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Interview: Zwischen Kaiserreich und Maginot-Linie – Das Fort Podbielski-Ducrot öffnet seine Geschichte

© WEINconcepts – Das Innere des Forts Podbielski-Ducrot in Mundolsheim / Elsass.
Zwei Epochen der Militärgeschichte an einem Ort erleben: Das Fort Podbielski-Ducrot im elsässischen Mundolsheim – Partnergemeinde von Ottenhöfen – vereint eine deutsche Festungsanlage aus der Kaiserzeit mit einem Bauwerk der Maginot-Linie. Im Interview erklären Friedrich Wein und Christian Reichl, warum der historische Komplex weit mehr als ein Museum ist, wie grenzüberschreitende Zusammenarbeit das Kulturerbe bewahrt und weshalb das Fort heute als Ort der Verständigung eine Bedeutung hat.
Von Nicole Zscherneck 

Wer sich für deutsch-französische Geschichte interessiert, sollte mal dem französischen Ort Mundolsheim, seit einigen Wochen neue Partnergemeinde von Ottenhöfen im Schwarzwald, einen Besuch abstatten. Hier kann man gleich zwei Zeitepochen in einer militärischen Festungsanlage bestaunen.

Das Fort Podbielski wurde von 1879 bis 1882 errichtet und mehrfach verstärkt. Es ergänzte den Straßburger Festungsgürtel auf einer Anhöhe. Durch die Lage auf einem schmalen Berg hat es einen asymmetrischen und für die Gegend rund um Straßburg einzigartigen Grundriss. Vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde es in die Maginot-Linie eingegliedert und diente als Befehlsstand.

„Über die Grenzen hinaus“

Friedrich Wein, seines Zeichens unter anderem Buchautor über die Wehranlagen auf der Hornisgrinde, arbeitet auch „über die Grenzen hinaus“ mit seinen französischen Kollegen zusammen. Wie wichtig dies ist, beschrieb er nicht zuletzt beim Wanderopening auf der Hornisgrinde am 10. Mai, wo er betonte: „Krieg gehört ins Museum.“ Ihm und seinen Kollegen ist es wichtig, Geschichte weiterzugeben, damit sie nicht in Vergessenheit gerät und somit den Menschen ein besseres Verständnis einer bewegten Zeit näherbringt.

Passend zum Tag der offenen Tür des Fort Podbielski-Ducrot am 5. Juli 2026, standen uns Friedrich Wein und sein französischer Kollege Christian Reichl, der Präsident des Mundolsheimer Vereins „Association Les amis du Fort Ducrot“ für Fragen zur Verfügung.

Ortenau Journal: Was ist das Besondere am Fort Podbielski-Ducrot?

Friedrich Wein / Christian Reichl: Das Besondere am Fort Podbielski-Ducrot ist, dass man an einem einzigen Ort sowohl ein deutsches Fort aus der Kaiserzeit als auch ein Bauwerk der Maginot-Linie besichtigen kann. Dadurch kann man die Entwicklung der Festungsarchitektur und Militärgeschichte aus zwei verschiedenen Epochen direkt miteinander vergleichen. Außerdem erklärt es seinen deutschen Namen Podbielski und seinen französischen Namen Ducrot.

Ortenau Journal: Gibt es auch Besuchszeiten außerhalb des Tages der offenen Tür?

Friedrich Wein / Christian Reichl: Ja, selbstverständlich. Unsere regulären Besuchszeiten sind donnerstags und samstags jeweils um 14:00 Uhr sowie am letzten Sonntag des Monats um 14:00 Uhr und 15:00 Uhr. Wenn Sie als Gruppe kommen möchten, können wir uns außerdem gerne an Ihre Wünsche anpassen und einen individuellen Besuchstermin vereinbaren.

Ortenau Journal: Was kostet der Eintritt?

 

Friedrich Wein / Christian Reichl: Der Eintritt beträgt 5 Euro pro Person. Wenn Besucherinnen und Besucher mehr geben möchten, freuen wir uns natürlich sehr über ihre Unterstützung.

Ortenau Journal: Wer und wie viele Menschen sind dafür verantwortlich?

Friedrich Wein / Christian Reichl: Das Fort gehört der Gemeinde Mundolsheim. Die Restaurierungs- und Instandhaltungsarbeiten werden jedoch von unserem Verein durchgeführt. Die Arbeiten werden von den ehrenamtlichen Mitgliedern des Vereins organisiert und ausgeführt.

Ortenau Journal: Wie viel Arbeit steckt dahinter, alles erhalten zu können?

