Gegründet wurde das Welcome Center Südlicher Oberrhein im Frühjahr 2023. An die Beratungsstelle wenden sich Unternehmen aus Südbaden und ausländische Fachkräfte. Angesichts des Fachkräftemangels werden in den kommenden Jahren weiter ausländische Arbeitnehmer in Deutschland gebraucht. Es ist eine gegensätzliche Entwicklung zu den Massenentlassungen während der aktuellen Wirtschaftskrise. In einigen Branchen herrscht nach wie vor Personalmangel.
Wiederholte Anfragen von Unternehmen
„Die Nachfrage hat enorm zugenommen“, wird Leiterin Dr. Sophie Figueredo-Hardy in einer Pressemitteilung der IHK Südlicher Oberrhein zitiert. Gemeinsam mit ihren beiden Kolleginnen Justyna Gawron und Olga Kuchendaeva helfe sie Unternehmen bei der Suche nach Fachkräften aus dem Ausland und bei Fragen zur aktuellen Gesetzeslage. Die Zahl der Beratungen hat 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 51 Prozent auf insgesamt 1.121 erhöht. Leiterin Figueredo-Hardy spricht demnach von einem positiven Signal: „Dass sich viele Unternehmen wiederholt an uns wenden, spricht für das wachsende Vertrauen in unsere Arbeit.“

Fachkräfte werden trotz der Wirtschaftskrise nachgefragt. Foto: tesa werke
Meiste Anfragen aus der Gastronomie
196 Unternehmen hätten sich im vergangenen Jahr an das Welcome Center gewandt. An der Spitze liegen Anfragen aus den Bereichen Gastronomie und dem verarbeitendem Gewerbe mit jeweils 20 Prozent. Zehn Prozent kommen aus dem Dienstleistungssektor. Die häufigsten Fragestellungen drehen sich laut IHK um Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen (42 Prozent). Dieses Thema habe seit der Einführung des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes (FEG) im vergangenen Jahr zusätzlich an Relevanz gewonnen.
Berufsabschluss benötigt
„Für die Betriebe bleibt das Verfahren weiterhin komplex, auch wenn das FEG einige Prozesse erleichtert hat“, sagt Sunay Gün, Teamleiter der Abteilung Fachkräftesicherung der IHK Südlicher Oberrhein. Ob eine Fachkraft einreisen darf, hänge von verschiedenen Faktoren ab. Benötigt wird etwa ein staatlich anerkannter Berufsabschlusses im Herkunftsland sowie eine mindestens zweijährigen Ausbildung. „Um sich in der Bürokratie zurechtzufinden, sind insbesondere kleinere und mittlere Betriebe auf unsere Hilfe angewiesen“, wird IHK-Experte Gün zitiert.
Viele Anfragen aus der Ukraine
Immerhin 688 internationale Fachkräfte stellten Beratungsanfragen, 56 Prozent davon Männer, 44 Prozent Frauen, Tendenz steigend. Das Land mit den meisten Anfragen ist die Ukraine mit einem Anteil von 19 Prozent, gefolgt von der Türkei (8 Prozent), Indien mit 6 Prozent sowie Marokko (5) und Kolumbien (4). Bei den Regionen liegt der Mitteilung zufolge Osteuropa vorn vor Zentral- und Südamerika. Die Anfragen kamen aus 91 Ländern. Darauf ist das Team des Welcome Centers gut eingestellt. Die drei Frauen sprechen neben Deutsch sieben Sprachen, heißt es.

Der größte Fachkräftemangel herrscht in der Gastronomie. Foto: pixabay
70 Prozent mit Hochschulabschluss
Arbeitsplatzsuche und Bewerbung war für 30 Prozent das drängendste Thema, dahinter kommen die Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen (23 Prozent) und die Anerkennung ausländischer Qualifikationen mit 17 Prozent. Von den Fachkräften verfügen 70 Prozent über einen Hochschulabschluss, 16 Prozent über eine im Herkunftsland erworbene Ausbildung.
„Weiter intensiver Beratungsbedarf“
„Wir spüren, wie unser Bekanntheitsgrad stetig zunimmt“, sieht Leiterin Figueredo-Hardy weiteren intensiven Beratungsbedarf. Eine Verstärkung des Teams mit einer 50 Prozent-Stelle ist bereits in Vorbereitung, heißt es. Außerdem soll es wieder zahlreiche Informationsveranstaltungen für Fachkräfte und Unternehmen geben. Informationen dazu gibt es auf der Webseite des Welcome Centers sowie auf LinkedIn und Instagram aktiv.
Foto: Das Team des Welcome Centers Südlicher Oberrhein (von links): Olga Kuchendaeva, Sophie Figueredo-Hardy und Justyna Gawron.
red/Wolfgang Huber
Siehe auch hier:
IHK-Umfrage zeigt: Angst vor Wirtschaftskrise und Krieg dominiert bei Auszubildenden am Oberrhein
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