Wer hat auf den Achertäler Friedhöfen Ende Februar sein Unwesen getrieben? Das fragen sich nicht nur die betroffenen Angehörigen von insgesamt rund 60 Gräbern, welche in Mitleidenschaft gezogen wurden – in Kappelrodeck, Waldulm und ganz besonders: der Friedhof der oberen Achertalgemeinde Seebach.
Riesige Liste gestohlener Gegenstände
„Madonna entwendet“, „Kreuz vom Stein entwendet“, „Weihwasserkessel entwendet“, „Madonna gelockert, umgestoßen, nicht entwendet“ – eine riesige Liste von gestohlenen Gegenständen von den Gräbern des Friedhofs in Seebach, die beim Lesen sprachlos macht. Nach neuesten Informationen aus dem Rathaus wiesen insgesamt 43 Gräber plus die kleine Kapelle Diebstähle und/oder Beschädigungen auf.
Begehung des Friedhofs
Durch eine Mitarbeiterin der Gemeinde Seebach wurde der Polizeidienststelle in Achern zunächst mitgeteilt, dass auf dem Gemeindefriedhof von unterschiedlichen Gräbern mehrere Kreuze und Figuren entwendet wurden. Bei einer Begehung des Friedhofes gemeinsam mit der Polizei konnte dies bestätigt werden. Nach damaligem Ermittlungsstand fehlten in Seebach an 42 Gräbern Bronzefiguren sowie andere religiöse Gegenstände, die teilweise gewaltsam entfernt wurden. Weiterhin entwendeten der oder die unbekannten Täter die neue, aus Kupfer bestehende Dachrinne der Friedhofskapelle.
Madonnenfiguren und Kreuze entfernt
Laut Rathaus fehlen unter anderem 24 Madonnenfiguren und eine große Jesusfigur. Bronzene Kreuze in verschiedenen Größe wurden abgesägt oder von den Steinen gerissen, sechs Madonnenfiguren und zwei Kreuze entfernt und liegen gelassen. Weitere Schäden entstanden durch die Lockerung der Steine und Fundamente. Aufgrund des Tatzeitraumes und der schlechten Witterung konnten vor Ort keine tatrelevanten Spuren festgestellt werden, wie es seitens der Polizei hieß. Die Angehörigen der betroffenen Gräber wurden von der Gemeinde verständigt.

Auf dem Seebacher Friedhof wurde die Totenruhe gestört. Fotos: Nicole Zscherneck
Ideeller Wert der Gegenstände
„Rund 500 Euro kostet allein die Aufbereitung einer solchen Statue. Der Anschaffungswert ist um ein Vielfaches höher“, so eine Seebacherin, die am Wochenende nach dem Diebeszug die Schäden am Grab ihrer Angehörigen in Augenschein genommen hat. Neben den Kosten geht es ihnen vor allem um den ideellen Wert solcher Gegenstände. Einige hatten die Statuen noch mit ihren Verstorbenen ausgesucht und somit eine besondere Bindung zu diesen. Laut Rathaus liegt der Wiederbeschaffungswert einer Madonna, je nach Größe, bei 1000 bis 2000 Euro, manche Figuren waren noch aufwendiger, das heißt teurer.
Geringe Erfolgschancen
Anzeige gegen die bislang unbekannten Täter wurde gestellt: Wegen Diebstahls und die dadurch entstandenen Beschädigungen sowie wegen des Verdachts der Störung der Totenruhe. Die Ermittlungen dauern an. Die Polizei schätzt die Chancen auf Erfolg allerdings gering ein. „Nach unserem Stand und laut den derzeitigen Rückmeldungen handelt es sich um einen Wiederherstellungsschaden von circa 40.000 Euro. Tendenz steigend“, so Seebachs Bürgermeister Markus Benkeser.
20 Gräber in Kappelrodeck
Ein paar Tage später kam dann auch aus Kappelrodeck die Meldung: Rund 20 Gräber wurden dort und im Teilort Waldulm ebenfalls geschändet, Statuen mitgenommen und die Totenruhe gestört. Stefan Hattenbach, Bürgermeister Kappelrodecks, sprach von einem „kriminellen und pietätlosen Vorgehen.“
Wem auch noch in nächster Zeit Ungewöhnliches auf den Achertäler Friedhöfen auffalle, solle sich bei den jeweiligen Rathäusern oder der Polizei Achern melden.
Siehe auch hier: