Wirtschaft

Konjunkturumfrage zwischen Stabilität und Unsicherheit: wvib-Unternehmen sehen nur verhaltene Erholung 2026

Hanna Böhme
© wvib Schwarzwald AG – wvib-Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme fordert eine umfassende Reformagenda.
Die südbadische Industrie zeigt sich im ersten Quartal 2026 widerstandsfähiger als erwartet – und doch bleibt die Stimmung aufgrund des Iran-Kriegs deutlich gedämpft. Laut aktueller Konjunkturumfrage des wvib Schwarzwald AG melden zwar mehr Unternehmen steigende Umsätze, doch gleichzeitig sank das Geschäftsklima im Vorjahresvergleich deutlich. Auch die Erwartungen trüben sich spürbar ein. Trotz robuster Auftragseingänge wächst die Unsicherheit – und mit ihr der Ruf nach wirtschaftspolitischen Reformen.
Verbesserung beim Umsatz

Die Mitgliedsunternehmen der wvib Schwarzwald AG vermelden in der aktuellen Konjunkturumfrage ein Umsatzplus von rund 4 Prozent (2025: 2,3 Prozent). Der Umsatz im Gesamtjahr 2025 betrug 0,3 Prozent. Während 44 Prozent der Unternehmen steigende Umsätze meldeten, gaben 48 Prozent sinkende Umsätze an. Damit hat sich die konjunkturelle Lage im Vergleich zum Vorjahresquartal eher verbessert, denn damals berichteten lediglich 39 Prozent der Firmen von einem Umsatzplus.

Eingetrübte Geschäftserwartungen

Dennoch hält sich wvib-Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme in ihrer Einschätzung zurück, denn gleichzeitig haben sich die Geschäftserwartungen eingetrübt. Nur noch 30 Prozent der Mitgliedsunternehmen rechnen mit steigenden, 16 Prozent mit sinkenden Umsätzen. Vor drei Monaten rechneten noch 39 Prozent mit steigenden und 13 Prozent mit sinkenden Umsätzen. Denn in Folge des Ende Februar ausgebrochenen Iran-Kriegs ist das Geschäftsklima zurückgegangen und liegt laut der Pressemitteilung des wvib nur noch knapp im positiven Bereich.

„Besser als vermutet“

„Die Zahlen für das erste Quartal könnten Hoffnung machen, aber die Erwartungen sind wieder schlechter als zuletzt: In den Büchern war das Quartal bei vielen Unternehmen besser als es der Blick in die Zeitung vermuten lässt; auch der Auftragseingang ist überwiegend positiv. Trotzdem sind die Unternehmen in ihren Erwartungen deutlich zurückhaltender. Hinter der nachhaltigen Erholung steht derzeit ein großes Fragezeichen“, wird Hanna Böhme zitiert.

Die Unternehmen rechnen mehrheitlich mit steigenden Auftragseingängen. Foto: freepik

Verrechnet man positive und negative Umsatzentwicklung, so erhält man einen Wert für die Geschäftslage der Unternehmen. Analog dazu ist die Geschäftserwartung der Saldo aus positiver und negativer Umsatzerwartung. Aus dem Mittel zwischen Geschäftslage und Geschäftserwartung bildet sich das wvib-Geschäftsklima.

Geschäftslage bei minus 4 Prozent

Verschlechtert hat sich auch die wvib-Geschäftslage im Vergleich zum Gesamtjahr 2025. Damals betrug der Wert 0 Punkte, ist im ersten Quartal 2026 aber auf minus 4 Punkte gesunken. Damit liege der Wert erstmals seit dem Sommer 2025 wieder im negativen Bereich. Die Geschäftserwartungen seien mit 14 Punkten weiterhin positiv, wenn auch deutlich schwächer als zuletzt: In der Umfrage vor drei Monaten (zum Gesamtjahr 2025) lagen die Erwartungen mit 26 Punkten im Plus.

Insgesamt ergibt sich demnach ein Geschäftsklima von 4,8 Punkten. Der Wert bleibt damit zwar im positiven Bereich, kann mit dem Wert von vor drei Monaten mit 12,6 Prozent jedoch nicht im Ansatz mithalten. Damals war es der höchste Wert seit Sommer 2023. Gestiegen ist dagegen der Auftragseingang bei den befragten Unternehmen, und zwar um 7,8 Prozent, verglichen mit dem Vorjahresquartal. Im Gesamtjahr 2025 gab es ein Plus von 2,4 Prozent.

Steigerung beim Auftragseingang erwartet

Auch die Aussichten beim Auftragseingang sind relativ robust, wie es weiter heißt: Derzeit würden 29 Prozent in den nächsten sechs Monaten mit einem steigenden Auftragseingang rechnen, 17 Prozent mit weniger Aufträgen. Das bedeutet eine Steigerung: In der Umfrage vor drei Monaten erwarteten lediglich 22 Prozent steigende Auftragseingänge, während 23 Prozent mit einem Rückgang rechneten.

„Weckruf für mehr Resilienz“

Wvib-Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme bezeichnete die Zahlen zum ersten Quartal als erstaunlich gut. Man dürfe sich jedoch nicht täuschen lassen: „Ein geschwächter Standort ist geopolitischen Turbulenzen schonungslos ausgeliefert. Externe Schocks lassen sich nicht verhindern. Aber sie sind eindringlicher Weckruf für mehr Resilienz. Dafür, den Unternehmen vor Ort endlich wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen zu bieten.“ Die Probleme Deutschlands seien hausgemacht. Böhme nannte demzufolge die hohen Lohnnebenkosten, die Bürokratie und die im weltweiten Vergleich höchsten Energiekosten als Beispiele und fordert eine umfassende Reformagenda durch die Politik.

red/Wolfgang Huber

Siehe auch hier:

wvib-Kampagne „Deutschland kann mehr“: Optimismus und Reformforderungen aus Südbadens Industrie

Leichte Hoffnung für 2026: wvib sieht in Konjunkturumfrage bessere Stimmung, aber keine echte Trendwende

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