Kunst & Kultur

Interview: „Enormer Kraftaufwand“ – Wie piano.vocal ihr 25-jähriges Jubiläum in Oberkirch stemmen

piano.vocal
© piano.vocal – Das Erfolgsduo hat 25 Jahre Bandgeschichte erlebt – meist ging es bergauf.
Wenn 50 Musiker auf einer Marktplatzbühne ein ganzes Orchester formen, wird aus einem Jubiläum ein logistisches Mammutprojekt. piano.vocal feiert 25 Jahre Bandgeschichte im Rahmen der Heimattage in Oberkirch – mit großem sinfonischem Klangkörper und neu arrangierten Stücken. Hannes Schmidt und Ralf Brandstetter sprechen über den enormen Aufwand hinter den Kulissen, die Entwicklung ihres Projekts und darüber, warum ein Ende trotz enormer Belastung nie wirklich zur Debatte stand.
Von Wolfgang Huber

Ortenau Journal: Ja, also dieses Jahr großes Jubiläum zum 25-Jährigen auf dem Kirchplatz.

Hannes Schmidt: Marktplatz. Wir sind auf dem Marktplatz. Den Kirchplatz hatten wir 2007. Es ist zu klein auf dem Kirchplatz, weil die Bäume vor dem Portal mittlerweile so groß geworden sind, dass die Bühne dort nicht mehr hinpasst. Und wir hatten ja damals auch eine kleinere Besetzung, weil die Bühne entsprechend kleiner war.

Ortenau Journal: Okay, ich habe mich schon gefragt, wo die Leute alle Platz haben sollen.

Hannes Schmidt: Und da wir jetzt wieder mit komplettem Sinfonieorchester auf der Bühne sitzen, braucht es eine größere Bühne.

Ortenau Journal: 50 Musiker sind dabei. Wie viele waren es denn in der Oberrhein-Halle am Jahresanfang? Das waren ja so um die 100 Leute?

Ralf Brandstetter: Am Jahresanfang? Du meinst bei der Philharmonie am Forum, wo die Anne (Anm. d. Red.: Anne Schmidt-Heinrich) dabei war? Ja, das waren, würde ich sagen, so um die 80 Leute.

Ortenau Journal: Was können die Fans von euch am 15. Mai erwarten?

Ralf Brandstetter: Einen Streifzug durch 25 Jahre Piano-Vocal-Band-Geschichte. Das heißt, wir spielen natürlich Songs aus unseren Alben. Wir haben insgesamt vier Alben gemacht, beginnend 2004, das nächste war dann 2008, 2012 – also ein Vier-Jahres-Rhythmus. Und dann haben wir noch eine Cover-Produktion 2019 gemacht und dementsprechend einen Streifzug aus diesen vier Alben. Dazu kommen Songs, die uns schon seit länger als 25 Jahren begleiten, also Stücke, die sich für so eine Besetzung anbieten. Nicht alle Songs taugen für eine symphonische Besetzung. Wir haben die ausgewählt, von denen wir glauben, dass sich der Klangkörper voll entfalten kann und die Leute dementsprechend ein bisschen geflasht sind.

Piano Vocal

piano.vocal auf ihrem ersten Album „Suddenly“ 2004. Foto: piano.vocal

Ortenau Journal: Wie groß ist eure Vorfreude auf das Ereignis?

Hannes Schmidt: Die ist natürlich riesig, das ist klar. Gepaart mit großem Respekt vor der Aufgabe, weil wir das letzte Mal vor zehn Jahren mit symphonischer Besetzung gespielt haben. Das ist natürlich etwas ganz anderes. Wenn wir zu zweit auf der Bühne stehen, schauen wir uns an und ein Wimpernschlag reicht als Kommunikation, damit man weiß, was der andere jetzt tut. Mit symphonischer Besetzung hat man Partituren, die muss man entsprechend lernen. Es gibt im Grunde kaum eine Möglichkeit, aus dem Raster auszubrechen, das notiert ist. Entsprechend muss alles sitzen.

Ortenau Journal: Wird es künftig wieder mehr solcher Großprojekte geben?

