Ennio Morricone, ein Meister der Filmmusik, geboren im November 1928 in Rom, verstorben im Alter von 92 Jahren. Die Schulbank drückte er gemeinsam mit Sergio Leone. Mit ihm und Bernardo Bertolucci begann er 1964 eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Eine Zeit, in der er Soundtracks für „Eine Handvoll Dollars“ komponierte, „Zwei glorreiche Halunken“ oder das berühmte „Spiel mir das Lied vom Tod“. Ennio Morricone aber verbindet man auch mit Filmen wie „Cinema Paradiso“, „Milena“ oder dem Chicago der 30er Jahre, aufgefangen in „Es war einmal in Amerika“.
Pistolen im Hüftgürtel
Okay – einmal Augen zu und sich zurückversetzen in den Kinosaal früherer Zeiten. Abenteuer warteten hier unter anderem auf Westernfans. Große, gewaltige, mitreißende Bilder weiter Steppen, gelbe Staubwolken hinter galoppierenden Pferderücken, die schmerzhaft die Sporen der Cowboystiefel in ihren Flanken spürten. Geisterhafte Westernstädte, die mindestens einen Salon und ein Gefängnis vorweisen konnten. Heubüschel, die an den gefühlt menschenleeren Holzbaracken vorbei fegten, wie huschenden Gespenster. Verstohlene Blicke hinter schmutzigen Gardinen. Angstvolle Blicke, wenn die Reiter auf ihren erschöpften Pferden langsam und bedrohend, mit locker sitzenden Pistolen im Hüftgürtel in der in gelb getünchten Landschaft auftauchten. Eine der vielen Szenen, die einen Western bestimmen. Man spürt die Ruhe vor dem Sturm, der sich später in gewaltigen Szenen entladen wird.
Und dann – Musik! Kraftvolle, spannungsgeladene, berührende, sphärisch anmutende, bedrohlich wirkende Musik.
Publikum wird belohnt
Hier setzt die Kunst des Komponisten ein, des Oscarpreisträgers Ennio Morricone. Wiedergegeben in einem Special, „The Best Of“ kürzlich im Festspielhaus Baden-Baden. Die Reihen im großen Opernhaus waren gut gefüllt mit einem Publikum, das sich weniger für die hohe Kunst der klassischen Musik, als vielmehr für die Welt der besonderen Filmmusik interessierte. Sie sollten an diesem Abend belohnt werden, denn die Musik von Ennio Morricone wurde live vom einem Orchester, von Solisten und einem Chor präsentiert.
Mit Soundelementen unterlegt
Die Milano Festival Opera füllte den großen Bühnenraum des Festspielhaus’ gemeinsam mit dem „Akademischen Galizien Chor“, während im Hintergrund Original-Filmszenen und Leinwand-Animationen das Bühnenbild bestimmten. Wundervolle Solistinnen unterstützten einzelne Filmszenen und als Marc Breitfelder zur Mundharmonika greift ist man endgültig gefangen von Erinnerungen an große Western wie „The Hateful 8“, „Mein Name ist Nobody“, „Zwei glorreiche Hallunken“ oder „Für eine Handvoll Dollar“. Filmmusik, die Morricone mit Soundelementen unterlegte, die seine Handschrift sofort erkennen lassen: Maultrommeln, Glocken, Spieluhren, das Geheule hungriger Kojoten oder das Knallen von ledernen Peitschen. Seine Musik ist unverkennbar.
Mitreißende Liebesgeschichten
Doch längst nicht nur der wilde Western gehörte zu seinen Filmen, denen er mit seiner Musik das Leben einhauchte, das sie so unvergesslich und besonders machten. Da ist der wunderbare Klassiker „Cinema Paradiso“, „The Mission“ oder „Es war einmal in Amerika“, Bilder des Chicago der 30er Jahre werden eingeblendet. Knallharte Realitäten, mitreißende Liebesgeschichten und wenn Deborah´s Theme aus „Once Upon A Time in Amerika“ erklingt, die Streicher ihr Bestes geben, der Chor sich einschwingt, schafft Ennio Morricone einen fast surrealen Sound voller Weh – und Anmut. Großartig.
Fantastisches Orchester
In den mehr als 40 Jahren seiner Karriere hat der Komponist über 500 Filme mit seiner Musik zu vollendeten Kunstwerken gemacht. Morricone komponierte Soundtracks für bedeutende Regisseure wie Tornatore, Bertolucci, Tarantino oder Polanski. Oft, so heißt es, bleibt seine Musik länger in Erinnerung, als der Film selbst. Ja, wer sieht nicht die wunderschöne Malèna (Monica Belluci) über die Piazza einer sizilianischen Kleinstadt schreiten, während die Titelmelodie sich Gehör verschafft? Oder wenn „Gabriel´s Oboe“ aus „The Mission“ erklingt, wie hier in dem wunderbaren Festspielhaus Baden-Badens. Ein Ort der Kunst, vor allem der Musik und die wurde hier durch ein fantastisches Orchester, durch souveräne Soloparts und einen Chor gefeiert, die einen Mann ehrten, der die Musik und Filmwelt so miteinander zu verbinden wusste.
„The Best of Morricone in Concert“ wird seinen Weg durch die großen Musikhallen fortführen und Menschen, wie hier in Baden-Baden fasziniert zurück lassen.
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