Kunst & Kultur

„Heimat – mehr als ein Wort“: Der Renommierte Autor José F. A. Oliver zu Gast bei Omas gegen Rechts

José F. A. Oliver
© José F. A. Oliver – Der Autor – hier in Istanbul – liest in Achern zum Begriff „Heimat“.
Was bedeutet Heimat jenseits von Herkunft, Grenzen und politischen Zuschreibungen? Dieser Frage widmet sich der vielfach ausgezeichnete Autor José F. A. Oliver bei einer Lesung und Gesprächsveranstaltung in der Illenau in Achern. Auf Einladung der Omas gegen Rechts Bühl/Achern liest er aus seinem Werk, diskutiert mit dem Publikum über Sprache, Identität und Zugehörigkeit und setzt literarische Impulse gegen vereinfachende Heimatbilder. Der Eintritt ist frei, ausdrücklich auch für Jugendliche.
Ins Gespräch kommen

Der Autor José F. A. Oliver („Mein andalusisches Schwarzwalddorf“, „Fremdenzimmer“, „In jeden Fluss mündet ein Meer“) ist am 4. Februar zu Gast bei den „Omas gegen Rechts Bühl/Achern“ in den Illenau Werkstätten. Er wird Auszüge aus seinem vielfältigen Werk präsentieren und mit dem Publikum Gespräche zu führen. Im Anschluss an die Lesung gibt es die Gelegenheit, bei einem Getränk und Fingerfood auch untereinander ins Gespräch zu kommen und das Gehörte zu „verdauen“. Die Acherner Buchhandlung Büchermehr wird einen Büchertisch mit Werken des Autors und generell zum Thema „Heimat“ bereitstellen.

Jugendliche willkommen

Die Veranstaltung ist kostenfrei, damit alle, insbesondere auch Jugendliche, teilnehmen können. Über Spenden zur Deckung der Unkosten freuen wir uns aber sehr. (Sollte es einen Überschuss  geben, spenden wir diesen der „Lesewelt Ortenau e.V.“). Die Möglichkeit zur Teilnahme von Jugendlichen erklärt auch den mit 18 Uhr relativ frühen Beginn der Lesung.

Traum von der heilen Welt

Der Begriff „Heimat“ ist facettenreich und ambivalent. Die emotionale Heimat kann Geborgenheit, Überschaubarkeit, Harmonie, kurz den Traum von der heilen Welt verkörpern. Die geistige  Heimat ist verbunden mit der Nation, dem „Vaterland“, der „Muttersprache“ oder der Religion. Menschen können im Laufe ihres Lebens auch mehrere Heimaten finden, sei es nacheinander oder auch gleichzeitig.

„Recht auf Heimat“

„Heimat“ wird von politisch rechter Seite aber auch verwendet, wenn von einer biologischen, völkisch/rassisch abgeleiteten Abstammungsgemeinschaft die Rede ist, deren „Gen-Pool“ rein bleiben soll und die deshalb vor „Überfremdung“ geschützt werden muss: Mit einem „Recht auf Heimat“ soll begründet werden, dass Zuwanderung verboten, beschränkt und/oder selektiert werden muss.

Den Worten auf den Grund gehen

Die Omas gegen Rechts (Instagram-Profil) richten sich nachdrücklich gegen diese letzte Interpretation des Heimatbegriffs und haben deshalb José Oliver dazu eingeladen, uns sein Verständnis von „Heimat“ nahezubringen. Als stetiger „Wanderer“, aber auch Vermittler innerhalb der Kulturen und Sprachen sowie als ein Mensch, der den Worten gern auf den Grund geht, hat er sich Zeit seines Lebens mit dem Heimatbegriff auseinandergesetzt. Wir freuen uns auf unterhaltsame Vorträge, spannende Einsichten und lebhafte Dialoge!

