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Eine Weltreise (6): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Reisebericht Christian Huber
© Christian Huber – Sonnenuntergang am Mekong in Laos.
Zwischen Dschungelpfaden, staubigen Dorfstraßen und dem gemächlich dahinfließenden Mekong erlebt Christian Huber Laos als Land der Kontraste. Auf seiner Weltreise trifft er auf improvisationsfreudige Helfer, volle Minivans, spirituelle Ruhe und die sichtbaren Narben des Vietnamkriegs. Ob Slowboat nach Luang Prabang, Bergdörfer ohne Mobilfunk oder skurrile Ticket-Odysseen: Diese Etappe erzählt von Gelassenheit, Geduld und einem Reisen fernab perfekter Planung.
Von Christian Huber

Als gebürtiger Ortenauer erfüllte ich mir in einer einjährigen beruflichen Auszeit einen langgehegten Wunsch: Eine lange Reise mit einem großen Anteil Fahrradfahren. Im August 2024 brach ich von meiner Haustür in Frankfurt aus mit dem Fahrrad Richtung Athen auf. Nach genau einem Jahr kam ich am Frankfurter Flughafen aus Jakarta/Indonesien zurück.

Mit dem Rad nach Athen

Dazwischen lag ein spannendes Reise-Jahr, das mich zunächst mit dem Fahrrad durch Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien nach Athen führte. Weiter ging es mit dem Rucksack von Indien aus über Nepal, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia, Singapur, Neuseeland, Australien, Vanuatu und Indonesien.

Route durch Thailand, Laos, Kambodscha (0)

Thailand war ein entspannter Einstieg nach Südostasien. Laos sollte rustikaler werden. Ich hatte von unberührter Natur, reicher Kultur und entschleunigtem Reisen gelesen. Backpacker erzählten mir von der sprichwörtlichen Gelassenheit der Laoten bei kleinen Pannen. Von alldem sollte ich in den nächsten Wochen viel zu sehen bekommen. Der grobe Plan war: Nach dem Grenzübertritt wollte ich auf dem Mekong südwärts fahren, dann in die Berge und schließlich Richtung Hauptstadt Vientiane.

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Mit dem Slowboat nach Luang Prabang

Nach Ausreise-Stempel und kurzer Busfahrt über die Brücke der Freundschaft folgten auf der anderen Seite die Visum-Formalitäten für Laos. An jeder Station kleine Gebühren in bar. US-Dollar wurden genommen, aber bitte gebügelt (kein Witz!). Die meisten Backpacker nahmen, wie ich, am nächsten Tag das traditionelle Slowboat nach Luang Prabang. Platz war für 150 Passagiere. Das Boot war zwei Tage von morgens bis spätnachmittags unterwegs. Wer sich vorher informiert hatte, saß vorne; wer nicht, wurde vom Motorenlärm taub. Beim Zwischenstopp im Dorf Pag Beng gab es Zimmer für jeden Geldbeutel.

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Andrang am Slow-Boat (l.), am Ufer der Mekong (m.), die ramponierte Schraube (r.)

An Bord herrschte Schulausflugs-Atmosphäre, denn Laos ist ein günstiges Ziel für junge Backpacker. Snacks und Bier gab´s beim Bord-Kiosk. Fliegende Händler mit lokalem Essen stiegen unterwegs zu. Links und rechts glitt die Landschaft vorbei: Dschungel, Felsformationen, Dörfer, Felder, Tiere, Goldwäscher und spielende Kinder: exotisch schön! Auf dem Fluss selbst ging es ruhig zu, nur ab und zu knatterten Speed-Boote vorbei. Die Idylle trügt, denn der Mekong hat Untiefen und die Kapitäne müssen sehr erfahren sein.

