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Eine Weltreise (7): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Reisebericht Christian Huber
© Christian Huber – Der Weltreisende inmitten von Mönchen in Angkor Wat.
Mit dem ersten Licht über den Türmen von Angkor Wat wird aus einer Radtour ein Moment für die Ewigkeit. Christian Huber, gebürtiger Ortenauer, verbindet in seiner einjährigen Auszeit sportliche Herausforderung mit intensiven Reiseerlebnissen. Von Tempelruinen im Dschungel über die „Killing Fields“ von Phnom Penh bis zu tropischen Inseln zeigt Kambodscha sich als Land der Extreme – zwischen spiritueller Stille, bewegender Geschichte und skurrilen Alltagsabenteuern. Hier der 7. Teil des Reiseberichts.
Von Christian Huber

Als gebürtiger Ortenauer erfüllte ich mir in einer einjährigen beruflichen Auszeit einen langgehegten Wunsch: Eine lange Reise mit einem großen Anteil Fahrradfahren. Im August 2024 brach ich von meiner Haustür in Frankfurt aus mit dem Fahrrad Richtung Athen auf. Nach genau einem Jahr kam ich am Frankfurter Flughafen aus Jakarta/Indonesien zurück.

Mit dem Rad nach Athen

Dazwischen lag ein spannendes Reise-Jahr, das mich zunächst mit dem Fahrrad durch Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien nach Athen führte. Weiter ging es mit dem Rucksack von Indien aus über Nepal, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia, Singapur, Neuseeland, Australien, Vanuatu und Indonesien.

Nachtzug nach Bangkok

Laos bis zur Grenze nach Kambodscha komplett zu durchfahren, wäre zwar reizvoll gewesen, aber hätte sehr lange gedauert. Also fuhr ich im Nachtzug nach Bangkok/Thailand und von dort weiter über die Grenze nach Siem Reap und Phnom Penh. Der weitere Plan war, im Süden die Inseln und Kampot zu besuchen und dann nach Malaysia zu fliegen.

Es war Anfang Februar und noch Winter, aber bereits sehr heiß. Der Grenzübertritt war unspektakulär, wobei der Besitz gebügelter, kleiner US-Dollar-Scheine zum Bezahlen der Gebühren hilfreich war. Kambodschas Währung Riel ist an den US-Dollar gekoppelt und Preise sind oft in Dollar ausgeschrieben. An den Geldautomaten gibt es beide Währungen. Die 100 Dollar-Scheine aus dem ATM sollte man aber sofort in Watte einpacken: Große Scheine auszugeben ist schwierig. Und wenn, dann müssen sie makellos sein.

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Route durch Thailand, Laos, Kambodscha (l.) Sonnenuntergang in Angkor Wat (m.) Abendstimmung am Preak Thom River (r.)

Angkor Wat ist das größte religiöse Bauwerk der Welt

Sieben Kilometer vor der Stadt Siem Reap liegt der archäologische Park von Angkor Wat. Wer die verschiedenen Bereiche der 400 Quadratkilometer großen Anlage in Ruhe erkunden will, nimmt sich ein paar Tage Zeit. Sonnenauf und -untergänge sind an einigen Tempeln besonders schön – dementsprechend groß war der Andrang. Die 900 Jahre alten Tempel waren über die Jahrhunderte vom Dschungel überwuchert und wurden erst im 20. Jahrhundert freigelegt. Der 1,6 Quadratkilometer große Hauptkomplex ist auf Kambodschas Nationalflagge zu sehen. Andere Tempel waren Filmkulissen, wie z.B. Ta Prohm für „Lara Croft, Tomb Raider“.

Echte Abenteuer

Ich lieh mir für die dreitägige Erkundung ein Fahrrad aus und pro Tag kamen so um die 40-60 Kilometer zusammen. Eventuell waren die sparsam gewarteten Fahrräder des Hotels solche Entfernungen nicht gewohnt. Ich probierte jeden Tag ein neues Modell aus und die Touren wurden zu echten Abenteuern. Bei Rad Nummer Drei klemmte unterwegs das Schloss und weiterfahren war unmöglich. Also hievte ich es in ein Tuk-Tuk und ab nach Hause! Leider streikte dessen Motor ebenfalls und der Fahrer musste das Moped auseinanderbauen. Klar, dass Angkor Wat viele Touristen nach Siem Reap lockt. In den Bars der Pub-Street herrschte abends ein wenig Ballermann-Feeling.

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Ankor Wat, die Haupt-Tempelanlage (l.) Ta Promh (m.) Angkor Thom Gate (r.)

Phnom Penh hat eine bewegende Geschichte

Meine Ankunft in Phnom Penh, der lebhaften Hauptstadt, war eine Punktlandung: für den nächsten Morgen hatte ich einen Termin in der Botschaft bekommen und tatsächlich waren meine Briefwahlunterlagen am Vortag angekommen. Mission erfüllt!

Flanieren und picknicken

Bei Phnom Penh fließt der Tonle Sap, der zweimal jährlich die Fließrichtung wechselt, in den Mekong. Am Wochenende ist die Uferstraße für Autos gesperrt und Touristen wie Einheimische flanieren oder picknicken dort. An anderen Tagen sieht man das übliche Verkehrschaos. Sehenswert sind der königliche Palast mit der Silberpagode und die vielen Tempel. Aber abseits dieser Touristenmagneten ergaben sich Einblicke in Alltag und spirituelles Leben der Kambodschaner, beispielsweise der morgendliche Almosengang der Mönche.

