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40 Jahre „Doc’n’Roll“: Die Ortenauer Drummer-Legende Claus-Dieter „Doc“ Ruf feiert 2026 Jubiläum

Claus-Dieter "Doc" Ruf
© Claus-Dieter Ruf – Der „Doc“ hat seinen Künstlernamen vor 40 Jahren abbekommen.
Vier Jahrzehnte hinter dem Schlagzeug, unzählige Auftritte und eine ungebrochene Leidenschaft für treibenden Rock’n’Roll: Claus-Dieter „Doc“ Ruf zählt zu den prägenden Musikern der Ortenau. Sein Weg führte ihn von ersten spontanen Drum-Versuchen im Internat, seine erste Band (eines Pfarrers) bis auf zahlreiche Bühnen der Region. Trotz beruflicher Umwege blieb die Musik stets sein Motor – und der Rhythmus sein Lebenselixier. Den Künstlernamen bekam er 1986 verpasst.
Von Jürgen Stark

Als Claus-Dieter „Doc“ Ruf 1961, am 24. August, in Offenburg geboren wurde, da begann der Bau der Berliner Mauer, welche die deutsche Teilung für Jahrzehnte zementierte. Aber der frisch gewählte US-Präsident John F. Kennedy verkündete erfreulicherweise im gleichen Jahr die Beendigung der Rassentrennung in den USA und der Russe Juri Gagarin wurde an Bord von Wostok 1 der erste Mensch im Weltraum.

Himmlischer Trommelwirbel

So it goes: Auf und ab in aller Welt ist lebensimmanent, schon bei unseren Geburten schwanken die Ereignisse um uns herum. Normalzustand. Ob aber bei der Geburt von „Uns Doc“ der Herrgott einen himmlischen Trommelwirbel veranstaltete und die Engel laut applaudierten muss Spekulation bleiben. Richtig ist, dass nun nach langer ereignisreicher Lebenszeit eine Karriere in und aus der Ortenau heraus zu würdigen ist, die schon wegen der daran geknüpften Instrumentalität etliche Besonderheiten aufweist.

Verbundenheit in Sachen „Rock’n’Roll“

Zuerst einmal ist es natürlich für einen langjährigen Musikjournalisten schon eine ganz andere „Story“ als üblich, wenn man mit der Hauptfigur eines Porträts nicht nur befreundet ist, sondern mit dieser als Gitarrist ebenfalls auch schon eine Weile gemeinsam „jammt“ und übers aktive Musizieren eine Verbundenheit in Sachen „Rock’n’Roll“ und artverwandtem Lifestyle hat. Auch wegen inhaltlicher Seriosität und Transparenz sei dieses vorab deutlich erwähnt. Vor allem dann, wenn einem dieser Drums & Percussion-Virtuose nach einem Schlaganfall wieder mit getrommelten Rhythmen musiktherapeutisch wieder auf die Beine, in die Feinmotorik und zurück zur Gitarre durch gemeinsames Üben hilft.

Claus-Dieter "Doc" Ruf

Den eigenen Kosmos entdeckt

Keine Sorge, es geht hier um Doc only! Am Anfang war Talent. Sein Talent, welches sich noch in etliche Untertalente ausdifferenziert und ihn ein Leben lang intensiv begleitete! Nach ersten Schuljahren ging es schon bald nach Ettenheim aufs Internat, wo er sich und seinen eigenen Kosmos entdecken sollte. „Dort probte eine Band“, wie er heute erinnernd berichtet und unerschrocken, wie er offensichtlich schon ab Geburt war, ging er dort direkt in deren Übungsraum, fragte, „kann ich mal zuhören?“.

