Seit dem 14. Juli 2026 läuft das Publikumsvoting des Badischen Architekturpreises 2026 (Badap). Zur Auswahl stehen 24 Projekte in acht Kategorien. Zuvor hatte die Jury bereits die Sieger in den Kategorien Ökologisches Bauen, Bauen der Zukunft! und Young Talent Award gekürt. Zudem geht der renommierte All-Stars Award an das international gefeierte Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron (wir berichteten).
Der All-Stars Award ist der einzige Award, den der Initiator Jürgen Grossmann persönlich bestimmt. Alles Weitere wird sich im Urteil des Publikums wiederfinden. Das Ortenau Journal sprach mit Jürgen Grossmann über die Bedeutung des „Badap“, die Zusammensetzung der Jury, die bundesweiten Erweiterungspläne sowie den All-Stars-Award.
Ortenau Journal: Herr Grossmann, wie hat sich der Badische Architekturpreis seit der ersten Ausgabe 2019 entwickelt?
Jürgen Grossmann: Sehr gut – und ich bin mehr als überrascht. Wir haben den Preis in jeder Hinsicht positiv weiterentwickeln können. Das gilt für die Jury, die ausschließlich aus namhaften Persönlichkeiten der Architekturszene besteht, ebenso wie für unsere Sponsoren aus der Bau- und Architekturbranche. Auch bei den Bewerbungen haben wir sowohl qualitativ als auch quantitativ enorme Fortschritte gemacht. Gestartet sind wir mit rund 100 Einreichungen, in diesem Jahr waren es bereits 270 – und auf einem durchweg hohen Niveau.

Foto: Andrea Daquinho
Ortenau Journal: Welchen Stellenwert hat der Badische Architekturpreis inzwischen in der europäischen Architekturszene?
Jürgen Grossmann: Von einer europäischen Bedeutung würde ich noch nicht sprechen. Aber in der regionalen Architekturszene hat der Preis mittlerweile einen hohen Stellenwert erreicht. Mit regional meine ich Baden-Württemberg. In diesem Jahr haben wir den Wettbewerb erstmals auch für Württemberg geöffnet. Zuvor war er auf Baden beschränkt. Die Entwicklung motiviert uns nun dazu, den nächsten Architekturpreis in zwei Jahren bundesweit auszuschreiben.
Ortenau Journal: Das wäre also der nächste große Entwicklungsschritt?
Jürgen Grossmann: Ja, das ist ein großer Schritt, weil der Wettbewerb dadurch eine völlig andere Dimension bekommt. Dann reden wir nicht mehr über 270 Bewerbungen, sondern vielleicht über 1.000. Das stellt uns organisatorisch und logistisch natürlich vor neue Herausforderungen. Aber wir freuen uns darauf, denn wir sehen, dass der Bedarf vorhanden ist.
Ortenau Journal: Sind Sie auf diese Entwicklung entsprechend vorbereitet? Wie wollen Sie das organisatorisch bewältigen?
Jürgen Grossmann: Ich bin Unternehmer – Probleme löst man dann, wenn sie auf einen zukommen. Darüber mache ich mir im Vorfeld nicht zu viele Gedanken. Ich habe eine hervorragende Mannschaft, die den Preis schon heute organisiert. Außerdem haben wir den Wettbewerb inzwischen viermal durchgeführt und entsprechend Erfahrung gesammelt. Letztlich muss man die bestehenden Strukturen nur vergrößern. Ich glaube nicht, dass wir damit große Probleme bekommen werden.
Ortenau Journal: Die Jury hat ihre Vorauswahl bereits getroffen. Nach welchen Kriterien wird der All-Stars Award vergeben, der 2026 an Herzog & de Meuron geht?
Jürgen Grossmann: Diesen All-Stars Award vergebe ich persönlich. Es ist der einzige Preis, bei dem ich mir erlaube, die Entscheidung ohne Jury zu treffen. Die Jury ist daran also nicht beteiligt.
Ortenau Journal: Können Sie den All-Stars Award kurz erläutern?
Jürgen Grossmann: Gerne. Der All-Stars Award wird an internationale Architekturbüros oder Architekten vergeben, die zwar nicht in Deutschland ansässig sind, aber Projekte in Baden realisiert haben. Beim ersten Mal erhielt ihn Philippe Starck für das Duravit-Gebäude in Hornberg. Danach folgte Richard Meier für das Burda-Museum in Baden-Baden. Er ist Pritzker-Preisträger – der Pritzker-Preis ist die höchste Auszeichnung, die es in der Architektur gibt. Anschließend wurde Tadao Ando für sein Projekt in Karlsruhe ausgezeichnet, ebenfalls ein Pritzker-Preisträger. In diesem Jahr geht der Preis an Herzog & de Meuron für ihr Projekt bei Vitra in Weil am Rhein. Auch dieses Büro wurde mit dem Pritzker-Preis ausgezeichnet. Es ist schon bemerkenswert, dass wir gleich mehrere Pritzker-Preisträger als All-Stars-Award-Gewinner auszeichnen konnten.

