„Wir decken den Tisch“ – das betonten bei einer Infoveranstaltung knapp 20 Landwirte aus der Umgebung, die die Acherner Markthalle beliefern. Zum breiten Sortiment gehören Fleisch und Wurst, Forellen, Backwaren, Speiseöle, Obst und Gemüse oder auch Spirituosen bis hin zu Blumen, um nur eine Auswahl zu nennen.
Vor vier Jahren wurde die Markthalle Achern eG als Erzeuger- und Verbrauchergenossenschaft gegründet und befindet sich in der ehemaligen französischen Reithalle in der Illenau. In dem denkmalgeschützen Gebäude kann man in einzigartiger Atmosphäre die zum großen Teil regionalen Lebensmittel erwerben. Zwei Drittel des Umsatzes gehe laut Vorstand Ewald Glaser unverpackt über die Ladentheke. „In den Supermärkten ist alles verpackt. Wenn die Energiepreise auf diesem Niveau bleiben, wird das Thema Verpackung eine ganz neue Bedeutung gewinnen, denn bisher hat man damit Personalkosten gespart und den Einkauf beschleunigt.“

Die 20 Landwirte in der Markthalle Achern. Foto: Nicole Zscherneck
Die Markthalle verglich er mit einem Januskopf. Dieser schaue als Verbraucher und als Erzeuger in zwei Richtungen. Was haben die Verbraucher von der Markthalle? Glaser: „Eine sichere Lebensmittelversorgung in der Region, gerade jetzt. Man merkt, wie hoch die Abhängigkeiten sind. Es gibt ein gutes Preis-Leistungsverhältnis, obwohl wir auf aggressive Lockvogelangebote verzichten.“ Weiter gibt es eine große Auswahl, nicht nur an biologischen, sondern auch an konventionellen Produkten, die zur Erhaltung der Wertschöpfung in der Region beitragen.
„Klimaschutz geht durch den Magen. Alle wollen Vielfalt, aber die Ladenwelt wird ohne die Regionalität eintöniger.“ Die ersten zwei Jahre der Markthalle seien extrem schwierig gewesen, gerade wegen der Baustelle direkt vor der Tür. „Im vergangenen Jahr hat die Nachfrage sehr gut angezogen, sodass wir zufrieden sein können“, so Glaser. Aus Sicht des Landwirts seien der gesicherte Absatz zu auskömmlichen Preisen, kurze Transportwege, wenig Verpackungsaufwand sowie die höhere Wertschätzung ihrer Produkte von besonderer Wichtigkeit. „Diese Wertschätzung tut besonders gut.“
In Zeiten massiv steigender Transportkosten gewinnen kurze Transportwege wie im Falle der Acherner Markthalle für die Landwirte an Bedeutung. Die Markthalle ist eine „mutige Antwort“ auf die fortschreitende Konzentration im deutschen Lebensmittelhandel. Die vier größten Unternehmensgruppen machen 87,5 Prozent des Gesamtumsatzes unter sich aus. „Die Landwirte geraten immer mehr in eine Sandwichposition mit der Folge von Betriebsaufgaben.“ In den Siebzigern haben diese noch 50 Prozent Erlösanteil verbucht, im vergangenen Jahr nur noch 22 Prozent.

In der Markthalle gibt es regionale Produkte. Foto: Nicole Zscherneck
Der Milchpreis liegt beispielsweise im Keller mit 37 Cent pro Liter, bei gestiegenen Kosten. Auch die Apfelpreise seien „unterirdisch“. Bei der Markthalle handele sich um ein „Leuchtturmprojekt“. „Wir wollen einen einzigartigen Beitrag leisten, damit wir weiterhin den Tisch der Region decken können. Die Vielfalt an Lebensmitteln und deren regionale Vermarktung ist für uns als kleiner Familienbetrieb ein sehr wichtiges Thema. Hierfür ist die Markthalle sehr gut geeignet“, so Maximilian Bohnert aus Oberachern, der dort seinen Wein verkauft.
„Der Kunde sieht bei uns: Hier wachsen die Produkte und hier bekomme ich tolle Qualität und nicht die generische Masse aus den Supermärkten“, sagt Manuel Zeller vom Obsthof Zink aus Renchen. Die Leute schätzen das und bekommen preiswerte Produkte, die ihren „Preis auch wert sind.“ „Viele Leute denken um und gehen wieder vermehrt regional einkaufen, vor allem auch die jungen Leute, die die Arbeit und das Produkt wieder mehr zu schätzen wissen und auf Qualität schauen“, meint Martin Weber von Kerns Hofladen, eine Gemischtbetrieb, der die Markthalle mit Gemüse beliefert.
Matthias Markolf vom „Schafraffenland“ Bühl-Balzhofen: „Wir sind ein sehr kleiner Betrieb, der kleinste hier. Wir versuchen alles selber zu vermarkten, anders haben wir in unserer Größe keine Chance. Wir verkaufen nicht nur unsere Produkte, sondern auch uns mit als Person. Das ist mir ganz wichtig. Hier in der Markthalle sieht man, dass man durch seine Persönlichkeit mitverkauft.“ Ein gutes Produkt, gute Persönlichkeit und Kundenbeziehung sei das A und O – sonst wäre man austauschbar.

„Dass der Direktvermarkter immer teurer ist, ist nicht richtig. Wir können preislich mit dem Bäcker mithalten, nicht mit einem Discounter, aber dafür kann man mein Brot vier Tage essen“, betont Markolf. Es sei eine Gratwanderung und man könne die Preise nicht anziehen wie an der Tankstelle, dann komme keiner mehr. „Wir müssen mehr Leute erreichen und ihnen bewusst machen, dass es um die Wertschätzung der Region geht. Das Geld bleibt hier und am Schluss gewinnen alle.“ Ewald Glaser lobt die Gruppe an Landwirten und das Konzept: „Wir haben eine unglaubliche Vielfalt und die Leute stehen mit einer Begeisterung dahinter. Gegen die große Konkurrenz kommt man nur gemeinsam an. Wir leben in einer solch reichen Region und können so viel bieten.
Die Zusammenkunft heute war wie ein Schaufenster. Man muss den Verbrauchern klar machen, die eingefahrenen Bahnen etwas zu verlassen. Die Schätze der Heimat muss man bewahren.“ Kaspers Landgenuss: „Der Wunsch der Bevölkerung ist hoch nach regionaler Versorgung. Die Realität sieht aber anders aus: Man macht den Haupteinkauf aus Zeitgründen einmal in der Woche im Supermarkt.“ Ihr Wunsch: Dass sich die Leute einfach mehr Zeit nehmen, bewusst einzukaufen.

Ortenau Journal-Autorin Nicole Zscherneck
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