Wirtschaft

Niedrigwasser im Sommer: Kehler Hafen, Politiker und Wirtschaft drängen auf die Vertiefung des Rheins

© Hafen Kehl / Markus Dietze – Dr. Katrin Merkel (CDU, 2. v.l.) bei ihrem Besuch im Kehler Hafen.
Der Rhein wird für den Kehler Hafen zunehmend zum Unsicherheitsfaktor: Wochenlanges Niedrigwasser hat in diesem Sommer die Transportkapazitäten von Binnenschiffen deutlich eingeschränkt und damit laut IHK auch Unternehmen entlang der Wasserstraße belastet. Steigende Logistikkosten und Produktionsrisiken waren die Folgen. Hafendirektor Volker Molz sowie Politiker verschiedener Parteien fordern deshalb Maßnahmen, um die Leistungsfähigkeit des Rheins als Transportweg zu sichern.
Von Wolfgang Huber

Volker Molz hatte in den vergangenen Wochen einiges zu tun. Molz ist Hafendirektor des Hafens Kehl. Angesichts des Niedrigwassers im Rhein in den Sommermonaten hatten mehrere Landespolitiker bei ihren Besuchen im Hafen die Notwendigkeit von Maßnahmen betont, um die Leistungsfähigkeit des Rheins als Wasserstraße zu erhalten.

Besonders für die Wirtschaft ist dies von essenzieller Bedeutung. Im August gaben bei einer bundesweiten IHK-Umfrage drei Viertel der befragten Unternehmen an, vom Niedrigwasser betroffen zu sein. 78 Prozent der überwiegend aus der Logistik und der Industrie stammenden Unternehmen berichteten von höheren Kosten, fast genau so viele mussten ihre Logistikprozesse umstellen, wie die IHK in einer Pressemitteilung schrieb.

Eingeschränkte Transportkapazitäten

Im Sommer dieses Jahres gab es wochenlang keinen Regen, die Temperaturen hielten sich hartnäckig über der 30 Grad-Marke. Als Folge waren die Transportkapazitäten über den Rhein angesichts des damit einhergehenden Niedrigwassers stark eingeschränkt. Für ein Drittel der Unternehmen aus besagter IHK-Umfrage bedeutete dies eine Einschränkung der Produktion, während 13 Prozent sogar von Existenzgefährdung sprachen.

Entlang des Rheins sind zahlreiche Betriebe der Stahl-, Chemie-, Mineralöl- und Maschinenbau- sowie Getreide- und Futtermittelwirtschaft angesiedelt. Diese sind laut IHK auf den zuverlässigen Transport großer Gütermengen angewiesen. So führte das Niedrigwasser vor allem zu gestiegenen Logistikkosten. Die Entwicklung könnte auch die Investitionsentscheidungen vieler Betriebe beeinflussen.

Niedrigwasser im Rhein wie hier 2025 schränkt die Schifffahrt ein. Foto: Panoramique_Pix

Höhere Logistikkosten

„Das extreme Niedrigwasser auf dem Rhein bedroht unsere logistische Versorgung, da Schiffe teilweise überhaupt nicht mehr oder nur noch mit einem Bruchteil ihrer normalen Ladung fahren können“, wird Florian Glück, Geschäftsführer der Badischen Stahlwerke (Kehl), zitiert. Ein Ausweichen auf Straße oder Schiene sei aufgrund fehlender Kapazitäten kurzfristig kaum möglich und treibe die Logistikkosten massiv in die Höhe, so Glück weiter.

Auch der Hafen Kehl selbst ist wirtschaftlich betroffen. Laut Volker Molz wurde durch das Niedrigwasser die operative Leistungsfähigkeit massiv eingeschränkt. Hafendienstleistungen konnten demnach nicht in der gewohnten Qualität und Zuverlässigkeit angeboten werden. Es gab einen Stau beim Umschlag von wichtigen Gütern im Hafenbecken, da die Schiffe weniger Fracht laden konnten.