„Du hast Talent“

Wenig später trat er mit der Frage „darf ich mal ran?“ an den Schlagzeuger heran, drängte energisch aufs Mitmachen – und schon saß er erstmals an den Drums! Der dort aktive Drummer sagte zu ihm nach einigen, ersten Takten klar und deutlich: „Du hast Talent“. So war er gekommen um dort ein Leben lang zu bleiben, hinterm Schlagzeug, denn an der „Schießbude“ fühlte er sich seit diesem spontanen, frühen Start stets pudelwohl. Er gehört dort auch hin, wie wohl jeder bestätigen wird, der den leidenschaftlichen Trommler jemals bei Live-Musik und in einer seiner zahlreichen Bands in der Ortenau in den inzwischen vierzig (!) vergangenen Jahren erleben durfte.

Tägliche Übungen

Noch zu Internatszeiten begann er also, sich fürs Musikmachen zu interessieren – nicht lang reden, sondern machen! – immer schon seine Devise: „Die Band lud mich daraufhin ein und so durfte ich jeden Mittag in deren Proberaum um dort täglich eine Stunde Schlagzeugspielen zu proben.“ Ein bemerkenswert kreatives Umfeld im damaligen Ettenheimer Internat sollte sein persönliches Glück werden, denn hier ergab sich frühzeitig eine Zufallsförderung, die man sich hierzulande – leider seit Jahrzehnten vergeblich! – als Auftrag zur musikalischen Bildung für alle allgemeinbildenden Schulen wünschen dürfte.

Denn das offensichtlich musisch inspirierte Personal und auch das gesamte Umfeld seinerzeit dort in Ettenheim leistete vorbildliches. Der freie Zugang zum Übungsraum wurde noch ergänzt durch einen Gitarre-spielenden Pfarrer, der seinen christlichen Glauben in schwingende Takte und Töne übersetzte und so den Nerv der Kids zu einer Zeit traf, als Bands wie die Beatles und die Rolling Stones gerade eine kulturelle Revolution anzettelten und allgemeine Hörgewohnheiten wie niemals in der Geschichte zuvor sich radikal veränderten, bzw. erweiterten.

Der „Doc“ mit Rattles-Drummer Dicky Tarrach (m.) und Jürgen Stark. Foto: Wolfgang Huber

Die Bandgründung eines Pfarrers

Dieser Pfarrer hatte offenbar nicht nur ein großes Herz für Kinder und Jugendliche sondern ebenso für lebendige, moderne Musik, weshalb er mit den Kids eine Band gründete – und schon hatte Doc seinen ersten Job als Drummer in einer Band – und er legte voller Begeisterung los und sollte fortan die Trommelstöcke für Jahrzehnte nicht mehr loslassen. Das war circa 1977 und diese erste Band hieß „Shalom“, der Anfang war gemacht. Nun folgte eine Ausbildung bei der Firma Edeka zum Großhandelskaufmann, was über lange Jahre dann in diesem Berufszweig dem finanziellen Erwerb diente und ihm, nach seinem Dienst bei der Bundeswehr in Achern, den er in der Unteroffizierslaufbahn bis zum Obergefreiten absolvierte, auch ein vernünftiges Einkommen garantierte.

Schwieriger Markt

Ein Zwiespalt, den viele Künstler kennen, nicht nur in der Ortenau. Musik und Kunst als tauglich für den Lebensunterhalt, das ist leider in einem schwierigen Markt nur für wenige möglich. Docs Leidenschaft für die Welt der Musik, so wie sie sich populär seit dem Rock’n’Roll-Urknall in den 1950er Jahren rasant und facettenreich weltweit ausbreitete, ließ ihn nie mehr los. Weshalb er diesem Faible semiprofessionell immer weiter genügend Raum gab. Seinen Künstlernamen „Doc“ bekam der Drummer im Februar 1986 in der Gerberstube in Offenburg von Winfried  Hug verpasst. Letzterer leitet heute die „Alte Schmiede“ in Bühl (Dorf).

Hatte er sich noch in Ettenheim sogar schon als DJ erprobt, so wollte er neben seinem Hauptberuf dennoch unbedingt das eigene Können und die Virtuosität am Instrument weiter vorantreiben. Deshalb nahm er drei Jahre Unterricht bei seinem Lehrer Rüdiger Völler, bevor es dann 1988 zur ersten eigenen Band-Gründung kam: „Phenomen“, wo nun auch eigene Kompositionen anstanden. Die gute Resonanz bei den Kollegen trieb ihn weiter voran. Die Gruppe „California Dreaming“ war die nächste, eine Cover-Hits-Station.

