Laut Innenministerium beteiligten sich am Dienstag rund 250.000 Schüler und Studenten in ganz Frankreich an den Demonstrationen, vor denen man sich in vielen Städten gefürchtet hatte. Doch nach den weitestgehend friedlichen Demonstrationen suchten nach dem Ende dieser Proteste die „üblichen Verdächtigen“ gewaltsame Auseinandersetzungen mit der Polizei und das nicht nur in Paris, sondern auch in der Provinz.
Gestern Abend gab es eine Krisensitzung mit Präsident Macron und den zuständigen Ministern, doch sind diese Unruhen noch lange nicht vorbei. Im Gegenteil, es könnten sich innerhalb kurzer Zeit weitere unzufriedene Bevölkerungsgruppen diesen Protesten anschließen.
Berechtigte Forderungen
Die Zeichen standen gestern auf friedlichen Demonstrationen, was unter anderem daran lag, dass die Gewerkschaft CGT und besorgte Eltern mit weißen Armbinden dafür sorgten, dass die Demonstrationen friedlich blieben und es nur vereinzelt zu Gerangel kam. Das war wichtig, denn somit standen gestern die völlig berechtigten Forderungen der Jugendlichen im Vordergrund und nicht etwa gewaltsame Auseinandersetzungen.
Die gab es dann allerdings auch noch, denn nach dem Ende der Demonstrationen blieben einige hundert schwarz gekleidete und vermummte Gestalten vor Ort, die es nur darauf abgesehen hatten, sich Auseinandersetzungen mit der Polizei zu liefern. In Paris, Toulouse und auch Straßburg kam es zu solchen Auseinandersetzungen, die allerdings weder mit den Schülern, noch mit deren Anliegen zu tun hatten. Hier wollten die „üblichen Verdächtigen“ ihr Mütchen kühlen, dieselben, die auch nach Fußballspielen in die Innenstädte ziehen, um dort Brände zu legen und Schaufenster einzuschlagen. Den Schülerprotesten konnte das allerdings nicht viel anhaben.

Foto: Eurojournalist(e) / CC-BY 2.0
Berechtigte Forderungen
Die Forderungen der Schüler sind klar formuliert und berechtigt. Beseitigung des Lehrermangels, kleinere Klassen, kürzere Schultage, vernünftige Ausstattung der Schulen und Klassenzimmer und eine Reform des Systems „Parcoursup“, das nach nicht nachvollziehbaren Algorithmen den Abiturienten Studienplätze im ganzen Land zuweist, wenn das System gerade nicht streikt. An diesen Forderungen gibt es nichts auszusetzen und die Unterstützung für diese Forderungen zieht sich durch die ganze Gesellschaft.
Dennoch sitzt Frankreich in diesem Herbst auf einem Pulverfass. Bereits am Donnerstag ist der nächste Aktionstag angesagt, wobei die Bezeichnung „Akt 4“ an die „Akte“ der „Gelbwesten“ erinnert, die bereits in der kommenden Woche in die Proteste eingreifen könnten, ebenso wie die Bauern, die ebenfalls zurecht beklagen, dass die explodierten Energiepreise zahlreiche Existenzen in der Landwirtschaft gefährden. Sollten sich all diese Sozial- und Protestbewegungen zusammenfinden, wird es für die Regierung sehr schwierig werden.
Zahlreiche Gymnasien haben bis auf weiteres auf Teleunterricht umgestellt, doch die Situation zwingt die Regierung zu schnellem Handeln, denn sollte seitens der Regierung keine schnelle Reaktion erfolgen, werden sich die Proteste zweifellos weiter verschärfen.
Dass gestern eine Viertelmillion Schüler und Studenten ihren Forderungen Nachdruck verlieh, ist eine gute Sache, denn bei diesen Schülern und Studenten handelt es sich um die Zukunft Frankreichs und dass diese vernünftig ausgebildet werden will, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Und dennoch muss Frankreich nun aufpassen, dass diese Proteste nicht doch noch in gewalttätige Unruhen ausarten, die dann irgendwann nicht mehr in den Griff zu bekommen sind. Hoffen wir das Beste für Frankreich.
Dieser Artikel ist der erste im Rahmen der Content-Partnerschaft zwischen dem Ortenau Journal und Eurojournalist(e) (Straßburg). Er erschien zuerst am 7. Oktober 2026 auf www.eurojournaliste.eu
Das könnte dich auch interessieren: