendessen in Neuseeland

Er ist nicht schneller als der Bus, aber dafür doppelt so teuer. Besonders die Spiraltunnel im Gebirge waren beeindruckend. In Wellington traf ich John, mit dem ich in Laos drei Tage unterwegs war, und lernte seine Familie kennen. Während er mir zusammen mit seiner Frau auf den Anhöhen hinter Wellington die schönsten Aussichtspunkte zeigte, kochte sein Sohn James Roast Lamb. Es war definitiv mein bestes Abendessen in Neuseeland.

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Über die Cook-Street zur Nordinsel (l.) Besuch bei Johns Familie (m.) Der Northern Explorer (r.)

Siehe auch hier:

Eine Weltreise (7): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Eine Weltreise (8): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

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