Ralf Brandstetter: Es ist schon ein sehr großer Kraftaufwand, der dahinter steckt. 50 Musiker unter einen Hut zu bringen, die Partituren zu schreiben, die Probearbeit, die Unterbringung der Musiker, das Catering – es ist ein immenser Aufwand. Deshalb denke ich nicht, dass wir die Frequenz erhöhen. In unserer Hochphase war das im Grunde alle fünf Jahre, mindestens. Wenn man ab 2001 rechnet, war die Frequenz in großer Formation sogar höher. Durch Corona, als wir eigentlich unser 20-Jähriges schon mit symphonischer Besetzung feiern wollten, fiel das aus. Dementsprechend hatten wir jetzt zehn Jahre Pause. Es ist auch wieder mehr Aufwand, in diese Geschichte hineinzuwachsen. Der Vorlauf beträgt etwa anderthalb Jahre.

Ortenau Journal: Ihr sprecht es gerade an: Technik, Logistik, Organisation. Wer unterstützt euch bei so einer Produktion, abgesehen von der Stadt Oberkirch? Gibt es da noch Leute im Hintergrund?

Ralf Brandstetter: Nein, das ist im Grunde das Problem – wobei man es nicht nur als Problem sehen muss, sondern auch als etwas sehr Tolles. Das Kompetenzportfolio, das hier gefragt ist, deckt ein sehr breites Spektrum ab. Normalerweise bräuchte es viele Menschen, die das bedienen. Das fängt bei der Konzeption an, bei Werbemedien, und geht über Arrangements der Stücke, die wir neu auswählen. Für 50 Leute müssen die Noten ausgearbeitet werden, sortiert und markiert werden. Der gesamte musikalische Part liegt im Grunde fast ausschließlich bei Hannes, mit Unterstützung von Anne. Ansonsten ist das mehr oder weniger Eigenregie, abgesehen von allem, was offiziell über die Stadt läuft, wie Absperrungen oder Straßenthemen.

Hannes Schmidt: Ansonsten machen wir das selbst.

Ralf Brandstetter: Beispielsweise Catering organisieren wir in Rücksprache mit der Stadt. Aber die gesamte Organisation – die Leute sind ja drei, vier Tage vor Ort, müssen verköstigt werden, Hotels müssen gebucht werden – das ist im Grunde Eventmanagement im Hintergrund, das bei uns liegt.

Ortenau Journal: Jetzt findet das Ganze im Rahmen der Heimattage statt. Diese gibt es ja immer nur einmal an einem Ort. Ist das eine große Ehre für euch?

Ralf Brandstetter: Das ist tatsächlich so. Wir waren 2021 oder 2022, als das Thema aufkam, dass Oberkirch Heimattage bekommt, schon in Kontakt mit der Stadt. Und wie du sagst: Das Wochenende am 15. oder 16. Mai ist einer der Höhepunkte des Jahres. Diese Tage haben auch einen eigenen Namen – das sind die Baden-Württemberg-Tage. Und wir bestreiten praktisch den Oberkirchtag. Das ist natürlich eine riesige Ehre.

Hannes Schmidt: Man muss sagen, die Idee kam von Matthias Braun, der damals noch Oberbürgermeister war. Wir hatten ihm erzählt, dass wir unser 20-Jähriges gerne wieder in Offenburg feiern wollen, weil dort die passenden Räumlichkeiten sind. Und er sagte: Ihr seid doch aus Oberkirch, erinnert euch an die tollen Konzerte 2005 im Obstgroßmarkt. Die Stadt hat damals schon überragend unterstützt. Er wollte, dass wir unser Jubiläum wieder in Oberkirch feiern. Und als Anlass nannte er die Heimattage 2026. Also hat er die Initiative ergriffen, dass wir das hier machen. Wir waren natürlich geschmeichelt und haben gesagt: Klar, das können wir uns vorstellen. Das passt auch gut zusammen – unser 25-Jähriges und die Heimattage mit allem, was dazugehört. Wir haben 2001 schon einmal im Obstgroßmarkt gespielt, im Rahmen der 675-jährigen Stadtrechtsverleihung. Das hat also eine gewisse Tradition.

Ralf Brandstetter: Hast du uns eigentlich schon einmal mit dieser riesigen Besetzung auf der Bühne gesehen?

piano.vocal ist auch mit Bandbesetzung ein besonderes Erlebnis. Foto: piano.vocal

Ortenau Journal: Tatsächlich noch nicht. Ich kenne euch eher in kleinerer Besetzung.

Ralf Brandstetter: Gut, dann wird das jetzt ein besonderes Erlebnis.

Hannes Schmidt: Es ist natürlich auch toll, nach 25 Jahren – das war ja eingangs die Frage nach den Emotionen – dass wir seit über 20 Jahren mit dem gleichen Dirigenten arbeiten. Das sind gewachsene Strukturen, die sehr emotional sind. Nicht nur der Dirigent Stefan Halter, auch die Band begleitet uns seit über 20 Jahren. Das ist schon etwas Besonderes, das gemeinsam zu feiern.

