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Eine Weltreise (12): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Reisebericht Christian Huber
© Christian Huber – Abschied von Yakel Village und seinen Anwohnern.
Glühende Lava, Dschungelpfade und ein abgelegenes Inselreich im Pazifik: Auf seiner Weltreise erreicht Christian Huber einen der ungewöhnlichsten Orte seiner einjährigen Auszeit. Auf Vanuatu erlebt der Ex-Ortenauer eine Südsee fernab von Postkartenklischees – mit einem aktiven Vulkan, Dschungelhütten und Begegnungen mit traditionell lebenden Menschen. Zwischen Abenteuerlust und Naturgewalten wird der Abstecher zur Vulkaninsel Tanna zu einem der eindrucksvollsten Kapitel seiner Reise.
Von Christian Huber

Als gebürtiger Ortenauer erfüllte ich mir in einer einjährigen beruflichen Auszeit einen langgehegten Wunsch: Eine lange Reise mit einem großen Anteil Fahrradfahren. Im August 2024 brach ich von meiner Haustür in Frankfurt aus mit dem Fahrrad Richtung Athen auf. Nach genau einem Jahr kam ich am Frankfurter Flughafen aus Jakarta/Indonesien zurück.

Mit dem Rad nach Athen

Dazwischen lag ein spannendes Reise-Jahr, das mich zunächst mit dem Fahrrad durch Österreich, Italien, Slowenien, Kroatien, Montenegro und Albanien nach Athen führte. Weiter ging es mit dem Rucksack von Indien aus über Nepal, Thailand, Laos, Kambodscha, Malaysia, Singapur, Neuseeland, Australien, Vanuatu und Indonesien.

Vanuatu

Das kühle Bier in einem Pub in Brisbane/Australien schmeckte. Es war spät Abends am 27. Juni und ich war gerade von Vanuatu zurückgekehrt. Ich blickte mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Weinend, weil das letzte Abenteuer vorbei war und ab jetzt eher typische Touristenziele folgten. Lachend, weil der Südsee-Trip toll war und mein bescheidenes Minimalziel „heil zurückkommen“ weit übertroffen wurde.

Vor acht Tagen brach ich an gleicher Stelle mit einem Gefühl auf, das man hat, wenn man mit Überraschungen rechnet. Vanuatu litt noch unter den Folgen des Erdbebens: Flughafen und die meisten Hotels waren wieder geöffnet, aber viel mehr aktuelle Informationen gab es nicht. Der Wetterbericht sagte Regen voraus – nicht gut für den Vulkan-Besuch. Air Vanuatu, wo ich den Inlandsflug zur Vulkaninsel Tanna gebucht hatte, war eigentlich insolvent. Der kleine Anbieter auf der Vulkaninsel, bei dem ich per E-Mail den Transport und die Übernachtungen im Privatzimmer vereinbart hatte, verlangte keine Anzahlung – so nett, dass es fast beunruhigend war. No risk, no fun! Anschnallen, los geht’s!

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Vanuatu, östlich von Australien (l.) Inselgruppe Vanuatu (m.) Anflug auf die Insel Tanna (r.)

Der einzige immer-aktive Vulkan der Südsee

Vanuatu ist eine tropische Inselgruppe mit 72 Inseln, drei Flugstunden östlich von Australien. Hier ist der einzige immer-aktive Vulkan der Südsee. Weltweit bekannt war die Inselgruppe für den Kannibalismus und noch bis zur Unabhängigkeit 1980 wurde über Fälle berichtet. Wirtschaftlich dominiert die Landwirtschaft, aber man ist auf Importe und Touristen angewiesen. Ein starkes Erdbeben im Dezember 2024 beschädigte die Infrastruktur erheblich und vertrieb Hotel-Touristen wie Kreuzfahrtschiffe. Die etwa 340.000 Einwohner leiden unter Naturkatastrophen und dem Ausbleiben der Touristen gleichermaßen. Nun sind Touristen wieder willkommen. Ich war nach Vanuatu gekommen, um Südsee-Atmosphäre zu schnuppern und auf der Insel Tanna den Vulkan Yasur zu sehen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Ankunft auf der Hauptinsel Efate

