Bei der Kreismitgliederversammlung der Jungen Liberalen Ortenau (JuLis) vor rund zwei Wochen wurde die Jurastudentin Ann-Kathrin Stulz aus Durbach bereits zum fünften Mal in Folge zur Kreisvorsitzenden gewählt. Stulz führt den Kreisverband seit 2023 an. Seither sind vermehrte Aktivitäten, solide Basisarbeit sowie eine Landtagskandidatur zu vernehmen. Von anderen Jugendorganisationen der Kreisparteien, etwa der Jungen Union, der Grünen Jugend, der Jusos (SPD) oder der Jungen Alternativen der AfD hört uns sieht man dagegen weit und breit nichts. Von Pressearbeit keine Spur.
Bei der Kreismitgliederversammlung war auch die die Landesvorsitzende der Jungen Liberalen Baden-Württemberg, Anna Stubert, dabei. „Ich gratuliere Ann-Kathrin Stulz herzlich zu ihrer verdienten Wiederwahl. Ihr Einsatz als Landtagskandidatin und Kreisvorsitzende hat gezeigt, mit wie viel Herzblut sie sich für die Region einsetzt. Der unermüdliche Einsatz der JuLis Ortenau im vergangenen Wahlkampf war großartig“, wird Stubert in einer Pressemitteilung zitiert.

Die Kreisversammlung der JuLis Ortenau. Foto: Junge Liberale Ortenau
Auch die krachenden Niederlagen mit dem Verpassen der Fünfprozenthürde bei der Landtags- und zuvor bei der Bundestagswahl können offenbar nichts an der Motivation der JuLis nichts anhaben. Fünfmalige Wiederwahl zur Kreisvorsitzenden? Das ist Grund genug für das Ortenau Journal, einmal genauer hinzuhören. Was sind die Ziele der JuLis und von Ann-Kathrin Stulz, was erhofft sich sich von der Wahl Wolfgang Kubickis als FDP-Vorsitzender und wie schafft es die 23-Jährige, ihre Altersgenossen für die Arbeit bei den JuLis zu begeistern?
Ortenau Journal: Welche drei wichtigsten Themen wollen die Julis Ortenau im kommenden Jahr behandeln?
Ann-Kathrin Stulz: Für uns als Junge Liberale Ortenau ist es das oberste Ziel, die Stimme für die junge Generation zu sein. Im kommenden Jahr konzentrieren wir uns dabei besonders auf diese drei Kernbereiche: Starke Bildung & berufliche Perspektiven: Wir brauchen ein Bildungssystem, das Talente fördert, statt sie durch starre Strukturen auszubremsen. Wir machen uns für eine praxisnahe Ausbildung und eine Hochschule stark, die eng mit den lokalen Unternehmen verzahnt ist. Junge Menschen sollen ihre Zukunft hier in der Ortenau gestalten können. Das zweite Thema ist bezahlbarer Wohnraum und Eigentumsbildung. Viele junge Menschen in der Ortenau fragen sich, wie sie hier in Zukunft leben sollen. Wir wollen keine bloße staatliche Umverteilung, sondern echte Chancen. Wir setzen uns für bürokratiearmen Wohnungsbau ein und fordern Konzepte wie Freibeträge für Erstkäufer, damit sich auch junge Generationen Eigentum leisten können, statt nur von hohen Mieten abhängig zu sein. Und drittes Eigenverantworung statt Bevormundung: Wir setzen uns für einen Staat ein, der Freiräume lässt, statt sie einzuschränken. Gerade bei gesellschaftspolitischen Themen und der Entlastung von Bürokratie im Alltag stehen wir für pragmatische Ansätze, die jungen Leuten den Rücken freihalten, anstatt sie durch zu viele Regeln zu verwalten.
Ortenau Journal: Gibt es bereits konkrete Pläne für Veranstaltungen?
Ann-Kathrin Stultz: Bei uns JuLis Ortenau gilt: Politik ist wichtig, aber das Miteinander hält uns zusammen. Deshalb führen wir mindestens einmal pro Monat eine Veranstaltung durch. Dabei setze ich bewusst auf Abwechslung. Mein Ziel ist es, für jedes Mitglied den richtigen Rahmen zu bieten, um sich einzubringen und auszutauschen. Aktuell stehen gleich mehrere Highlights an: Wir laden am Donnerstag, den 4. Juni, um 19 Uhr zu unserem Stammtisch ins Restaurant Mare e Monti (hier auf Instagram) nach Durbach ein. Dort diskutieren wir aktuelle Themen in entspannter Atmosphäre. Darüber hinaus planen wir für den Sommer eine gemeinsame Wanderung durch die Weinberge sowie einen Grillabend, um den Teamgeist weiter zu stärken. Mir ist es wichtig, dass wir als junge Liberale in der Ortenau präsent sind, Spaß haben und uns als starke Gemeinschaft zeigen, denn nur so können wir gemeinsam unsere Ziele für die Region voranbringen.

