SC-Fan und Ortenau Journal-Autorin Pauline Schwarzwälder berichtet ab sofort regelmäßig aus dem Freiburger Europa-Park-Stadion und bringt dabei ihre eigene Sichtweise ein. Ein etwas anderer Spielbericht.
Am vergangenen Sonntag um 17:30 Uhr begrüßte der Sportclub Freiburg die Mannschaft des 1. FC Union Berlin im Europapark-Stadion. Der bis dahin seit elf Bundesliga Heimspielen unbesiegte SC musste sich nach einer hektischen Partie mit einer Last-Minute-Niederlage geschlagen geben. Damit rutscht Union auf drei Punkte Abstand hinter den Sportclub heran und der Traum von einer internationalen Saison 2026/27 für Freiburg ein gutes Stück weiter weg.
Solidarisch mit der Ukraine
Trotz der Wolkenfront über dem Breisgau finden sich zum Spätnachmittags-Spiel noch 33.200 gut gestimmte Zuschauerinnen und Zuschauer auf den Fantribünen. Vor Spielbeginn schaltet Freiburg die ukrainische Sängerin Daria Kudryk aus der Partnerstadt Lviv live zu, die gemeinsam mit den Fans „Another Love“ von Tom Odell singt. Ein emotionaler Chor von Zehntausenden zeigt sich weiterhin solidarisch mit der Ukraine. Ein Lied, das die Freiburger Ultras schon so oft in ihrer Fan-Version während dem Spiel angestimmt haben, sendet an diesem Abend ein ganz besonderes Zeichen. Gemeinsam stark – so stellen sich die Breisgauer auch das anschließende Spiel vor.
Fünf Umstellungen
Nach der eher enttäuschenden Auswärts-Niederlage gegen Genk, deren Revenge am darauffolgenden Donnerstag folgen sollte, stellt Trainer Julian Schuster gleich fünf Mal um – Makengo, Höler, Irié, Scherhant und Eggestein stehen nun in der Startelf, während Günter, Beste, Grifo, Osterhagen und Suzuki zumindest die ersten 60. Minuten aussetzen müssen.
Woo-Yeong Jeong auf der Bank
Auch der Gegner stellt nach der Niederlage in Bremen vier seiner Positionen um. Unter anderem tritt der ehemalige Freiburger Janik Haberer gegen seinen Ex-Verein aus 2022 an. Woo-Yeong Jeong, der den SC 2023 verließ, sitzt vorerst auf der Unioner Bank. Mit einem gut gefüllten Gästeblock und lauten Union Fans erhoffen sie sich hier eine Steigerung zum 1:4 in der vergangenen Woche. Das Schiedsrichterteam leitet Sven Jablonski.
Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen
Zum Einlaufen der Mannschaften hissen beide Fanblöcke die Fahnen. Freiburgs Choreo mit dem italienischen „Diffidati Con Noi“ – auf Deutsch „Die Ausgesperrten mit uns“ – bezeichnet im Fußballkontext die Solidarität mit Fans, die beispielsweise durch Stadionverbote oder andere Ordnungsmaßnahmen nicht anwesend sein können (Vgl. St.Pauli, 2022). Durch erhöhte Sicherheitsmaßnahmen bei vergangenen, v.a. internationalen Spielen, beschäftigt dieses Thema Fans vieler Mannschaften.
Thema beschäftigt die Fans
Bei der Begegnung SC Freiburg vs. Tel Aviv im Januar, schaffte der Sportclub Ausgleich in Form von Fanshop-Gutscheinen für die Fans, die erst verspätet ins Stadion gelassen wurden – dennoch beschäftigt das Thema Fans in ganz Europa. Die Gästefans auf der anderen Seite zeigen Vereinsfarben und ein Banner mit der Aufschrift „Anstoßzeiten fair gestalten“ – ein verständlicher Einwand der Fans, die am Sonntagabend aus Berlin anreisen müssen.