Die wenigen internationalen Flüge kommen in der Hauptstadt Port Villa auf der Insel Efate an. In Port Villa sind die Schäden vom Erdbeben noch deutlich zu sehen: unter anderem ist die stark beschädigte US-Botschaft mittlerweile abgerissen. Touristen kamen nach dem Erdbeben nur langsam zurück. Zwei wesentliche Ursachen dafür waren die Insolvenz der einzigen Fluglinie und der beschädigte Hafen, an dem noch keine Kreuzfahrtschiffe anlegen konnten.

Ich war etwas außerhalb in einer kleinen Anlage abgestiegen und war dort meist alleine. Vor mir der Strand und hinter mir der Wald. Schnorcheln und Paddeln waren am Haus-Riff vom Frühstückstisch aus möglich. Die Ebbe brachte zweimal am Tag das Riff mit kleinen Meerestieren ans Tageslicht. Wenn ich nicht am Strand war, erkundete ich die Insel. In der Blue Lagoon und im heißen Schlammbad war Relaxen angesagt. Im traditionellen Dorf gab es Hintergrundinformationen und Darbietungen wie ein Gang über glühende Kohlen – Autsch!

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Strandhotel bei Port Villa (l.) Ein Seestern, bei Ebbe über Wasser (m.) Efate, Blue Lagoon (r.)

Auch das Geheimnis um die roten Laternen an vielen Häusern konnte ich lüften: die Einheimischen trinken nach getaner Arbeit in netter Gesellschaft ihren Cava, ein sedierendes, nicht alkoholisches Getränk. Dies ist ein wichtiger Teil ihrer Kultur. Die Laterne signalisiert, dass das Gebräu fertig ist.

Vanuatu lebt vom Tourismus, dennoch war das Straßenbild von Einheimischen geprägt und im Minivan ins Stadtzentrum war ich als Tourist die Ausnahme – nicht umgekehrt. Nur zur wöchentlichen Feuershow schienen sich alle Touristen der Insel zu treffen. Und das „echte Vanuatu“ würde ich erst auf Tanna sehen, so hieß es.

Mit Air Vanuatu nach Tanna

Der Dauerregen heute Nacht ließ die Tiere rund um meinen Dschungel-Bungalow verstummen. Der morgens gegoogelte Status „flight cancelled“ erwies sich als Falschmeldung und ein Anruf bei Air Vanuatu brachte Entwarnung. „Flug nicht abgesagt. Noch nicht“ hieß es da. Am kleinen Flughafen gibt es für die Inlands-Abfertigung nur einen nicht allzu großen, offenen Raum. Zwei Check-in-Schalter, ein paar Ticket-Büros, eine Kasse für die Flughafen-Gebühr – mehr nicht.

Ich fragte mich durch. Ein Engländer sagte mir, dass kaum noch Flüge ausfielen, seit der Insolvenzverwalter am Ruder ist – früher sei das anders gewesen. Gut zu wissen! Das kleine hellblau-grün-weiße Flugzeug wirkte recht neu. Air Vanuatu besitzt zwei bis fünf Maschinen (die Quellen variieren) mit einem Durchschnittsalter von rund 40 Jahren. Der Einheimische im Sitz neben mir nahm sofort nach dem Start die Notlande-Position gemäß Sicherheits-Merkblatt ein. Es war sein erster Flug nach Tanna – sonst nimmt er die Fähre. Geflogen ist er bisher nur in großen Flugzeugen; nach Australien, wo er arbeitet.

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Ankunft auf Tanna (l.) Tanna, Markt in Lenakel Town (m.) Ein Banyan- Baum auf Tanna (r.)

