Er ist das Sorgenkind Nummer Eins in Europa: Der Wirtschaftsstandort Deutschland. Und das nicht nur wegen der vielzitierten hohen Energiepreise und der galoppierenden Bürokratie, sondern auch wegen einem eklatanten Mangel an Wohnungen. Die Betriebe am Oberrhein sind davon ebenfalls betroffen. Laut einer Mitgliederumfrage der IHK Südlicher Oberrhein und der Freiburger Stadtbau (FSB) vom Dezember 2024 befürchten 75 Prozent der Betriebe erhebliche Nachteile bei der Gewinnung von Arbeitskräften aufgrund des Mangels an bezahlbarem Wohnraum. 60 Prozent davon hatten seinerzeit das Risiko bereits als „hoch“ oder „sehr hoch“ bezeichnen.
10 Prozent der Betriebe bauen selbst
„Die Verfügbarkeit von Wohnraum zählt heute zu einem der wichtigsten Standortfaktoren für Arbeitgeber“, heißt es in einem Grundsatzpapier der baden-württembergischen Industrie- und Handelskammern. Die Unternehmen hätten das Problem nicht nur erkannt, viele tun auch etwas dagegen. In der Umfrage gaben 50 Prozent an, ihre Mitarbeitenden bei der Wohnungssuche zu unterstützen, 30 Prozent würden mit einem flexiblen Arbeitsplatz locken. 20 Prozent der Betriebe mieten Wohnungen für ihre Mitarbeitenden an, und 10 Prozent hätten schon eigene Mitarbeiterwohnungen erworben oder bauen lassen.
Zu letzteren 10 Prozent der Betriebe gehört auch der Europa-Park in Rust. Vergangene Woche fand der symbolische Spatenstich für ein neues Mitarbeiterwohnhaus am Inneren Ring statt. Es steht direkt neben dem 2020 eröffneten Mitarbeitercampus am Ortsrand von Rust und in nächster Nähe zum Welcome Center 75. Im September 2027 soll das Gebäude stehen. Es soll eine Wohnfläche von 45.000 Quadratmetern mit 90 Wohneinheiten für 230 Bewohner:innen haben. Daneben sind ein Büroraum und Wohnungen vorgesehen, die von der Gemeinde vergeben werden.

Der Europa-Park setzt konsequent auf Mitarbeiterwohnungen. Foto: Europa-Park
„Bekenntnis zur Region“
Bereits der Mitarbeitercampus des laut Markus Huber von der ausführenden Rendler Bau „besten Freizeitparks der Welt“ bietet nach Unternehmensangaben 129 Wohneinheiten für mehr als 280 Mitarbeiter. „In den letzten Jahren haben wir mit Unterkünften, dem Welcome Center 75, der neuen Mitarbeiterkantine und vielem mehr einen deutlichen zweistelligen Millionenbetrag für unsere Mitarbeitenden investiert. Das neue Gebäude ist deshalb auch ein klares Bekenntnis zum Standort Rust und zur Region“, wird Roland Mack, Inhaber des Europa-Parks, in der Pressemitteilung zitiert.
Der HR-Chef des Parks, Frederik Mack, ergänzt: „Mit dem Ausbau unseres Wohnraumangebots investieren wir erneut ganz bewusst in unsere Mitarbeitenden und damit in die Qualität unseres gesamten Unternehmens. Der erste Mitarbeitercampus hat gezeigt, wie wertvoll moderner Wohnraum, kurze Wege und ein lebendiges Miteinander für unsere Teams sind und welchen großen Beitrag sie zur Integration leisten. Daran knüpfen wir nun direkt an.“
Mit der Erweiterung setze der Europa-Park sein Engagement für attraktive Arbeitsbedingungen und soziale Nachhaltigkeit konsequent fort. Zwar bauen derzeit viele Unternehmen Arbeitsplätze ab oder halten sich mit Neueinstellungen zurück, doch langfristig wird sich der Fachkräftemangel fortsetzen. Eigene preisgünstige Mitarbeiterwohnungen zahlen dabei erheblich auf die Arbeitgeberattraktivität ein, dem sogenannten Employer Branding.
Der Bürgermeister der Gemeinde Rust Dr. Kai-Achim Klare sprach beim Spatenstich ebenfalls davon, dass Menschen aus der ganzen Welt aufgrund des „attraktiven und bezahlbaren Wohnraums“ hier eine neue Heimat finden würden. Auch für einheimische Arbeits- und Fachkräfte, die innerhalb Deutschlands umziehen und eine neue Arbeitsstelle antreten wollen, sind Mitarbeiterwohnungen ein Strohhalm.

Die Gastrobranche ist besonders vom Wohnungsmangel betroffen. Foto: Drazen Zigic/freepik
Das Beispiel Europa-Park zeigt dies eindrücklich. Denn jedes Jahr stellt der Park rund hundert Auszubildende ein. Die Azubis werden mit einem aufwändigen Recruiting-Prozess in aller Welt für eine Arbeitsaufnahme in Deutschland gewonnen. Das Beispiel zeigt außerdem, dass es auch künftig in vielen Branchen erheblichen Personalbedarf gibt und geben wird. Am meisten von dem Wohnungsmangel betroffen ist die Hotellerie- und Gastronomiebranche, gefolgt vom Einzelhandel.
Darauf, dass diese beiden Branchen, die mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfen und im Extremfall weitgehend von der Bildfläche verschwinden werden, sollte man sich nicht stützen. Denn in der Gastro-Szene ist ja vor allem auch der Mitarbeitermangel ein gravierendes Problem, während der Einzelhandel mit der riesigen Internet-Konkurrenz von Amazon, Zalando & Co. kämpft. All zu viele Branchen sollten neben der Industrie auch nicht absterben, wenn Deutschland nicht zum Drittweltland verkümmern will. Die Politik ist gefragt und die Zeit drängt.
Bleibt also abzuwarten, ob der Bauturbo der Bundesregierung und die weiteren geplanten Maßnahmen ihre Wirkung entfalten werden. Die Zahl der Baugenehmigungen sind jedenfalls im laufenden Jahr bereits deutlich angestiegen. Entscheidend dabei wird jedoch sein, ob der neu entstehende Wohnraum auch bezahlbar ist, so dass sich Normalverdiener diesen auch leisten können. An der Stelle hat sich die Politik bisher ja eher blind gezeigt.
Siehe auch hier:
Fachkräftemangel: Wohnungsnot zwingt Arbeitgeber zum Handeln
Mehr als Benefits: Was den Europa-Park zum Vorzeige-Arbeitgeber macht