Vor acht Jahren ist die Druckkunst zum immateriellen Kulturerbe erklärt worden. Konkrete Folge davon ist, dass jedes Jahr der 15. März als „Tag der Druckkunst“ begangen wird, an dem Künstler, die in diesem Metier arbeiten, sich präsentieren können. Da der 15. März in diesem Jahr auf einen Sonntag fällt, bietet sich an, den Gedenktag auf zwei Tage zu erweitern und ein Wochenende daraus zu machen. Das bietet dem Kunstfreund die Chance, Künstlern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen, die Entstehung der Werke zu verfolgen und besser zu verstehen, wie viel mehr „Transpiration statt Inspiration“ hinter dieser Technik steckt.
Kupferstiche und Holzschnitte
Zur Erinnerung: Druckgrafik allgemein gilt im Kunsthandel als „Aktie des kleinen Mannes“. Die Auflage identischer Kopien ermöglicht andere Kalkulationen, als bei einem Unikat. Dazu kommt die Vervielfältigung der künstlerischen Wirksamkeit eines Beitrages. Übrigens: das ist kein neues Phänomen. Schon Albrecht Dürer (1471 – 1528) soll am meisten und sichersten mit seinen Kupferstichen und Holzschnitten verdient haben, die oft auch von seiner Frau auf Märkten angeboten wurden. Denn, auch das wissen wir, die Auftraggeber großer Gemälde gebärdeten sich oft sehr knausrig und schrieben gelegentlich sogar den Anteil teurer Farben – zum Beispiel das kostbare aus dem Lapislazuli gewonnene Blau – vor.
Verteilt über mehrere Museen
Von Dürer haben sich acht Protestbriefe an den Frankfurter Kaufmann Jakob Heller erhalten, in dem er sich über die knappen Konditionen des Auftrags beklagte, für die er die Arbeit nicht ausführen könne. Gott sei Dank sind sich die beiden einig geworden. Einzelne Bilder des „Heller Altars“ von 1509 sind heute über mehrere Museen in Frankfurt und die Kunsthalle in Karlsruhe verteilt. Zwei Details sind in diesem Zusammenhang von Bedeutung: ersten nicht alle Bilder des Altars stammen von Albrecht Dürer, vier „Griseille“-Bilder (das bedeutet schwarz-weiß) stammen von keinem Geringeren als Mathias Grünewald, dem Schöpfer des Isenheimer Altars (heute in Colmar).

Manfred Schlindwein (l.) und Rainer Braxmaier. Foto: Nicole Braxmaier
Berühmte „Betende Hände“
Und: noch berühmter als der Heller-Altar, dessen Hauptbild im 18. Jahrhundert verbrannte, aber in einer hundert Jahre davor angefertigten Kopie erhalten blieb, ist eine der 18 Vorstudien, die der Maler für den Altar anfertigte: die berühmten „Betenden Hände“. Was viele als Weihwasserkessel besitzen, ist in Wahrheit kein Relief, sondern eine weißgehöhte Zeichnung auf graublauem Grund.
Holzschnitte in geringer Auflage
Den Aspekt der Auflage haben die heutigen Grafik-Spezialisten oft nicht mehr im Blick. Schon im Zeitalter des Expressionismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielte die Höhe der Auflage nicht mehr die wichtigste Rolle. Oft gibt es von den „Brücke“-Künstlern wie Ernst-Ludwig Kirchner Holzschnitte in geringer Auflage. Allerdings gab es in den 1960er Jahren nochmal einen Boom der Druckgrafik.
Fast ausschließlich Unikate
Zurück zum „Tag der Druckkunst“: Auch in der Ortenau sind mir drei Künstler bekannt, die sich an der Aktion beteiligen und ihre Werkstätten öffnen: in Gengenbach Manfred Schlindwein, ein Holzschnitt-Spezialist, der fast ausschließlich Unikate herstellt. Er präsentiert seine Werke am Sonntag, 15. März, von 10 bis 16 Uhr in seinem Atelier in der Leutkirchstraße 4.
Vortrag über den japanischen Holzschnitt
In Kehl-Marlen, Schlossergasse 34, öffnet Angelika Nain Samstag und Sonntag von 14 bis 19 Uhr für Druckvorführungen und sie hat dazu noch ihre Kollegin Ilse Teipelke und Lydia Funk, die am Samstag um 19 Uhr einen Vortrag über den japanischen Holzschnitt hält, eingeladen. Und schließlich bittet Andreas Fahr, umtriebiger Anwalt der Bildenden Künste und unter dem Namen sCULTO selbst künstlerisch tätig, an beiden Tagen von 13 bis 18 Uhr in sein Atelier in den Gänsäckern 49 in Offenburg-Zunsweier, um live Druckvorgänge mitzuerleben. Gelegenheit macht nicht nur Diebe, sondern auch Freunde.
Siehe auch hier:
Rainers Glosse #11: Kunstmessen – das sind unerlässliche Triebfedern des „Showbusiness Kunst“
Rainers Glosse #10: Kunst im Januar – Kusamas Punkte, Ortenauer Linien und Offenburger Früchte