Ralf Brandstetter: War Stefan Halter damals nicht noch Student?

Hannes Schmidt: Ja, genau. Und mittlerweile hat er eine Professur und ist ein extrem erfolgreicher Dirigent, unter anderem beim Landespolizeiorchester Baden-Württemberg. Er hat das Orchester auf ein Niveau geführt, das außergewöhnlich ist. Er ist eine echte Kapazität und hat auch große Freude an Popularmusik.

piano.vocal-Video zum Album Release von „Roots“ 2019:

Ortenau Journal: Das kennt man ja auch ein bisschen von Stadtkapellen zum Beispiel, die ja dann auch nicht nur irgendwelche Platzkonzerte spielen oder Volksmusik, sondern auch Popmusik. Jetzt habt ihr ja – ich überschlage mal – vielleicht 1.000 Auftritte gehabt?

Ralf Brandstetter: Mehr.

Ortenau Journal:  Da werdet ihr wahrscheinlich jetzt nicht mehr so das Lampenfieber haben, oder doch?

Ralf Brandstetter: Hannes hat es im Grunde vorhin schon angedeutet: Aufgrund dessen, dass wir das ja nicht als tägliches Brot in so einer Komplexität machen, werden wir jetzt nicht den klassischen Flattermann haben, wenn wir auf die Bühne gehen. Aber die Konzentration ist aufgrund dieser Einzigartigkeit extrem hoch. Es muss alles passieren, es muss alles klappen. Und insofern werden wir da sicherlich eine gewisse Anspannung mit uns tragen – einfach in der Hoffnung, dass alles funktioniert. Da greifen ja zig Detailabläufe ineinander. Nicht nur das Musikalische, sondern auch: Welcher Song kommt als Nächstes? Was sagen wir? Wie ist die Dramaturgie aufgebaut? Wenn das keine bestehende Show ist, die man zum 20. Mal spielt, dann ist das eben nicht automatisiert. Dann braucht es einfach zusätzliche mentale Kapazität, um das sauber abzurufen. Ob ich jetzt mehr oder weniger aufgeregt bin, wird sich in dem Moment zeigen, wenn wir auf die Bühne gehen. Aber wenn man das mit unseren ersten Konzerten vergleicht – zum Beispiel in der vollbesetzten Erwin-Braun-Halle mit 500 Leuten – da standen wir wirklich hinter der Bühne und hatten massives Lampenfieber. Das wird so natürlich nicht mehr passieren. Die Anspannung bezieht sich heute eher auf die Show an sich, nicht darauf, vor 1.000 oder 1.200 Leuten zu stehen.

Ortenau Journal: Habt ihr in euren 25 Jahren jemals ans Aufhören gedacht? Zum Beispiel während Corona?

Hannes Schmidt: Da fällt mir immer ein Spruch von Emil Bohnert ein: „25 Jahre verheiratet und nicht einmal an Scheidung gedacht.“ Immer wenn man uns fragt, ob wir ans Aufhören oder an Trennung gedacht haben, kommt mir das in den Sinn. Ich sag’s mal so: Es gab sicherlich Zeiten, in denen es eine echte Herausforderung war, überhaupt noch ausreichend Schlaf zu finden. Zwischen unseren normalen Jobs, den Auftritten und dem Nachtgeschäft, das piano.vocal immer mit sich bringt. Ende 2019 lag der Ralf nach der Präsentation von „Roots“ mit einer Lungenentzündung flach. Da hat man gemerkt: So viele Auftritte und gleichzeitig das volle Pensum im Job – das überfordert uns vielleicht ein Stück weit. Und dann kam Corona. Und plötzlich wurde uns sehr schmerzlich vor Augen geführt, wie es sich anfühlt ohne Musik, ohne Publikum, ohne Auftritte. Nach wenigen Wochen war klar: So funktioniert es nicht. Die Dosis muss angepasst werden. Genau das haben wir nach Corona auch gemacht. Seitdem ist es in einer guten Balance. Wir achten stärker darauf, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Wir sind zum Beispiel immer mit Flügel unterwegs, egal wie klein die Location ist. Dazu kommt hochwertige Licht- und Tontechnik. Das macht einfach Freude und wird auch von Veranstaltern geschätzt. Insofern haben wir für uns einen sehr guten Weg gefunden.

