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Arbeitsplätze oder Flugplatz: Regionale Unternehmen appellieren vor Bürgerentscheid an die Offenburger

Hansgrohe Schiltach
© Hansgrohe Group – Das Schiltacher Unternehmen Hansgrohe hat sich an dem Appell zum Bürgerentscheid beteiligt.
Vor einer richtungsweisenden Entscheidung für die Stadt wenden sich Offenburger Unternehmerinnen und Unternehmer mit einem eindringlichen Appell an die Bürgerschaft. Beim Bürgerentscheid am 8. März 2026 geht es um die Zukunft des Sonderlandeplatzes – und um weit mehr als ein Flugfeld. Die Wirtschaft wirbt für ein Gewerbegebiet, um Wachstum, Arbeitsplätze und Wohlstand zu sichern, und stellt die Frage, welche Prioritäten Offenburg für seine weitere Entwicklung setzen will.
Von Wolfgang Huber

Vertreter:innen der regionalen Wirtschaft haben unter Federführung der IHK Südlicher Oberrhein einen Aufruf zum Bürgerentscheid am 8. März 2026 zur Frage veröffentlicht, ob der Flugplatz Offenburg in ein Gewerbegebiet umgewandelt wird. Sie werben darin – wenig überraschend – für die Stimmabgabe pro Gewerbegebiet.

Der Traum vom Fliegen

„Sicher haben Sie davon gehört: Am 8. März wird es parallel zur Landtagswahl einen Bürgerentscheid geben, bei dem Sie mit Ihrer Stimme darüber entscheiden, ob der Sonderlandeplatz Offenburg zu einem Gewerbegebiet entwickelt wird“, beginnt der Aufruf. Auf diesem Platz würden heute einige wenige ihren Traum vom Fliegen leben. Das sei sympathisch. Aber in der Lebensrealität der meisten Menschen seien gute Löhne, Chancengerechtigkeit und ein lebenswertes Umfeld sehr viel wichtiger. Und darum gehe es letztlich beim Bürgerentscheid.

Wirtschaftlich starkes Offenburg

Zum Hintergrund erläutern die Unterzeichner, dass Offenburg eine wirtschaftlich starke sowie sozial und kulturell gut aufgestellte Stadt ist und dass dieser Wohlstand maßgeblich auf den Entwicklungsmöglichkeiten der Unternehmen und der engen Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft basiere. Er bilde die Grundlage für das, was gutes Leben ermöglicht: funktionierende öffentliche Infrastruktur, Kitas, Schulen, Hochschule, Schwimmbäder, Museen, Kultur- und Gemeindezentren, Parks, Plätze und Grünanlagen, ein gutes Sozial- und Gesundheitsangebot sowie eine bürgernahe, effiziente Stadtverwaltung.

Eine effiziente Verwaltung ist teuer (hier Rathaus Offenburg). Foto: Zonta Club Offenburg

„Wirtschaftskraft kontinuierlich gewachsen“

Und weiter: „All das ist Ergebnis einer Entwicklung, auf die Sie als Bürgerinnen und Bürger und wir als Unternehmensbürger stolz sein dürfen. Die Wirtschaftskraft Offenburgs ist trotz konjunktureller Herausforderungen kontinuierlich gewachsen.“ Heute gebe es 22 Prozent mehr Beschäftigte als vor 20 Jahren, eine niedrige Arbeits- und insbesondere Jugendarbeitslosigkeit sowie einen stabilen öffentlichen Haushalt, zu dem eine lebendige und vielfältige Unternehmenslandschaft mit durchschnittlich 76 Millionen Euro Gewerbesteuer in den vergangenen fünf Jahren beitrage.

Flexibel auf Marktchancen reagieren

Der Mangel an Gewerbeflächen sei dabei ein Hemmschuh. Das betreffe sowohl den akuten Bedarf an Flächen, die Offenburger Unternehmen benötigen würden, um jetzt in Wachstum zu investieren, als auch die mittel- und langfristige Planungssicherheit, um in einer zunehmend volatilen Welt flexibel auf Marktchancen reagieren zu können. „Beides sind unabdingbare Voraussetzungen, wenn wir auch weiterhin Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie Wertschöpfung für unsere Stadt generieren wollen. Und exakt das wollen wir, weil wir – und die vielen Menschen, die bei uns arbeiten – Teil dieser Stadt sind und gemeinsam Verantwortung für sie tragen.“

Flugzeug in Offenburg

Nur wenige Offenburger verfolgen das Hobby der Fliegerei. Foto: Fliegergruppe Offenburg

Ausweichmöglichkeiten für die Flieger

Der Bürgerentscheid am 8. März 2026 entscheide über eine Frage von übergeordnetem Interesse: Wird das brachliegende Potenzial des Sonderlandeplatzes für die Entwicklung und Zukunftsfähigkeit Offenburgs erschlossen, oder leistet man sich ein viele Hektar großes Reservat für ein schönes, aber seltenes Hobby? Auch an die Fliegergruppe denken die Unterzeichner: „Wichtig in diesem Zusammenhang: Die rund 200 betroffenen Privatflieger finden in der näheren Umgebung Ausweichmöglichkeiten.“ Ausreichend große Flächen für Offenburger Produktionsbetriebe gebe es jedoch nur auf dem fraglichen Gelände.

Zahlreiche Firmen beteiligt

Mit einem Appell an die Bürger:innen endet der Aufruf. Die Unternehmen, zu denen u. a. die Hansgrohe Group, Hobart, die IHK, J. Schneider Elektrotechnik oder tesa, aber auch die Gewerkschaft IG Metall gehören, wünschen sich ein klares Signal am 8. März 2026 für die Entwicklung des Gewerbegebiets.

Siehe auch hier:

Umweltverbände BUND und NABU warnen: Gewerbegebiet am Flugplatz Offenburg bedroht wertvolle Wiesen

Ist die offizielle Website der Stadt Offenburg über den Bürgerentscheid zum Flugplatz rechtskonform?

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