JuLis-Landesvorsitzende Anna Stubert und Ann-Kathrin Stulz. Foto: Junge Liberale Ortenau
Ortenau Journal: Welche Erwartungen und Hoffnungen verbinden sie mit der Wahl von Wolfgang Kubicki zum FDP-Chef?
Ann-Kathrin Stulz: Die Wahl von Wolfgang Kubicki zum Bundesvorsitzenden ist für mich ein echtes Signal des Aufbruchs. Kubicki ist für mich ein echtes politisches Vorbild. Er war einer der Hauptgründe, warum ich damals überhaupt bei den Freien Demokraten eingetreten bin. Was ihn für mich so besonders macht, ist seine Authentizität. Er ist ein Politiker, der Haltung zeigt und auch dann zu seiner Meinung steht, wenn sie einmal unpopulär ist. Er verkörpert wie kaum ein Zweiter das, was wir Liberale brauchen: eine unverwechselbare Persönlichkeit, die mit einer gehörigen Portion Lebenserfahrung und Bodenständigkeit auftritt. Von seiner Führung erwarte ich, dass er genau diesen Geist wieder an die Basis zurück bringt. Wir brauchen jemanden, der uns als Partei nicht nur verwaltet, sondern der mit Leidenschaft für unsere Grundwerte, für Freiheit, Eigenverantwortung und eine starke Marktwirtschaft kämpft. Ich bin überzeugt, dass genau diese Art der direkten, ehrlichen Kommunikation uns helfen wird, beiden Menschen wieder als die notwendige gestaltende Kraft wahrgenommen zu werden, die Deutschland braucht. Wir sind bereit, diesen neuen Weg an seiner Seite aktiv mitzugestalten und für unsere Überzeugungen in die Offensive zu gehen. Im Bund ebenso wie hier bei uns in der Ortenau.
Ortenau Journal: Die FDP ist bei der Landtagswahl aus dem Landtag geflogen. Woher nehmen sie die Zuversicht, dass ihre Partei bei der nächsten Wahl wieder den Sprung ins Parlament schafft?
Ann-Kathrin Stulz: Meine Zuversicht speist sich aus der täglichen Arbeit hier bei uns in der Ortenau. Wir bei den Jungen Liberalen erleben gerade eine enorme Aufbruchstimmung. Viele Menschen, gerade junge Menschen, merken, dass die Herausforderungen unserer Zeit mutige Lösungen erfordern. Sei es bei der Digitalisierung, der Modernisierung unserer Wirtschaft oder dem Erhalt unserer Freiheit. Als Kreisvorsitzende sehe ich, wie engagiert unsere Mitglieder vor Ort sind. Wir arbeiten nicht rückwärtsgewandt, sondern entwickeln jetzt die Konzepte für das Baden-Württemberg von morgen. Wir haben die besten Ideen für einen starken Wirtschaftsstandort, für bessere Bildungschancen und für echte Eigenverantwortung.
Das ist das Wesen liberaler Politik: Wir lassen uns nicht entmutigen, sondern wir krempeln die Ärmel hoch. Wir nutzen die Zeit jetzt intensiv, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, zuzuhören und zu zeigen, dass liberale Politik keine abstrakte Theorie ist, sondern konkrete Verbesserungen für ihr Leben hier in der Region bedeutet. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Menschen eine starke Stimme brauchen, die Freiheit und Fortschritt verbindet und genau diese Stimme werden wir bei der nächsten Wahl wieder kraftvoll in das Parlament zurückbringen.

Ortenau Journal: Der Niedergang der FDP begann unmittelbar mit dem von Christian Lindner forcierten Bruch der Ampel im Herbst 2024. Nehmen sie Herrn Lindner dieses berechnende Verhalten übel? Immerhin hat es der Glaubwürdigkeit und dem Vertrauen in die FDP schwer geschadet.
Ann-Kathrin Stulz: Ich sehe das völlig anders. Christian Lindner hat im Herbst 2024 nicht berechnend gehandelt, sondern verantwortungsbewusst. Er hat bewiesen, dass liberale Prinzipien nicht käuflich sind, auch dann nicht, wenn es politisch ungemütlich wird. Die Schuldenbremse ist kein bloßes Paragrafenwerk, sondern eine verfassungsrechtliche Leitplanke, die Generationengerechtigkeit garantiert. Das Festhalten an der Schuldenbremse war keine Taktik, sondern ein notwendiges Bekenntnis zu unserer verfassungsmäßigen Verantwortung. Als Liberale stehen wir für Generationengerechtigkeit. Wer die Schuldenbremse aufweichen will, lädt die Last der heutigen Ausgaben bei den Jüngeren ab und das ist mit liberalen Werten nicht vereinbar. Dass ein Finanzminister sich weigert, seinen Amtseid zu brechen und die Staatsfinanzen für kurzfristige Ausgabewünsche zu opfern, die den Spielraum für kommende Generationen dauerhaft einschränken, zeugt von hohem Rückgrat.
Ortenau Journal: Werden sie bei der nächsten Landtagswahl wieder als Kandidatin ins Rennen gehen?
Ann-Kathrin Stulz: Mein Schwerpunkt liegt aktuell auf dem Abschluss meines Studiums. Daher strebe ich für die kommende Zeit keine weiteren Kandidaturen an. Das bedeutet jedoch keineswegs, dass ich mich aus der Politik zurückziehe. Im Gegenteil: Mein Engagement als Kreisvorsitzende der Jungen Liberalen Ortenau ist mir eine Herzensangelegenheit. Ich werde mich auch weiterhin mit voller Kraft für unsere liberalen Ideen vor Ort einsetzen und mich darauf konzentrieren, unsere politische Arbeit in der Region nachhaltig zu stärken.
Ortenau Journal: Die Mitglieder der Julis Ortenau sind anscheinend sehr jung. Wie schaffen sie es, junge Leute für die Politik der FDP zu interessieren? Das Höchstalter bei den Jusos ist beispielsweise 35 Jahre.