Einmal quer über die Insel Tanna

Mitten auf dem 45-minütigen Flug hörte der Regen auf und beim Blick aus dem Fenster kam Südsee-Feeling auf. Außerhalb des kleinen Flughafens waren nur wenige Touristen zu sehen. Viele fahren nur kurz zum Vulkan und bleiben vielleicht eine Nacht im modernen Resort in der Nähe des Flughafens. Ich hatte ja auf der anderen Seite der Insel in der Nähe des Vulkans eine Hütte gebucht. Charlie hieß der Gastgeber und sein Fahrer Tom holte mich und eine junge Australierin mit einem Allrad-Pickup ab.

Der Blick aus dem Fenster war sehr spannend: exotische Bäume, Felder, kleine Dörfer und Mondlandschaften am Fuß des Vulkans wechselten sich ab. Auf dem Markt der kleinen Inselhauptstadt Lenakel gab es Verpflegung. Regen kam auf und der Himmel färbte sich malerisch, aber für den Vulkan-Besuch war das nicht optimal. Tom arbeitete nebenbei als Prediger, vielleicht half das jetzt!

Das „echte Vanuatu“ im Yakel Village

Das Dorf liegt exakt in der Mitte der Insel. Hier pflegen die Bewohner noch die traditionelle Lebensweise, leben in einfachen Hütten und tragen traditionelle Bekleidung, nämlich fast nichts! Ein älterer Bewohner führte durchs Dorf und erklärte die traditionellen Riten, auch er trug nur einen Lendenschurz. Die Kinder fanden uns blasse Besucher sehr aufregend. Natürlich war die Tanz-Aufführung inszeniert und dass zwei Männer (ungeplant) in Arbeitsmontur vorbeihuschten, zeigte die Mischung aus Tradition und Moderne. Aber das Dorf ist authentisch, die Menschen leben wirklich noch hier und zeigen den Besuchern das kastom (traditionelle) Leben respektvoll.

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Führung durch Yakel und Umgebung (l.) Yakel, die Wohnhütten (m.) Yakel, Abschied vom Dorf (r.)

Tanz auf dem Vulkan

Den Vulkan Yasur besucht man bei Sonnenuntergang, um bei Dunkelheit die Lava-Fontänen besonders gut zu sehen. Die Anfahrt selbst war bereits ein Abenteuer, denn die holprigen Wege führten über grobe Steine und durch Bäche. Zum Kraterrand war es vom Parkplatz aus nur ein kurzer Aufstieg zu Fuß. Ein brüchiges Holzgeländer diente der Absicherung. Es roch nach Schwefel und es war sehr windig. Im Kessel dampfte es wegen des vielen Regens der letzten Tage und es war keine gute Sicht. Alle paar Minuten donnerte es laut im Inneren und danach waren die roten Lava-Fontänen zu sehen. Ein atemberaubendes Spektakel! Der Vulkan ist seit 800 Jahren ständig aktiv und pro Tag ereignen sich ca. 500 Eruptionen. Der Krater ist 150 m tief und im Inneren befinden sich fünf Schlote. Tagelang war der Zugang wegen Regens gesperrt, daher waren wir mit den mittelmäßigen Bedingungen mehr als zufrieden.

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Blick zum Vulkan Yasur von unterwegs (l.) Yasur, am Krater-Rand (m.) Yasur, Blick in den Schlund (r.)

Charlies Dschungelcamp

Charlie William lebt mit seiner Frau und den drei Kindern in einem Dorf mitten im Dschungel. Im Garten hat er zwischen Bäumen, Blumen und Gemüse zwei kleine Gäste-Hütten gebaut. Er pflanzt hier alles an, was auf einer Vulkaninsel gedeiht. Hühner liefern frische Eier. Toiletten und Dusche im Garten haben Dschungel-Standard. Seine Frau bereitete zweimal am Tag leckeres vegetarisches Essen zu. Das Donnern des Vulkans war immer zu hören, das Rauschen des Meeres ebenso. Charlie ist Lehrer in der Dorfschule, neben den Gästezimmern und der Transportagentur sein drittes Standbein.