Union in den ersten Minuten angriffsfreudig
Zum Anpfiff startet der SC von rechts nach links im weiß-roten Heimtrikot. Union derweil in dunkelgrün beginnt in den ersten Minuten angriffsfreudig, wobei der erste Abschluss von Köhn erstmal eher harmlos für den Freiburger Keeper Atubolu und seine Abwehr endet. Auch Freiburg probiert sich über Irié in den gegnerischen Strafraum zu arbeiten, doch der erste Angriff scheitert an der zu weit angesetzten Flanke.
Beide Mannschaften abwartend
Schon in der 6. Minute kommt ein Unioner Ball gefährlich: Atubolu versucht den, auf oben links angesetzte, Schuss zu fangen, muss ihn aber doch in letzter Sekunde über die Latte schieben. Somit kommt es zum ersten Eckball der Partie für die Gegner, der allerdings nicht zu mehr als einem kurzen Gedränge im Freiburger Strafraum führt, das sich schnell auflöst. Beide Mannschaften wirken eher zögernd und so sehen die Fans und die Taubenpärchen, die mittlerweile als Stammgäste im Europa-Park-Stadion jedes Spiel aus der Vogelperspektive beobachten, eine unspektakuläre Anfangsphase.
Schiedsrichter hält sich zurück
Plötzlich wird es in der 12. Minute doch kurz spannend: im gegnerischen Sechzehner kommt Freiburgers Eggestein an den Ball und befördert das Leder mit guter Geschwindigkeit knapp über das Tor. Kurz darauf folgt ein weiterer zielstrebige Abschluss von Irié – diesmal aber einige Meter zu hoch.
Schiedsrichter Jablonski verhält sich bisher eher zurückhaltend – für einige Fans, die glauben, schon das ein oder andere Foul beobachtet zu haben, wahrscheinlich zu zurückhaltend. Wenige Minuten später, fängt sich Unions Nummer 39, Derrick Köhn, dann die erste gelbe Karte ein, als Irié zu Boden geht. Der darauffolgende Freistoß durch Derry Scherhant geht ins Nichts und wird von Manzambi knapp vor dem Aus gerettet.
Raab direkt in die Arme
In der 20. Minute probiert sich Eggestein nochmal mit einem Schuss Richtung Tor, den die Unioner abwehren und dabei eine Ecke für den SC rausholen. Scherhant macht den Standard und erreicht Ginter, der mit einem Kopfball noch einen Versuch wagt – wieder erfolglos. Schließlich probiert es Derry Scherhant selbst und spielt Raab direkt in die Arme.
Darauf folgt eine längere Phase, in der sich beide Parteien viel im Mittelfeld aufhalten. Es scheint, als würde die Geschwindigkeit bei beiden Mannschaften fehlen. Aus Sicht der Fans gehen mögliche Sprints zum Angriff unter anderem bei Manzambi verloren. Die vereinzelten Versuche bleiben auf beiden Seiten harmlos.
Spiel läuft vor sich hin
Dann in der 33. Minute holen Scherhant und Irié die Zuschauenden zurück auf das Spielfeld: ein Eckball von Scherhant landet bei seinem Mitspieler, der kurz alleine direkt vor dem Tor steht, bis ihm ein Berliner vor die Füße springt und den Ball abblockt – aus Freiburger Sicht hätte das ein 1:0 sein können.
Das Spiel läuft etwas vor sich hin – den nächsten spannenden Ball wirft ein Fan über die gesamte Tribüne zurück zum Balljungen – zumindest hierfür gibt es Applaus. Ansonsten beobachten wir ein wenig spektakuläres erstes Drittel, wobei die Stimmung auf Fanseite dennoch aufrecht erhalten wird.
Junger Spieler mit Eigensinn
Sehr engagiert zeigt sich aber der 23-jährige Scherhant – ehemaliger Herthaner -, der über die linke Seite jeden Gegner austrickst, der im Weg ist und so mehrere Chancen für den SC realisiert. Man sieht dem jungen Spieler die Eigensinnigkeit an: immer am Ball bleiben, die Situation erstmal alleine klären; aber solange es zu guten Möglichkeiten führt, profitieren Freiburg und die staunenden Fans von der ein oder anderen eindrucksvollen Pirouette, denn der Ball klebt stets fest an Scherhants Fuß. In der 39. Minute spielt er eine Freistoßflanke auf Treu, vom Zentrum des Strafraums direkt auf den Unioner Torwart schießt – wieder nichts.

