Nur zwei Wochen nach dem Wirtschaftsverband wvib Schwarzwald AG hat nun auch die IHK Südlicher Oberrhein ihre Konjunkturumfrage veröffentlicht. „Das Jahr 2026 beginnt für die Wirtschaft am südlichen Oberrhein mit einer Belebung. Hier spiegeln sich die positiveren Erwartungen der Unternehmen aus dem Herbst wider“, sagte Alwin Wagner, der Stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein, bei der Vorstellung des Konjunkturberichts zum Jahresbeginn in Freiburg, wie die IHK in einer Mitteilung schreibt. Über alle Branchen hinweg bewerten die Betriebe demnach ihre Geschäftslage besser als zum Ende des vergangenen Jahres.
Nur wenige Unternehmen zufrieden
Der Index der Geschäftslage steige um acht Punkte und befindet sich mit 13 Punkten nun immerhin auf seinem höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. 31 Prozent der Unternehmen geben eine gute Geschäftslage an, 17 Prozent sind mit den aktuellen Geschäften unzufrieden. „Es wäre schön, wenn wir sagen könnten: In den kommenden zwölf Monaten geht es weiter bergauf. Dann könnten wir auch von einer echten Trendwende sprechen“, so Wagner. „Aber genau das sehen wir nicht.“
An Boden verloren
Denn der Index der Geschäftserwartungen verliert sogar wieder an Boden. Habe er im Herbst immerhin noch bei minus drei Punkten gelegen, sei er zum Jahresbeginn auf minus sieben Punkte tiefer in den negativen Bereich abgerutscht. Nur 15 Prozent der Unternehmen rechnen mit besseren Geschäften im Jahr 2026, für 22 Prozent ist der Ausblick trübe.

Die Wirtschaft hält sich mit Investitionen in Zukunftsbranchen zurück. Foto: Hochschule Offenburg
Mangelnde Reformbemühungen
„Das ist ein relativ schmales Fundament, von dem ein positiver Impuls ausgehen kann. Die bisher weit hinter den Erwartungen gebliebenen Reformbemühungen der Regierung und die eher populistisch geführten Diskussionen, beispielsweise um Themen wie Lifestyle oder Teilzeitarbeit, haben viele Unternehmerinnen und Unternehmer enttäuscht, die sich von einem Regierungswechsel eine echte ‚Wirtschaftswende‘ erhofft hatten“, wird Wagner weiter zitiert. Die Themen könne man sachlich diskutieren, am Ende gehe es aber darum, mit den politischen Reformen auch ins Handeln zu kommen.
Häufigste Investitionen für Ersatzbedarf
Dass die heimischen Unternehmen noch nicht vollends davon überzeugt sind, dass die konjunkturelle Talsohle durchschritten wurde, lasse sich auch an ihren Investitionsplänen ablesen. Zum vierten Mal in Folge notiert der Index der Inlandsinvestitionen im negativen Bereich. Mit minus sechs Punkten liege er sogar drei Punkte niedriger als im Herbst. In den Jahren 2010 bis 2019 lag der Index fast durchgängig im positiven Bereich. Das am häufigsten genannte Investitionsmotiv ist mit 65 Prozent der Ersatzbedarf. Kapazitätserweiterung werden hingegen nur noch von 14 Prozent der Unternehmen als Motiv angegeben – der niedrigste Wert seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise im Jahr 2009.
Inlandsnachfrage bereitet Sorgen
Welche Risiken sehen die Unternehmen nach dieser langen wirtschaftlichen Stagnationsphase für sich? Wenig verwunderlich sei, dass die Inlandsnachfrage nach wie vor die meisten Sorgen bereitet. Für 64 Prozent der Befragten stellt sie demzufolge ein Risiko dar. Damit werde der Spitzenwert vom Herbst 2024 erneut eingestellt. Weiterhin große Bedeutung hätten auch die Arbeitskosten. Wie schon im vergangenen Herbst werden sie von knapp 60 Prozent der Unternehmen als Risiko empfunden. Die Erhöhung des Mindestlohns, ein allgemein steigendes Lohnniveau und höhere Beitragssätze in der Sozialversicherung würden viele Unternehmen in Zeiten schwacher Konjunktur zunehmend in die Bredouille bringen.

Die Industrie baut derzeit Stellen ab. Foto: succo/pixabay
Steigende Arbeitslosigkeit
Dass dies auch auf den Arbeitsmarkt durchschlägt, liege auf der Hand – die Beschäftigungserwartungen sind tief im roten Bereich. Im Vergleich zum Herbst verliert der entsprechende Index nochmal drei Punkte und sinkt auf minus 14 Zähler ab. 24 Prozent der Unternehmen planen mit weniger Stellen, nur zehn Prozent denken an Beschäftigungsaufbau. Kontinuierlich gestiegen sei deshalb auch die Zahl der Arbeitssuchenden im Kammerbezirk. Der Januar 2026 bildet hier keine Ausnahme.
„Diversifizierte Wirtschaftsstruktur“
Insgesamt waren 28.297 Personen vergeblich auf der Suche nach einer Arbeit und damit 6.473 Personen mehr als vor vier Jahren. „Wir können dankbar sein, dass wir am südlichen Oberrhein eine sehr diversifizierte Wirtschaftsstruktur haben“, sagte Wagner. Das sorge für Stabilität. Trotzdem könne sich die Region dem Thema steigende Arbeitslosigkeit nicht entziehen.
Messeauftritte im B-to-B-Bereich
Dass die Stimmung in den Unternehmen in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern auf der Welt eher negativ ausfällt, habe auch Ralf Brotte, Geschäftsführer des Denzlinger Unternehmens Externe Messeabteilung bemerkt. Der weltweit tätige Betrieb habe sich mit seinen 14 Beschäftigten auf Messeauftritte für Kunden im sogenannten Business-to-Business-Bereich spezialisiert: „In Indien ist die Grundstimmung sehr positiv, auch bei Gesprächen mit deutschen Unternehmen in Argentinien bekam ich das Gefühl vermittelt: Es passiert wieder etwas.“

Die IHK stellte ihre Standortkampagne bei ihrem Neujahrsempfang vor. Foto: IHK SO/Michael Bode
„Rahmenbedingungen nicht klar“
Brotte kann die aktuelle Investitionsrückhaltung der deutschen Unternehmen gut nachvollziehen. „Wenn Rahmenbedingungen und Genehmigungsfragen nicht klar sind, ist es nicht einfach, in die Zukunft zu investieren.“ Das gelte auch für Auftritte bei Messen. „Die deutschen Aussteller gehen mit reduzierten Mitteln zu den Veranstaltungen, selbst bei weltweiten Leitmessen, die in Deutschland stattfinden, zeigen sich vor allem die ausländischen Aussteller.“
Positive Botschaft senden
In der konjunkturell weiterhin schwierigen Situation will die IHK Südlicher Oberrhein mit ihrer derzeit laufenden Standortkampagne eine positive Botschaft setzen und zeigen: Hier geht was! „Wir haben bei unserem Neujahrsempfang sehr viel positive Resonanz auf unsere Standortkampagne erhalten“, sagt Wagner. „Wir haben tolle Unternehmen und jede Menge Stärken am südlichen Oberrhein. Und genau das möchten wir im Jahr 2026 in den Vordergrund stellen.“
Foto: Alwin Wagner, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK (links), und Ralf Brotte, Geschäftsführer des Denzlinger Messebauers Externe Messeabteilung.
red/wh
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