Große Livemusik-Sammlung

Mit der Gruppe „Lila 16“ wurden die damals sehr populären und eigenwilligen Roxy Music live gecovert, während seine generelle Rock- und Popmusik-Begeisterung durch die Decke ging: „Ich habe wohl eine der größten Livemusik-Sammlungen überhaupt, mehr als 800 Platten, fast alles live von Blues bis Rock.“ Musik bedeutet für ihn Bühne, egal in welcher Größenordnung, „am liebsten guten, dirty Rock’n’Roll“, schwärmt der totale Live-Fan. Die Liste seiner persönlichen Helden Ist lang. Sie ist so ziemlich das Beste, was das „golden Age of Rock’nRoll“ zu bieten hat – bis heute, wobei der einstige Sturm und Drang mit einem Heer nachwachsender Bands und Stars leider vorüber zu sein scheint.

Claus-Dieter "Doc" Ruf

„Der Rhythmus ist das wichtigste“

Doch Doc ist alles andere als ein Nostalgiker, für ihn lebt seine Musik einfach weiter, weshalb er bis vor kurzem teils in vier, fünf Band-Projekten mitmischte, was er jetzt deutlich reduziert hat. Seine Idole heißen Rory Gallagher, Rolling Stones, Grand Funk Railroad und etliche mehr, aber er zieht eine klare Grenze: „In der Rockmusik war für mich immer der Rhythmus das Wichtigste und nicht ewig langes Gedödel exzentrischer Sologitarristen, welche gute Songs mit Ihrer Solo-Exzentrik überlagern und mir persönlich schnell auf die Nerven gehen.“

Präzise wie ein Uhrwerk

Was er mag lautet hingegen: „Groove, satter Sound, pulsierende Rhythmik, fiebernde Musik, die das Publikum von den Stühlen reißt. Und genauso spielt er auch, präzise wie ein Uhrwerk, treibend und mit all den herrlichen kleinen Zirkustricks guter Drummer, wie den in der Luft kreisenden Drumsticks, dem rasanten Tempowechsel, dem MItmach-Beat an der Basedrum, der zischenden Hi-Hat (à la „Theme from Shaft“) und sonstig herrlich unterhaltsamen Schnörkeln mit denen gute Drummer jedes Publikum aus der Reserve locken.

„An der Basis geht der Hut rum“

Nach all den Jahren und vielen Bands und wohl inzwischen hunderten von Live-Auftritten lautet seine Bilanz: „Der Stellenwert von Musik hat sich durch ein riesiges Freizeitangebot, durchs Internet und vieles in der Gesellschaft, völlig verändert. In der Spitze, die immer dünner wird, gibt es noch Gagen, aber an der Basis geht nur noch der Hut rum und die Konkurrenz ist groß.“ Aktuelle Formationen des Live-freudigen Musikers sind nunmehr seit Jahren die Roots mit ihrem 1970er Bluesrock und das Buddy & Doc Trio mit einer guten Mischung aus Country, Swing, und Rock’n’roll.

Wortakrobatisch nennt das Trio dieses den „Tennessippie Sound“ , ein stetes Wiederhören mit Song-Evergreens von Elvis, Bo Diddley, Creedence Clearwater Revival und anderen ewigen Helden. Doc, der Drummer, ist übrigens auch ein feuriger Tänzer, dem man in dieser Doppelfunktion im kommenden Sommer auch wieder auf dem fröhlichen Mittwochs-Feierabendmarkt in Ortenberg tanzend und mit Schlagzeug begegnen kann. Eine CD hat der „Doc“ auch eingespielt: „Never look back“ mit der Band „Mayday“.

Jürgen Stark

Autor Jürgen Stark

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