Ein Tag im Paradies

Zum Sonnenaufgang am Meer ging es über einen kurzen Trampelpfad zehn Minuten durch den Urwald. Herrlich, an einem einsamen Strand in den Tag zu starten. Nach dem Frühstück ein paar Stunden im Meer zu baden, ließ ich mir nicht nehmen. Auf dem Trampelpfad war nun viel los: immer wieder begegneten uns Mütter mit kleinen Kindern und Kinder in Schuluniformen. Nachmittags ging es im Pickup durch unterschiedliche tropische Landschaften und schließlich an einen Fluss, der mit seinem geothermisch aufgeheizten Wasser gut als Badewanne taugte. Auf der Ladepritsche des Pickups wurde mal Charlies Vater mitgenommen und mal Nachbarn. Man half sich gegenseitig.

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Sonnenaufgang am Strand (l.) Schulweg im Dschungel (m.) Charlies Frau bereitet das Essen zu (r.)

Vanuatu ist Südsee in einer ursprünglichen Form

Vanuatu war das außergewöhnlichste Ziel meiner Reise. Ich hatte mich für diese Inselgruppe entschieden, weil andere Inseln entweder zu weit weg (Polynesien) oder zu instabil waren (Neukaledonien) oder bereits Massentourismus haben (Fiji). Wer Südsee mit Dauer-Sonne sucht, immer unter Palmen mit einem Cocktail in der Hand und stets mit Blick auf weißen Strand am türkisblauen Meer und im Hintergrund läuft Ukulelen-Musik, der muss wohl weiterhin „Das Traumschiff“ schauen! Vanuatu ist reale Südsee, liegt in den Tropen und es regnet oft. Von A nach B fährt man im Jeep, nicht im Einbaum. Die Hauptstadt Port Villa hat sogar kleine Verkehrsstaus zu bieten.

Vanuatu ist weniger touristisch erschlossen und nicht so mit Luxusresorts zugepflastert wie andere Inseln. Es ist aber kein günstiges Reiseziel, vor allem wenn man die lokalen Gegebenheiten noch nicht kennt. Die Straßen sind selbst in der Hauptstadt so löchrig, dass ich niemals einen Mietwagen nehmen würde. Man kommt automatisch mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt, etwa im Minivan auf dem Weg in die Stadt. Und wenn man an der richtigen Stelle aussteigt, so bekommt man sogar den lokalen Preis und nicht den teuren Hotel-Shuttle-Tarif. Das Straßenbild wird sich wohl etwas ändern, wenn alle Touristen und die Kreuzfahrtschiffe zurück sind.

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Meine Hütte bei Charlie (l.) Charlie und Tom (m.) Stau in Port Villa (r.)

Die Einwohner Vanuatus bekennen sich zu 80 Prozent zu christlichen Konfessionen. Das haben sie Missionaren aus der Kolonialzeit zu verdanken. Die ersten Missionare hatten Pech, sie wurden tatsächlich Opfer von Kannibalen. Auf der Inselgruppe gibt es 108 unterschiedliche Sprachen. Die Bewohner könnten sich ohne die künstliche Amtssprache Bislama nicht verständigen. Bislama ist eine Pidgin-Sprache mit Lehnwörtern aus dem Englischen und Französischen, mit teils lustigen Wortschöpfungen wie z.B. „Nambawan“ (Number One).

Ich kann mir gut vorstellen, irgendwann wiederzukommen und etwas mehr Zeit auf Vanuatu und vielleicht anderen Südseeinseln zu verbringen. Jetzt ging es erst einmal zurück nach Australien und die Wanderschuhe mussten Zahnbürsten-sauber sein, denn die Bio-Security-Officer sind streng.

Wie ging es weiter mit der Weltreise von Christian Huber? Teil 13 und dann letzter Teil nächste Woche im Ortenau Journal!

Siehe auch hier:

Eine Weltreise (11): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

Eine Weltreise (10): Ein Jahr Auszeit, tausende Kilometer – So radelte und reiste Christian Huber um die Welt

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