Das Duo 2007 beim Konzert auf dem Kirchplatz in Oberkirch. Foto: piano.vocal

Ralf Brandstetter: Dem Thema „Aufhören“ steht im Grunde dieses Gefühl gegenüber, das man hat, wenn man musiziert. Selbst in den Phasen, in denen alles sehr viel war, hat die Musik durch diese Schwingungsdynamik – ich nenne es mal so – enorm viel Energie gegeben. Viele haben uns gefragt: Wie schafft ihr das mit Familie, Job und diesen vielen Auftritten? Die Antwort ist: Du gehst nachts um zwei oder drei von der Bühne, hast mit den Leuten gefeiert und bekommst unglaublich viel Energie zurück. Das ist unbezahlbar. Und es geht nicht nur um den Applaus. Es geht um den Moment selbst – darum, mit den Menschen und den Musikern in Resonanz zu kommen. Dieses Gefühl führt letztlich dazu, dass man gar nicht ernsthaft übers Aufhören nachdenkt.

Ortenau Journal: Neulich lief eine Doku über die Belastung von Musikern – egal ob Pop, Big Band oder Symphonieorchester. Es war die Rede von physischen und psychischen Belastungen. Viele haben Angst, Fehler zu machen. Ist euch so etwas jemals begegnet?

Ralf Brandstetter: Wenn man auf der Bühne sitzt und Angst hat, einen Fehler zu machen, dann verfolgt man im Grunde die falsche Idee. Musik lebt nicht davon, fehlerfrei zu sein, sondern davon, in dem Moment etwas entstehen zu lassen – eine Verbindung zwischen Bühne und Publikum. Du kennst das ja: Man hört manchmal Konzertmitschnitte, bei denen ein Superstar danebenliegt. Aber das ist nicht entscheidend für den Eindruck des Abends. Niemand geht raus und sagt: „Der hat einen falschen Ton gespielt.“ Entscheidend ist die Energie. Deshalb haben wir überhaupt keine Angst davor. Und das wäre auch kontraproduktiv. Perfektion allein erzeugt keine größere Wirkung.

Hannes Schmidt: Genau. Es geht um Emotionen, nicht um den perfekten Ton. Wenn beides zusammenkommt, ist es natürlich ideal. Das haben wir 2006 beim zweiten Album gelernt, als wir mit Edo Zanki gearbeitet haben. Er hat gesagt: „Ich merke, ihr seid zu verkopft. Ich will Emotionen, ich will Gänsehaut.“ Ob der Ton am Ende exakt auf der Frequenz sitzt, ist zweitrangig – das kann man technisch korrigieren. Aber Emotionen kann man nicht nachträglich hineinoperieren. Das ist das Entscheidende bei Live-Auftritten. Der perfekte Ton ist die Basis – aber darüber hinaus braucht es mehr.

Ortenau Journal: Ihr habt vier eigene Alben gemacht. Wann kommt das fünfte?

Ralf Brandstetter (lacht): Können wir diese Frage streichen?

Hannes Schmidt: In den letzten Jahren haben wir unseren Fokus ein Stück weit erweitert – hin zu Auftragskompositionen. Also zum Beispiel die akustische Identität von Unternehmen. Heutzutage ist es schwer, sich über klassische Mittel wie Farben oder Bilder abzuheben. Aber über Musik und Emotionen kann man eine starke Identität schaffen. Nicht jedes Unternehmen hat einen Corporate Song. Das ist eine spannende Aufgabe mit immer neuen Herausforderungen. Wir komponieren, arrangieren und produzieren solche Stücke – und das macht uns sehr viel Spaß.

Ortenau Journal: Diese Auftritte, zum Beispiel bei Firmen – die sieht die Öffentlichkeit ja nicht. Wie groß ist deren Anteil an eurer Arbeit?

Ralf Brandstetter: Im Kontext dessen, was wir vorhin besprochen haben: Öffentliche Konzerte sind extrem arbeitsintensiv, kostenintensiv und auch mit Risiko verbunden. Deshalb haben wir uns strategisch stärker in den privaten und Business-Bereich entwickelt. Ich würde sagen, etwa 90 Prozent unserer Arbeit liegen dort, vielleicht 10 Prozent im öffentlichen Bereich.

