Wo die Vielfalt an Menschen, Kulturen und Altersklassen zusammenprallen, kann es auch zu Missverständnissen kommen. Wenn aber Personen wie Monika Huber und insgesamt rund 100 weitere ehrenamtliche Mitarbeitende etwas auf die Beine stellen, dann hat das nicht nur Hand und Fuß, sondern sorgt auch dafür, dass sich die verschiedensten Menschen freundschaftlich gegenübersitzen, Kinder aller Herkünfte miteinander spielen, ältere mit jüngeren Menschen ins Plaudern kommen.
Das Acherner „Café Miteinander“ ist genauso ein Platz, an dem sich alle wohlfühlen dürfen und sollen. Hier wird Einsamkeit vorgebeugt, religiöse oder kulturelle Hindernisse werden überwunden, man bietet kostenlose Deutschkurse an und während Kinder spielen, können die Mamas in der kleinen, aber prall gefüllten Second-Hand-Boutique für einen günstigen Preis shoppen. Sie können das Fahrrad reparieren lassen, Kinderspiele oder Geschirr und Besteck kaufen. „Nicht nur ausländische Menschen sollen sich angesprochen fühlen, sondern auch die einheimischen“, sagt Monika Huber, die erst kürzlich für ihr Engagement den Landesverdienstorden bekam.

Auf dem neuen Flyer von „Achern Miteinander“ stehen die angebotenen Leistungen: Montag (16-18 Uhr) und Mittwoch (14-16 Uhr) ist die Secondhand-Boutique und die Bike-Werkstatt geöffnet. Mittwoch von 14 bis 16 Uhr kann man gebrauchte Spiele und Haushaltswaren für einen guten Preis erwerben. Um das Miteinander geht es besonders Montags, Dienstags und Mittwochs, wenn das Café geöffnet hat. Es kostet nichts. Das Ganze finanziert sich durch die Einnahmen im Secondhandkaufhaus und durch Spendengelder, die auch jederzeit gerne angenommen werden, um das Programm halten und ausbauen zu können.
„Eine von uns backt auch immer mal einen Kuchen, mittwochs gibt es die bei Alt und Jung begehrten Waffeln“ erzählt Monika Huber während der Öffnungszeiten des Cafés am vergangenen Mittwoch. Am Nachmittag ist das große Gebäude in der Hauptstraße 93 von Gelächter, Kinderstimmen und fröhlichem Miteinander geprägt. Man hilft sich und das schätzt man als Besucher. „Das ist das, was für uns wichtig ist“, so Huber, die betont, dass sich die meisten, die hierherkommen und die Dienstleistungen in Anspruch nehmen, dankbar für die Hilfe sind.
Einen Seniorentreff, der sehr gut angenommen werde, gibt es am Donnerstag von 15 bis 17 Uhr, Darts kann man gemeinsam ebenfalls jeden Donnerstag spielen, und zwar ab 19 Uhr. Weiter gibt es freitags von 10 bis 12 Uhr einen offenen Treff mit Kleinkindern. Hier kommt sogar extra ein Ehepaar alle zwei Wochen aus dem Elsass, damit das Kind Deutsch hört und es sich ein bisschen aneignen kann.
Es gibt keinen Konsumzwang. Es kommen inzwischen auch deutsche Einheimische, die sich einen Kaffee und ein Stück Kuchen in einem Café einfach nicht leisten können.“ Das sei ein ganz wichtiger Zweck, das anzubieten, ins Gespräch kommen, ein Stück Kuchen zu essen. Auch in der Alltagshilfe ist man offen für alle. Dienstags wird eine Formularhilfe angeboten, Sprachkurse finden inzwischen drei Mal wöchentlich statt.
„Als Flüchtling hat man ansonsten kaum eine Chance, die deutsche Sprache zu lernen, da diese Leistung von der Regierung erheblich gekürzt wurde“, erzählt Huber, die betont, wie wichtig die Verständigung für eine gelungene Integration ist. Seit rund drei Wochen ist auch Alex aus Kamerun mit an Bord, der selbst erst seit neun Monaten in Deutschland ist. Vorher hat er in Kamerun an einer Schule schon Deutsch unterrichtet. Wenn man mit ihm ins Gespräch kommt, traut man seinen Ohren kaum: Er hat kaum mehr einen erkennbaren Akzent. „Er gibt nun selbst schon Deutschkurse hier, zweimal die Woche“, lobt ihn Huber.