Herzog & de Meuron erhalten den All-Stars-Award für das VitraHaus in Weil am Rhein. Foto: Vitra
Ortenau Journal: Wechselt die Jury des Architekturpreises jedes Jahr oder bleiben die Juroren weitgehend dieselben?
Jürgen Grossmann: Der Kern der Jury bleibt gleich. Hin und wieder kommen neue Mitglieder hinzu.
Ortenau Journal: Aus welchen Regionen stammen die Teilnehmer des Publikumsvotings? Kommen sie überwiegend aus Baden-Württemberg?
Jürgen Grossmann: Ich würde sagen, das Publikum ist überwiegend regional. Beim letzten Mal haben mehr als 10.000 Menschen abgestimmt. Das sind vor allem Menschen aus der Region. Viele kennen die teilnehmenden Architekturbüros persönlich und stimmen deshalb mit ab. Ich glaube nicht, dass derzeit viele Teilnehmer aus Hamburg oder anderen weit entfernten Regionen dabei sind. Genau das möchten wir mit einer bundesweiten Ausschreibung künftig ändern.
Ortenau Journal: Dann dürfte das Publikum vermutlich auch recht fachkundig sein?
Jürgen Grossmann: Das kann ich weder bestätigen noch verneinen, ich weiß es schlicht nicht. Mir geht es vor allem darum, dass die Bevölkerung in den gesamten Prozess eingebunden wird. Das war eine der Grundideen des Preises. Ich mag Architekturpreise nicht besonders, bei denen sich Professoren gegenseitig auszeichnen oder Entscheidungen nur innerhalb eines kleinen Fachkreises getroffen werden. Architektur ist für alle Menschen da. Deshalb möchte ich auch möglichst viele Menschen an der Entscheidung beteiligen. Diese Idee hat sich aus meiner Sicht sehr gut bewährt.
Ortenau Journal: Unter den Einreichungen sind viele Projekte in Holzbauweise. Welche Bedeutung hat der Holzbau in den vergangenen Jahren gewonnen?
Jürgen Grossmann: Er hat deutlich an Bedeutung gewonnen. Meiner Ansicht nach an manchen Stellen sogar etwas zu stark, aber das ist meine persönliche Einschätzung. Ich selbst habe übrigens eines der ersten Holzeinhundert-Häuser in der Ortenau gebaut, in Schutterwald-Höfen. Das Holzeinhundert-System stammt aus Österreich. Dabei entstehen Gebäude vollständig aus Holz – ohne Nägel, Schrauben oder Leim. Das ist faszinierend und technisch beeindruckend, hat aus meiner Sicht aber auch Grenzen. Bei großen und hohen Gebäuden bin ich deshalb kein uneingeschränkter Befürworter des Holzbaus. Das ist allerdings meine persönliche Meinung.
Ortenau Journal: Welche Rolle spielt Holz in Ihrer eigenen Arbeit?
Jürgen Grossmann: Ich sage immer: Für jede Bauaufgabe muss die passende Lösung gefunden werden. Deshalb habe ich überhaupt nichts gegen Holz – im Gegenteil. Wie gesagt, ich habe selbst eines der ersten Holzeinhundert-Häuser gebaut. Die Materialwahl erfolgt bei mir aber immer projektbezogen und nicht aus ideologischen Gründen.

Der Baustoff Holz gewinnt an Bedeutung. Foto: Jigal Fichtner / Sparkasse
Ortenau Journal: Wenn ökologische Aspekte nicht allein entscheidend sind: Welche Kriterien sind Ihnen persönlich bei der Vergabe des Preises besonders wichtig?
Jürgen Grossmann: Ich bin lediglich Auslober des Wettbewerbs. Über die Preisvergabe entscheidet eine Kombination aus Jury und Publikum. Die Jury trifft die Vorauswahl, die Bevölkerung bestimmt das endgültige Ergebnis mit. Ich selbst bin in diesen Entscheidungsprozess überhaupt nicht eingebunden.
Ortenau Journal: Sie nehmen also bewusst keinen Einfluss?
Jürgen Grossmann: Genau. Für mein Verständnis wäre es falsch, wenn ich mich in diesen Prozess einbringen würde – genauso wie ich es für falsch halte, eigene Projekte einzureichen. Ich bin Initiator und Auslober des Wettbewerbs, beteilige mich aber weder an der Jury noch mit eigenen Projekten.
Ortenau Journal: Haben Sie dennoch einen persönlichen Favoriten?
Jürgen Grossmann: Nein, den habe ich nicht.
Ortenau Journal: Wann findet die Preisverleihung statt?
Jürgen Grossmann: Die Preisverleihung findet am 7. November im Rahmen einer Gala im Erlenbad Resort in Sasbach statt. Dort werden die Preisträger bekannt gegeben. Die drei Nominierten jeder Kategorie sind in der Regel anwesend.
Siehe auch hier:
Badischer Architekturpreis 2026: Publikum entscheidet über 24 Projekte in acht Kategorien
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