Schiffsschraube ersetzt

Die gemächliche Fahrt wurde jäh unterbrochen. Wir hatten unter Wasser etwas gerammt und das Boot schnaufte ziemlich beim ungeplanten Anlegen. Die zwei Jungs vom Kiosk erwiesen sich auch als gute Mechaniker. In Badehosen und mit großem Werkzeug tauschten sie die ramponierte Schiffsschraube in kürzester Zeit.

Unterwegs in Luang Prabang

In Luang Prabang, idyllisch zwischen Mekong und einem Zufluss gelegen, kreuzen sich die Wege vieler Laos-Reisender aus verschiedenen Richtungen. In der Stadt sah ich viele Gesichter, die ich vom Slowboat kannte – das sollte auch in den nächsten Wochen so bleiben. Aber es wälzten sich keine Touristenlawinen durch die Tempel, wie in Thailand. Für die Tour zum 30km entfernten Wasserfall Kuang Xi lieh ich mir ein Mountainbike. Das ist die reizvollste Fortbewegungsart durch die kleinen Dörfer und Felder.

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Kuang Xi – Wasserfall (l.), Sonnenuntergang am Mekong (m.), Tempel in Luang Prabang (r.)

In die Berge nach Nong Khiaw und Muang Ngoy

Nong Khiaw ist ein Dorf am Nam Ou River, einen Zufluss des Mekong, etwa vier Stunden Busfahrt von Luang Prabang entfernt. Vom Dorf aus führen mehrere steile Pfade zu Aussichtspunkten mit atemberaubenden Ausblicken über die Berge und das Fluss-Tal. Die Wege durch den Wald sind steil und schweißtreibend, häufig ist kraxeln über Leitern oder an Seilen erforderlich. Am Dorfrand ist ein kleines, eindrucksvolles Kriegsmuseum. Die Gegend war vom Vietnamkrieg stark betroffen. Die Menschen verbrachten damals die Tage in Höhlen (sie können besichtigt werden) und bestellten ihre Felder nachts. Millionen nicht entschärfter Landminen liegen immer noch in den Wäldern. Daher sollte man die Trampelpfade nie verlassen.

Nur eine staubige Straße

Das Fluss-aufwärts gelegene Dorf Muang Ngoy ist nur mit dem Boot erreichbar. Die Abfahrtszeit der öffentlichen Boote ist, vorsichtig ausgedrückt, variabel. Aber wer rechtzeitig am Steg ist, wird mitgenommen. Das Dörfchen selbst besteht eigentlich nur aus einer staubigen Straße. Die zwei Tage waren mit kraxeln zu den Aussichtspunkten, wandern in abgelegene Dörfer und einer Kajaktour sehr kurzweilig.

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View-Point bei Nong Khiaw (l.), Dorf bei Muang Ngoy (m.), einsames Boot auf dem Nam Ou (r.)

Kurzbesuch in der Hauptstadt Vientiane

Mit dem Express-Zug fuhr ich von Luang Prabang in die Hauptstadt. Chinesische Firmen betreiben nicht nur Kraftwerke, sondern auch einige moderne Bahnstrecken in Laos. So modern der Zug war, so authentisch laotisch war das Drumherum – doch dazu später! Vientiane mit seinen Regierungsgebäuden, Tempeln und dem Triumphbogen hat etwas Gemütliches und nicht den Glamour und die Hektik anderer Hauptstädte Asiens. Zum Verschnaufen gerade recht, denn bald sollte es über die Grenze nach Udon Thani in Thailand gehen; ich wollte dort den gebuchten Nachtzug erreichen.

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Triumpfbogen/Vientiane (l.), Pha That Luang/Vientiane (m.), typisches Transportmittel (r.) 

