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Eine Weltreise (8): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Reisebericht Christian Huber
© Christian Huber – Der Weltreisende mit Streetart in Georgetown.
Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer und unzählige Eindrücke: Der gebürtige Oberkircher Christian Huber startete 2024 per Fahrrad von Frankfurt nach Athen und reiste danach mit dem Rucksack durch Asien und Ozeanien. Stationen wie Vientiane, Kuala Lumpur, Penang und Singapur markierten den Übergang in eine westlichere Welt, bevor es weiter nach Neuseeland ging – von Tuk-Tuks, Streetart und neuen Perspektiven auf das eigene Leben. Heute bringen wir Teil 8 des Reiseberichts.
Von Christian Huber

Als gebürtiger Ortenauer erfüllte ich mir in einer einjährigen beruflichen Auszeit einen langgehegten Wunsch: Eine lange Reise mit einem großen Anteil Fahrradfahren. Im August 2024 brach ich von meiner Haustür in Frankfurt aus mit dem Fahrrad Richtung Athen auf. Nach genau einem Jahr kam ich am Frankfurter Flughafen aus Jakarta/Indonesien zurück.

Mit dem Rad nach Athen

Dazwischen lag ein spannendes Reise-Jahr, das mich zunächst mit dem Fahrrad durch Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien nach Athen führte. Weiter ging es mit dem Rucksack von Indien aus über Nepal, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia, Singapur, Neuseeland, Australien, Vanuatu und Indonesien.

Verpasste Altweiberfastnacht

Zuhause wäre heute Altweiberfastnacht. Bei mir aber standen vor dem Abflug nach Malaysia Entscheidungen für die Zukunft an. Neuseeland warf seine Schatten voraus: weil der Flug der längste meiner Reise sein würde, weil dort der Winter vor der Tür stand und weil einem die Neuseeländer ohne Rückflug-Ticket und dazu passendem Visum erst gar nicht ins Land lassen. So ergab es sich, dass ich für den 18. März einen Flug von Singapur nach Christchurch/NZ buchte und zwei Monate später sollte es nach Australien weitergehen.

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Route durch Malaysia und Singapur (l.), Tempel auf dem Penang Hill (r.)

Immer wieder Palmöl-Plantagen

Die Zukunft war geregelt und ich konnte mich auf drei Wochen in Malaysia und Singapur freuen. Es war nach fünf Monaten der erste Schritt zurück in eine „westlichere“ Welt, denn Malaysia ist ein Industrieland. Die Ankunft in der Hauptstadt Kuala Lumpur bestätigte dies: war ich in Phnom Penh noch stilecht mit einem Tuk-Tuk zum Flughafen gefahren, so nutzte ich in Kuala Lumpur den modernen KLIA-Ekspres in die Stadt. Links und rechts immer wieder Palmöl-Plantagen. Der Plan war, anschließend in die Cameron Highlands zu fahren, dann auf die Inseln Penang und Langkawi und am Ende nach Singapur.

Kuala Lumpur: Tradition trifft Moderne

Das bekannteste moderne Wahrzeichen von Kuala Lumpur sind die Petronas Twin Towers. Besichtigung war ausgebucht; von außen sind sie ohnehin schöner, vor allem bei der abendlichen Lichtshow. In den zugänglichen unteren Geschossen ist ein riesiges Einkaufszentrum, aber ich hatte keinen Platz für Goldschmuck. Netter fand ich China-Town, die Sultan Abdul Moschee, das Nationaldenkmal und die Tempel der Stadt. Es war mittlerweile so heiß geworden, dass ich alle Wege in meinen billigen Flipflops zurücklegte, die schon Löcher hatten. Zu den Batu-Höhlen etwas außerhalb ging es mit dem Vorortzug und zum Nachtmarkt Bukit Bintang wieder zu Fuß. Das gesunde malaysische Essen und die großen thailändischen Bierflaschen waren den Weg wert. Ich fühlte mich auf den 2 Kilometern auch nachts sicher.

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Petronas Twin Towers, KL (l.) Koloniales Flair in KL (m.) Batu Caves nahe KL (r.)

Kühle Luft schnuppern in den Cameron Highlands

Vom riesigen, wie ein Flughafen organisierten Busbahnhof aus fuhr ich für ein paar Tage nach Tanah Rata in die Cameron Highlands. Alles war grün und saftig und es war angenehm kühl. Die Orte mit den großen Hotels erinnerten ein wenig an Skiresorts in den Alpen. Es gab einige grob ausgeschilderte Wanderungen über die Hügel und durch Tee-Plantagen, die aber Potenzial zum Verlaufen hatten. Abmelden in der Unterkunft war ratsam, Regenschutz ebenso: ich glaube, das war mein erster Regen seit drei Monaten.

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Tee-Plantage, Cameron Highlands (l.) Mossy Forest Eco Park, Cameron Highlands (r.)

Koloniales Flair

Die große Insel Penang hat vor allem die liebenswerte UNESCO-Welterbe-Stadt Georgetown zu bieten. Die Stadt mit kolonialem Flair ist zum Streetart-Zentrum Südostasiens geworden. Den Rest der Insel kann man mit dem Motorroller erkunden. Wegen der Hitze tagsüber verlassen viele ihre Häuser nur frühmorgens und spätabends. Dementsprechend gab es eine ausgeprägte Kneipenszene mit Live-Musik und Happy-Hour auch nach 00:00 Uhr. Um diese Zeit lernte ich auch die beiden lustigen Youtuber Marc und Gregg kennen.

