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Deutsch-französisches Recruiting: Wie Unternehmen kulturelle Unterschiede erfolgreich nutzen können

Junge Menschen in Paris
© freepik – Fachkräfte aus Frankreich bringen interkulturelle Kompetenz in die Unternehmen.
Der Fachkräftemangel zwingt Unternehmen zunehmend dazu, über nationale Grenzen hinaus zu denken. Besonders Frankreich rückt dabei stärker in den Fokus deutscher Firmen. Doch grenzüberschreitendes Recruiting bringt eigene Regeln mit sich. In einem Beitrag im Fachblog HR JOURNAL erklärt Personalberaterin Wiebke Stellfeld, welche kulturellen Unterschiede deutsche Personaler kennen sollten – von Bewerbungsverfahren bis zur Teamkultur – und warum interkulturelle Kompetenz entscheidend für Integration ist.
Zusammenarbeit in Europa

Die Suche nach qualifizierten Fachkräften endet für viele Unternehmen längst nicht mehr an der Landesgrenze. Gerade mit Blick auf wirtschaftliche Unsicherheiten, geopolitische Spannungen und den anhaltenden Fachkräftemangel rückt die Zusammenarbeit innerhalb Europas wieder stärker in den Fokus. Ein Beispiel dafür ist das deutsch-französische Recruiting, das für viele exportorientierte Unternehmen neue Chancen eröffnen kann – vorausgesetzt, kulturelle Unterschiede werden richtig verstanden und eingeordnet.

Wichtigster Abnehmer deutscher Waren

Wie die Personalberaterin Wiebke Stellfeld in einem Fachbeitrag im Blog HR JOURNAL erläutert, spielt Frankreich für deutsche Unternehmen eine zentrale Rolle. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zählt das Nachbarland zu den wichtigsten Abnehmern deutscher Waren. Für exportorientierte kleine und mittlere Unternehmen kann es daher strategisch sinnvoll sein, gezielt Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Frankreich-Bezug zu gewinnen. Fachkräfte mit internationaler Erfahrung, so Stellfeld, können dabei helfen, Marktchancen besser zu erkennen und Geschäftsbeziehungen im Nachbarland auszubauen.

Besondere Anforderungen

Gleichzeitig weist die Expertin darauf hin, dass Recruiting über Ländergrenzen hinweg besondere Anforderungen mit sich bringt. Interkulturelle Unterschiede beeinflussen nicht nur die Zusammenarbeit im Arbeitsalltag, sondern bereits den Auswahlprozess. So unterscheiden sich etwa die Erwartungen an Bewerbungsverfahren deutlich. Während Recruitingprozesse in Deutschland häufig relativ schnell und effizient organisiert sind, verlaufen Auswahlverfahren in Frankreich oft in mehreren Stufen und beinhalten zusätzliche Tests oder Gespräche. Französische Bewerberinnen und Bewerber seien daher nicht selten überrascht, wie zügig deutsche Unternehmen Entscheidungen treffen.

Vorstellungsgespräch

Foto: pchvector/freepik

Interkulturelles Verständnis

Auch in der Kommunikation zeigen sich Unterschiede. Nach Einschätzung von Stellfeld ist der Austausch in Deutschland häufig direkter und stärker auf den Punkt gebracht, während französische Kandidatinnen und Kandidaten tendenziell ausführlicher argumentieren und ihre Antworten stärker kontextualisieren. Ohne interkulturelles Verständnis könnten solche Unterschiede leicht missinterpretiert werden und zu falschen Einschätzungen im Bewerbungsprozess führen. Entscheidend sei daher ein offener Blick auf kulturelle Eigenheiten.

Hohe Konfliktlösungskompetenz

Darüber hinaus hebt Stellfeld die Vorteile internationaler Teams hervor. Beschäftigte mit interkulturellem Hintergrund verfügten oft über ausgeprägte Soft Skills, etwa ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit, Reflexionsvermögen und Konfliktlösungskompetenz. Diese Fähigkeiten könnten besonders in internationalen Unternehmensstrukturen zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit beitragen.

Anderes Hierarchierverständnis

Doch auch nach der Einstellung endet der interkulturelle Lernprozess nicht. Viele Unterschiede würden erst im Arbeitsalltag sichtbar, etwa im Umgang mit Hierarchien oder in der Feedbackkultur. Während in deutschen Unternehmen häufig flachere Hierarchien und eine offene Kritik- und Diskussionskultur vorherrschen, würden Führungsstrukturen in Frankreich traditionell stärker hierarchisch wahrgenommen. Um Missverständnisse zu vermeiden, empfiehlt Stellfeld deshalb ein strukturiertes Onboarding mit interkulturellen Trainings sowie eine klare Kommunikation von Entscheidungswegen und Verantwortlichkeiten.

Entscheidender Wettbewerbsvorteil

Auch externe Personalberater könnten dabei eine wichtige Rolle spielen, indem sie als neutrale Vermittler zwischen Unternehmen und internationalen Fachkräften auftreten. Letztlich sei deutsch-französisches Recruiting zwar mit zusätzlichen Herausforderungen verbunden, könne jedoch zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden. Wer bereit sei, kulturelle Unterschiede als Chance zu begreifen und Recruitingprozesse entsprechend anzupassen, könne von einem erweiterten Talentpool und neuen wirtschaftlichen Perspektiven profitieren, so Stellfeld im HR JOURNAL.

Hier geht´s zum Originalartikel: „Grenzen überwinden, Talente gewinnen – Erfolgsfaktor deutsch-französisches Recruiting“ (HR JOURNAL)

wh/ChatGPT

Siehe auch hier:

Grenzüberschreitendes Recruiting: Trends und Entwicklungen für Fachkräfte und Unternehmen am Arbeitsmarkt

Europäisches Erfolgsmodell: 3,8 Mio. Fahrten auf der Tramlinie D zwischen Kehl und Straßburg in 2024

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