Schreckensherrschaft Pol Pots

Die jüngere Geschichte des Landes ist von der Schreckensherrschaft der Roten Khmer 1975-79 geprägt. Ein Gefängnis aus dieser Zeit ist fast im Originalzustand als Mahnmal erhalten worden. Das sogenannte S21, eine ehemalige Schule, ist heute als Tuol Sleng Genozid Museum bekannt. Der anschließende Besuch in Choeung Ek, etwas außerhalb der Stadt gelegen und als ‚Killing fields‘ bekannt, ist ebenfalls sehr bedrückend. Es war unmöglich, danach einfach zur normalen Tagesordnung überzugehen.

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Tuol Sleng Genozid Museum (l.) Exponate in Choeung Ek (m.) Blick auf Phnom Penh (r.)

Unterwegs auf der Insel Koh Rong Sanloem

Mit Bus und Schnellboot ging es zum Inselchen Koh Rong Sanloem im Süden des Landes. Ich stieg für eine knappe Woche am Saracen Beach ab, ein sichelförmiger langer Sandstrand am türkisblauen Meer. Die Insel ist überwiegend von Dschungel bedeckt. An die anderen Strände kommt man nur per Boot oder über Pfade im Dschungel. Es gibt weder Geldautomaten noch Autos auf der Insel. Aber die Schneisen, die in den Wald geschlagen wurden, lassen die Pläne erahnen.

Nächtliches Schwimmen

Ausflüge im Fischerboot zum Schnorcheln in anderen Buchten und nächtlichem Schwimmen im leuchtenden Plankton waren ein „Muss“. Im wackligen Boot war Aufpassen auf die Sachen und sich selbst ratsam. Bei einem anderen Ausflug wurde ein Schnorchler vergessen und musste an Land schwimmen. Für den kleinen Hunger gab es abends frisch gegrillten Fisch am Strand. Lustig war, dass ich bei der Wanderung zum Leuchtturm Nachbarn aus Frankfurt traf. Die Welt ist eben doch klein.

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Am Strand von Koh Rong Sanloem (l.) Blick über Koh Rong Sanloem (m.) Tankstelle im Hafen von Sihanoukville (r.)

Kampot, wo der Pfeffer wächst

Schnellboot und Bahn brachten mich nach Kampot. Die Stadt an der Mündung des Preak Thom River ist für die Pfefferplantagen und die Salinen bekannt. Beides war per Motorroller ebenso schnell erreichbar wie das ehemalige Seebad Kep mit dem Fischmarkt. Etwas weiter weg, in Reichweite eines Kabinen-Tuk-Tuks, ist die Bokor-Hill-Station, von wo aus man bis nach Thailand blicken konnte. Oben auf dem Berg befindet sich eine eigenwillige Ansammlung von überwiegend verlassenen Gebäuden aus verschiedenen Epochen: ein Tempel, ein Hotel, eine Kirche, ein chinesisches Spielcasino und weitere Geister-Gebäude.

Koloniales Flair

Die Stadt Kampot selbst hat koloniales Flair. Ich genoss Baguette zum Frühstück und kühles Bier zum Abendessen. In Südostasien traf ich manche Reisende an unterschiedlichen Orten wieder; mal geplant, mal zufällig. In Kampot war es die Yogalehrerin Alice aus Bergamo, die mich prompt zum Early-Bird-Yoga überredete.

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Coconut-Beach bei Kampot (l.) Pfefferplantage bei Kampot (m.) Salinen bei Kampot (r.)

Sir, you need Tuk-Tuk?

Als ich in den Städten Kambodschas unterwegs war, muss ich einen sehr verspannten und eiligen Eindruck gemacht haben. Nur so kann ich mir erklären, dass mir auf Schritt und Tritt Massagen und Tuk-Tuk-Fahrten angeboten wurden. „Sir, you need Tuk-Tuk?“, „Sir, you need massage?“ hörte ich immer und überall.

Selbst ein eindeutiges „No!!!“ und ein genervter Blick entmutigten manche Tuk-Tuk-Fahrer nicht. Als ob ich es nicht verstanden hätte, wiederholten sie das Dienstleistungs-Angebot, nun jedoch mit der charakteristischen drehenden Handbewegung – wie beim Gas-Geben am Moped eben…

Sir, you need Tuk-Tuk?“

Eine herrlich situationskomische Szene spielte sich im Warteraum einer Bus-Agentur in Phnom Penh ab. Als wir den Raum betraten, döste auf der Wartebank ein Einheimischer mit geschlossenen Augen. Als am Schalter das Stichwort „Tuk-Tuk“ fiel, war das der Weckruf. Verschlafen, aber hörbar, murmelte er: „Sir, you need Tuk-Tuk?“.

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Wenn der Abschlepp-Dienst eine Panne hat (l.) Am Fischmarkt (m.) Wat Pho in Phnom Penh (r.)

Kambodscha ist kontrastreich

Kambodscha war für mich ein Land der Gegensätze. Nur wenige Minuten sind es von den Tempelanlagen von Angkor Wat zur Partymeile von Siem Reap. Ebenso vom Genozid-Museum in die lebhafte Kneipenszene von Phnom Penh. Auch vom Traumstrand in Koh Rong Sanloem in die düstere Hafenstadt Sihanoukville war es nur eine kurze Bootsfahrt. Neben makellosen US-Dollar-Scheinen lagen fette Bündel total abgegriffener Riel. Kambodscha ist ein Entwicklungsland und die Bevölkerung ist sehr jung. Nach der Schreckensherrschaft der Roten Khmer, in der fast ein Viertel der Bevölkerung starb, musste das Land bei Null beginnen. Wenn ich irgendwann wiederkomme, gibt es noch viel zu entdecken. Nun flog ich erst einmal von Phnom Penh aus weiter nach Malaysia.

Siehe auch hier:

Eine Weltreise (6): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Eine Weltreise (5): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

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