Arbeitswelt

Der Kanzler liegt daneben: HR-Experten sehen Vier-Tage-Woche als Hebel für Effizienz und Employer Branding

Bundeskanzler Friedrich Merz
© Jesco Denzel – Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) beim Wirtschafsgipfel: Weitverbreiteter Irrtum mit Ansage.
Kann Deutschland die gleiche Arbeit in vier statt in fünf Tagen schaffen? Ein Fachbeitrag im Blog HR HEUTE zeigt: Erste Pilotprojekte zur Vier-Tage-Woche liefern ermutigende Ergebnisse. Voraussetzung sind jedoch Optimierungen, weniger Meetings und mehr Digitalisierung. Gelingt dieser Wandel, profitieren Unternehmen von höherer Produktivität, motivierteren Beschäftigten und einem starken Plus bei der Arbeitgeberattraktivität. Kanzler Friedrich Merz und Chefs liegen mit ihren Vorurteilen völlig daneben.
Kampagne gegen Berufstätige

Konservative Politiker – allen voran Bundeskanzler Friedrich Merz – sowie die Chefs großer und kleiner Unternehmen geißeln die Vier-Tage-Woche als unnötigen Lifestyle. Die Deutschen müssten wieder mehr arbeiten, heißt es gebetsmühlenartig. „Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche kommen wir nicht weiter“ (F. Merz). Nicht nur, dass sich die deutschen Arbeitnehmer damit leicht veräppelt fühlen (die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden ist hierzulande auf Rekordniveau), die Vier-Tage-Woche wird auch völlig zu Unrecht als Schnick-Schnack bezeichnet. Getreu dem Motto: „Unsere Vorurteile in ihrem Lauf, halten weder Ochs noch Esel auf“.

Höhere Produktivität

Seit Jahren ist bekannt, dass eine Reduzierung der Arbeitszeit um einen Tag die Produktivität und die Leistungsbereitschaft der Arbeiter und Angestellten deutlich steigert. Außerdem steigt die Arbeitgeberattraktivität sowie die Zufriedenheit der Beschäftigten, wodurch die Fluktuation spürbar sinkt. Unklar war bisher, ob in vier Tagen das gleiche Arbeitsvolumen geleistet werden kann, wie in fünf – und das bei vollem Lohnausgleich. Erste Pilotprojekte stützen diese Annahme.

80 Prozent Arbeitszeit – 100 Prozent Leistung

Die Vier-Tage-Woche wird in Deutschland von HR-Experten zunehmend als realistische Option diskutiert – zumindest unter bestimmten Voraussetzungen. Wie die Redaktion des Fachblogs HR HEUTE darlegt, zeigen erste Pilotprojekte, dass sich die Arbeitszeit tatsächlich um einen Tag reduzieren lässt, ohne dass Produktivität oder wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zwangsläufig sinken. Grundlage vieler Modelle ist das sogenannte „100-80-100“-Prinzip: volles Gehalt, 80 Prozent der Arbeitszeit und dennoch 100 Prozent Leistung.

Mitarbeiter verbringen viel Zeit in unnützen Meetings. Foto: pixabay

Gleiche Arbeit in weniger Zeit

Studien zufolge spricht sich eine deutliche Mehrheit der Beschäftigten für eine Verkürzung der Arbeitszeit aus, lehnt jedoch Lohnverzicht weitgehend ab. Genau hier liegt die Herausforderung für Unternehmen: Sie müssen Wege finden, dieselbe Arbeitsmenge in weniger Zeit zu bewältigen. Laut HR HEUTE kann die Vier-Tage-Woche dabei als „Systemschock“ wirken, der ineffiziente Routinen sichtbar macht und zu einer grundlegenden Neuorganisation von Arbeitsprozessen zwingt.

Höhere Arbeitgeberattraktivität

Als zentraler Vorteil gilt die gesteigerte Arbeitgeberattraktivität. Ein zusätzlicher freier Tag verbessere die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, erhöhe die subjektive Zeitautonomie und könne so die Gewinnung und Bindung von Fachkräften erleichtern. In Pilotprojekten nannten Organisationen neben diesem Imagegewinn insbesondere gesundheitliche Effekte, Produktivitätszuwächse und Zukunftsorientierung als Gründe für die Einführung des Modells.

Optimierung von Strukturen

Entscheidend für den Erfolg ist jedoch nicht allein die Reduzierung der Arbeitszeit, sondern eine tiefgreifende Optimierung von Strukturen. Besonders häufig wurden in den Studien Anpassungen der Arbeitsprozesse, eine veränderte Meetingkultur sowie die Reduzierung von Ablenkungen als wirksame Maßnahmen genannt. Digitalisierung spielt ebenfalls eine Rolle, wird laut Experten jedoch noch zu zögerlich genutzt. New-Work-Forscher Carsten C. Schermuly kritisiert, dass viele Personalbereiche neue Technologien eher skeptisch betrachten, obwohl gerade sie dazu beitragen könnten, Mitarbeitende von repetitiven kognitiven Aufgaben zu entlasten.

Durch die Vier-Tage-Woche steigen Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit. Foto: pixabay

Wegfallenden Arbeitstag kompensiert

Die bisherigen Ergebnisse fallen vorsichtig positiv aus. In den untersuchten Unternehmen gelang es meist, den wegfallenden Arbeitstag zu kompensieren. Teilweise lagen Umsatz- und Gewinnwerte sogar leicht über denen vergleichbarer Vorjahreszeiträume. Auffällig ist zudem, dass das Arbeitstempo nach Einführung der Vier-Tage-Woche signifikant anstieg, ohne dass sich die empfundene Arbeitsbelastung wesentlich erhöhte.

Aktiv an der Optimierung mitwirken

Als wesentliche Erfolgsfaktoren nennt HR HEUTE eine offene Kommunikation, die Einbindung der Beschäftigten sowie einen Bottom-up-Ansatz bei der Neugestaltung von Arbeitsabläufen. Mitarbeitende sollten aktiv an der Optimierung ihrer Prozesse mitwirken und etwa die Sinnhaftigkeit von Meetings kritisch hinterfragen. Auch klar definierte E-Mail-Zeiten oder fokussierte Arbeitsphasen können helfen, konzentrierter zu arbeiten.

Strategischer Vorteil für Unternehmen

Letztlich zeigt sich: Die Vier-Tage-Woche ist weniger ein reines Arbeitszeitmodell als vielmehr ein umfassender Veränderungsprozess. Gelingt es Unternehmen, Prozesse zu verschlanken, Digitalisierung sinnvoll einzusetzen und die Arbeitsverdichtung ohne zusätzliche Belastung zu gestalten, kann der zusätzliche freie Tag zu einem strategischen Wettbewerbsvorteil auf dem Fachkräftemarkt werden.

(Dieser Beitrag wurde mit Hilfe von ChatGPT erstellt.)

red/Wolfgang Huber

Hier geht´s zum Originalartikel: „Vier-Tage-Woche: smarter arbeiten“ (HR HEUTE)

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