Der Kreisvorstand der JuLis Ortenau. Foto: Junge Liberale Ortenau
Ann-Kahtrin Stulz: Die Jungen Liberalen sind für viele junge Menschen zwischen 14 und 35 Jahren die erste Adresse, wenn sie Politik nicht nur konsumieren, sondern aktiv gestalten wollen. Meine persönliche Herzensaufgabe ist es, jungen Menschen zu zeigen, dass ihre Stimme zählt. Der Erfolg gibt uns Recht: Seit der Kreismitgliederversammlung im Oktober 2025 konnten wir 15 neue Mitglieder und ebenso viele Interessenten für uns gewinnen. Dieser Zuwachs kommt nicht von ungefähr. Er ist das Ergebnis von echtem Austausch. Viele junge Menschen habe ich beispielsweise bei Podiumsdiskussionen während des Landtagswahlkampfs kennengelernt. Dort wurde deutlich: Wenn man liberale Positionen, etwa im Bereich Bildung, Digitalisierung oder persönliche Freiheit, konkret und greifbar erklärt, dann finden wir bei jungen Leuten großes Gehör.
Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist dabei die Mitgliederbetreuung. Für mich ist Politik weit mehr als nur ein theoretisches Programm. Es geht darum, Menschen zusammenzubringen, die etwas bewegen wollen. Deshalb ist es mir ein persönliches Anliegen, den Kontakt zu jedem neuen Gesicht direkt aufzubauen. Ich telefoniere mit ihnen oder treffe mich auf einen Kaffee, um herauszufinden, was sie bewegt und wie sie sich einbringen wollen. Bei den JuLis Ortenau ist niemand nur ein Name auf einer Liste, sondern ein geschätzter Teil unseres Teams. Genau dieses Gefühl, ernst genommen zu werden und gemeinsam an etwas zu arbeiten, ist es, das junge Menschen für uns begeistert.
Ortenau Journal: Welches Signal geht aus ihrer Sicht vom Bundesparteitag der FDP am vergangenen Wochenende aus?
Ann-Kathrin Stulz: Vom Bundesparteitag geht ein starkes Signal des Aufbruchs, der Erneuerung und des Zusammenhalts aus. Wir haben uns nicht lange mit der Vergangenheit aufgehalten, sondern den Blick klar nach vorne gerichtet. Das Signal ist eindeutig: Die FDP ist präsent, sie ist kämpferisch und sie hat ein klares Profil. Für mich als Kreisvorsitzende der JuLis ist das ein unglaublich motivierender Rückenwind. Das war ein Parteitag, der den Startschuss für eine neue Phase der liberalen Politik gegeben hat. Ich brenne darauf, diese neue Phase als Kreisvorsitzende hier in der Ortenau voranzutreiben, denn wir haben die Chance, eine junge, dynamische liberale Zukunft maßgeblich mitzugestalten. Mein Ziel für die kommenden Monate ist es, diese Aufbruchstimmung direkt in unsere Arbeit vor Ort zu übersetzen. Wir wissen, wofür wir kämpfen, und wir gehen diesen Weg mit neuer Energie und vollem Selbstvertrauen.
Foto: (v.l.n.r.): Steven Müller: Beisitzer (27, Kehl), Tatjana Makowski: Beisitzerin (20, Emmendingen), Ann-Kathrin Stulz: Kreisvorsitzende (23, Durbach), Noah Dückert: Beisitzer (16, Willstätt), Dominik Voicu: Stellv. Organisation (24, Kehl), Philipp Kimmig: Stellv. Programmatik (24, Oberkirch), Tiziano Grillo: Stellv. Presse und Öffentlichkeit (19, Oberkirch), Justin Behrendt: Stellv. Finanzen (26, Schwanau), Niklas Herr: Beisitzer (nicht auf dem Bild – 20, Lahr).

Ortenau Journal-Chefredakteur Wolfgang Huber. Foto: Nicole Kurz
Siehe auch hier:
Bildungschaos im Ländle: „Geisterlehrer“ und Sommerarbeitslosigkeit rufen die Julis auf den Plan