Zur Person:

Der Lyriker und Essayist José Francisco Agüera Oliver wurde 1961 als Sohn andalusischer Eltern in Hausach im Schwarzwald geboren, wo er immer noch lebt. Er studierte Romanistik, Germanistik und Philosophie in Freiburg. Er ist Verfasser von Gedichten, Kurzprosa und Essays und übersetzt Lyrik aus dem Spanischen und ins Spanische. Im Laufe seines Lebens hielt er sich (z. T. mit Stipendien) für längere Zeit in der Schweiz, in Ägypten, Peru, in der Türkei und den USA auf.

Gesellschafts- und kulturpolitisches Engagement (sehr kleine Auswahl):

Gemeinsam mit dem Literaturhaus Stuttgart entwickelte José F. A. Oliver Schreibwerkstätten für Schulen, um Kindern und Jugendlichen ihre individuellen Ausdrucksmöglichkeiten bewusst zu  machen. Oliver betont die gesellschaftliche Bedeutung von Sprache und macht deutlich, dass die sprachliche Entwicklung letztlich über das persönliche und berufliche Leben entscheidet. Aus den  Schreibwerkstätten entstand das Praxisbuch Lyrisches Schreiben im Unterricht – Vom Wort in die Verdichtung. Auch an der Lehrbuchreihe Dialoge im Deutschunterricht hat Oliver mitgearbeitet.

LeseLenz in Hausach

1998 gründete José F. A. Oliver das inzwischen renommierte Literaturfestival Hausacher LeseLenz, das schon zahlreiche Literaturgrößen aus der ganzen Welt vorstellte und noch unbekannten Autorinnen und Autoren eine Bühne bot. Nach den vorsichtigen Anfängen schnell zum Geheimtipp avanciert, kommen heutzutage mehrere Tausend Gäste. Neben den Lesungen bietet das  Literaturfest Schreib-, Mal- und Erzählwerkstätten für Kinder und Jugendliche.

Sprache erleben und entdecken

Die Veranstaltungsreihe „kinderleicht & lesejung“ animiert jedes Jahr über 2.000 Schülerinnen und Schüler aus der Region, am LeseLenz teilzunehmen. Daraus entstand in Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe eine Poetikdozentur – einzigartig in Deutschland. Erklärtes Ziel aller Veranstaltungen ist es, Sprache zu erleben und neu zu entdecken. Von 2022–2024 war Oliver Präsident des PEN-Zentrums Deutschland (ein Amt, das er aus gesundheitlichen Gründen niederlegen musste). Zurzeit (2025/26) ist José F. A. Oliver Stadtschreiber in Bergen-Enkheim bei Frankfurt.

Gastprofessuren / Poetikdozenturen (Auswahl):

2002 Gastprofessor am MIT (Cambridge / USA)

2007 TU Dresden

2013 Ludwig-Maximilians-Universität München

2019 Liliencron-Dozentur Kiel

Preise / Auszeichnungen (Auswahl):

2007 Kulturpreis des Landes Baden-Württemberg

2009 Thaddäus-Troll-Preis

2012 Joachim-Ringelnatz-Preis

2015 Basler Lyrikpreis

2021 Heinrich-Böll-Preis für Literatur der Stadt Köln

2022 Ernennung zum Ehrenbürger von Hausach

HEIMAT – mehr als ein W:ort

Termin: Mittwoch, 4. Februar 2025, 18 Uhr

Ort: Atelier der Illenau Werkstätten, Illenauer Allee 54, 77855 Achern

Veranstalter: Oma gegen Rechts Bühl/Achern

Eintritt: Der Eintritt ist frei

Internet: Website José F. A. Oliver

Das könnte dich auch interessieren:

Grenzenloses Kindertheater: „Der kleine König Artus“ eröffnet Festival Allez Hop! 2026 mit 45 Vorstellungen

Kunst trifft Literatur: Werner Schmidt macht „James Joyce und die Farben des Ulysses“ in Offenburg erlebbar

Podcast

Weitere Beiträge