Friedrich Wein / Christian Reichl: Unser Verein zählt rund 120 Mitglieder, doch die anfallenden Arbeiten werden hauptsächlich von etwa 25 aktiven Mitgliedern getragen. Gemeinsam leisten sie jedes Jahr rund 6.000 Arbeitsstunden, um Gebäude, Anlagen und das Vereinsgelände zu erhalten, zu pflegen und weiterzuentwickeln. Dieses große ehrenamtliche Engagement ist die Grundlage dafür, dass unser Vereinsleben funktioniert und unser gemeinsames Erbe für kommende Generationen bewahrt werden kann.

Ortenau Journal: Mit welchen Geldern wird das gemacht?

Friedrich Wein / Christian Reichl: Wie bei vielen Vereinen werden unsere Arbeiten durch verschiedene Einnahmequellen finanziert: durch die Mitgliedsbeiträge, durch Zuschüsse der lokalen Gebietskörperschaften sowie durch private Partner. Der größte Teil der Einnahmen stammt jedoch von unseren Besuchern.

Ortenau Journal: Wie läuft die Zusammenarbeit über die Grenzen des Rheins hinweg?

Friedrich Wein / Christian Reichl: Die Zusammenarbeit über die Grenzen des Rheins hinweg funktioniert sehr gut. Für Vereine ist es besonders wichtig, verlässliche Partner und Unterstützung zu finden. Das stärkt ihre Arbeit und ermöglicht gemeinsame Projekte. Außerdem kommt es immer wieder zu gegenseitiger Hilfe und solidarischem Austausch – das fördert das Miteinander in der Grenzregion zusätzlich. Seit Dezember 2025 arbeitet der grenzüberschreitende Verein „Festungsnetz grenzenlos – Forteresses sans frontières“ als Interessensvertretung des Festungserbes am Oberrhein. Hier haben wir die Vorbereitungen zur Vereinsgründung begleitet und sind Gründungsmitglied (Facebook & Instagram „Fortification Upper Rhine“).

Ortenau Journal: Was sind die Ziele, die verfolgt werden? Was will man den Menschen vermitteln?

Friedrich Wein / Christian Reichl: Die verfolgten Ziele sind vor allem, den Besucherinnen und Besuchern einen authentischen Rahmen für ihren Aufenthalt zu bieten. Der Ort soll so erlebbar gemacht werden, dass seine Geschichte und Atmosphäre möglichst unverfälscht vermittelt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Erweiterung des Besichtigungsrundgangs durch die neu restaurierten Bereiche, insbesondere die Contrescarpe. Dadurch sollen zusätzliche Räume zugänglich gemacht und in das Gesamterlebnis integriert werden. Grundsätzlich bleibt der Besuch ein Moment der Entdeckung für die Öffentlichkeit. Die Gäste sollen dabei nicht nur den Ort selbst kennenlernen, sondern auch mehr über das Elsass, seine Vergangenheit und seine historische Entwicklung erfahren.

 

Ortenau Journal: Gibt es weitere Objekte in der Nähe, die einen Besuch lohnen?

Friedrich Wein / Christian Reichl: Ja, natürlich! Es gibt noch viele weitere sehenswerte Orte in der Umgebung. Besonders empfehlenswert sind das Fort Frère in Oberhausbergen und das Fort Rapp in Reichstett. Beide Festungen gehören zum historischen Festungsgürtel von Straßburg und bieten faszinierende Einblicke in die Militärgeschichte des 19. Jahrhunderts. Außerdem lohnt sich die Piste des Forts, ein etwa 85 km langer deutsch-französischer Fahrrad-Rundweg rund um Straßburg. Er verbindet insgesamt 19 historische Festungsanlagen und führt durch abwechslungsreiche Landschaften mit Wäldern, Dörfern und Rheinauen – ideal zum Radfahren oder für einzelne Spaziergänge. Ob Sie sich für Geschichte begeistern oder einfach die Natur genießen möchten – in der Region gibt es zahlreiche spannende Orte zu entdecken.

Ortenau Journal: Gibt es weitere Events in der nächsten Zeit? Ein weiterer Tag der offenen Tür beispielsweise?

Friedrich Wein / Christian Reichl: Der nächste geplante Termin ist der Tag des offenen Denkmals im Rahmen der Europäischen Tage des Denkmals am 19.09. und 20.09.2026.

Ortenau Journal: Wie waren die Verantwortlichen mit dem Zulauf am Tag der offenen Tür in Mundolsheim zufrieden?

Friedrich Wein / Christian Reichl: Wenn wir die Türen des Forts öffnen und unsere ehrenamtliche Arbeit der Öffentlichkeit präsentieren können, sind wir immer sehr glücklich. Es freut uns jedes Mal, so viele interessierte Besucher begrüßen zu dürfen.

(Fotos: WEINconcepts)

Ortenau Journal-Autorin Nicole Zscherneck

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