Graue Keramik, kobaltblaue Ornamente und eine jahrhundertealte Brenntechnik: In Betschdorf im Elsass lebt ein Handwerk fort, das Tradition und Wandel zugleich verkörpert. Während die Nachbargemeinde Soufflenheim für seine farbenfrohen Küchengefäße bekannt ist, steht Betschdorf für nüchterne Eleganz und außergewöhnliche Haltbarkeit. Die salzglasierten Steinzeugarbeiten, deren Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, machten das Dorf einst zu einem Zentrum der Töpferei mit dutzenden Werkstätten. So gab es im Jahr 1865 laut der Website Alsace Verte in Betschdorf 60 Töpfereien.
Veränderte Geschmäcker
Davon ist heute nicht mehr viel übrig geblieben. Lediglich drei Töpfereien sind noch in Betrieb. Der Strukturwandel im Elsass fordert seinen Tribut. Das Handwerk hat sich den veränderten Geschmäckern angepasst, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Neue Formen und Farben ergänzen die klassischen Designs, die weiterhin von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Die Rue des Potiers (l.) in Betschdorf ist ein idyllisches Fleckchen Erde. Es finden sich zahlreiche Spuren der jahrhundertealten Tradition an jeder Ecke. 2. v. r.: die Poterie Schmitter, der Ausbildungsbetrieb von Anita Zimpfer (siehe unten).

Im Betschdorfer Töpfermuseum findet sich eine uralte Töpferscheibe (l.) und Maschinen zur Tonbearbeitung (2.v.l.). Das Betschdorfer Steinzeug ist durch stilvolle, blaue Verzierungen gekennzeichnet.
Ackerbau und Viehzucht
Die älteste Töpferscheibe weltweit wird auf 3.000 v. Chr. Datiert und wurde in Mesopotamien gefunden. Sie wird den Sumerern zugeschrieben. Die Bandkeramik gab es laut der Website kinderzeitmaschine.de bereits 5.500 bis 5.300 v. Chr. im Neolitikum, als die Menschen in ganz Mitteleuropa bis Osteuropa sesshaft wurden und Ackerbau und Viehzucht betrieben. Auf den Gefäßen befanden sich Bandmuster.

Das Töpfermuseum bietet einen kompletten Überblick über die Produkte der verschiedenen Töpfer-Dynastien. Darunter sind auch besonders wertvolle Exemplare sowie eine Toilettenschüssel.

Die gelernte Töpferin Anita Zimpfer hat in der jüngsten Podcast-Folge von „Ortenau Inside“ Einblicke in die Geschichte und Entwicklung der Töpfertradition der vergangenen Jahrzehnte gegeben. Sie spricht über ihre Ausbildung, die Töpferkunst selbst sowie ihren Werdegang. Anita Zimpfer blieb der Branche nicht erhalten, sie wechselte nach wenigen Jahren den Job. Wer die ganz Geschichte hören will, kann dies HIER tun:
„Ortenau Inside“ Folge 11: Anita Zimpfer (Arbeiterin mit Töpferausbildung)
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