Wer denkt, die Hornisgrinde sei „nur“ der höchste Berg im Nordschwarzwald, der täuscht sich gewaltig. Neben wunderschöner Natur, tollen Ausblicken, schnellen Wetterwechseln und vielen Besuchern steht er vor allem auch für eine 60-jährige deutsch-französische Wehrgeschichte, die immer mehr in Vergessenheit gerät, da sich die Natur langsam erholt und sich ihren Anteil am Berg zurückholt.
Auch gezielte Beseitigung der einstigen militärischen Bauten sorgen für ein Vergessen. Dass dies nicht geschieht, ist Friedrich Wein ein großes Anliegen. „Das Bewusstsein für die militärische Nutzung schwindet immer mehr. Umso wichtiger ist dieser Beitrag zur Wehrgeschichte am Oberrhein und im Schwarzwald, der aufzeigt, dass Krieg ins Museum gehört“, betonte er bei seiner Buchvorstellung im Rahmen des Achertäler Wanderopenings im französischen Kommandobunker auf der Hornisgrinde.

Zur Buchvorstellung kamen auch Seebachs Bürgermeister Markus Benkeser und dessen Vorgänger Reinhard Schmälzle. Eine komplett neu überarbeitete dritte Auflage des Buchs „Hornisgrinde – Die deutsch-französische Wehrgeschichte eines Schwarzwaldberges 1939 – 1999“, ist nun unter anderem in der Tourist-Info in Seebach erhältlich (38 Euro) oder direkt bei Friedrich Wein bestellbar unter: info@brand-denkmalschutz.de
Das Format ist auf DIN-A4 vergrößert und wurde in Anbetracht der langjährigen Nutzung durch das französische Militär von 1945 bis 1999 erstmals in deutscher und französischer Sprache verfasst. Der Bildteil hat viele Ergänzungen bekommen, insbesondere mit Bildern aus der französischen Zeit aber auch mit Plänen, Karten und einem fotografischen Rundgang über den Gipfel wurde der Umfang der militärischen Baumaßnahmen dokumentiert.
In einer Pressemitteilung beschrieb er sein Buch, bei dem ihn auch seine Söhne Florian und Felix unterstützten, mittels einer Kurzinfo:
„Ab 1938 entstand hinter dem Westwall eine in Europa einmalige Befestigungsanlage: Die Luftverteidigungszone West (LVZ West). Sie bestand aus festungsmäßig ausgebauten Flugabwehrbatterien und sollte feindliche Flugzeuge abwehren. Auch die Hornisgrinde wurde als Standort einer Flugabwehrbatterie der LVZ West ausgewählt. Mit dem Bau dieser Stellung wurde die Hornisgrinde für die folgenden 60 Jahre militärisches Sperrgebiet.
Im weiteren Verlauf des 2. Weltkriegs wurden dort Peilgeräte für die Führung von Jagdflugzeugen aufgebaut. Nach dem 2. Weltkrieg übernahm die französische Armee den Gipfel und nutzte ihn zur Nachrichtenübermittlung. Nach ihrem Abzug 1999 wurden umfangreiche Maßnahmen durchgeführt, um die Bauwerke beider Zeitepochen möglichst spurlos zu beseitigen. Die Dokumentation geht den verbliebenen Spuren nach, die diese Bauwerke hinterlassen haben.“
Doch Friedrich Wein gibt sein angesammeltes Wissen nicht nur mittels Buch weiter. Wer sich für die Geschichte der Hornisgrinde interessiert, ist auch bei seinen wehrgeschichtlichen Führungen über die Grindehochfläche gut aufgehoben und wird bestens informiert. Auch der französische Kommandobunker steht zum Wanderopening, am Tag des offenen Denkmals oder beim Turmfest den ganzen Tag zur Besichtigung offen. Interessierte können Friedrich Wein aber auch für andere Tage anfragen. Doch wie kam es zu Weins Interesse an der Hornisgrinde und was bewegt ihn? Er selbst ist 1968 geboren, Architekt & (vorbeugender) Brandschützer mit Schwerpunkt Bestands- und denkmalgeschützte Gebäude sowie Festungsmonumente und Fachbuchautor.