piano.vocal mit dem Produzenten Edo Zanki (hinten rechts). Foto: piano.vocal

Hannes Schmidt: Ich würde eher 80 zu 20 sagen. Aber die 20 Prozent öffentliche Konzerte machen vom Aufwand her ungefähr 80 Prozent aus. Wir sind in der Regel ausgebucht. Unsere Sommer- und Weihnachtskonzerte sind oft ein Jahr im Voraus ausverkauft. Das liegt natürlich auch am Programm. Wenn man zum Beispiel „Scrooge“ spielt – eine Geschichte von Charles Dickens, die jeder kennt – erreicht man auch ein breiteres Publikum. Das ist ein starkes Argument für Veranstalter, uns zu buchen. Trotzdem ist es natürlich mit erheblichem Aufwand verbunden, diese ausgearbeiteten Bühnenprogramme immer wieder neu zu erarbeiten und aufzubereiten. Carsten Dittrich schreibt die Stücke und übernimmt die Regie. Das ist ein deutlich höherer Aufwand, als bei Business- oder Private-Events zu arbeiten, bei denen wir genau wissen, worauf es ankommt. Wir verfügen über viel Erfahrung und ein gutes Gespür für die Stimmung des Publikums und können auf ein breites Portfolio zurückgreifen, aus dem wir je nach Situation schöpfen.

Ortenau Journal: Irgendwann geht es dann auch in den Party-Teil über, und auch dort wisst ihr genau, was zu tun ist. Die Routine ist auf jeden Fall da. Ihr habt mit Edo Zanki zusammengearbeitet, ebenso mit Musikern aus dem Umfeld der Söhne Mannheims, mit Chris Nemeth sowie mit Saxophonist Axel Müller, der unter anderem bei BAP, Gregor Meyle, den Heavy Tones und anderen gespielt hat. Wer von diesen Persönlichkeiten hat euch am meisten beeindruckt?

Ralf Brandstetter: Einen Einzelnen herauszugreifen, ist natürlich schwierig. Das sind alles für sich genommen extrem beeindruckende Persönlichkeiten, die sehr unterschiedliche Schwerpunkte haben. Der größte Einfluss ging sicherlich von Edo Zanki aus. Als wir mit ihm zusammenarbeiteten, befand er sich zwar nicht mehr am Anfang seiner Karriere, hatte aber bereits einen außergewöhnlichen Erfahrungsschatz und war über Jahrzehnte in der „Bundesliga“ der Musikproduktion tätig. Er hat unter anderem das erste Album von Herbert Grönemeyer produziert sowie mit Künstlern wie Ulla Meinecke gearbeitet. Später war er auch mit Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims aktiv und wurde mit Songs wie „Gib mir Musik“ bundesweit bekannt. Er war damals der erfahrenste von allen und hat uns mit seiner Souveränität, seinem Gespür für das Musikgeschäft und seiner Perspektive auf die Branche sehr geprägt. Für uns war es eine große Ehre, überhaupt mit ihm arbeiten zu dürfen.

Hannes Schmidt: Das war eine sehr illustre Phase. Besonders in Erinnerung geblieben sind die Gespräche in den Kaffeepausen, in denen er aus seinem Erfahrungsschatz erzählt hat. 2006, zur Fußball-WM in Deutschland, waren wir im Studio beim Edo. Kurz zuvor hatten wir die Söhne Mannheims noch im Fernsehen gesehen, unter anderem mit Florian Sitzmann am Klavier. Eine Woche später stand genau dieser Florian plötzlich im Studio neben uns und arbeitete mit uns an Arrangements für Streicher. Das war eine sehr besondere Situation. Gleichzeitig war das emotional nicht vergleichbar mit dem, was uns mit Musikern wie Axel Müller oder Chris Nemeth verbindet. Das eine sind langjährige Freundschaften, die über 20 Jahre gewachsen sind und durch viele gemeinsame Bühnenmomente geprägt wurden. Das andere sind prägende, aber eher punktuelle Begegnungen mit großen Persönlichkeiten der Musikszene. Insofern gibt es beide Ebenen: die illustren Erfahrungen mit Edo Zanki und die tiefen, gewachsenen musikalischen Beziehungen zu Axel, Chris und anderen langjährigen Wegbegleitern, die teilweise heute noch aktiv im Musikbetrieb sind, die man im TV sieht und da teilweise bei Raab und Konsorten im Hintergrund stehen. Die haben sich im Grunde bei uns kennengelernt.

Ortenau-Journal-Chefredakteur Wolfgang Huber

Siehe auch hier:

piano.vocal über Schloss Gaisbach: „Ulrich Freiherr von Schauenburg hat uns großzügig die Tür geöffnet.“

piano.vocal zeigte sich beim Festakt der Oberrhein Messe in Hochform

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