Seit Ausbruch des Irankriegs im Februar 2026 kontrollieren iranische Revolutionsgarden die Straße von Hormus – jene Meerenge am Persischen Golf, durch die etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert wird. Der Schiffsverkehr ist erheblich eingeschränkt, wodurch Lieferketten unter Druck geraten und Rohstoffpreise steigen. Welche Folgen das für Industrieunternehmen in Baden-Württemberg hat, erfragte die wvib Schwarzwald AG im Einkauf ihrer Mitgliedsunternehmen.
Unter anderem bei der Materialbeschaffung machen sich die Auswirkungen des Kriegs laut der wvib-Pressemitteilung unmittelbar bemerkbar: 100 Prozent der 36 befragten Unternehmen berichten durch eingeschränkte Lieferketten von gestiegenen Einkaufspreisen. Besonders stark betroffen seien Vorprodukte und Rohstoffe. 81 Prozent der Unternehmen geben bei diesen Positionen Kostensteigerungen an.
Von gestiegenen Transportkosten berichten 75 Prozent. Steigende Energiekosten nennen nur rund 31 Prozent als besonders belastend. Weitere Herausforderungen für die Unternehmen stellen Lieferverzögerungen (50 Prozent) und -störungen (39 Prozent) bei bestelltem Material dar. Laut 61 Prozent der Unternehmen erschwere das die betriebliche Planbarkeit erheblich.

In den Unternehmen muss beim Einkauf genauer gerechnet werden. Foto: freepik
Besonders angespannt sei die Lage bei Kunststoffen und petrochemischen Grundstoffen. 44 Prozent der Befragten geben Einschränkungen beim Einkauf von Materialien wie Naphtha oder Ethylen an, die für die Kunststoffproduktion benötigt werden. Auch Stahl- und Metallhalbzeuge sowie Aluminium bewerten jeweils 28 Prozent der Unternehmen als besonders betroffen. Halbleiter und Elektronikkomponenten folgen mit jeweils 25 Prozent.
Auf Entspannung stellt sich kaum ein Unternehmen ein. So erwarten in den kommenden sechs Monaten 61 Prozent der Befragten eine gleichbleibend schwierige Lage, weitere 28 Prozent gehen sogar von einer zusätzlichen Verschärfung aus. Letzteres dürfte auch auf die unstete Amtsführung von US-Präsident Trump zurückzuführen sein.
Gleichzeitig zeigt die Umfrage: Der Konflikt im Nahen Osten trifft die Unternehmen unterschiedlich stark. Ein Drittel sieht sich stark bis sehr stark betroffen, ein weiteres Drittel bemerkt mittlere Auswirkungen. Jedes vierte Unternehmen gibt an, bislang nur geringe oder keine direkten Auswirkungen zu spüren, heißt es weiter.

Der wvib-Campus in Freiburg. Foto: wvib Schwarzwald AG
Dennoch habe die Mehrheit der Unternehmen bereits Gegenmaßnahmen eingeleitet. 56 Prozent würden ihr Risikomanagement intensivieren, indem sie Lieferketten systematisch auf Risiken und Alternativen prüfen. Die Hälfte der Unternehmen erhöht ihre Lagerbestände und 47 Prozent geben an, gestiegene Kosten auch an Kunden weiterzugeben. 36 Prozent diversifizieren ihre Lieferantenbasis. Soweit die Umfrage der wvib Schwarzwald AG.
Sollten die EU und die Nato tatsächlich auf eine direkte militärische Konfrontation mit Russland setzen, ist künftig mit noch weitreichenderen Einschränkungen und Belastungen für die Wirtschaft zu rechnen. Insbesondere die deutschen Unternehmen klagen bereits seit Jahren über nicht wettbewerbsfähige Standortbedingungen. Wie frühere Umfragen der wvib oder der IHK Südlicher Oberrhein zeigen, planen schon jetzt viele Industrieunternehmen Südbadens eine Standortverlagerung ins Ausland. Im Kriegsfall dürften diese die Planungen in der Richtung forcieren.
red/wh
Siehe auch hier:
wvib-Umfrage: Südwest-Industrie sieht in umstrittenem Mercosur-Abkommen große Wachstumschancen