Viele Erlebnisse

Waren es wirklich nur 16 Tage? Ich erlebte so viele kleine und teilweise skurrile Geschichten, dass ich ein Buch schreiben könnte. Hier sind zwei davon:

Mister Kay und Mister Noy

Eine amüsante Geschichte mit diesen beiden netten jungen Herren in den Hauptrollen steht sinnbildhaft für die laotische Improvisationskunst, die mir bisweilen die Schweißperlen auf die Stirn trieb. Die beiden betreiben kleine Kioske im Bergdörfchen Muang Ngoy, wo sie kleine Outdoor-Aktivitäten anbieten. Das Dorf liegt eine Tagesreise per Minivan und Boot von der Stadt Luang Prabang entfernt. Die Geschichte begann mit der Erkenntnis, dass ich mich zu spät um das Express-Zug-Ticket in die Hauptstadt Vientiane gekümmert hatte und online nichts mehr zu buchen war; meinem neuseeländischen Reisefreund John erging es nicht besser und wir beide brauchten die Züge dringend. Mister Kay, bei dem wir eine Kajak-Tour gebucht hatten, versprach, die begehrten Tickets zu besorgen. Das gehörte neben Outdoor-Aktivitäten und Restaurant auch zu seinem Angebot. Es folgte eine bühnenreife Geschichte voller Wendungen, Verwechslungen und Zufälle mit komödiantischen Elementen, die ich hier nur grob umreißen kann.

Dörfer ohne Mobilfunknetz

Direkt nach der „Bestellung“ war Mister Kay verschwunden; keine Rückmeldung, keine Tickets! Wandertouren in abgelegene Dörfer ohne Mobilfunknetz gehörten wohl ebenfalls zu seinem Angebot. Am Vorabend der geplanten Fahrt – es war schon spät – gingen wir verzweifelt zu Mister Noy‘s Kiosk. Er runzelte die Stirn, aber versprach Hilfe: auch seine Schwester arbeitete am Bahnhof… verwechselte aber schließlich die Tickets. Als alles zu scheitern schien, tauchte Kay wieder auf. Lächelnd, wie immer, überbrachte er die Ticket-Nummern. Die Komödie war noch nicht zu Ende: Ob auf der anschließenden Bootsfahrt, im Minivan, im Taxi oder bei der Sicherheitskontrolle am Bahnhof: ganz glatt lief nichts, aber landestypische Lösungen führten zum guten Ende. Und ja, ich kam wirklich in Vientiane an und John in Vang Vieng.

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In Muang Ngoy (l.), mit John (m.), am Bootsanleger von Muang Ngoy (r.)  

Der Minivan

Die Kleinbusse in Laos funktionieren nach dem Motto eines alten Chuck-Norris-Witzes. Frage: „Wie viele Fahrgäste passen in einen laotischen Minivan?“ Antwort: „Alle!“. Ein laotischer Minivan scheint nie voll zu sein. Wenn die Obst-Kiste im Bereich der Schiebetür besetzt ist und drei Leute auf dem Beifahrersitz Platz genommen haben, so gibt es ja noch die Ritzen auf den hinteren Bänken…

Laos ist ein spannendes Reiseziel

Egal ob in Städten oder Dörfern, überall bekam ich Einblicke in das weltliche und religiöse Alltagsleben. Und ich lernte zu unterscheiden, wann ich der ‚Organisationskunst‘ mit Geduld begegnen konnte und wann es besser war, nachzuhelfen. Man sollte nicht vergessen, dass Laos ein Entwicklungsland ist, das immer noch unter den Folgen des Vietnam – Krieges leidet. Die starke Abhängigkeit von Investitionen aus China und Vietnam ist allerorten erkennbar. Staudämme, Bahnlinien, Hotels: vieles ist in der Hand der reichen Nachbarn.

Irgendwann werde ich wiederkommen und mehr Zeit mitbringen. Ich verabschiedete mich von John, nicht ohne mich für Neuseeland zu verabreden. Für mich ging es erst mal via Thailand nach Kambodscha.

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Kriegsmuseum in Nong Khiaw (l.), meine Höhlen-Führer (m.), Almosen-sammeln in Pag Beng (r.)  

Wie ging es weiter mit der Weltreise von Christian Huber? Teil 7 nächste Woche im Ortenau Journal!

Siehe auch hier:

Podcast

BA Immobilien

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