Arbeitswelt

Kaum Feedback, keine Struktur: zwischen Anspruch und Realität – Die unterschätzte Rolle moderner Ausbilder

© gpointstudios – Ausbildende haben eine Führungsrolle im Unternehmen.
Ausbildung läuft in vielen Unternehmen nebenbei – mit spürbaren Folgen. Fehlende Führung, unklare Rollen und schwache Kommunikation sorgen für Frust bei Auszubildenden und Ausbildenden gleichermaßen. Gastautor und Ausbildungsexperte Florian Daumüller zeigt im Fachblog Persoblogger.de, warum Ausbildung heute weit mehr ist als Wissensvermittlung und welche zentrale Rolle Führung, Struktur und Feedback für den Erfolg spielen. Ein Blick auf ein oft unterschätztes Handlungsfeld mit großer Wirkung.

Unterschätzte Rolle

Die betriebliche Ausbildung in Deutschland steht vor strukturellen Herausforderungen, die weniger mit fachlichen Inhalten als vielmehr mit Führung und Organisation zu tun haben. Wie Gastautor Florian Daumüller im Fachblog Persoblogger.de darlegt, wird die Rolle von Ausbildungsverantwortlichen in vielen Unternehmen nach wie vor unterschätzt. Ausbildung werde häufig als Nebenaufgabe behandelt, obwohl sie längst eine zentrale Führungsfunktion darstellt.

Daumüller beschreibt, dass sich die Anforderungen an Ausbildung grundlegend verändert haben. Während früher die reine Wissensvermittlung im Vordergrund stand, gehe es heute verstärkt darum, junge Menschen durch eine prägende Lebensphase zu begleiten. Auszubildende erwarteten Orientierung, regelmäßiges Feedback und eine klare Einbindung ins Team. Unternehmen hingegen forderten schnelle Einsatzfähigkeit. Diese Diskrepanz führe häufig zu Frustration auf beiden Seiten.

Unsicherheit überträgt sich

Ein zentrales Problem sieht der Autor in der unklar definierten Rolle der Ausbildenden. Viele seien fachlich qualifiziert, jedoch nicht ausreichend auf ihre Führungsaufgabe vorbereitet. Diese Unsicherheit wirke sich unmittelbar auf den Ausbildungsprozess aus und werde von Auszubildenden schnell wahrgenommen. Die Folge seien Distanz, Missverständnisse und vermeidbare Konflikte.

Der oft zitierte „Generationenkonflikt“ greife laut Daumüller zu kurz. Unterschiede zwischen Generationen seien weniger entscheidend als fehlende Führung und mangelhafte Kommunikation. Wenn Erwartungen nicht klar formuliert, Feedback unzureichend gegeben und Gespräche zu spät geführt würden, entstehe Unsicherheit – ein zentraler Auslöser für Spannungen im Ausbildungsalltag.

Berufsinfomesse Offenburg

Der erste Touchpoint für Azubis sind oft Berufsinfomessen. Foto: Messe Offenburg-Ortenau

Erste Bezugsperson im Unternehmen

Besondere Bedeutung misst der Autor der Rolle der Ausbildenden als Kulturträger bei. Sie seien häufig die ersten direkten Bezugspersonen im Unternehmen und prägten maßgeblich die Wahrnehmung der Organisation. Faktoren wie Feedbackkultur, Umgang mit Fehlern und persönliche Wertschätzung hätten langfristige Auswirkungen auf Motivation und Bindung der Nachwuchskräfte.

Dabei gehe es weniger um Perfektion als um Präsenz. Entscheidend sei, ansprechbar zu sein, zuzuhören und Verlässlichkeit zu zeigen. Kommunikation wird als zentraler Hebel hervorgehoben: Regelmäßige, klare Gespräche und konkretes Feedback könnten viele Probleme frühzeitig verhindern. Ebenso wichtig sei eine strukturierte Ausbildung mit klar definierten Rollen, Verantwortlichkeiten und nachvollziehbaren Lernzielen.

Unscharfe Führungsrolle

Ein weiterer kritischer Punkt ist laut Daumüller die oft vernachlässigte Entwicklung der Ausbildenden selbst. Ohne gezielte Qualifizierung und Austauschmöglichkeiten bleibe ihre Führungsrolle unscharf. Unternehmen seien daher gefordert, Ausbildung nicht als Einzelaufgabe zu delegieren, sondern als strategische Gesamtverantwortung zu begreifen.

Die Wirkung einer gut organisierten Ausbildung zeige sich unmittelbar: Auszubildende seien engagierter, übernähmen schneller Verantwortung und integrierten sich besser ins Unternehmen. Letztlich entscheide sich bereits in der Ausbildung, wie nachhaltig Mitarbeitende gebunden werden und wie sie das Unternehmen wahrnehmen. Ausbildung sei damit kein Randthema, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor moderner Organisationen.

Zum Originalartikel: Ausbilder führen oder verlieren (Persoblogger.de)

red/ChatGPT

Siehe auch hier:

Duale Ausbildung in der Krise: OECD-Studie zeigt Defizite bei Berufsorientierung und -beratung in Deutschland

Immer mehr Jugendliche ohne Ausbildung: Praktikumsprämie soll Trend stoppen

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