Vor dem Anpfiff im Europa-Park-Stadion. Foto: Pauline Schwarzwälder
Beim Torschuss im Weg
Kurz vor der Halbzeitpause sieht man den Mannschaften dann die Frustration von einer eventlosen ersten Hälfte an: Unions Nummer 28, Christopher Trimmel, foult Manzambi und versucht ihn daraufhin direkt wieder auf die Beine zu ziehen – der 20-Jährige bleibt sitzen, sodass Jablonski unterbrechen muss. Eine Minute vor Abpfiff versucht es Treu nochmal aus der Ferne, doch leider steht dem Torschuss der eigene Spieler, Igor Matanovic, im Weg.
Beide Mannschaften unverändert
Zur Halbzeitpause sind die Freiburger Fans zwar nicht zufriedengestellt, aber hoffnungsvoll auf einen Sieg. Freiburg hat deutlich mehr Ballbesitz und die Ideen, die schlussendlich zum Tor führen könnten. In die zweite Halbzeit starten beide Mannschaften ohne Wechsel. Der SC spielt jetzt auf seine eigene Fantribüne zu und der 12. Mann pushed sein Team zum Kämpfen und Siegen.
In der 52. Minute bringt Nsoki Manzambi knapp vor dem Strafraum zu Fall. Scherhant zielt aus unter 20 m Entfernung auf den linken Winkel, doch die Kugel fliegt vorbei. Später versucht es Treu erneut aus der zweiten Reihe nach einem Eckball, aber es scheint als sollte der SC nicht treffen – der Ball geht wieder drüber. In der 60. Minute leitet Trainer Schuster dann den ersten Wechsel ein: für Lucas Höler kommt Yuito Suzuki, von dem sich die Trainerbank mehr Druck und Geschwindigkeit erhofft. Vor allem über Manzambi und Scherhant gehen einige Bälle nach vorne, finden jedoch immer einen Berliner Fuß bevor es wirklich gefährlich werden kann.
Noah Atubolu kommt ins Schwitzen
In der 64. Minute wechselt dann auch Baumgart und bringt gemeinsam mit Alex Kral den ehemaligen Freiburger Jeong Woo-Yeong ins Spiel. Vom Platz gehen Tim Skarke und Ilyas Ansah. Bisher kontrolliert der SC die zweite Hälfte, aber Union lässt die Breisgauer nicht in den Sechzehner vordringen. Doch in der 69. Minute kommt auch ein Berliner Ball gefährlich: Jeong, den die Freiburger bis zu seinem Wechsel zum VfB 2023 mit dem Kosenamen „Woo“ angesprochen haben, bringt Noah Atubolu kurz ins Schwitzen, doch er fängt den Schuss sicher ab. In den nächsten Minuten versuchen die Gäste, immer wieder Chancen zu kreieren. Die Unioner wirken etwas mutiger, aber auch ihr Freistoß in der 72. Minute fliegt weit über den Kasten.
Sanitäter nicht benötigt
In der 75. Minute gehen plötzlich Doekhi und Matanovic nach einem rasanten Luftduell zu Boden. Beide müssen behandelt werden, aber der Freiburger muss deutlich länger liegen bleiben. Kurz breitet sich Angst um den 22-Jährigen aus, als Unioner Spieler nach den Sanitätern winken, doch die werden zum Glück nicht benötigt. Die Spieler müssen regelgemäß kurz raus, kommen aber direkt wieder mit sauberen Trikots zurück ins Spiel.
Frustrierte Freiburger Fans
Zwischenzeitlich haben beide Teams weitere zwei Mal gewechselt: für Scherhant und Irié kommen Grifo und Beste und für Trimmel und Haberer dürfen Juranovi und Kemlein auf den Platz. Grifo, der Rekordspieler beim SC ist, ergreift in der 84. Minute seine Chance und spielt Matanovic von links den Ball in den Sechzehner. Dieser kommt aus dem Gleichgewicht und kann den Schuss wieder nicht präzise genug platzieren, sodass die Gefahr ausbleibt.