Politiker besuchten Kehler Hafen

Die vieldiskutierte Lösung des Problems heißt Vertiefung. „Seit dem letzten Extrem-Niedrigwasser 2018 ist zu wenig passiert“, so Alwin Wagner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein. Die Wirtschaft am Rhein brauche jedoch langfristig eine krisenfeste Wasserstraße. Mehrere Politiker nahmen sich des Themas mittlerweile an.

Bei einem Vor-Ort-Termin betonte die Landtagsabgeordnete Dr. Katrin Merkel aus dem Wahlkreis Kehl die Wichtigkeit einer leistungsfähigen Wasserstraßeninfrastruktur für die regionale Wirtschaft. Merkel, die laut Pressemitteilung von Verkehrsstaatssekretär Raimund Haser begleitet wurde, forderte einen konkreten Fahrplan für die geplante Fahrrinnenvertiefung des Mittelrheins. Merkel: „Jeder zusätzliche Zentimeter Fahrrinnentiefe verbessert die Transportmöglichkeiten und stärkt die Versorgungssicherheit unserer Industrie.“

5.000 Arbeitsplätze im Hafen

Positiv bewertet Merkel demnach, dass die Verkehrsminister der vier deutschen Rhein-Anrainerländer in einem gemeinsamen Positionspapier mehr Unterstützung des Bundes für die Wasserstraßeninfrastruktur einfordern würden. „Das ist ein wichtiges Signal. Der Rhein ist eine zentrale Verkehrs- und Wirtschaftsachse. Seine Leistungsfähigkeit zu sichern, ist deshalb auch eine nationale Verantwortung.“

Der Kehler Hafen ist ein wichtiger Umschlagplatz für Güter. Foto: Hafen Kehl

Auch die beiden Grünen-Landtagsabgeordneten Bernd Mettenleiter und Michael Joukov trafen sich mit dem Kehler Hafendirektor, um sich über das Problem des Niedrigwassers auszutauschen. Mettenleiter und Joukov sagten letzterem laut Pressemitteilung zu, sich für leistungsfähige und verlässliche Wasserstraßen einzusetzen. Auch bei den Schienenwegen unterstütze Mettenleiter die Hafenverwaltung: „Rund 5.000 Arbeitsplätze gibt es im Hafen Kehl. Damit diese eine Zukunft haben, braucht es einen funktionierenden Schienengüterverkehr.“

Wasserstoffplanungen

Neben der Bedeutung für die regionale Wirtschaft brachten die beiden Grünen-Politiker auch die Rolle des Kehler Hafens für die Energiewende ins Spiel. So würden schon heute Teile von Windenergieanlagen vom Schiff auf die Straße umgeschlagen. Gerade bei großen und schweren Bauteilen sei der Rhein eine wichtige Alternative zum Straßentransport.

Hafendirektor Molz und Bernd Mettenleiter verwiesen demzufolge außerdem auf die Wasserstoffplanungen von Politik und Wirtschaft. Wer möchte, dass Stahl und andere Industrieprodukte künftig klimafreundlicher hergestellt und transportiert werden, müsse Orte wie Häfen bei der Planung von Wasserstoffversorgung mitdenken. „Erst eine moderne Versorgung mit Wasserstoff ermöglicht vielen Unternehmen einer Weiterentwicklung und ist damit zentraler Beitrag für Standortsicherheit!“, so Mettenleiter.

Der Kehler Hafen ist der siebtgrößte Binnenhafen Deutschlands und, gemeinsam mit Straßburg, das drittgrößte Binnenhafengebiet Europas. Dabei schlägt der Hafen knapp 4,5 Millionen Tonnen Güter im Jahr um.

Titelfoto: v.l.n.r. Alex Bertschinger, technischer Leiter Hafen Kehl, Dr. Katrin Merkel MdL, Staatssekretär Raimund Haser MdL, Volker Molz, Hafendirektor, Kirsa Küllenberg, Referatsleiterin im Verkehrsministerium.

Siehe auch hier:

Grenzgänger Felix Neumann zum niedrigen Rheinpegel: „Der Klimawandel schlägt zurück“

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