Eindrücke vom ehemaligen französischen Kommandobunker auf der Hornisgrinde. Fotos: Nicole Zscherneck
Für das Ortenau Journal stand er im Interview Rede und Antwort:
Ortenau Journal: Wie kamen Sie zur Passion zum Thema Hornisgrinde usw.?
Friedrich Wein: Bürgermeister Reinhard Schmälzle suchte 2008/2009 eine Person, die den auf seine Initiative vom Abbruch bewahrten Hornisgrinde-Bunker für Interessierte erlebbar macht. Nach den ersten Besuchen der Hornisgrinde 1997/98 war das eine Weiterentwicklung meiner Forschungen zur Wehrgeschichte des Grindenschwarzwaldes.
Ortenau Journal: Wie kamen Sie auf die Idee, ein Buch zu schreiben?
Friedrich Wein: Weil wir von unseren Besuchern sehr viele Informationen zur Wehrgeschichte der Hornisgrinde bekamen, nach und nach ergänzt durch historische Fotos. Dieses Wissen wollten wir weitergeben.
Ortenau Journal: Wie hat es sich bisher in den drei Auflagen verkauft?
Friedrich Wein: Sehr gut. Sonst wäre jetzt nicht die dritte erweiterte Auflage fällig gewesen.
Ortenau Journal: Was ist das Besondere an der Hornisgrinde für Sie persönlich?
Friedrich Wein: Dass der höchste Berg im Nordschwarzwald, der schon im 19. Jahrhundert von Wanderern und Touristen besucht wurde, 60 Jahre gesperrtes und unzugängliches Militärgelände war.
Ortenau Journal: Wer unterhält den französischen Kommandobunker?
Friedrich Wein: Die Öffnungstage und Führungen organisiert das Betreuer-Team des Hornisgrinde-Bunkers in Abstimmung mit der Gemeinde Seebach.
Ortenau Journal: Auch ihre Söhne und ihre Frau sind voll im Thema drin. Wie unterstützen sie Sie?
Friedrich Wein: Angefangen hat es mit dem Anfertigen von digitalen Fotos und geht heute bis zur Archivrecherche. An den Öffnungstagen ist das Betreuer-Team gefordert, eine Person alleine könnte das nicht leisten.
Ortenau Journal: Seit wie vielen Jahren interessieren Sie sich schon für das Thema Westwall/Bunkeranlagen usw. Welches ist genau Ihr Spezialgebiet?
Friedrich Wein: Die Befestigungsanlagen des 19. und 20. Jahrhunderts am Oberrhein sind mein Spezialgebiet, einschließlich der Mitarbeit im grenzüberschreitenden Verein „Festungsnetz grenzenlos – Forteresses sans frontières“.
Ortenau Journal: Wie könnte man die Menschen mehr von dem Thema begeistern?
Friedrich Wein: Indem Zeitgeschichte überliefert und in die heutige Zeit transportiert wird einschließlich der Schlussfolgerung, dass Krieg ins Museum gehört.
Ortenau Journal: Wie oft kann man den Bunker auf der Hornisgrinde besichtigen? Kann man Sie auch als Führer für Gruppen buchen?
Friedrich Wein: Der Hornisgrinde-Bunker ist drei Mal im Jahr geöffnet: Anfang Mai zum Wanderopening im Achertal, Anfang August zum Turmfest und Mitte September zum Tag des offenen Denkmals. Ansonsten sind Führungen für Gruppen nach vorheriger Abstimmung möglich.
+++ Interessierte können sich bei Friedrich Wein direkt melden unter: info@brand-denkmalschutz.de +++
Foto: Ehemaliger BM Seebachs Reinhard Schmälzle, Friedrich Wein, BM Seebach Markus Benkeser, Leiterin der Tourist-Info Seebach Manuela Epting.
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