Unnötige Unterbrechung
In der gleichen Minute geht Unions Burcu zu Boden und muss behandelt werden. Die mittlerweile frustrierten Freiburgfans begleiten diese ihrer Meinung nach unnötige Unterbrechung mit einem Pfeifkonzert. Der Berliner geht vom Platz und wird kurzerhand später für Tom Rothe ausgewechselt. Auch Freiburg bringt drei Minuten vor dem offiziellen Ende den hauseigenen Christian Günter für Jordy Makengo ins Spiel.
Jetzt sind alle Augen auf die Tore gerichtet – in den letzten Minuten muss sich die Partie entscheiden. Nochmals versucht es Freiburg über einen Aufbau durch die Abwehr. Eggestein kommt an den Ball und zielt direkt auf das Tor, doch erneut kann Raab mit einer Parade die Situation auflösen.
Anspannung auf den Tribünen
Das Schiedsrichterteam gibt neun Minuten Nachspielzeit und die Anspannung auf den Tribünen und dem Platz geht weiter. Keine zwei Minuten später folgt die Führung der Gastmannschaft. Tor für Union Berlin. Nsoki passt auf der rechten Seite zu Jeong und der ehemalige Freiburger verwandelt den Schuss wie aus dem Nichts ins linke Eck. Das erhöht den Druck auf den SC. Kann in der Nachspielzeit noch der Ausgleich geschaffen werden?
Tritt ins Gesicht
Mittlerweile ist die 96. Minute angebrochen und Freiburg versucht es erneut: diesmal geht Ogbus in die Offensive und gerät in einen Zweikampf mit Torwart Raab. Der Keeper trifft den Gegenspieler im Gesicht und plötzlich liegen beide. Raab muss über drei Minuten auf dem Spielfeld behandelt werden. Sein Mitspieler rennt zur Absprache zur Trainerbank, doch ein weiterer Wechsel ist nicht möglich. Der Keeper muss wohl oder übel weitermachen.
Weitere fünf Minuten Nachspielzeit
Freiburg will die letzten Sekunden nutzen und nimmt Atubolu mit in den gegnerischen Strafraum. Auch nach einer erfolglosen Ecke, bleibt der Torwart vorne. Doch dann zieht Treu aus der zweiten Reihe ab und fordert Raab heraus, der jedoch, als wäre nichts passiert, eine beeindruckende Parade hinlegt und das 1:1 verhindert.
Weitere fünf Minuten Nachspielzeit werden addiert, doch Atubolu bleibt vorerst in der gegnerischen Hälfte. Das Stadion bebt vor Nervosität der Freiburger. Die Mannschaft gibt alles und steht mit allem was sie hat im Unioner Strafraum. Die letzten Minuten vergehen viel zu schnell und nach insgesamt 15 Minuten Nachspielzeit, pfeift Jablonski ab. Auswärtssieg für die Gäste.
Ereignisarme 90 Minuten
In den hektischen Abschlussminuten wirkt die Niederlage für die Breisgauer unverdient, doch nach ereignisarmen 90 Minuten müssen sie sich geschlagen geben. Im Interview nach dem Spiel äußert sich Julian Schuster dazu, dass die Statistiken, die für Freiburg sprechen, wenig Wert haben, wenn der letzte Spielzug fehlt und es nicht zum Tor kommt. Ähnliche Spiele habe man in der Vergangenheit auch schon gegen Union gesehen.
Getackerte Augenbraue
Igor Matanovic tritt nach dem Spiel mit getackerter Augenbraue ebenfalls vor die Kamera: „[das Spiel] tut noch mehr weh als die Wunde“, berichtet der Stürmer. Die Partie war sichtlich frustrierend für den SC. Aber trotz der zwei aufeinanderfolgenden Niederlagen, blickte Freiburg motiviert und mit Vorfreude auf den Europa-League Gegner Genk. Im internationalen Wettbewerb waren die Karten neu gemischt und man freute sich auf ein hoffentlich spannendes und erfolgreiches Heimspiel gegen den Belgischen Gast. Am Donnerstag gab es dann allerdings ein deutliches 5:1 des SC gegen Genk.
Siehe auch hier:
Einst Underdog – jetzt Champions League? Der Reifeprozess des SC Freiburg zum Renommierklub
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