Zwei Männer am Holztisch
In einem jener Seitentäler des Schwarzwaldes, wo der Morgennebel noch Geschichten kennt und die Tannen so dicht stehen, als wollten sie Geheimnisse bewahren, sitzen zwei Männer an einem Holztisch. Zwischen ihnen: Gläser, Flaschen, ein Korkenzieher mit Patina und die ernsthafte, beinahe feierliche Stille vor dem ersten Schluck. Sie nennen sich augenzwinkernd die „Weinbuddies“ – was nach Stammtisch klingt, aber in Wahrheit ein kleines Ritual ist.
Hier wird nicht einfach getrunken, hier wird geprüft, gewogen, geschnuppert, diskutiert. Ein guter Wein darf reden, ein großer Wein muss singen. Und nur wenn er das tut, wenn er Herz und Gaumen gleichermaßen packt wie ein kräftiger Handschlag nach getaner Arbeit, dann findet er seinen Weg aus diesem Tal hinaus in die Welt – genauer gesagt zu uns ins Ortenau Journal.
Was nicht überzeugt, bleibt dort, wo es hingehört: im Glas, im Gespräch, im Vergessen. Denn die beiden sind sich einig: Zeit ist kostbar, Leber auch. Warum also Worte über Mittelmaß verlieren? So erreichen uns in unregelmäßigen Abständen ihre Rezensionen – ehrlich, manchmal poetisch, manchmal rustikal wie eine Vesper auf der Holzbank, aber immer mit Leidenschaft geschrieben. Und genau deshalb veröffentlichen wir sie exklusiv.
Das Weingut Luhr hat uns gleich das komplette Sortiment zum Verkosten zukommen lassen, wir kennen und schätzen das Weingut bereits seit dem 1999er Jahrgang. Besonders gespannt sind wir natürlich auf unseren Weingutsliebling: den Barrique-Ausbau des Spätburgunders. Den Jahrgang 2018 haben wir bisher allerdings noch nicht verkostet.
Die Farbe ist ein typisches Pinot-Rot, transparent und durchscheinend, fast zerbrechlich wirkend im Glas. Doch hinter dieser scheinbaren Leichtigkeit liegt mehr Dichte, mehr Wärme, mehr Gravität als beim „kleinen Bruder“, dem Spätburgunder, der seinen Reifeprozess im Holzfass erfährt. Der Wein wirkt anfangs verschlossen, beinahe nach innen gekehrt, als müsse er sich erst sammeln. Gibt man ihm Zeit, Luft und idealerweise ein paar Stunden im geöffneten Zustand, beginnt er langsam aufzublühen, new light through an old window.
Die Nase ist tief und vielschichtig. Zunächst zeigen sich dunkle Zwetschgen und getrocknete Früchte, begleitet von einer leicht medizinischen Note, wie man sie manchmal bei großen, traditionellen Pinots findet. Nichts Lautes, nichts Modern-Poliertes, sondern etwas Eigenwilliges, Charaktervolles. Dann treten Sauerkirschen hervor, eingelegte Kirschen, ein Hauch von Erdbeere und Himbeere, fein verwoben mit Karamell, Mokka und dunklem Kakao.
Das Holz spricht mit, aber es drängt sich nie auf. Vielmehr scheint das Barrique die ohnehin vorhandene Aromatik zu verdichten, fast wie ein Konzentrat dessen, was man an der typischen Luhr- Handschrift sowieso schätzt: Feinheit gepaart mit Würze, deutlich badische Herkunft und dennoch ein Hauch Burgund.
Am Gaumen zeigt sich der Wein erstaunlich ruhig, ein schönes Spiel zwischen Säure (5,6g/l), Süße (1,5g/l), Frucht und Mineralität beginnt und findet bei jedem Schluck neu statt, Spannung und Textur sind da, feine Gerbstoffe vorhanden, eine kühle, feste Linie unter der dunklen Frucht und eine Harmonie, die sich eher einschleicht als beeindrucken will – und dies dadurch gerade tut. Aktuell – acht Jahre alt – zeigt der Wein eine wunderbare Trinkigkeit, hat aber auch noch Lagerpotential.
Besonders bewegend wird es beim Vergleich mit einem 2010er derselben Linie: weil’s so schön ist, holen wir den noch aus dem Keller dazu. Trotz, dass die Jahrgänge nicht unterschiedlicher sein können (2010 kühl, ausreichend Regen, geringe Erntemenge, 2018 extrem heiß und trocken, große Erntemenge) wird im direkten Vergleich doch deutlich, welches Potenzial hier angelegt ist und in welche Richtung auch der 2018er gehen könnte.
Der gereifte Wein wirkt vollkommen in sich ruhend: das Holz elegant eingebunden, die Frucht gereift und doch lebendig, die Struktur seidig geworden. Feinheit statt Lautstärke. Tiefe statt Opulenz. Ein Charakter-Pinot, der sich mit den Jahren verfeinert und genussvoll, harmonisch und ausgewogen ist. Innere Ruhe und Lebendigkeit – sicher nicht die einzigen Gemeinsamkeiten von Wein und Winzer.
Und genau darin liegt vielleicht das Schönste an diesen Tuniberg-Rotweinen vom Weingut Luhr: Sie erzählen keine schnelle Geschichte. Sie verlangen Geduld und Aufmerksamkeit und beim Genuss das, was sie im Weinberg und im Keller ausreichend hatten: Zeit.
Fazit: Dieser Wein hat überzeugt.
Zum Online-Shop von Weingut Luhr
Siehe auch hier:
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