Penang: verlaufen im Dschungel von Malaysia

Marc ist ein echter Weltbürger, ursprünglich vom Bodensee, Gregg ist Australier und ich bekam einen Vorgeschmack auf den dortigen Akzent. Als „Marc on the Road“ produziert Marc kleine Reise-Videos und ich hatte ihn sogar bei der Reise-Vorbereitung einmal angeklickt. Wir verabredeten uns für die Pferderennbahn von Penang. Ein wirklich spaßiger Tag, aber leider hatte ich kein Wettglück. Tags drauf wanderten wir auf den Penang Hill, den höchsten Berg der Insel. Ein wahrhaftiges Abenteuer, sich im Dschungel von Malaysia zu verlaufen. Dschungelgeräusche und Schlangen inbegriffen! Die Einheimischen bevorzugen die Seilbahn, weshalb die Wege im Dschungel nur spärlich ausgeschildert sind. Von beiden Events gibt es Youtube-Clips mit mir in einer Gastrolle. Ob das der Beginn meiner neuen Karriere war?

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Happy – Hour mit Marc und Gregg (l.) Blick vom Penang Hill auf Georgetown (m.) Am Wettschalter im Turf Club (r.)

Relaxen auf Langkawi

Die Insel Langkawi liegt im äußersten Nordwesten, viele Reisende kommen hier mit dem Schnellboot aus Thailand an. Die Fähre von Penang wurde eingestellt und so musste ich unfreiwillig fliegen. Nach Langkawi kommt man hauptsächlich zum Baden und Erkunden des Archipels im Boot. Und genau das tat ich auch. Und weil noch etwas Zeit war, fuhr ich mit der Seilbahn auf den Gunung Machinchang.

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Auf Langkawi (l.) Blick vom Gunung Machinchang (m.) Insel-Hopping vor Langkawi (r.)

Singapur: Plötzlich Verkehrsregeln

Ich fand die Stadt überraschend gemütlich, auch wenn es mir schwer fiel, mich nach so langer Zeit wieder an Verkehrsregeln zu halten. Beim Essen in China Town oder in den Hawker Centers hatte ich bei Reis-Teller und frischer Kokosmilch letztmals Asien-Feeling. Und mein erstes Softeis seit sechs Monaten war ein Genuss. Wie alle Touristen besuchte ich den jungen Stadtteil Marina Bay und genoss die Garden Rhapsody, eine Licht- und Ton-Show im Supertree Grove. Den Sonnenuntergang auf der Dachterrasse des Hotels Marina Bay Sands zu beobachten, war mein stimmungsvoller Abschluss.

Letzter Stopp Singapur

Auf der einen Seite die Schiffe vor dem Hafen und auf der anderen die glitzernden Hochhäuser – nichts könnte den Status des Landes als Schiffsdrehkreuz und Handelsmetropole besser verdeutlichen. Auch in Singapur gab es ein Wiedersehen mit anderen Reisenden: Mit Mary aus Melbourne kreuzten sich schon auf Langkawi die Wege und sie verließ die Stadt einen Tag vor mir mit dem gleichen Flug. Und kurioserweise hatte sie das gleiche Problem, nämlich einen schlecht gemanagten Flug-Ausfall.

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Marina Bay Sands Hotel, Singapur (l.) Auch das ist Singapur (m.) Singapur von oben (r.)

Abschied von Asien

Jedes asiatische Land hatte seine alltäglichen Besonderheiten. Nur eines war überall gleich, und das war gewöhnungsbedürftig: leichtes Kopfschütteln, also Hin- und Herwiegen des Kopfes, bedeutet Zustimmung. Ich habe wirklich manches Getränk ungewollt bestellt…

Mit Englisch kam ich überall gut durch. Während ich es in Indien und Nepal gut verständlich fand, so war es in den anderen Ländern mühsam. Konsonanten wurden eingespart, dafür wurde der Rest umso lauter artikuliert. „IHH KLOOOOO“ heißt „We’re closed“. Alles klar?

Straßenbild prägende Tuk-Tuks

Die kleinen Tuk-Tuks unterschiedlicher Bauart prägten in allen Ländern das Straßenbild. Ob Dreirad mit Kabine oder Moped mit Anhänger, eines hatten alle gemeinsam: um den Preis wurde gefeilscht. Welcher Preis gut war, musste man vorher selbst wissen; wenn nicht, so wurde er „etwas“ zu hoch angesetzt und vielleicht kam ein Umweg beim Cousin, dem Teppichhändler, dazu. Fahrdienste wie Uber oder Grab waren sicherer und hatten transparente Preise. Nur wenn ich den Treffpunkt verfehlte und mit dem Fahrer telefonieren musste, wurde es lustig (siehe oben, Thema „englisch“).

Abschied von Asien

Nun nahm ich Abschied von Asien. Die strengen Bio-Security-Vorschriften für die Einreise nach Neuseeland hatten auch eine positive Seite. Der Rucksack wurde endlich gewaschen und die Jacken- und Hosentaschen brachten nicht nur Keks-Brösel, sondern auch verloren geglaubte nützliche Dinge zutage. Keinesfalls durfte Essbares im Gepäck sein oder Erdreste an der Ausrüstung. Die Sohlen der Wanderschuhe wurden gründlichst mit der Zahnbürste gereinigt.

Siehe auch hier:

Eine Weltreise (7): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Eine Weltreise (6): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

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