Alex Djeumeni und Monika Huber.
Viele kämen auch ins Café und fragen gleich, wo sie denn hier Deutsch lernen könnten. „Wo können sie sonst andocken?“ Oft sind es um die 14 Personen, die hier sind zum Deutschunterricht. Es ist Huber sehr wichtig, eine Anlaufstelle für Hilfesuchende zu sein. Das Kursbuch kostet hier beispielsweise 23 Euro, das die Schüler selbst bezahlen müssen. Als Ansporn bezahlt ihnen der Verein „Achern Miteinander e. V.“ die Hälfte, wenn sie bis mindestens Oktober dabei bleiben.
Auch Hausaufgabenbetreuung gibt es. Die bieten rund 18 Schüler von Gymnasium, Lender und Realschule, in dem sie geflüchteten Grundschulkindern Nachhilfe geben. Dieses Projekt wird von der Bürgerstiftung unterstützt. Das Angebot richte sich an Geflüchtete, alles andere aber nicht, betont Huber. Wichtiger wird auch das Thema Secondhand, also Nachhaltigkeit, auch für Deutsche. „Hier bekommt man wirklich gut erhaltene Dinge.“ Viel bekommen sie gespendet. Weiterverkauft wird aber nur das, was man als Spender selbst noch anziehen oder benutzen würde. „Es ist manchmal auch einiges Unbrauchbares dabei, das bitte nicht bringen“, betont sie.
Monika Huber ist pensionierte Realschullehrerin, unterrichtete früher Englisch und Französisch, kann sich somit mit vielen Menschen verständigen. Sie kam zu Achern Miteinander, da sie sich bereits 2011 in der Geflüchtetenhilfe engagierte, als sie ehrenamtlich Deutsch unterrichtete. 2015 kamen dann vor allem Syrer. „Da gab es große Ängste in der Nachbarschaft der Flüchtlingsunterkunft“, berichtet sie rückblickend. Auch zwei mit ihr befreundete Familien haben dort nebenan gewohnt. Sie sagte damals zu ihnen: „Beruhigt euch und lernt die Leute erstmal kennen. Sie sind bestimmt nicht freiwillig von der Heimat weg.“
Damals gab es auch einen Aufruf nach Ehrenamtlichen, um zu helfen: Bei der Familienbegleitung, Hilfe in der Bankkonteneröffnung, wo gibt es Ärzte, das Rathaus und so weiter. „Da haben sich viele gemeldet und wir haben anschließend im alten Josefshaus angefangen, um uns erstmals quasi als Dienstleister einzurichten.“ Dort konnten sie neun Jahre kostenlos sein, haben mit einer Fahrradwerkstatt angefangen und ein Café im Foyer als Begegnungsraum angeboten. Kleider und Geschirr kamen dazu, das habe sich dann alles so langsam entwickelt.

Irgendwann wollte die Besitzerfamilie dann mit dem Josefshaus etwas anderes machen und man musste sich überlegen, wie es nun weitergehen sollte. Sobald Räumlichkeiten in Achern frei wurden, hat man diese besichtigt und kam aber immer wieder zu dem Entschluss, dass sie zu klein sind. Es sollte ein Mehrgenerationenhaus werden, niederschwellig, barrierefrei und zentrumsnah waren die wichtigsten Kriterien. Eines Tages hörte Monika Huber davon, dass der ehemalige Showroom der Firma Pinter frei werde. „Das hat dann einfach gleich gepasst.“
Und hier hat man nun große Räumlichkeiten und viel Platz für die verschiedensten Angebote. „Wir würden gerne noch mehr machen, aber uns fehlen die Leute.“ Wer sich also ehrenamtlich in einer freundschaftlichen Atmosphäre engagieren möchte, sei jederzeit herzlich willkommen. „Einfach vorbeischauen, dann zeigen wir alles.“ In der Fahrradwerkstatt wurden in den vergangenen zehn Jahren beispielsweise rund 1400 gespendete Räder repariert – ohne die Kinderräder mitzuzählen.
Den Verantwortlichen der Werkstatt, Konrad Hasel, hat Huber für den „Herzenssachepreis“ der Volksbank vorgeschlagen – und er wurde zweiter. Der pensionierte Lehrer hat früher bereits mit seinen Schülern Räder repariert und diese nach Afrika geschickt. Generell sollte man offen sein, wenn man hier helfen möchte. Eine gut integrierte Frau werde oft nach ihrem Kopftuch gefragt und warum sie das immer noch trage, erzählt Huber. Sie sagte: „Ich komme mir nackt vor, das kann ich noch nicht.“ Es gibt verschiedene Ansichtsweisen, die man nicht pauschalisieren könne und akzeptieren müsse.
Viele Nationalitäten prallen bei „Achern Miteinander“ aufeinander: Iraker, Syrer, Ukrainer, Afghanen, Afrikaner, um nur einige zu nennen. Das klappe aber gut. Es gibt auch solche, die sich nicht einbringen wollen, das sei aber selten. „Wir fördern nur die, die auch was tun. Wenn es auf guten Boden kommt, wenn sie die deutsche Sprache lernen wollen oder mithelfen wollen, ist das von uns eine sehr gut investierte Zeit“, sagt Huber.
Doch was könnte sich noch verbessern im Allgemeinen? „Geldspenden werden immer gebraucht. Wir wollen mehr Deutschkurse anbieten, gerade auch für Frauen am Vormittag, wenn die Kinder im Kindergarten sind. Vor allem wir Rentner kümmern uns und wir suchen dringend Verstärkung, um noch mehr anbieten zu können.“ Für viele ist das Café Miteinander zur zweiten Heimat geworden. „Den Leuten würdest du was nehmen, wenn sie nicht mehr hierher kommen könnten.“

Ortenau Journal-Autorin Nicole Zscherneck
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